Isnyer Stadtbrand 1631

[stextbox] Weitere Seiten zu Isny

[/stextbox]

Im Jahr 1631 wurde die blühende Handelsmetropole und Reformationsstadt durch einen Brand fast vollständig zerstört. Dieses Ereignis wurde von einem der berühmtesten Stadt“fotografen“ der damaligen Zeit – Matthäus Merian mit einem Kupferstich in ganz Deutschland bekannt gemacht.

De Merian Sueviae 139
Musterstadt, Matthäus Merian: Topographia Sueviae, 139, 1643

Merian: Topographia Sueviae: Isny

Erschröckliche Neiwe Zeittung von der kay Reichstatt Isna im Oberland gelegen. Radierung von 1631

Versuch einer Abschrift:
„Als man zählt 1631 den 15.September hat sich ein große Feuersnot in der Reichstatt Issna zugetragen. So unversehens zu Mittag zwischen 11 und 12 Uhr aus kamen von welchem Flamm der Pulvertüren ist gesprengt, daraus großer Schaden erfolgt, dann alsbald das schöne Kloster darinnen Benediktinermönch gewest mit samt jeder Religion Kirchen in die Aschen gelegt, hernach sich das Feuer gemehret, dass die Bürger mit großem Jammer und Wehklagen aus der Stadt haben weichen müssen, wie dann das Rathaus mitsamt drei Türmen eingefallen auch noch bis in 380 Häuser abgebrent und also in 12 Stunden die Stadt bis auf wenig Häuser durchs Feuer verzwei worden. Wenig Personen werden gemangelt. Gott der Allmächtige hat sie vor den Flammen des Feuers errettet, der solle den Beleidigten mit Hilf und Trost beystehn und uns vor solchem Schreck und Ruin durch sein Barmherzigkeit gnädig und väterlich behüten und bewahren. Amen.
Der Herr hat’s gegeben. Der Herr hat’s genommen. Der Herr kann’s wieder geben. Des Herrn Name sei gelobet in Ewigkeit.“

(Zunächst hatte ich bei den „Beleidigten“ gestutzt – es macht jedoch Sinn. Sie wurden Be-Leid-igt – es wurde ihnen ein Leid zugefügt. So ändern sich Wortbedeutungen)

Auf diesem Ölgemälde von 1737 wurde Isny dargestellt, wie es vor dem Brand ausgesehen hatte. Das Tor neben dem Kloster wurde nach dem Brand nicht wieder aufgebaut. Dies war das 5.Stadttor. Es gab noch ein 6.Tor, das jedoch in der Vorstadt stand.


Die Mauer, die das Kloster umschloss umfasste auch beide Kirchen und endete am Wassertor. Im Detailausschnitt ist das Gebäude dargestellt, von dem der Brand ausging – man sieht die Flammen aus dem Dachstuhl schlagen.

Der Bericht eines Augenzeugen:
Große Brunst zu Eyßne 1631.

Den 5./15. September 1631, (als ich eben 16 Compa. Kayserl. Volkh von Lindau ausgeführth, und zu Leutkirch, Balzheim, Dietenheim und Gögglingen proviantieret, und eben dieselbe Nacht zu Balzheim übernachtet gewesen, das Volkh aber zu Berkheim und dort herum Quartier genommen, welches aber wider Ordre beschehen, dann es weiter herab uf Dietenheim hat sollen kommen), Nachmitags um oder zwischen ein und zwei Uhr ist in der Stadt Eyßni eine große Feuersbrunst entstanden. Ist in des alten Winnissers des Becken Haus negst bey dem Kornhaus, darinn derzeit Davit Mayerhofer, (So Hrn. Sebastian Mayers Tochter hat), ein Bekh gewohnt, ufgangen. Und sein in wenig Stunden in die 370 Fürst verbrunnen. Item die Pfarrkirchen, drey Thor, der Pulverthurm, das Rathhaus, das Zeughaus, das Steur- oder Neuhaus, die Canzlei, der Salzstadel, die Metzig, und Tuchhaus, die Waag, oder das Waaghaus, und unter anderem auch mein Aigen Haus und Hof am Oberthor, welches ich erst bei einem Jahr vast von Grund auf bauen lassen, sampt Allem was darin war, ausgenommen daß in Abwesenheit meiner gueten Leuth etliche Bett in Zwelen (Tüchern) herausgebracht, sampt etlichem Hausrath, welcher unden im Gewölb gelegen, und einem halben Kasten das ober Theil, als man das untertheil auch wollte heraustun, ist das Feuer schon im Haus gewest, daß alles hat bleiben müessen, was noch darinnen gewesen. In dieser Brunst sein acht Personen geblieben. Item das vast von neuem von Apt Wolffgang, (so von Waldsee bürtig war), abgebrochen und ufs neu gebaute Closter ist sampt der Kirchen und Capellen und Liberey alles verbrunnen. Und ist sich hochzueverwundern, daß ein Haus mitten uf dem Kirchhof (zwischen der evangelischen und der Closterkirchen, welche alle beede, auch alle angrenzenden Häuser dort herum[21] abgebrunnen) der Oelberg genannt, darin den armen Leuth bisweilen Spenden ausgethailet oder Almosen spendirt worden, ganz ohnversehrt geblieben. Welches ich hernach selber gesehen, als ich 6 Tag nach der Brunst hin kahm, da man noch feurige Balkhen aus meines Schwagers Haus zum Schlüssel gezogen, daß der Oelberg ganz ohnversehret, das Gras aber ringsum versengt gewesen und ich nit mehr Schaden am Oelberg weder an Holz noch Gemäuer gefunden, denn daß in dem höltzin Bankh, so darfor steht, ein groß und ein klein Loch gebrannt war, aber von freyen Stuckh, durch Bevelch Gottes, aufhören müessen! Auch sein unverbronnen geblieben Geistliche und Weltliche Oberherrn mehrerteil Häuser. Und sein zwar drey Schuelen abgebrunnen, aber nachvolgende geblieben: Dreyer Prediger Häuser, Item Hrn. Bürgermeister Wolfen, Hrn. B. Mathiä Risten, Hrn. B. Joerg Eberzen Häuser und Stadtammann Caspar Hillers Haus und das Spital, da doch die Brunst am Spital Alles gegen dem Oberthor wekh genommen. Der getreue Gott, der mitten im Zorn seiner Barmherzigkeit gedenckht, woll uns umb unserer vihl vihl vihlfaltigen Sünden willen nicht weiter straffen, sondern dieselben gnediglich verzeihen und vergeben und vor weiterem Unglück gnedigelich bewahren. Amen.

Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen, der Name des Herrn seye gelobt und gebenedeyet. Job am ersten.“
Quelle: https://de.wikisource.org/wiki/Tagebuch_des_Hans_Conrad_Lang, Eintrag bei Jahr 1631.


Während Merian die evangelische Stadtkirche größer als das Kloster darstellt, wird die Nikolaikirche hier klein wiedergegeben. Vor dem Brand hatte St.Georg 2 Türme.

2.Stadtbrand 1864

Im Jahr 1864 brannte ein Teil der südöstlichen Stadt ab – zwischen Bergtorstraße und Kloster.