Schwabenkinder

Schwabenkinder waren Kinder im Alter von 5 bis 16 Jahren aus ärmeren Regionen der Alpenländer.  Ihre Eltern waren arme Bauern, die ihre Kinder kaum ernähren konnten. Deshalb schickten sie diese zum Arbeiten nach Oberschwaben.

Auf „Kindermärkten“ – Sklavenmärkten nicht unähnlich –  wurden die Kinder an Bauern als Saisonarbeitskräfte verkauft. Schulpflicht bestand für diese Kinder nicht, sodass sie meist nicht lesen oder schreiben lernten. Diese Form der Kinderarbeit war bis in die Dreißigerjahre des 20.Jahrhunderts in Süddeutschland weit verbreitet.

Hütekindermärkte gab es in Ravensburg, Friedrichshafen, Kempten und bei Bedarf in Wangen, Weingarten, Tettnang und Bad Waldsee.

Die Wikipedia schreibt dazu:

„Das „Schwabengehen“, das seine ersten Erwähnungen bereits im 16. und 17. Jahrhundert findet, erlebte im 19. Jahrhundert seinen Höhepunkt. Es wird geschätzt, dass damals jährlich fünf- bis sechstausend Kinder auf Höfen in der Fremde als Hütejungen, Mägde oder als Knechte arbeiteten. Hintergrund waren die äußerst geringen Bodenerträge in den alpinen Regionen und die damit verbundene Armut, die die Eltern dazu trieb, eines oder mehrere ihrer zahlreichen Kinder in die Fremde zu schicken. (..)

Als Schwaben- bzw. Hütekinder wurden Bergbauernkinder aus Vorarlberg, Tirol, der Schweiz und Liechtenstein bezeichnet, die von Beginn der Neuzeit bis ins frühe 20. Jahrhundert aufgrund der Armut ihrer Familien alljährlich im Frühjahr durch die Alpen zu den „Kindermärkten“ hauptsächlich nach Oberschwaben zogen, um dort als Saison-Arbeitskräfte im Wesentlichen an Bauern in ländlich geprägten Regionen Württembergs (Oberschwaben und Schwäbische Alb), teilweise auch Badens und Bayerns vermittelt zu werden. (…)

Die Wege

Die Wege aus Tirol und Vorarlberg bzw. aus der Schweiz nach Oberschwaben waren lang und beschwerlich. Für einen Teil der meist 5- bis 14-jährigen Kinder führte er über Bergpässe wie den Arlberg, die in der Regel im März noch von Schnee bedeckt waren und die viele mit schlechtem Schuhwerk und dürftiger Kleidung zu überwinden hatten. Meist war ein Erwachsener, manchmal ein Priester, ihre Begleitperson, der unterwegs dafür sorgte, dass sich die Kinder in warmen Ställen zum Schlafen niederlassen konnten und der auf den Märkten die Preise aushandelte. Mit dem Bau der Arlbergbahn 1884 wurde die Reise für die Tiroler Kinder erleichtert.

Die Hütekindermärkte

Tiroler Schwabenkinder in Ravensburg 1895
Schwabenkinder, Rutenfestumzug Ravensburg, 2011
Ravensburger Kindermarkt, Skulptur von Peter Lenk

Die „Kindermärkte“ in Oberschwaben fanden meist um Josephi (19. März) statt. Zu Simon und Juda (Ende Oktober) oder spätestens am Martini (11. November) ging es wieder in Richtung Heimat. Im Gepäck war dann das sogenannte „Doppelt Häs“ (ein doppelter Satz Kleidung von der Kopfbedeckung bis zum Schuhwerk) und je nach Alter und ausgehandeltem Preis einige Gulden.

Die Arbeit

In ihrer Heimat wurden die Schwabenkinder alljährlich von der Schulpflicht befreit, und im Königreich Württemberg galt die dort seit 1836 bestehende Schulpflicht nicht für ausländische Kinder. Die politisch immer wieder geforderte Ausdehnung der Schulpflicht wurde bis 1921 von einer oberschwäbischen Bauernlobby verhindert.“ (bis hier zitiert aus Wikipedia)

Linkhinweise

https://www.schwabenkinder.eu/de/
Ein umfangreiches Forschungsprojekt mit einer Datenbank, in der viele „Schwabenkinder“ mit ihren Dienstorten und Dienstherren abrufbar sind

https://www.landeskunde-baden-wuerttemberg.de/schwabenkinder.html
Auf dieser Website werden historische Daten und Fakten zu den Hütekindern und zu anderen geschichtlichen Themen Baden-Württembergs und Oberschwabens beschrieben

https://www.bauernhausmuseum-wolfegg.de/unser_museum/ausstellungen-schwabenkinder.php
Im Bauernhausmuseum Wolfegg ist eine multimediale Ausstellung zur Geschichte der Schwabenkinder zu sehen

http://www.schwabenkinder.at
Hier wird die Lage der Schwabenkinder auf einer Seite aus Österreich beschrieben.