Nikolaikirche

Geschichte der Nikolaikirche in Isny

Die Nikolaikirche war ein Zentrum der Reformation in Oberschwaben und in der Predigerbibliothek befinden sich zahlreiche historische Schriften und Inkunabeln.

Die Nikolaikirche wurde als Marktkirche / Leute-Kirche vom Kloster neben der Klosterkirche St. Georg gebaut. Beim ersten großen Stadtbrand 1284 brannten mit dem Kloster und dem größten Teil der Stadt auch die Kirchen ab. 1288 wurden die Kirchen auf Anweisung von Heinrich von Brunow neu errichtet. Aus dieser Zeit stammen die Umfassungsmauern des Langhauses, die Rundbogenfenster des nördlichen Lichtgadens, die Arkadenbögen im Innern und der Turm bis zur Glockenstube. Der spätgotische Chor mit seinem Sternrippengewölbe wurde im 15. Jahrhundert angefügt. 1472 wurde der Kirchturm umfassend erneuert, dabei wurde auch die Sakristei mit der über ihr befindlichen Predigerbibliothek (Prädikantenbibliothek) eingewölbt.

„Im gewölbten Raum über der Sakristei der Nikolaikirche befindet sich eine in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts eingerichtete Predigerbücherei, die in Einrichtung und Bestand fast originalgetreu erhalten ist und als „bibliothekarisches Gesamtdenkmal“ gilt.
Die Prädikantenbibliothek enthält 70 Handschriften, darunter das Isnyer Graduale von ca. 1200, 171 Inkunabeln und etwa 2400 Druckwerke des 16. bis 18. Jahrhunderts, darunter Schriften der Reformatoren Luther und Melanchthon, das Straßburger Gesangbuch (1541) und den Weltatlas des Amsterdamer Kartografen Abraham Ortelius (1640–1650)“ (Wikipedia)

Die über den Flachs- und Tuchhandel zu Wohlstand gekommenen Bürger der Stadt Isny waren um das Jahr 1500 mit dem Kloster immer mehr uneinig. So wurde Isny eines der Zentren der Reformation im Allgäu, nahm 1529 in Speyer an der Protestation der evangelischen Stände teil und wurde protestantisch. 1531 trat Isny dem Schmalkaldischen Bund, dem Bündnis protestantischer Reichsstände, bei.
Durch die Entscheidung des Augsburger Religionsfriedens wurde die Nikolaikirche 1555 endgültig der Stadt übergeben und damit protestantische Kirche.

‚Beim großen Stadtbrand 1631 brannte die Kirche erneut aus. Trotz der schweren Kriegszeiten – mitten im Dreißigjährigen Krieg – wurde schon 1636 mit dem Wiederaufbau begonnen. Der Turm wurde erhöht und erhielt dann seine heutige Zwiebelhaube. 1689 stürzte das Südschiff ein. In den Jahren 1854 bis 1860 wurde das Gotteshaus neugotisch ausgestattet.

Postkarte der Nikolaikirche um 1930 mit der alten Orgel und den Bemalungen der Bögen

1959 erfolgte eine Sanierung der Westfassade, 1968–72 eine Gesamtrenovierung. Nach der Fassadensanierung von 1987 wurden 2005/2006 umfangreiche Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt. ‚ (Wikipedia)

Bei der Renovierung 1968-72 wurden die Fenster im Chor ersetzt. Ersetzt wurde dabei auch das Fenster mit der Abbildung Martin Luthers sowie der neugotische Hochaltar

Ehemaliges Chorfenster der Nikolaikirche mit Abbildung vom Martin Luther
Hochaltar der Nikolaikirche (entfernt bei der Renovierung 1970)

Glockenturm und Geläut

Ein Artikel des Isnyer Architekten Helmut Morlok über den Glockenturm, die statischen Probleme und mehrere Umbauten ist am Server der Uni Heidelberg abrufbar:
https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/nbdpfbw/article/download/11906/5763

Zitat daraus:
„Neben der auch über die Landesgrenzen hinaus bekannten Prädikantenbibliothek aus dem 15. Jahrhundert mit ihren über hundert Schriften von Luther, Melanchthon und Zwingli birgt die evangelische Nikolaikirche in Isny noch einen zweiten Schatz: das Glockenquartett des lothringischen Gießers Claude Rosier von 1643…
…Wie in zahlreichen anderen Kirchengemeinden mussten 1942 auch in Isny die „Zwölfuhrglocke“, die „Gebetsglocke“ und das „Kindsglöcklein“ zum Einschmelzen für die Rüstungs- und Kriegsproduktion abgehängt und eingeliefert werden.
Während die „Große Glocke“ in St. Nikolai verbleibt, wurde die „Abendmahlsglocke“ aufgrund ihres kunsthistorischen Wertes gegen die weniger wertvolle Glocke der evangelischen Kirche in
Kißlegg getauscht.
Zwei der Glocken, die „Zwölfuhrglocke“ und die „Gebetsglocke“, wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf dem „Glockenfriedhof“ in Lünen aufgefunden und zurückgebracht. Sie trafen zusammen mit vier kleineren Glocken der katholischen Kirche St. Georg am 19. April 1948
in Isny ein (Abb. 6). Die „Kindsglocke“ blieb jedoch verschollen. … Dank der Heimholung der 1942 nach Kißlegg transportierten „Abendmahlsglocke“ konnte (im Jahr 2002) das Isnyer Geläut von Rosier wieder vollständig zusammengeführt werden.“

Links

Wikipedia
Nikolaikirche und Prädikantenbibliothek
Die Prädikantenbibliothek
ist ein Kleinod, das man als Besucher der Stadt unbedingt besichtigen muss. Die Bibliothek wurde von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zum „Denkmal des Monats Juni 2007“ ernannt. Isny wurde um 1522 protestanisch und die Bürger stifteten ihren Predigern wertvolle Bücher -unter anderem Schriften von Luther und Melanchton – die dort noch im Original vorhanden sind.
Die Prädikantenbibliothek – eine Einführung von Pfarrer Schmid
Reformation und Gegenreformation – wie Isny evangelisch wurde
Paul Fagius
Paul Fagius – Der Reformator