87757 Kirchheim in Schwaben |

Sagen, Mythen und Geschichten

Das wunderbare Kreuz in Maria Kirchheim

Eine halbe Stunde von Kirchheim im Ries ist Oberdorf am Flüßchen Sechtach. Einstmal ackerte ein Bauer von Oberdorf in der Nähe des Ufers, da sah er ein Kreuz herunterschwimmen. Rannte sogleich vom Pfluge dem Wasser zu, und es glückte ihm, des Kreuzes habhaft zu werden. Er lud es auf seinen Wagen, spannte seine zwei Stiere voran und ließ sie laufen, wohin sie wollten; da wo sie stehen bleiben, sollte das Kreuz aufgerichtet werden. Die Thiere liefen die Sechtach aufwärts und immer aufwärts bis auf die Straße, wo es nach Ellwangen und Maria Kirchheim geht. Sie schlugen stracks den Weg nach dem leztern Orte hin ein. In Kirchheim angekommen, hielten sie vor der Kirchthüre und thaten keinen Zug weiter, bis man ihnen die Pforte öffnete. Sie zogen Wagen und Kreuz hinein und hielten vor dem jezt sogenannten Kreuzaltar. Hierin sah man eine höhere Weisung und pflanzte alsbald das Kreuz auf, das von dort an in der ganzen Umgegend als Wunderzeichen galt, weit und breit bekannt war und es noch ist. Es befindet sich heute noch am nämlichen Orte, wo es seit alten Zeiten gestanden, ist ganz im altmodischen Styl gearbeitet aus gewöhnlichem Holze. Die Kreuzesbalken ziert eine Menge Schnitzwerk, gar zierlich ineinander geschlungen, ehrwürdig aussehend. Der Gekreuzigte selber hatte einst seine kostbare Krone von eitel Gold; man meinte, Schweden hätten sie mitgenommen. Auf der Brust ist ein Kreuzlein, mit Edelsteinen gefaßt. Vom Kloster wurde das Wunderkreuz in viel tausend Abbildungen vertheilt.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 389-390, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004569288

Die beiden Gräber

In einer Seitenkapelle der Kirche zu Maria Kirchheim befinden sich die Gräber zweier Aebtissinnen. Die Aebtissinnen selbst liegen in Steinfiguren nachgemacht in Lebensgröße da. Große Eisengitter umgeben sie. An hohen Kirchenfesten hört man ein klein Geräusch, die beiden Gräber thun sich auf und gehen nach wenigen Augenblicken von selbst wieder zu.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 422, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004569679

Gründung von Maria Kirchheim

Vor uralten Zeiten soll das ganze Ries ein See und ungeheurer Wassersumpf gewesen sein. Mal kamen zwei fremde Ritter in diese Gegend und versanken, des Landes unkundig, plötzlich mit ihren Rossen. Den Rittern ging’s nahe an’s Leben, die Rosse streckten nur noch ihre Köpfe heraus. In dieser Not sollen sie zum Himmel gefleht und ihre Hände aufgehoben haben, gelobten an dieser Stelle, wenn sie mit dem Leben davon kämen, ein Kloster zu gründen. Siehe, auf einmal schafften sich die Pferde heraus und schwammen glücklich über das Wasser hin. Ritter und Rosse waren gerettet und dankbar hielten die ersten, was sie gelobt hatten. Die Stelle wurde entsumpft und bald war trockener Grund und Boden da. Ein Kloster erhob sich auf der Stelle; dies die Gründung des Klosters Maria Kirchheim. Im Kreuzgang des Klosters ist noch die alte Abbildung an der Wand sichtbar, welche die ganze Geschichte der Rettung der beiden Ritter darstellt. Man sieht es, wie die Pferde schnauben und ringen und sich hervorarbeiten, wie die Ritter ihre Hände zum Himmel falten und beten. Die Länge der Zeit hat schon mehreres davon verwischt.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 387-388, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004569261

Maria winkt

In der Klosterkirche Maria Kirchheim ist auf dem Hochaltar ein Muttergottesbild mit dem Jesuskind in Lebensgröße. Diese Mutter Gottes soll früher viele kostbare Ringe von eitel Gold an jeder Hand getragen haben. Diese Ringe seien mal von freventlicher Hand weggenommen worden, und von da an, so weiß die Sage, habe das Bild häufig den Finger erhoben und gedroht, was viele Leute sahen. Nach dem Raub habe sie drei Tage lang gedroht.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 378, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004569040

vgl. https://www.kirchheim-schwaben.de/verzeichnis/objekt.php?mandat=215722