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Wikipedia: Ertingen

Teilgemeinden und Ortschaften

Die Gemeinde besteht aus dem namensgebenden Hauptort Ertingen sowie den Ortschaften Binzwangen und Erisdorf.

Allgemeines

Internetauftritt der Stadt Ertingen
Alemannische Wikipedia: Ertingen
Wikisource: Historische Quellen zu Ertingen

Fotos & Abbildungen

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Kunst, Kultur und Brauchtum

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Nachbargemeinden

angrenzende Städte und Gemeinden (aus Wikipedia)

Geschichte

Die Wikipedia berichtet:
„Ab 1348 erreichte die europäische Pest-Pandemie auch Oberschwaben, der Schwarze Tod wütete so heftig in Ertingen, dass Leprosen- und Siechenhäuser außerhalb der Ortschaft errichtet werden mussten. Einer Sage nach starben alle Ertinger bis auf einen alten Mann, der ein Mädchen aus Hundersingen heiratete und alle „Eingeborenen“ deshalb die Nachfahren jenes Paares seien. Aber es ist erwiesen, dass bei weitem nicht alle Ertinger gestorben waren, denn um 1353 zählte die Stadt etwa 130 Haushalte.

Zwischen 1350 und 1370 wurde Burg Ende zerstört und Ertingen verlor das Stadtrecht. Die freien Bauern wurden Leibeigene und Ertingen wurde unter Klöstern aufgeteilt. 1387–1389 wurde der Ort durch die Reichsstädtischen Truppen im Städtekrieg zerstört. (…)

1512 zeichnete Albrecht Dürer siamesische Zwillinge aus dem Ort. Die Tuschezeichnung befindet sich heute u. a. in den Beständen des Ashmolean Museum in Oxford. 1513 konnte der erste Bau der Marienkapelle geweiht werden.

In den Wirren des Bauernkrieges und der Reformation 1525–1532 blieben die Einwohner des Ortes römisch-katholisch und bauten 1531 eine neue Kirche. Auch Wetterextreme trafen Ertingen; 1560 herrschte so strenge Kälte und Hunger, dass an Pfingsten die Vögel tot vom Himmel fielen; 1572 und 1588 hingegen seien die Bäume schon im Frühling grün gewesen. 1608 wurde für die Ertinger Kirche eine neue Glocke gegossen.

Der Dreißigjährige Krieg brachte der Ertinger Bevölkerung Plünderungen, Verwüstungen und Armut.

 

Sagen, Mythen und Geschichten

Vielleicht ist die wechsel- und leidvolle Geschichte der Gegend der Grund der zahlreichen Hexen- und Teufelssagen, die aus der Gegend um Ertingen überliefert sind – vielleicht waren die Menschen dort gegenüber dem „Sagensammler“ auch nur besonders mitteilsam oder er hatte lange Zeit hier verbracht und hier gesammelt.

In der Sagensammlung Birlingers sind jedenfalls erstaunlich viele Sagen verzeichnet, deren Herkunft er „von Ertingen“ angibt. Erstaunlich finde ich, dass viele Sagen von Teufeln und Hexen handeln – zumal mehrere „heilige Orte“ in der Umgebung liegen – so das Kloster Heiligkreuzthal und der „Bussen“, Oberschwabens heiliger Berg.

Der betrogene Teufel

Beim Hörnli kommen die »Einsiedler« (die, welche nach Einsiedeln wallfahrten gehen) über einen reißenden Fluß, über den eine kühne Brücke führt. Diese hat der Teufel gemacht, jedoch nicht umsonst. Er hat mit den Wallfahrern den Vertrag dahin abgeschlossen, daß »das Erst«, was über die Brücke lauft, ihm gehören sollte. Der Teufel meinte »das Erst« von den Wallfahrern. Diese hatten aber etwas anderes im Sinn; denn als die Brücke fertig war und die Schwaben wallfahrten kamen, schickten sie einen Bock über die Brücke. Dieser Hohn that dem Teufel so weh, daß er im Zorn einen gewaltigen Felsblock nahm und in’s Wasser hinabwarf, wo er noch zu sehen ist und angestaunt wird. (Ertingen)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 267-268. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004566769

Der hl. Eulogius

… dem in der Ertinger Pfarrkirche ein Altar geweiht ist, war ein gar geschickter Schmied. Als er eben eines Bauern Rößlein beschlug und das Eisen bequem auf den abgehauenen Roßfuß schlug, wie er zu thun gewohnt war, ging ein Mann an der Schmiede vorüber und sagte: Grüß Gott Meister! Da erwiederte ihm St. Eulogius: Nein, nicht Meister, sondern Meister über alle Meister. Als er aber den Roßfuß wieder anheilen wollte, konnte er’s nicht mehr: sein Stolz war bestraft.

[In der Kreuzkapelle bei Saulgau ist die ganze Scene in einer Nische von 1 Fuß hohen Figuren angebracht]

[Der lieb herr Sant Loy der hat ain selige muter vnd do sy sant Loy das kind in irem leib trug do erzeyget got des kindes heiligkeit. Man sach oft das ein adler ob seiner muter flog der bedacht sy mit seinen Flügeln vnd hielt ir der sonnenschein auff etc. etc. Wenn sy in daz hauß gieng so saczt sich der Adler auf dez hauß. Das sach der kunig von frankreich auff seiner festen etc . …. vnd (S. Loy) ward darnach ein goldschmid. Do gab im der kunig einen kopf zu vergolden, den vergildet er nit wol, do fraget in der kunig ob er das gold alles darzu genummen het. Do vand Sant Loyus ein wenig goldes das warf er in den kopf. Do zergieng das gold in dem kopf – vnd ward der kopf gar schön verguldet. Darnach gab er (kunig) im ein marck goldes vnd hieß in der kunig einen satel darauß machen do machet er zwen settel darauß. Darnach hieß in der kunig sein pferd mit silbrin huffeysen beslahen do schneyd sant Loy dem pferd die fuß ab nach den gelidern, vnd do er es beschlagen het do saczt er im die füß wieder an on allen gebrechen. Das sach sein knecht der wolt es auch thun. Do mocht er es nit gethun vnd verderbet das pferd. Do machet Sant Loy daz pferd wider gesunt vnd straft den knecht. Do sprach er lieber herr ich wollt es auch gelernet haben. Do sprach Sant Loy lieber sun es ist nit zymlich das doch nit czymt czu thun. Darnach ward er bischoff zu pareyß. – Incunabel von einer Legende ohne Titelblatt von 1472. Sommertheil, Aulendorfisch-königsegg’sches Archiv.]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 405, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004569458

Der Pfarrer bannt das Wetter

Vor Altem war in Ertingen ein Pfarrer, der Wind und Wetter bannen konnte. Kam ein Gewitter, so stellte er sich an’s Fenster und »bannisirte« das Wetter, aber er hatte dabei so große Arbeit, daß ihm der Schweiß in Strömen über das Gesicht herabrann. Seit dieser gestorben, schlägt’s wieder auf dem Ertinger »Zehnten«. (Ertingen)

[Beim Volke oft vorkommende Ueberlieferung]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 334, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568532

Der Teufel

Der Teufel, als Affe Gottes, läßt sich wie die hl. Dreifaltigkeit anrufen: In’s drei Teufels Namen. Sonst ist er in irdischen Dingen ein Factotum, wie weiland sein Schattengänger Eulenspiegel, ein Meister von allen Handwerkern, mit Gesellen und Lehrbuben, und, wie schon gesagt, auch Bauer mit einem Mähnebuben. Als Jäger scheint er[263] sich am besten zu gefallen, ein Buschklopfer und Schnapphahn mit dem höllischen Jagdnetz. Dann läuft er einem über den Weg mit grünem Hut und grauem Rock, erkennbar an seinen rothen Haaren, an seinem Pferde- oder Bocksfuß. Nur selten bedient er sich einer Bocks- oder Kuhhaut als Gewand. Die Augen sind klein, wie Sauäugle, grün leuchtend. Nase und Maul sind über Gebühr groß, und die Zunge vermag er bis an den Bauchnabel herauszustrecken, wie seine Opfer, die Gehenkten. Den Kopf dreht er hurtig wie ein Vogel um, und er versteht sich auf’s Krähen, wie jene Hennen, mit denen es nicht recht sauber ist. Kommt er in ein Wirthshaus, so sezt er sich gewöhnlich hinter den Ofen, vermuthlich weil ihm unsere Temperatur zu nieder, wird er warm, dann rückt er immer näher zu den Gästen, bis er mit ihnen zu discuriren anhebt und spielt. Würfel und Karten mag er am liebsten. Jezt stiftet er in kurzer Zeit Händel an, bis ein Spieler sein Messer zieht. Bei Tänzen stellt er sich in die Mitte und schnalzt mit den Fingern, weßwegen man dies als teuflische Sitte nicht nachmachen soll (Ertingen), und nicht selten tanzt er selber mit. Er hat einen großen Gefallen daran, seinen Namen aussprechen zu hören, und jedesmal macht er einen Bockssprung dabei. Man sucht ihn darum mit allerlei Ausreden zu bezeichnen, als: Möckeler (Bock), Maunkeler (Heimlichthuer), Butzenmäckeler, Hollenmäckeler, Butzenmaũke, Butzennähne, Guckigau, Deixel, Hollenmann u. dgl. Der Teufel verspricht den Leuten Geld und die Leute wollen auch immer von ihm haben, obgleich sie täglich zu sagen pflegen: Mein Gott! ist das ein armer Teufel, der hat ja nicht einmal eine eigene Höll! (Wohnung.) Der Teufel beliebt auch von Zeit zu Zeit Mückengestalt anzunehmen, um den Leuten in’s Maul zu fahren, wenn sie gähnen, weßwegen man dabei immer ein Kreuz schlagen soll, oder er hängt sich unsichtbar an die Schmellen am Weg, damit er bei der Gelegenheit, wo Jemand eine solche Schmelle als Zahnstocher benüzt, in den Menschen gelangen könne. Nicht minder oft lauert er an Hecken und im Laub am Fußweg, weil viele Leute ein Blättlein im Mund zu tragen gewöhnt sind, und auf diese Weise sucht er drin hinein zu kommen. Ebenso eifrig sizt er an allerhand Wasser, und nach Betläuten hat er die Macht, sich in den Menschen hinein mit dem Wasser trinken zu lassen, der es versäumt, das Kreuzeszeichen über den Trunk zu machen. In ein benedicirtes Haus darf der Teufel nicht hinein gehen, er paßt nur am Fenster ab, ob er nicht etwas erhaschen könne, denn was zum Fenster ein- und ausgeht, ist dem Teufel unterthan (Ertingen). Darum soll man kein Kind zum Fenster hinausgeben, nichts von Werth hinauswerfen, und absonderlich bei Nacht nie hinaussehen, ohne Weihwasser genommen zu haben. Auch hat der Teufel Gewalt über die Spiegel, sobald es dunkel geworden, denn wer hinein sieht, zu dem schaut der Leibhaftige heraus. Auch gehören ihm für den betreffenden Tag diejenigen an, welche mit ungewaschenen Händen umhergehen. Seine Knechte und Mägde, die Hexen und Teufelskünstler kennen derlei Leute wol und sagen auch bisweilen: »Ei! hör du, heute hast du deine Hände noch nicht gewaschen, weißt du, was das bedeutet?« Der Teufel ist der Ueberall. Selbst in der Kirche fehlt er nicht. Er sizt hinter dem Altar und notirt sich, wer unandächtig, item lächelt er den kleinen Buben ermunternd zu, wenn sie bei der Beicht etwas zu verschweigen gedenken, was sie um so eher thun, als es heißt, wenn »die Brocken«, welche sie dem »Hairle« in den Beichtstuhl bringen, gar so groß seien, müßten sie »in eine glühende Kette beißen«, eine Redensart, mit der man andeuten will, daß etwas Schwieriges überwunden werden müsse. Um nun zu den einzelnen Thaten des Bösen überzugehen, mögen folgende im Volk umlaufenden Historien angeführt sein

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 263-266, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004566718

Die Ertinger sind

… die »Daiber« und »Glockensäger«
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 458-459. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570480

Die Gänse haben ihre eigene Sprache

Da war einmal ein Mann von Binzwangen, der verstand diese Sprache und hörte grade, wie er bei der Dorflinde am Bach vorüber ging, daß die Gänse abgemacht hatten, einem gewissen Bauern »an den Samen zu gehen.« Der Mann sagte es dem Bauer, und richtig kamen bald hernach die Gänse auf seinen Acker. – Es war auch ein Mann, der konnte es machen, daß ihm alle Gänse, die eine hinter der andern, nachliefen. Zog er seinen Kittel aus und ein Anderer diesen Kittel an, liefen die Gänse diesem nach (Ertingen)

[In der Neujahrsnacht sprechen die Kühe, und Einige verstehen es; in Bühl weiß ein Mann genau, wie ein anderer die Sprache der Thiere verstanden habe. Vgl. auch isländ. Sagen v. Maurer S. 170, wo einer darob wahnsinnig wird.]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 334-335, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568540

Die Lichtlein im Ried

Die Geister waren sehr gern im Ried. Da leuchteten sie zu hunderten wie Lichtlein. Sie kamen bald sehr nahe zu den Leuten heran, daß man sie »schnaufen« hörte, bald entfernten sie sich sehr rasch auf eine weite Strecke. Sie machten sich bald groß, bald klein. Seit 1777 sollen die meisten, seit 1825 alle erlöst sein. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 285, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567153

Die Hexen halten ihre Tänze

… am liebsten in den Riedern (Waasenlöchern), oder auf Egerten, auch in frischen Erdrutschen, seltener auf Bergen, häufig in kleinen Wäldchen (Schëchele). Sie zechen, tanzen, machen Spiele, namentlich »Ringa, Ringa, Roiha!«

Ein Mann ging einst durch’s Bachthal. Da sah er aus einem Erdrutsch die Köpfe von Männern und Weibern heraussehen, dieselben bewegten sich im Ring herum, da die Hexen in der Grube tanzten. Sie hatten Alle Schienhüte auf dem Kopf. Die Schienhüte tragen die Hexen besonders beim Wettermachen. So sah ein Bauer eine Hexe in seinem Garten, die, ihren Schienhut auf dem Kopf, im Grase herumtanzte. Sonst war sie nackt. Als er ihr nachging, flog sie über die Zäune weg, gleich drauf kam ein heftiges Hagelwetter (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 312-313, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567676

Die Sage vom wilden Ritter

Im Laurathale, gegenüber der Zundelbacher Halde, zwischen der dritten und vierten Brücke, unweit der sog. Trillersteig, mitten im Walde Haslach, früher Mosenberg genannt, stand hoch droben die »Haslachburg«, von der noch Wall und Gemäuer zu entdecken. Unten im Thale, in ziemlicher Entfernung von der Haslachburg, ragt an dem vom gefräßigen[220] Zahn der Scherzach benagten Ufer, hart bei der durch den Wald führenden Fahrstraße, der sog. »große Stein« empor, ein lavaartiges Eruptivgestein. An diesen knüpft sich die Volkssage: ein junger Ritter von Wildeneck auf der Haslachburg liebte ein benachbartes Ritterfräulein gar sehr, ohne erhört zu werden; das Fräulein gab seine Hand einem Andern. Mitten in der Nacht des Hochzeitfestes steigt der von Wildeneck mit einer Schaar in die Burg, dringt in’s Brautzimmer, ermordet den Bräutigam und entführt die Braut. Im Thale beim sog. Stein angekommen, halt der von Wildeneck mit ihr; sie entreißt ihm sein Schwert und stürzt in dasselbe. Der Wilde von Wildeneck irrte Jahre lang ob seiner Frevelthat in der Welt umher, kam auch mal Nachts in’s Laurathal während eines heftigen Gewitters, da soll ihn beim großen Stein der Blitz erschlagen haben. (Mündlich. Vgl. Franz Sauters Weingarten S. 91. 97.)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 220-221, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565789

Die Wasserhosen sind von den Hexen zusammengezogen,

…um damit einem bestimmten Menschen oder dessen Grundstück Schaden zuzufügen, was beim Wetter nicht so der Fall ist. Ein Hirtenbub zu Ertingen sah einmal eine Wasserhose auf sich zukommen, in der er ein bekanntes Weib stehen sah und sprechen hörte. Da er sich aber sehr oft bekreuzigte, fuhr sie wild von dannen; nur seine Kühe ersoffen fast im Wasser. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 320, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567854

Die zwei langbärtigen Berggeister

Im »Rauhenlaihberg« bei Ertingen hausen zwei alte, graue, langbärtige Männer mit noch anderen Geistern. An den drei ersten Märzenfreitagen hört man Musik in dem Berg (Grabhügel), wodurch Unkundige vom rechten Weg abgeleitet werden. Meiner Mutter Mägde behaupteten, die zwei Männer einmal am hellen Tage gesehen zu haben, als sie neben dem Berg Garben banden. Auch hätten die Pferde anfangen stark zu schnauben, bis die langkuttigen Gestalten hinter dem Berg verschwunden seien. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 293, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567307

Diebsspiegel

Wer einen Diebsspiegel zu graben weiß, kann darin sehen, was sein Weib thut, wo sie auch sei, ebenso andere Menschen, besonders, wer der Dieb eines Gegenstandes ist, auch was vordem geschehen und fürder noch geschehen werde. Man macht ihn, indem man Nachts 12 Uhr einen Spiegel unter einem Galgen im Schelmengrab dem Schelmen auf das Gesicht legt und drei Tage lang liegen läßt, alsdann wieder holt. Oder auch auf das Gesicht einer Kindbetterin den Spiegel zu legen, führt zum Zweck. (Ertingen – Erisdorf)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 337, Permalink:http://www.zeno.org/nid/20004568583

Ehe »das Pest« kommt,

fallen Würmlein vom Himmel, zeigen sich Nachts, wie vor allen »Sterbet«, Todtenkopf und Bahre am Himmel. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 241, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004566211

Eisenspiegel

Der »Eisenspiegel« (Eulenspiegel) war ein Erzzauberer. Als er einst in Geldnot war, verwandelte er »Roggenschaube« in Säu. Diese verkaufte er an einen Bauern mit der Bedingniß, daß die Schweine in kein Wasser getrieben werden dürften. Der Bauer glaubte aber, er wisse das besser, und trieb die Schweine den nahen Weg nach Hause einschlagend, durch einen Bach. Er setzte sich auf eine Sau, um so über das Wasser zu kommen. Kaum im Bach, verwandelten sich aber die Säue in Roggenschäube, und so war der Bauer zum Spott hin betrogen (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 335, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568559

Feuriger Geist ruft in der Nacht

Vor »Altem« ging bei der Säge ein Geist, welchen man oft in glühender Gestalt über die Wiesen gehen sah. In der Hand trug er einen Pfahl. Oft schrie er die ganze Nacht hindurch jämmerlich: »Wo soll en nathua?« Aber es wagte ihm Niemand zu antworten. Da faßte sich einmal der »alte Säger« ein Herz und gab Antwort, indem er auf die bekannte Frage des Geistes antwortete: »Kuhbläse! wo d’en g’nomma hoscht!« Alsbald verschwand der Geist. Wie nun der Säger seinem Vieh »über die Nacht geben« wollte, kam der Geist zu ihm in die Scheuer, um sich für seine Erlösung zu bedanken. Der Geist wollte ihm die Hand reichen, aber der Säger streckte ihm eine Gabel hin. In diese brannte der Geist das Mal seiner und verschwand darauf. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 286-287, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567196

Fluchen vertreibt das Schrättele

Das Schrättele kam zu einem Knechte meiner Mutter in Gestalt einer schwarzen Henne durch’s Kammerfenster hinein; es hüpfte langsam gegen die Bettlade des Knechts zu und sprang dann in einem Satz auf dessen Brust. Hätte er einen Bettzipfel erwischt oder das Kopfkissen in die Kammer hinwerfen können, würde ihm das Schrättele nicht auf den Leib gekommen sein. Es blieb also dem Burschen nichts übrig, als einen kräftigen Fluch auszustoßen. Mit vieler Mühe brachte er einen solchen hervor und richtig lief das Schrättele davon. Denn vor dem Fluchen hat alles Ungerad Respekt und kann’s nicht hören. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 302-303, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567501

Handwerksbursch macht Gewitter

Als der »Urähne« auf der Wanderschaft gewesen, reisete er mit einem Gerbergesellen, der das Wettermachen verstund. Beide ruhten an einem schönen Tag an einem Bache aus. Es war »Heubet« (Heuernte); da sagte der Handwerksbursche: ich will machen, daß diese Leute schnell heimlaufen werden. Mit diesen Worten trat er an den Bach, holte Sand heraus und warf dies rückwärts über sich in das Wasser. Alsbald stiegen hinter den Bergen schwarze Wolken empor und kam ein entsetzliches Hagelwetter. Der »Urähne« aber hat sich von diesem Gesellen möglichst schnell fortgemacht. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 330-331, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568443

Hausknecht beim Hexensabbat

Ein Bauernknecht bemerkte einmal, als er zufällig hinter dem Ofen liegen geblieben, daß die Bäuerin Nachts in die Stube kam und unter der »Zîdele« eine »Schmotzbüchse« hervornahm, damit eine »Kuzengabel« schmierte und unter dem Ruf: »obe nauss und nẽene nã!« zum Fenster hinaus fuhr. Das gefiel dem Knecht und er that ein Gleiches. Aber er hatte nicht recht gehört und sagte: »obe nauss und übrall nã!« Kaum hatte er das Wort gesagt, flog der Besen mit ihm fort und fuhr mit ihm überall an, so daß er voller blauer Mäler bei der Hexengesellschaft ankam. Dort sah er seine Bäuerin, welche er um eine gute Heimfahrt bat, er wolle gern sein Lebtag über das Abenteuer reinen Mund halten (Ertingen)

[Vgl. Schönw. I. Thl. S. 377. Ennemoser, Geschichte der Magie 1844, sagt S. 108: »Das Opium erzeugt Visionen von paradiesischen Freuden und Gegenden, sowie dasselbe und andere Narcotica das Gefühl des Fliegens und des Sicherhebens in die Luft verursachen. Solche Narcotica wurden den Salben beigemischt, wornach die Hexen im Fluge oder auf einem Besenstiel, oder einem Bock reitend dem Blocksberg zueilten.« Das Fliegen durch die Luft ist also nichts anderes, als eine somnambüle Vision (Stöber). – An das Luftfliegen glauben auch die Talmudisten. Wer die Worte Schem, hamm, phorasch auf Salomons Ring ausspricht, kann durch die Luft fahren. Dies thaten Eva, ein Mägdlein Ischtahar, Eliezer, Abrahams Knecht, der mit seinen Kameelen in der Luft stand, David, Judas, der Jesum in der Luft verfolgte etc. Luftfahrerin ist ein den Hexen gegebener Uebername. Zu erinnern ist an die Hexensalben und die erfolgten Verwandlungen bei Lucian und Apulejus. Die thessal. Weiber gebrauchten solche Hexensalben.]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 310-311, Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456765X

Hexe durchstochen

Der »Nähne« sah einmal Nachts vor seiner Stallthüre eine Hexe, welche glaubte, er sehe sie nicht. Aber der »Nähne«[314] war ein Sonntagskind und sah alles Ungerade. Er nahm eine Mistgabel zur Hand und stach unversehens nach der Hexe. Diese flog heulend über die Zäune weg und der »Nähne« konnte gut bemerken daß sie eine »Gimpenhaube« auf dem Kopf getragen und »Stöcklesschuh« an den Füßen gehabt habe, wie die Weiber vor »Altem« getragen. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 314-315, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567722

Hexe milkt an der Handzwehl

Ein Knabe sollte zerrissene »Bossen« zum Flickschuster tragen. Die Frau des Schusters war eine Hexe und molk eben an der »Handzwehl« als der Bube in die Stube trat. Da erschrack der Knabe so heftig, daß er in seiner Angst durch das Fenster davon lief. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 316, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567765

Hexe stiehlt Kinder

Hat man das Fenster offen stehen lassen, und ist Niemand als das Wiegenkind in der Stube, kommt gern eine Hexe zum Fenster herein und stiehlt das Kind, während sie dafür ihr eigenes, einen »Unflat«, in die Wiege legt. Nach sieben Jahren müssen sie aber ihr eigenes Kind, das sie vom Teufel haben, wieder abholen und das rechtmäßige Kind seinen Eltern zurückgeben. Daher kommt es auch, daß man kein Kind zum Fenster hinausgeben soll, und wäre es auch dessen eigene Mutter, denn der Teufel schürt und nimmt mitunter eine menschenähnliche Gestalt an, auch gibt er den Hexen diese Macht. »Ueberhaupt gehört dem Teufel, was zum Fenster hinausgegeben wird.« (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 313-314, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567706

Hexen sitzen auf’s Mühlrad

Der »alte Säger« ließ einmal während der »heiligen Nacht« seinen Mahlgang laufen. Aber im Schachen, nahe bei der Mühle, hatten sich, wie gewöhnlich in solchen Nächten, die Hexen der Umgegend versammelt. Diese huschten über die »Waasenlöcher« herüber und saßen ihm auf’s Rad, daß es nicht mehr herum ging. Da ward eine solche Noth, daß der Säger vermeinte, das Wasser wolle ihm die Mühle wegreißen. Er gelobte in seiner Angst, nie mehr an einem hl. Tag, noch viel weniger in der hl. Nacht mahlen zu wollen, und im Augenblick entfernten sich die Hexen. Derselbe Mann wollte ein andermal zu den Hexen in den Schachen hinüber gehen, als er sie von seinem Fenster aus in der »Mette« versammelt sah. Zur Selbstermuthigung nahm er seinen großen Hund mit sich. Kaum war er einige Schritte vom Hause weg, als eine Hexe gegen ihn zuflog und entsetzlich kreischte. – Da lief der Hund davon und sein Herr folgte ihm eilends nach. Zum guten Glück hatte er Weihwasser bei sich, sonst wäre die Sache übel abgelaufen. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 314, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567714

Hexenmeister heilt Beinbrüche

Der »alte Sattler« verstand sich auf’s Hexen wie kein Anderer. Brach Mensch oder Vieh ein Bein, begab er sich mit einem Stuhl auf die »Laube« (Kornboden), knickte dort einen Stuhlfuß ab, band ihn regelrecht wieder zusammen wie ein gebrochenes Bein, während er einen Segen in den Bart murmelte – kam er herab, war der Fuß des Elenden geheilt. Derselbe wußte das Wild auf übernatürliche Weise so zu zähmen, daß er den stärksten Hirsch mit der Hand am Geweih in’s Dorf herein führte wie eine Geiß. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 316, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567757

Hexenmeister läuft auf dem Dach

Zu Kappel war einmal ein Hexenmeister, der auf den Dächern herumlief, als man ihn von Gerichts wegen fangen wollte. Man konnte seiner nur mittelst Stangen habhaft werden. Noch jezt bedient man sich der Stangen, um »Narren« einzufangen. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 317, Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456779X

Hexenmeister macht Mäuse

Zu Binzwangen war ein alter Jäger, der verstand sich auf das kleine und große Hexenwerk. Da waren einmal seine Nachbarn bei ihm und unterhielten sich mit ihm von wegen des Hexenwerks. Sprach der alte Jäger, es sollte ihm ein Kleines sein, unzählig viel Mäuse an den Wänden hinauf laufen zu lassen. Kaum gesagt, liefen aus allen Ecken und Enden Mäuse und an den Wänden hinauf über die Bühne (Decke). Da nahmen die Nachbarn Reißaus und sahen eben noch zum Fenster hinein, wie auch der »Pfannenknecht« wüthig geworden und an der Wand hinauf gelaufen. Als der Alte starb, flog aus seinem Fenster ein Rabe heraus krächzend dem Walde zu.

[»Ich will euch Mäuse machen, sagte ein Kind zur Mutter, und plötzlich wimmelte es von solchen« bei Rochholz A.S. II. Nr. 396. Das Mäusemachen und Fackelmachen (Feiel) spielt eine Hauptrolle in den bairischen Hexenprocessen, die in Aretins Beiträgen gedruckt sind. Kinder von Freifingen werden deswegen verbrannt. Rochholz A.S. II. 172.]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 315, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567730

Hexenmeister siebt Geld

Ein Bauer war Hexenmeister und machte mit dem Teufel Geld in seinem Garten. Der Bauer hatte ein Sieb, in welches ihm der Teufel Erde hineinschöpfte. Schwang der Bauer das Sieb, fiel Groß und Klein, Thaler und Münze unten heraus. Der Teufel hat ihn aber hernach während eines Gewitters geholt. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 316-317, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567773

Hexenzüge finden statt

… (außer den schon angegebenen Zeiten): In der Katharinennacht (25. November) und in der Nacht des »Gutebethetags« (Elisabetha bona) am 14. November. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 313, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567684

Kröte legt Eier

Ein altes Weib verkaufte immer Eier und hatte doch keine Hennen. Da paßte der Nachbar ab und sah durch eine Spalte des Fensterladens, daß die Alte auf ihrem Tisch ein Krötlein liegen hatte, das sie mit einem Rütlein schlug. Bei jedem Schlag ließ das Krötle ein Ei fallen. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 332-333, Permalink:http://www.zeno.org/nid/20004568486

Muttergottesspötter bestraft

Einst gingen Leute aus Schwabenland nach Einsiedeln wallfahren. Da kamen sie durch ein zwinglianisches Dorf, und einer, der oben zum »Laubenladen« heraussah, rief den Wallfahrern spöttisch zu: hé iehr Schwobe, håt uyer Muetergottes dem Kindli sinẽ Windle ëbbe scho g.wäsche? haha! Aber kaum hatte er den Frevel gesprochen, als er wie gebannt unter dem Laden hangen blieb. Noch heutigen Tages zeigt man diesen Mann, wie er zum Dachladen herausschaut. Dasselbe erzählt man von einem Kaminfeger. (Mündlich von Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 429. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004569784

Sage vom schwarzen Tod

Zur Zeit des schwarzen Todes starben in Ertingen alle Leute bis auf ein altes Weib. Zu Hundersingen war aber nur noch ein Knabe übrig geblieben. Diese zwei waren von der ganzen Gegend allein noch übrig; die aber heirateten sich, weil sie glaubten, es seien sonst alle Menschen gestorben; und von diesem Paar stammen die Bewohner des Donauthales ab (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 240, Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456619X

Schattamättele

Ein Nachbar hat in seinem Haus ein zugemauertes Kamin. In dieses ist nach der Leutenmeinung ein Schrättele hineingebannt. Es getraut sich daher Niemand das Kamin zu öffnen. Dieses Schrättele heißt: »Schätamättele«. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 304, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567544

Schwed frevelt

Als im Schwedenkrieg zu Erisdorf ein schwedischer Soldat auf den Herrgott unter der Dorflinde schoß, versank er alsbald in die Erde, so daß man ihn herausgraben mußte. Er starb nach Einigen gähen Todes, nach Andern konnte er sich vorher noch bekehren.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 428. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004569768

St. Petrus und der Schmied

St. Petrus führt im Himmel das Pförtneramt. Einmal kam er mit einem Schmiedgesellen in große Verlegenheit. Der tappte als Bruder Allweillustig auf dieser Welt herum, gewohnt immer Schnurren und Schnaken zu machen, und so kam der auch einmal ganz unverdenks in den Himmel. Petrus kannte ihn wol und jagte ihn mit den Worten von dannen: du gehörst in die Zechstube beim Schwarzen unten. Der Schmiedgeselle trollte sich fort und klopfte beim Teufel am Höllenthor an. Als aber dieser durch’s Gitter heraus sah, erkannte er den Gesellen alsbald als jenen, der bei dem groben Meister in Arbeit gestanden, welche den Teufel einmal in einen Sack gelockt und ihn mit seinen Gesellen gründlich durchgewalkt hatten. Der Teufel schlug den Laden zu und rief: mach, daß du fortkommst. Nun ging er wieder zu St. Petrus zurück und bat ihn, doch zu erlauben, daß er, der Schmiedgeselle, einen Blick in den Himmel hinein thun dürfe. Petrus ließ sich erweichen, aber der Bruder Lustig warf seinen Ranzen in den Himmel hinein und sezte sich schnell auf ihn. St. Petrus sagte, so sei das nicht gemeint und der Geselle möge sich scheeren. Der aber ging nicht von der Stelle, indem er behauptete, auf seinem Eigenthum zu sitzen. Da konnte St. Petrus nichts machen und so blieb der pfiffige Schmiedgeselle im Himmel. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 362-363, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568915

Teufel bringt Spulen

Der Teufel versteht sich auch auf’s Spinnen. So warfen mal leichtsinnige Mädchen, bei denen sich junge Bursche zur Kunkelstube befanden, Spindeln und Spulen (Spuhlen) zum Fenster hinaus, indem sie scherzhaft hinausriefen: So, Teufel spinn du derweil! Als sie aber mit Muthwillen fertig waren, klopfte es am Fenster, die Mädchen öffneten und es warf der leibhaftige Höllteufel lachend die vollgesponnenen Spulen und Spindeln zum Fenster hinein. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 269, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004566793

Unser Herr ging einst mit St. Peter über Feld

Sie verirrten sich hald im Holz und liefen lang ratlos in der Wildniß umher. Endlich trafen sie Holzhacker. Die aber waren übermüthig, »schäzwohl vom Schnaps«, und wiesen die Beide auf den »letzen« Weg. Das merkte Petrus gar bald und ward sehr zornig über die Holzmacher. Bat darum den Herrn, er möchte den boshaften Schlingeln eiserne Nägel in’s Holz wachsen lassen, damit sie fürder der Haber nicht wieder also »stechen möge«. Der Herr aber antwortete, Nägel sollen sie in’s Holz bekommen, aber nur hölzerne, sie werden mit diesen sattsam zu schaffen haben. Und von Stunde an gehen die Aeste bis zum innersten Mark des Stammes hinein und machen den Holzspältern viel Mühsal (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 361-362, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568893

Vom ewigen Juden

Der ewige Jude war bei einem Bauer zu Ertingen über Nacht. Beharrlich ging er um den Tisch herum, den er in die Mitte der Stube gestellt hatte, denn gehen muß der ewige Jude, wenn nicht geradaus, so doch im Ring herum. Von zwölf bis ein Uhr legte er sich auf die Gautsche (Pritsche. von couchette?) schlafen. Am Morgen machte er sich in aller früh davon. Es war ein eisgrauer Mann. Der ewige Jude war »seines Zeichens« ein Schuhmacher und hat allzeit seinen Groschen im Sack, so oft er ihn auch ausgeben mag. Andere halten dafür, er habe den glückbringenden Groschen in einem Knopf seines »Fazanaitles«! Der ewige Jude ist auch daran zu erkennen, daß er immer barfuß geht. In Dietenheim (Illerthal) kehrte er schon ein; so lange es Zwölfe läutete, durfte er ruhen.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 211-212, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565630

Vor Zeiten ritten in Ertingen die ledigen Bursche

…in der Nikolausnacht zu zwölfen »um den Stock« (um’s Dorf). Sie waren vermummt und ritten vor die Fenster ihrer Geliebten. Da sahen sie mal einen räthselhaften Dreizehnten unter sich, welcher nach der Ansicht des Erzählers der Teufel, nach dem Wortlaut der Erzählung – der Schimmelreiter gewesen sei. Von dort an ritten die Bursche nicht mehr. (Ertingen)

Dieses erzählt man an vielen Orten; in Wurmlingen, bei Rottenburg, soll es auch geschehen sein.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 276-277, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004566955

Weiblicher Wassergeist

In dem Garten eines Nachbars befand sich vor Zeiten eine Brunnenstube, in welche ein Kind hineinfiel und trotz der geringen Tiefe des Wassers spurlos verschwand. Die alte Nachbarin behauptete, in der Tiefe des Brunnens sei eine behäbige Stube, in der eine »alte Hexe« wohne und sich mit Spinnen beschäftige. Komme aber ein Kind zum Brunnen, so sei es ihr Geschäft, dasselbe mit allerlei Versprechungen von »Gutlen und Netzwasser« zu sich hinab zu »zeineln« (locken). Obwohl man auf das traurige Ereigniß hin den Brunnen verschüttet, lasse er sich doch nie ganz abtreiben; horche man aber am Boden, so könne man die Alte mit ihren Kindern reden hören.

[Vgl. Th. Vernaleken, Mythen u. Bräuche S. 161 ff. Locken der Wasserfrau durch süße Lieder: Tettau und Temme Nr. 169. – Das oberschwäbische »zeẽle« kennt Niederschwaben nicht; niederschwäbisch begegnet uns »zammserl, hërzammserl, erezammserle, nausszammserle, nâzammserle« (hinab).]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 129-130. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004563301

Wer das Schrättelein erwischen kann,

…so lang es als Strohhalm durch ein Schlüsselloch geht, hat Gewalt darüber und kann es im Feuer schlimm beschädigen, die Alte, welche gegangen, hat dann nachher »Brandmasen« unten oder oben,[305] je wie man den Halm an einem Ende angezündet hat. Man kann die Schratt auf solche Weise auch tödten. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 305-306, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567587

Wider das Schrättele

Man nagle vor die Stallthüre einen »Weisang«, oder »Palmen«, oder St. Agathazettel, oder lehne zwei Besen verkehrt und über’s Kreuz unter die Thüre, oder stecke zwei Messer über’s Kreuz in die Thürschwelle, die Schneide muß aber nach oben sehen. Auch malt man dagegen einen »Krottenfuß« an die Thür. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 305, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567579

Volksglaube, Wetter und Gestirne

Alte Weiber werden Hexen,

… sobald sie Triefaugen bekommen. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 325, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568168

An St. Thomas- und St. Andreastag

… gießen Nachts um 12 Uhr die mannsgierigen Mädchen geschmolzen Blei in’s Wasser. Die Figuren des Bleies zeigen ein Handwerksgeschirr des zukünftigen Mannes. Ist er ein Bauer, zeigen sich Roßköpf; ist es ein Schreiner, ein Hobel u.s.w.
An St. Thomastag schauen die Mädchen Nachts um 12 Uhr in die »Stockgelte« (große Wassergelte in der Küche) und beten:
Heiliger Thomas, ich bitt dich fein,
Du wollest mir lassen erscheinen
Den Herzallerliebsten, den meinen.
Die Mädchen erwarten nun, daß durch die Kraft des hl. Thomas der Zukünftige aus dem Wasser schauen müsse.
Das Gleiche thut man zu Baach in der Neujahrsnacht. (Ertingen)

[Das Bleigießen ist überall in Schwaben zu Hause, sogar häufiger bei Gebildeten. Oefters findet es auch in der St. Sylvesternacht statt. Das »Zinn- oder Bleigießen« stammt nach Grimm aus dem griech. Alterthum. Mythol. S. 1072. 2.]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 341, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568745

»Behret« oder »Behtenbrod« nennt man flache Brodkuchen;

in diese drückt man die Fingermale ein, damit keine Hexe daran kann. Im Kasten davon aufbewahrt, schüzt gegen Feuersgefahr. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 324, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568060

Das »Walt Gott« der Hexen

Wenn man Getreide säet, soll man mit dem rechten Fuß antreten, und sprechen: »Walt Gott!« Dieser Ausdruck ist aber in Ertingen als ein g’spässiger (und doch bekannter) verpönt, weil sich nur Hexen dieses Ausdrucks bedienen.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 328, Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456832X

Der Weltfisch

Die Erde ruht auf einem sehr großen Fisch, den heißt man den Zitterfisch. Er schläft bis an’s Ende der Welt. Wenn er aber einmal erwacht, schießt er im Weltmeer dahin; die Erde fällt von seinem Rücken und geht in den Meerfluten unter. Rührt sich der Fisch von Zeit zu Zeit, oder wendet er sich im Schlaf von einer Seite auf die andere, so entsteht ein »Aidbîsam« (bidmen, zitern). Einige sagen, daß der Fisch zur Strafe angebunden sei. Wieder Andere halten dafür, dieser Fisch sei der Teufel, der mitten im Abgrund gefesselt liege bis an das Ende der Tage. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 181-182, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564316

Die Flecken im Mond

… kommen von einem pflügenden Bauer her, der in den Mond versezt worden, weil er an einem Freitag ackerte. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 187, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564456

Die Hexen haben als Kleider an

… eine schwarze Juppe, einen blauen Zwilchschurz; ein blaues Wamms (»Kurseet«), und eine schwarze Gimpen- oder Nudelhaube auf dem Kopf, meistens aber tragen sie einen Schienhut oder ein rotes Tuch auf dem Kopfe. Gehen sie nicht barfuß, so tragen sie Stöcklesschuh! (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 330, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568435

Die Meteore heißt man »Drachen«

Schießt Jemanden ein Drache über’s Haus, gibt’s bald ein Unglück darin. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 189, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564596

Die Sterne halten Viele für die Köpfe silberner Nägel,

… die das Himmelsgewölbe zusammenhalten. Andere meinen, die Sterne seien Löcher im Boden der Himmelsdecke und der Glanz komme von innen heraus. Das Funkeln der Sterne, halten sie dafür, komme von dem Schatten her, den die Himmlischen zeitweise auf die Löcher werfen, wenn sie darüber wegwandeln. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 189-190, Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456460X

Der Jakobsstab wird in Ertingen

… als von den drei Köpfen der Nägel zusammengesezt gedacht, mittelst welchen Christus gekreuziget worden.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 190, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564618

Die Sternschnuppen (»ştẽenebutze«)

… hält man für Dochtbutzen, die von den Engeln an den Himmelslichtern abgezwickt werden. Wer einen findet, wird ein steinreicher Mann, denn der Butzen ist lauter Gold und Silber. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 190, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564634

Die Milchstraße heißt auch die »Josephsstraße«,

weil auf dieser Straße der hl. Joseph mit Maria und dem Jesuskindlein nach Egyptenland geflohen. An andern Orten heißt sie schlechtweg Himmelsstraße. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 190, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564642

Die Spinnfäden,

… welche im Herbst so häufig in der Luft herumfliegen, nennt man: muetergottesgân (Muttergottesgarn), das sie für ihr Kindlein gesponnen hat. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 381, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004569105

Des Windes Kinder

Ein altes Weib von Ertingen pflegte dem Wind Mehl auf das Dach zu streuen, indem sie sagte, man müsse des Winds Kinder zu essen geben, weil sie hungerten und heulten.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 190, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564650

Durch die Sonne schaut unser Herrgott auf die Welt herab;

wer sich daher erfrecht in die Sonne zu schauen, kann leicht erblinden. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 189, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564553

Ein Mann von Binzwangen

… der es in der Gewohnheit hatte, an Sonn- und Feiertagen Besenreis zu sammeln, wurde zur Strafe dafür von Gott Vater in den Mond versezt. Doch ließ ihm unser Herrgott vorher die Wahl, ob er lieber in die Sonne oder in den Mond gehen wolle; der Mann dachte, in der Sonne wäre es ihm zu heiß, er wählte daher den Mond als Verbannungsort, da er es hier wohl besser aushalten werde. Schaut man in den Mond, so sieht man vorne seine gewaltigen »Fuchshändschen« und hinter ihm das Reisbündel, das er auf dem Rücken trägt.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 186-187, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564448

Ein Segen wider die Schweine

Ich bitte dich aus Gottes Kraft, daß du h’nausgehst aus dem Mark in’s Bein, aus dem Bein in’s Fleisch, aus dem Fleisch in die Haut, aus der Haut in’s Haar, aus dem Haar in den wilden Wald, wo weder Sonn noch Mond hinscheint. – Den dritten Tag nach dem Vollmond, der auf einen Freitag fällt, zu beten und dreimal auf’s Glied zu blasen. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 209, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565541

Gegen das Ende der Welt

… wird es so gescheite Leute geben, daß sie auf den Dächern herumlaufen können, ohne herabzufallen. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 183, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564359

Gegen Feuersgefahr nagle

… einen Palmkatzenstängel oder einen Weihsang an Stall- und Hausthür. Oder stecke den Palmen in’s Kräutelgärtle vor dem Haus. (Ertingen und anderwärts)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 199, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565193

Gegen Feuersgefahr halte

… man im Kasten Judenmatzen. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 199, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565215

Gottesauge

Die Decke in der Kirche nennt man in Ertingen Himmel. In dieser ist eine Lücke mit einem Brett verschlossen, auf welches ein Auge gemalt ist. Man nennt es das Auge Gottes. Ganz so, sagt man, sehe unser Herrgott durch die Sonne auf die Welt herab, weshalb man nicht in die Sonne sehen könne.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 382, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004569156

Hebt ein Hagelwetter an,

…soll man drei »Kuziboihela« (Schlossen) in’s »Weihkrüegle« legen, dann »bricht« das Wetter. Auch ist es gut, ein Crucifix ins Freie zu legen, weil die Bauern glauben, daß unser Herrgott sein eigen Bild nicht mit Hagel werfe. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 195-196, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564979

Im abnehmenden Mond

…soll man nichts anfangen, so wenig als im Krebs oder Scorpion. Alles was weggeschafft werden soll, Warzen, Ueberbeine, Geschwülste (»Beuzel und Bägger«) sollen bei abnehmendem Mond besprochen werden; man sagt dabei: was î sî, leg zue, was î greif nimm â, im Namen etc. (von Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 188, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564480

In Ertingen werden die Kinder nie allein gelassen,

… Nachts ebenfalls ein Licht gebrannt. (Schutz gegen Hexen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 322, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567900

Klopft Jemand bei Nacht an der Stubenthür,

… sagt man: »’reẽ wëer ’s Kreuz mache kã!« Wäre eine Hexe vor der[328] Thür oder gar der Teufel, welcher bei Nacht gern in den Häusern »rumbocket«, könnte man ja übel angehen. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 328-329, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568354

Man soll die Sterne nicht zählen,

…auch nicht mit dem Finger darauf deuten. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 190, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564626

Man soll mit den Fingern nicht schnalzen,

… besonders nicht beim Tanzen, denn so hat der Teufel damals aus Uebermuth geschnalzt, als er über Gott sein wollte, bis ihn St. Michael aus dem Himmel geworfen. (Ertingen)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 278, Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456703X

Man soll die Bettlade nie so stellen,

daß der Mond dem Schlafenden in’s Gesicht scheint, weil man nicht gut schläft. Wirkt aber der Mond längere Zeit auf den Menschen ein, wird er mondsüchtig, und solche Leute stehen bei Nacht auf und steigen auf die Dächer. Ruft man sie beim Namen, so fallen sie herab und beschädigen sich. Diese Leute lächelt der Mond verzaubernd an und zieht sie an, darum steigen sie auf die Dächer. (von Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 188, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564499

Nach einer Erzählung verbrennt die Erde

… am Ende der Tage durch das Blut Eliä entzündet. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 183, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564340

Sind in der »heiligen Nacht« viel Sterne am Himmel

… gibt es im kommenden Jahr viel Garben und viel Lein. (Ertingen, Baach)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 465. Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000457060X

Sind zwei Regenbogen auf einmal am Himmel,

…so ist der weniger schöne vom Teufel gemacht, der alle Gotteswerke nachpfuscht. Man erkennt den falschen Regenbogen schon daran, daß die Farben in verkehrter Reihenfolge kommen. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 196, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565045

Spricht man von einer Hexe,

… soll man sagen: »Drëck für d’Aåre, dass d’Hëx nix hairt!« Würde man dies nicht sagen, hörte die Hexe das üble Gerede und würde sie sich unfehlbar rächen. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 329, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568362

Stellt man bei einer Mondsfinsterniß

… einen Kübel voll Wasser in den Hof und sieht sich den Mond an, so kann man allerlei geheimnisvolle Sachen sehen. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 188, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564510

Viele glauben, der Antichrist sei schon auf der Welt

… und deuteten das 48er Jahr dahin, dass wer die Zeit des Bessergehens, das Jahr 50, erlebe, »einen eisernen Kopf« haben müsse. Denn erst muss der Türk sein Rösslein im Bodensee tränken, ehe es besser kommt. (Das ist in Schwaben die allgemeine Sage.) Bei einem Birnenbaum kommt es zur Schlacht und werden die Türken alle zu Grunde gehen. Von dort an wird es besser gehen auf der Welt. (Statt im Bodensee tränkt der Türk sein Rößlein auch in der obern Donau.) (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 182-183, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564332

Vor »Altem« hat einmal ein Mann in den Mond

… mit einem »Bolzen« geschossen, da fiel Blut vom Himmel. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 188, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564502

Während einer Sonnenfinsterniß fällt Gift auf die Erde;

man soll da nichts säen, mähen, kein Obst brechen oder essen. Das Vieh aber in den Stall bringen, alles Geschäft unterwegen lassen, da es doch kein Gedeihen hätte. Dauert sie allzulange, so soll man einen brennenden Wachsstock auf das Ofengesims oder auf die »Höll« stellen und um Erlösung von der Gefahr bitten. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 189, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564561

Wäscht man mit dem Morgenthau das Gesicht,

so vergehen die »Kuhpflätter« (Sommersprossen). (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 198, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565118

Wen der Blitz erschlägt,

der hat der Leuten Lob nicht. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 194, Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456488X

Wenn das Wetterglöcklein »Susannele« geläutet wird,

…schlägt es bei jeder Bewegung die Hexen an den Kopf, weswegen die Hexen das Läuten nicht hören mögen. (Ertingen)

[Grimm, Mythol. S. 1039. 1040. Dieses ist heidnisch, elbisch, riesisch.]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 322, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567943

Wenn die Windsbraut daher fährt,

…soll man sich auf den Boden legen, wie beim Muodisheer, weil sie sonst einen mitnimmt. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 192, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564707

Wenn es donnert, sagt man zu den Kindern:

»ûje! eise Herrget balget« (Ertingen). Scherzend heißt es: dês mål håt Peter de-n-Ekker (Eckkegel) troffe! Regnet es stark dabei, so sagt man: hozz! ’s steõd z’veil hintrem Hâg! Man stellt sich dabei vor, man habe im Himmel gerade Kirchweih. »Durnet ’s«, so heißt es: »jez keglet sė wîder.« (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 195, Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456491X

Wenn das Ende der Welt herannaht

… und das jüngste Gericht anhebt, kommen auch alle Thiere zusammen, jede Art besonders auf einem Platz. Als vor etlichen Jahren ungewöhnlich viel Störche (über 400) in Ertingen auf den Dächern saßen, grauste den alten Leuten daran und sie glaubten das Ende nahe, »weil sich allbereits die Vögel rotten«. Die Thiere werden auch gerichtet und müssen als Zeugen wider den Menschen auftreten

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 182, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564324

Wenn die Kinder des Nachts zum Fenster hinausgucken,

so rufen ihnen die Mütter: »Guck ett ’nauss! ’s Meõ-mändlẽ nimmt dî fott!«

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 188-189, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564537

Wenn’s über das leere (laublose) Holz durnet (donnert),

verrecken die jungen Gänslein. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 195, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564936

Wenn der Regenvogel (Fink) schreit,

so regnet es bald, denn er schreit immer: »schütt! schütt! schütt!« (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 196, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565029

Wenn es regnet und die Kinder schreien:

»Range, range, daß Blåtere geit!« balgt der Vater, weil er glaubt, die Kinder vermöchten’s, daß es noch stärker regnet. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 196, Permalink:

Wer ein rechter Hexenmeister werden will,

… muß das »Kolbanesabüchle« besitzen, das »Christophelesgebet« kennen, und wissen, was zum großen und was zum kleinen Hexenwerk gehört. Lezteres können manche Leut, ohne gerade dem Teufel verschrieben zu sein.(Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 325, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568125

Will man den Regen aufhören machen,

so gehe man in’s Feld hinaus und lese das erste Kapitel des Johannisevangeliums. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 196, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565010

Wenn man ein Stück Brod, einen Apfel oder so was

… auf der Landstraße findet, soll man’s nicht anrühren, denn meistens sind diese Dinge von einer Hexe gelegt, besonders auf Brücken, Steinen, Stumpen etc. Die Hexe wartet dann häufig in der Nähe auf den Erfolg. Gießt Jemand Weihwasser auf das Hexengeschenk, fährt die Hexe nebenan als Windsbraut auf. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 322-323, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567951

Wer hinter einem alten Weib hergeht

… und in deren Fußstapfen tritt, tritt ihm auf die Zehen, wenn es eine Hexe ist. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 325, Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456815X

Zahnwerfen

Wenn die Jungen zahnen, wirft der betreffende Knabe seinen losen Zahn rückwärts über sich, indem er bei einem Schneidezahn sagt: Së, maüslẽ håş du dëen zã, sez mer derfür en andre nã! Ist es aber ein Mahlzahn: Së, Wolf! håş du dëen zã, sez mer derfür en andre nã. Den Zahn darf man aber nachher nicht wieder suchen, sonst wachsen die kommenden schief heraus. In Wurmlingen: Wolf, Wolf, då håşt en zã, gî mer en andere derfür, nõ kõen Biberzã! (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 339, Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456863X

Zeichen vor dem Ende der Welt

Vor dem Ende der Welt kommt es noch zu vielem Blutvergießen. Wenn die Blutzeit anhebt, sieht man in der Luft Reiter miteinander fechten. Auch wird man zwei und mehrere Monde oder Sonnen am Himmel sehen. Dann kommen »Feindsvölker« in’s Land gezogen, welche Alles morden und verbrennen; diesen voran geht der »Allerärgst«, welcher eine rothe Fahne, »den Blutfahnen«, voranträgt. Was sich um diesen schaart, wird verschont, muß aber die Gräuel der »Feindsvölker« mit verüben helfen. (Ertingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 180, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564294