88281 Schlier |

Sagen, Mythen und Geschichten

Sage von der Laura im Laurathal

Das „Laurathal” (Lauredâl) bei Schlier ist eine äußerst unheimliche Gegend. Man zeigt einem, wenn’s Wolfegg zugeht, den Pass im Walde droben, wo einst die Burg stand, in der das Ritterfräulein „Laura“ gelebt haben soll. „Laura“ liebte einen Ritter. Dieser Ritter entfloh einst mit dem Kinde, dem Pfande ihrer Liebe, nächtlich und wollte die Sache auf der Lauren-Burg verheimlichen. Wie er über einen schwachen Steg der unten vorbeifliegenden Scherzach setzte, brach er und „Laura“ hörte droben das Platschen und Hilferufen. Sie sprang thalabwärts, wollte den Ritter und das Kind retten, versank aber auch. Seitdem muß sie umgehen und kommt zu gewissen Zeiten an’s Brünnlein und trinkt aus einer Kürbisschale. „Laura“ geht wieder, mit der Schale unter dem Arm, thalaufwärts, der alten Burgruine im Walde droben zu, Weiß wie Wade, mit einem langen, ebenso weißen Schleier kommt sie herab und Niemand kann davor ihr Gesicht sehen. Sie läuft wie auf einem Wölklein über dem Wasser dahin und ebenso wieder auf dem Wasser zurück.
Mal verirrte sich im Walde, da wo Gräne „Laura“ gehen soll, ein Kind. Auf einmal kam ein warmes Lüftchen und es war da so grün und alles so blühend, wie im Frühling. Es sei gerade gewesen wie im Paradies. Erdbeeren seien da in Hülle und Fülle gestanden. Das Kind pflückte nach Herzenslust. Fräule „Laura“ sei in diesem Garten schneeweiß spazieren gegangen, immer dem Kinde winkend. Das Kind brachte seine Erdbeersträußlein heim. Fräule „Laura“ soll unter einem Stein hervorkommen und dort wieder verschwinden. Viele seien auch schon von ihr in die Irre geführt worden

[Urkundlicher Name von Laurathal ist »Lurenthal« (Urkd. in der Weingart. Registratur). Schmähliche Verhunzung der Sage in Schönhuths Burgen und Schlössern etc.]

Quelle:Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 5-7. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004560779

Laurasitz

Auf dem Weg von Weingarten nach Schlier ist der „Laurasitz“ im Laurathal. Da sitzt ein Geist, eine Gräfin Laura „auf dem Sitz”, welche mit goldenen Kugeln und silbernen Kegeln kegelt. Das geschieht alle Nacht von 12 bis 1 Uhr.
Nr.6b, Seite 7

Quelle: Birlinger, Anton: „Volksthümliches aus Schwaben“, 1861
Permalink: https://archive.org/details/volksthmlichesa00birlgoog/page/81/mode/2up?view=theater

Laura’s Erlösung

Fräulein Laura mit ihrem weißen Kleid, einen Bund Schlüssel an ihr hängend und ein Wasserkrüglein in der Hand, erscheint in den heiligen Zeiten an einem unscheinbaren Brünnlein an der Scherzach (ganz in der Nähe der Brücke, die auf den Hallersberg führt, der Griesle-Mühle gegenüber) und schöpft Wasser, sprechend: „Ich muß eine Linde tränken, und zwar so lange, bis der Baum erstarkt ist. Alsdann wird aus diesem Baum eine Wiege gefertigt, und dasjenige Kind, welches in derselben gewiegt und auf erzogen wird, erlangt von Gott die Gnade, mich erlösen zu können.” Und dann sezt sie ihren Weg dem Laurathal zu fort
Nr.6c, Seite 7

Aus: Birlinger, Anton: „Volksthümliches aus Schwaben“, 1861
Quelle: https://archive.org/details/volksthmlichesa00birlgoog/page/81/mode/2up?view=theater