72516 Scheer |

Sagen, Mythen und Geschichten

Die Heudorfer sind Mondfanger

Heudorf, O.A. Saulgau, gilt in seiner ganzen Nachbarschaft als ein sonderbares Nest. Ihr singender Dialekt unterscheidet die Heudorfer von allen Orten des Oberamts. Sie heißen nur die Mondfanger. Es kam mal ein Mädchen in einen Sigmaringischen Flecken hinüber in den Dienst. Als es Morgens früh erwachte, sah es den Vollmond noch am Himmel. »Hui Baur, hẽnd iehr en ganze Meõ, us em eĩsere işt e ştüklẽ, mier hend-e ab.r uffgfange und ĩ de Sauştall gşperrt.« Der Bauer fragte, wie’s die Heudorfer gemacht haben. Das Mädchen sagte, sie hätten Leitern genommen, seien hinaufgestiegen und hätten den Mond herabgestupft und in den Saustall gesperrt.

[Einen ähnlichen Schwank erzählt man von den Kiebingern, vgl. Meier, Sag. S. 361, ebenso von den Munderkingern (das.). Vgl. das bairische Volksbüchlein II. Thl. S. 212-217.]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 448. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570251