88348 Bad Saulgau |

Wikipedia

Wikipedia: Bad Saulgau

Teilgemeinden und Ortschaften

Bad Saulgau besteht aus der Kernstadt (mit Bernhausen, Engenweiler, Schwarzach und Wilfertsweiler) und den 13 Teilorten Bierstetten (mit Steinbronnen), Bolstern (mit Heratskirch und Wagenhausen), Bondorf, Braunenweiler (mit Figels, Krumbach, Obereggatsweiler, Untereggatsweiler und Ziegelhof), Friedberg, Fulgenstadt, Großtissen (mit Kleintissen und Nonnenweiler), Haid (mit Bogenweiler und Sießen), Hochberg (mit Luditsweiler), Lampertsweiler (mit Rieden), Moosheim, Renhardsweiler und Wolfartsweiler

Sagen, Mythen und Geschichten

Das wunderbare Kruzifix in der Kreuzkapelle

Etwa fünf Minuten von Saulgau, wo sich die Straßen nach Aulendorf und Altshausen trennen, ist die vielbesuchte Kreuzkapelle. Ueber dem Altar steht ein großes Kruzifix, gerade nicht viel Kunst, aber viel Ausdruck zeigend. Davon geht die Sage, die Schweden hätten es verbrennen wollen, seien aber übel weggekommen. Das Kruzifix sei eben zu verbrennen unmöglich gewesen: es habe sich erhoben und die Schweden seien erschrocken davon gelaufen. Rechts vom Altar (von den Stühlen aus) geht eine Seitenthüre hinein in die Sakristei. An der Thüre oben sieht man gemalt die Kreuzkapelle. Davor liegt ein Kruzifix mitten im Feuer unversehrt. Fünf Schweden liegen betäubt drum herum, ein sechster lauft davon voll Angst. Zum Stadtthor von Saulgau zieht das Schwedenheer heraus. Links unten steht: »Die Schweden haben dise Bildnuß des gecreuzigten Heylandts verbrennen wollen, seindt ober von Gott an der stell gestrafft worden.«

Links des Altars ist eine zweite Thüre. Darauf ist gemalt die Kreuzkapelle; eben zieht ein Trupp Schweden unter Pfeifen und Trommelschlag in die Kapelle ein, während andere abziehen, wieder andere schon bei Saulgau hinziehen; einer hält oben rechts von der Thüre Wache. Rechts unten am Bilde steht: »Anno 1634 den 12. Mertzen ist der Schwedische Feindt nacher Saulgau khommen und hat alle Nacht in dieser Capellen Wacht gehalten.«

Unten an der Thüre sehen wir die Kreuzkapelle wieder, davor ein strahlendes Kruzifix stehen, und einen fliehenden Haufen Schweden mit Lanzen. Darunter steht: »Die Schweden haben abermahl in die Kapelle eindringen wollen, da stunde das Kruzifix helle gläntzend vor der Kirchenthür. Wovon sie mit größtem schrekhen abgewichen.«

Unten an der Thüre rechts begegnen wir einer großen Prozession, die von Saulgau aus mit dem wunderbaren Kruzifix gen der Kreuzkapelle zieht. Darunter heißt es: »Anno 1734 den 12. Mertzen ist die hundertjährige Festivitet mit einer solennen Prozession gehalten worden. Gott gebe daß Saulgau und eine wehrte Nachbarschaft auß disem Gnaden brunen beständigen göttlichen Segen erhalte«.

[Auf diese Sage ist auch hingewiesen in Hafens »Auszug aus der Saulgauer Pfarrchronik«, Saulgau, Edel 1851. S. 30. »1634. Am 12. März des nebenstehenden Jahres stund ein schwedischer Wachtposten bei der hiesigen Kreuzkapelle. Nach einer wolverbürgten Sage wollten die brutalen Kriegsleute das Christusbild in der Kapelle verbrennen. Aber das Bild des Gekreuzigten erhob sich, und die Schweden flohen in großem Schrecken davon. Saulgau war gerettet.« – Hans Müller hieß der Krieger, welcher das Ereigniß überall bestätigte. – Vgl. Saulgauer O.A. Beschr. S. 107. 6. Vgl. Stöber S. 96, wo die Schweden ein Muttergottesbild verbrennen wollten. S. 186 ff.: das hölzerne Kruzifix in Pforzheim vor der lateinischen Schule, das von einer verbrannten Kirche übrig blieb. Zingerle, Sagen, Märchen etc. S. 379. 380. Die Thatsache, daß das Volk in rohen, kunstlosen Bildern mehr Göttliches findet, als in schönen, kunstgerechten, bestätigt sich auch hier wieder.]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 425-426. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004569717

Anmerkung: „Die Kreuz- oder Schwedenkapelle wurde um das Jahr 1450 gebaut und war eine mittelalterliche Wallfahrtsstätte. Zur Ausstattung gehört ein romanisches Großkreuz (auch Stauferchristus genannt, entstand ca. 1170) sowie die Farbholzschnitte des Kreuzweges von HAP Grieshaber.“ (Wikipedia)

Die Bogenweiler heißen Glöcklisstupfer

… weil sie bei einem Brand kein Seil hatten; sie heißen ferner »Hüte« von wegen ihrer alten sonderbaren Hüte
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 458-459. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570480

Die Moosheimer Eselshenker

Die Moosheimer (Môsemer) haben mal einen Esel an den Kirchthurm hinaufgezogen, damit er ein Böschlein Gras abfresse, das droben wuchs. Der Esel krepirte. Die Moosheimer hören »Eselhenker« nicht gerne. (Moosheim – Bad Saulgau)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 453. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570367

Die sieben Schwaben in der Schweiz

Gingen einmal sieben Schwaben, sechs Gemeinderäte mit dem Schultheiß an der Spitze, über das schwäbische Meer in die Schweiz, ob wallfahren oder des Vergnügens halber, weiß man nicht. Die hatten gewaltig Respekt bekommen vor den Wassern des schwäbischen Meers, also, daß sie im Thurgau vor einem blühenden Flachsacker angekommen, die wogende blaue Fläche abermals für ein Meer hielten. Da die Blüte bethaut und das Wasser so naß war, die Sieben aber um jeden Preis weiter kommen wollten, berieten sie sich, was zu thun sei. Da entschlossen sie sich heldenmüthig – alle Sieben mit dem Schultheiß voran – das Meer zu durchschwimmen. Nach unsäglicher Mühe und Anstrengung waren die Sieben jenseits der Flachsbreite angekommen und zählten ab, ob sie noch ihrer Sieben und nicht etwa einer ertrunken sei. Und zum immer größeren Entsetzen gewahrten sie, daß Einer fehle. Wie sich geziemte, nahm die richtende und strafende Gewalt, der Schultheiß, die Zählung vor, und wohl wissend, welch exemten Stand er einnehme, beliebte er zu zählen. Jezt Schultheß bin ih – du wärest der airst, du der zwoit u.s.f. Aber so brachte er nur Sechse heraus. Da ging ein Bruder Straubinger an den ratlosen Gemeinderäten vorüber und fragte, was sie hinter dem Ohr zu kratzen hätten. Da eröffneten sie ihm ihre Pein. Nun lag nebenan auf dem Wege ein frischer Kuhfladen, und er riet den Sieben, sie sollen Alle, der Reihe nach mit dem Schultheißen an der Spitze, ihre Nase in diesen Fladen stoßen und nachher abzählen, wie viel es Löcher wären. Und siehe da, es fanden sich sieben Nasenspuren im Fladen und so reiseten die Sieben getrost weiter (Mündlich von Saulgau)

[Die Neunzahl ist die ältere Auffassung (Kirchhoffs Wendunmuth I. Nr. 274). Menzel, deutsche Dichtg. II. S. 72 ff.
Vgl. Volksbüchlein I. 225 ff. Ueber die Schwaben-Schwänke vgl. ebendas. I. 195-263. Die Abhandlung S. 283 ff. Ferner II. 221-296. Abhdlg. 317 ff. Von den Herulern heißt es: »Herulorum exercitus dum hac illacque diffugeret tanta super eos caelitus ita respexit ut viridantia camporum lina cernentes natatiles aquas esse putarent.« Paul. Diac. I. 20. Vgl. auch II. Könige 3, 22 ff. Vgl. ferner das 149. Märchen der Brüder Grimm; Haupt, Zeitschr. VI. 257. 258. Menzel, deutsche Dichtg. I. 4. II. 73.]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 460-462. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570529

Kegelspiel

Ein Mann von Saulgau kam einmal durch Verirren auf das Schloß Königsegg. Da sah er in einem Gewölbe mehrere Herren Kegel schieben mit glühenden Kugeln. Sie nöthigten den Mann, mitzuspielen. Als es aber 1 Uhr des Nachts schlug, verschwand die ganze Gesellschaft, und statt einer Kugel hatte der Mann einen Todtenkopf in der Hand. Die Kegel waren Theile eines Gerippes. (Von Saulgau).

Quelle:Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 245, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004566300

St. Luitpert war ein Bauersmann

… in Fulgenstadt zu Hause, wo man seine Wohnung noch zeigt; war gar fromm. Täglich kam er nach Ennentach und verrichtete dort in der Kirche seine Andacht. An der Stadtmauer von Mengen ging er allemal vorbei. Mal im Frühjahr, als das Schneewasser ging und die Ablach anschwoll, wollte Luitpert seinen Weg wieder wie gewöhnlich machen, aber konnte nicht mehr hinüber: das Wasser war zu stark. Er riß vom nächsten Gartenzaun einen Pfahl aus und schwang sich hinüber. Aber die Kirchthüre war und blieb verschlossen. Sonst öffnete sie sich ihm allemal von selbst. St. Luitpert ging wieder zurück, steckte seinen geraubten Pfahl in sein Loch. Jetzt öffnete sich ihm die Kirchthüre.

[Gewöhnlicher ist der Name »Luib«. Früher fanden große Wallfahrten nach Ennentach statt. Daß Prozessionen stattfanden, findet man in Aulendorfer Hexenproceßakten. In Fulgenstadt steht St. Luib zu Ehren noch ein Bildstöcklein. – Von St. Ulrich erzählt eine Legende, er habe sich verspätet, einen Grenzpfahl ausgezogen als Stütze über die Gräben. Da schweigt das Heimatglöcklein und läutet erst wieder, nachdem er den Pfahl an Ort und Stelle that. Mittermeier S. 129.]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 411-413, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004569555

Volksglaube, Wetter und Gestirne

In der Ravensburger und Saulgauer Gegend

… bis gegen den See hinauf wird in der St. Andreasnacht Blei gegossen und nackt die Stube ausgekehrt. Den Stubentheil, wo das Kruzifix hängt, muß man immer im Rücken haben. Mit dem linken Fuß muß man zuerst in’s Bett, aber ohne Weihwasser. Um 12 Uhr soll man zum Fenster hinaus schauen und einen Apfel essen.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 341, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568753