88518 Hundersingen |

Sagen, Mythen und Geschichten

Das Burrenweible

Das Burrenwäldle (bûeewäldle) ist zwischen Ursendorf und Beitzkofen im Ostrachthal, Oberamts Saulgau. Kam früher regelmäßig zu den Ackersleuten ein Weiblein und ließ Brod schneiden; hatte ein nettes Messerlein. Einer der Knechte behielt mal des Burrenweibleins Messerlein, das von dort an nimmermehr beim Burrenwäldle sich sehen ließ. Die Kinder sagen noch: »Wenn’s Burrenweible nur auch wieder mit dem Messerlein käme!« (Mündlich von Hundersingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 5. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004560760

Die Kirchen in Hundersingen und Auernheim

Die Pfarrkirche in Hundersingen hätte sollen da aufgebaut werden, wo es Beuren zu geht, beim Kreuz und Bildstock, welche Felder den Namen »Siebner« tragen. Allemal war das Holz wieder herinnen, wo die Kirche jezt steht.

Die Kirche von Auernheim sollte auf dem Tanzberge erbaut werden. Jede Nacht war von unsichtbarer Hand das Bauholz dahin getragen, wo sie jezt steht.

Das Nämliche erzählt man von der Kirche in Elchingen, von der Kapelle zu Ertingen, vom Kirchberg in Saulgau, von Kalkweil bei Rottenburg.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 401-402, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004569385

Waldgeister

Im Weiherthäle, durch das man von Hundersingen nach Heiligkreuzthal gehen kann, ist ein Waldgeist. Man hört ihn im anstoßenden Weiherhau oft juxen und wunderschön musiciren, so daß man gern verirrt. Manchmal hat er blos den Namen »Weihermandle«. Bei Heudorf ist ein Wald beim Schatzberg, in dem der gefürchtete Waldgeist »Hans Ederehe« sein Unwesen treibt. Er ruft im Walde »Ederehehehehe!«

Auf und um das »Hohmichele«, ein altes großes mit Tannen bewachsenes Grabmal, in der Nähe von Hundersingen, geht ein Waldgeist, der irre führt. Zwischen Dorfmerkingen und Riffingen ist ein Wald, »Bühle« geheißen. Hier geht der Waldgeist »Bühlenmandle« und erschreckt und führt die Leute irre. Zwischen Ellenberg und Wördt ist im Walde eine alte Mauer, wo sich ein Waldgeist »Brandmandle« aufhält und irre führt.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 292-293, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567293

Weißes Fräulein in der Baumburg

In der Baumburg bei Hundersingen sei ehedem ein Fräulein gewesen, das oft herauskam und den Leuten auf dem Felde Brod, Käs und Kuchen brachte. Ein Hundersinger hatte da einen Acker. Der nahm nie Brod oder sonst was mit. Deß wunderte sich die Bäurin und fragte ihn. Der erzählte ihr, daß ihm immer seit langer Zeit ein weißes Fräulein Brod, Wein, Käs und Kuchen brachte. Mal kam der Knecht hinaus, dem aber der Bauer auftrug, ja dem Fräulein nichts zu leid zu thun. Der Knecht bekam das Nämliche. Das andere Mal behielt er die Gabel, und das Fräulein kam nimmermehr, habe nochmal verzweiflungsvoll umgeschaut am Hügel. (Mündlich von Hundersingen)

[Urkundlicher Name der »Baumburg« ist Buenburg, Buwenburg, Bawenburg. 1092: Dietrich von Buinburg. Eberhardus de Buwenburg. 1286 Ulrich von Buenburg. Von 1267 an erscheinen die Buwenburg fortlaufend in Kreuzthaler Urkunden. Riedl. Oberamts-Beschrbg. S. 196. »Die von der Baumburg« sollen gefürchtete Raubritter gewesen sein; sie haben den Bauern, die in der Nähe ackerten, oft das Saatkorn gestohlen. In der Baumburg soll ein Schatz liegen.]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 4-5. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004560752