78532 Möhringen a.d.Donau |

Sagen, Mythen und Geschichten

Die drei Zauberfrauen im Heiligenthäle

Zwischen Möhringen und Tuttlingen ist ein Thälchen, »Heiligenthäle« geheißen. Dort, gar nicht weit vom Duttenthal, wo die »Duttfee« oder »Dupfe« hauste, hielten sich vor alten Zeiten zwei, andere sagen drei Heidinnen auf, die Zauberei verstanden. Die drei Frauen hatten drei wunderschöne Schimmel, die den ganzen Tag weiden und nichts ackern und nichts ziehen durften. Zu den Frauen kamen die Leute von weiter Ferne her, wenn ihnen oder ihrem Vieh etwas fehlte, und holten Heilsames. Vorher mußten die Leute den drei weißen Rossen Ehre erweisen: niederfallen und opfern. Die Zauberfrauen konnten für Alles helfen und hatten viele, viele Kenntniß in den heilsamen Kräutern, die sie in Wald und Feld sammelten. Ein Tröpflein aus einem Gütterchen verhalf von der Hexerei; andere Tröpflein ließen die Thiersprache verstehen, wieder andere machten, daß man Diebe und Uebelthäter sah und kannte.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 1. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004560728

Die Duttfee. Duttenthal

Das Thal zwischen Tuttlingen und dem badischen Städtchen Möhringen heißt »Duttenthal«. Da soll einst, wie uralte Tuttlinger und Möhringer Leute von ihren Eltern sagen gehört, eine Göttin verehrt worden sein, die habe »Dutt« geheißen. »Tuttlingen« sei von ihr so genannt worden. Man hat auch vor alten Zeiten mal in dem Thal eine weibliche Figur unter dem Moos gefunden, von blauem Sandstein. Schlank, von Menschengröße, mit etwas kleinem Kopfe, zwei Gesichtern, und einer Doppelbrust von großem Umfange. Diese Göttin wurde nach Tuttlingen gebracht und mochte seit mehreren Jahrhunderten auf dem Stadtbrunnen gestanden haben. Endlich ward das Bild um ein Paar Batzen verkauft und von einem Maurer zerschlagen. Stücke in Mauern weiß man noch.

In dem Duttenthal sei es auch sonst nicht geheuer. Vor vielen, vielen Jahren hütete ein Mädchen Pferde draußen, da sah es auf einmal eine große Menge Andächtiger mit dem Pfarrer an der Spitze, wolgeordnet daherkommen: in uralterthümlicher Kleidung. Wie im Nu flog Alles in die Luft, und das Mädchen sah Nichts mehr. Der mit dem langen schwarzen Rocke vornedrauß winkte ihr: sie ging aber nicht hin. Kaum waren diese sonderbaren Leute verschwunden, so stand das Mädchen vor einem großen Schlosse in alter Bauart, in dem Leute wahrgenommen werden konnten. Oben bemerkte man Frauenzimmer; eine Magd war unten mit Kübelfegen beschäftigt, zwei Ritter turnirten mit einander, hieben auch mit Säbel auf einander ein. Was sie redeten, verstand sie nicht und wußte sie nicht. Im Duttenthal soll mal ein Schloß gestanden sein. (Mündlich aus Tuttlingen)

[Dupfé ist der volksthümliche Name dieser mater mammosa. Wie der Name »Fee« in diese Gegend gekommen, weiß ich nicht: vielleicht durch Lektüre? Vielleicht noch aus alten Zeiten, was zur Annahme berechtigte, es hätten Celten hier einstens gewohnt. Diese Annahme würde noch unterstüzt durch unverkennbar celtische Berg-, Flur-, Wald- und Wassernamen. Ein Umstand aber hält mich ab, Celten hier anzunehmen: die Tuttlinger Gegend ist ganz von Alemannen bewohnt gewesen, was auch die alten, von Dürrich und W. Menzel untersuchten Oberflachter Heidengräber darthun; die Alemannen waren aber die erbittertsten Celtenfeinde, somit kann das Wort » Fee« schwerlich trotz celtischer Ortsnamen in der Gegend ein ächter Nachhall des untergehenden Druidinnencults in der Tuttlinger Heimat sein. Volksthümlich ist »Dupfé« ganz, und wenn die Sage Nr. 1 von den drei Heidinnen auf den Feencult zurückgeführt werden könnte, so wäre dieses für Geschichte und Mythologie ein nicht unbedeutender Wink. Die Grenzen des Celtenthums und somit auch des Druidinnencults, dessen Nachhall der Feencult, sind von Dr. H. Schreiber freilich über die Vogesen und höchsten Firsten der Alpen gezogen, und somit läge Tuttlingen weit ab und könnte kein Feencult heimisch gewesen sein. Dupfé ist in der Tuttlinger Gegend ein Kinderschrecken.]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 1-3. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004560736