78532 Tuttlingen |

Sagen, Mythen und Geschichten

Der Schlapphut im Urselenthäle

Im Urselenthäle, das bei Nendingen auslauft, haust der »Schlapphut« seit vielen Jahrhunderten. In der Seelenwoche kommt er gerne nächtlicherweile. Seine Füße bedeckt eine Art Schuhe, worauf etwas Schneeweißes kommt, wie Tüchlein, und dann Hosen. Einen schwarzgrauen Jägerjuppen hat er um sich. Sein Gesicht ist das Schrecklichste: er hat schneeweiße zwei Augen, fast größer als Ganseier, und sein Hut hängt ihm wol weit über die Schultern hinab. Holzdiebe hat er schon arg in Angst gejagt. Leuchtende Feuer, die von Nendingen her wiederholt gesehen wurden, kommen von ihm her. Er kommt beim »Schlößlebergfelsen« unten über das Hag herunter, steht oft stundenweise um Mitternacht auf demselben Platz.

[Vgl. über die Augen der Geister Rochholz A.S. I. 84. 2. 9. 112. 10. 36. 38. 50. 84. 33; wie Chaisenlaternen, Kartoffelkorb, Kirchenfenster, Marktzwiebeln, Pflugräder, Fleischteller etc. S. 159. 158. – Th. Vernaleken, Myth. u. Bräuche, S. 30 ff.]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 11-12. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004560833

Der Jäger auf der Wallenburg

Wie man von Wurmlingen her in’s Urselenthal kommt, ist links droben eine ausgegrabene, alte Mauer von der ehemaligen »Wallenburg«. Dort geht nächtlich ein »grüner Jäger« um, kommt zu Leuten, die noch spät im Wald sind, besonders zu Holzdieben; hat ein Gewehr umhängen, steht zu ihnen hin, thut aber Niemand was zu Leide.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 15-16. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004560884

Die Tuttlinger

… heißen »Schwellenhop per«.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 459-460. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570499

Kaiser Friedrich III. in Tuttlingen

Kaiser Friedrich III. (reg. von 1440-1493) machte einstmalen auch eine Reise durch die Tuttlinger Gegend. Die Tuttlinger verbaten sich’s gar höflich und artiglich, sie hätten für seine geheiligte Person weder eine anständige Wohnung, noch der Lebensmittel zur Genüge. Der Kaiser sah aber gar bald ein, warum man ihn nicht in Tuttlingen haben wollte, denn der wahre Grund war der: Tuttlingen hatte kein Pflaster und des Kaisers Pferde mußten bis fast an den Bauch im Straßenkothe waden und sagte der Kaiser lächelnd: »Jezt sehe er erst, daß man ihm aus lauter Devotion den Durchzug nicht gönnen wollte.«

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 225, Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456586X

Wie die Tuttlinger lutherisch worden sind

Die Tuttlinger wurden zweimal gezwungen, den alten Glauben zu verlassen, und allemal kehrten sie wieder zu ihm zurück. Das dritte Mal endlich, als Alles nichts mehr half, zogen sie mit Kreuz und Fahne den »Withoh« hinauf, eine bedeutende Höhe westlich von der Stadt; ließen dort Kreuz und Fahne und Alles stehen und zogen heim und fügten sich in die neue Lehre. (aus Tuttlingen)

[Auch die Winterlinger (Sigmaringen) trugen ihre Fahnen fort in die Donau, als sie vom alten Glauben abfielen. – Betreffend das Wort »Withoh«, so gibt es noch jetzt bei Hundersingen, O.A. Riedlingen, einen »Widhau«, der Wald um das Hohmichele. Der Withow erscheint im Herkommen der Stadt Horb, Perg. Handschr. d. 14. Jahrh. Schmid, Pfalzgrafen von Tübingen, Urkundenbuch 264, »das man in dem withow zu den warin mug bleker hauen«. Das Seelbuch der Pfarrei Entingen bei Horb hat das Holtz genant der wythow (ebendas. 217). Die Zimmer’sche Chronik hat »ain wald, haißt der Weytow (Weitow)«. Der Name bedeutet »Holzschlag«, Schmeller IV. 200. Pfeiffers Germania I. 3. Anmerk. 6.]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 216-217, Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456572X

Wie Einer einen Bindnagel schnitt

In Tuttlingen war mal Einer, der wollte gern in der heiligen Nacht 12 Uhr einen Bindnagel schneiden. Es mußte geschehen in drei Striemen heraufwärts in den drei höchsten Namen. Er getraute sich nicht in den Wald und ging die Donau hinab und hieb Schlag 12 Uhr einmal, zweimal; aber beim dritten Schnitt ergriff’s ihn und warf ihn in die Donau. Hätte er nicht schwimmen können, so wäre er ertrunken. Er sagte, lieber Unziefer in den Garben, als nochmal einen Bindnagel schneiden.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 334, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568524

Vom Conzenberg soll einer (ein unterirdischer Gang)

gegangen sein bis auf den Honberg ob Tuttlingen.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 261, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004566661