78573 Wurmlingen |

Sagen, Mythen und Geschichten

Der Bauer als Wettermacher

Ein Bauer, der mit dem Wetter niemals zufrieden war, hatte sich vom lieben Gott die Gnade ausgebeten, daß er einmal ein Jahr lang die Witterung nach seinem Gutdünken bestimmen dürfe. Diese Bitte wurde ihm gewährt. Nun bat er, so oft es ihm zum Gedeihen der Früchte nöthig schien, abwechselnd bald um Regen, bald um Sonnenschein und die Saaten schienen sich gut dabei zu befinden. Als er aber sein Getreide geerntet und gedroschen hatte, fand sich’s, daß die Körner alle taub waren und keinen Mehlstoff enthielten. Der Bauer beschwerte sich nun beim lieben Gott, daß seine Frucht, obwol es ihr nie an Regen noch an Sonnenschein gefehlt habe, doch so schlecht ausgefallen sei. Der liebe Gott aber sagte: »Du hast nur um Regen und Sonnenschein gebeten, aber niemals um ›Wind‹, der doch zum Gedeihen der Frucht ganz notwendig ist.«

Seitdem überließ der Bauer das Wettermachen ohne Murren wieder dem lieben Gott. (Mündlich von Wurmlingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 191-192, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564677

Die Muotisheer

In Wurmlingen, Oberamt Tuttlingen, gingen mal die Buben, an die zehen wol mögen’s gewesen sein, vom Tanze heim und suchten noch nach ihren Liebsten. Wie sie da jolend eine Gasse hinaufziehen, hörten sie auf einmal eine wunderschöne Musik in den Höhen, wie von tausend Instrumenten. Diese zog über den Weilenberg über Wurmlingen hin der Tannhalde zu und weiter. Man hörte die Musik noch weit. Die Buben wollten tanzen, waren aber doch klug genug, es bleiben zu lassen, es wäre ihnen sicherlich schlecht bekommen.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 36-37. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004561198

Die Prästeneck

Das westliche Ende von Wurmlingen heißt Präschneck. Dort soll einstens ein Schloß gestanden haben. Noch jezt heißt das Ackerfeld am Fuße der Anhöhe »der Markgraf«. Wenn man auf dem Platze, wo das Schloß stand und die Gräben noch sichtbar sind, welcher Platz »uff der Wåed« heißt, fest auftritt oder im Winter mit Schlitten hinunterfährt, so soll man drunten ein unterirdisches »Klingeln« hören

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 239, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004566165

Die Weilheimer (Tuttl.) sind »Schneegänse«,

… weil sie in Streitigkeiten mit den Wurmlingern immer schneegansartige Wachposten und Angriffsweisen entwickelten
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 458-459. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570480

Petrus und das Bäuerlein

Starb mal ein Bäuerlein und kam vor die Himmelspforte. Aber da war’s verschlossen und es sah Niemand. Innen aber ging’s recht lustig her; er hörte musiciren, so schön, wie er noch nirgends es hörte. Er hörte singen und jubiliren von unzähligen Stimmen. Während er so zuhörte, verging der Tag und es kam immer noch Niemand. Da öffnete sich gegen Abend die Himmelsthür und Petrus kam heraus. Da fragte ihn das Bäuerlein, was denn da drinnen sei, daß Alles so lustig hergehe? Petrus sagte: Es sei ein Pfäfflein von unten herauf gekommen, darum sei eine so große Himmelsfreude. Entgegnete Bäuerlein: So, warum denn grad bei diesen? Sagte Petrus: Ja, das Ding sei anders, so einer komme alle fünfzig Jahr einmal, Bauern aber kommen des Tags viel. (Mündlich von Wurmlingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 362, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568907

Wenn mal Alles in der Welt in gläsernen Schuhen läuft,

…dann ist es nahe dem Weltende. (Wurmlingen bei Tuttlingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 183, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564367

Wenn man von Wurmlingen

… über die Kohlenplatte das Urselenthäle hinabgeht, ist links noch eine Mauer von der alten Wallenburg zu sehen. Rechts, der Mauer gegenüber, ist ein waldiger Bergkegel, der heißt der Edelknab, und noch weiter vorwärts ist der Schlößleberg. Diese drei Höhen sollen einstens durch lederne Brücken mit einander verbunden gewesen sein. Eine Frau von der Wallenburg ging einst auf den Edelknab herüber spazieren und kam in Geburtswehen.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 237, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004566122

Wie ein Conzenberger schwur

Vor langen Zeiten stritten die Nendinger und die Wurmlinger um die Waldesgrenze. Die Nendinger heißen den Wald »Schoren« (Schåre), die Wurmlinger »Gêren«. Es handelte sich um 80-90 Morgen. Um nun die Grenzmarken festzusetzen, mußten von Conzenbergischer Herrschaft und von Enzbergischer Herrschaft Abgeordnete an Ort und Stelle auf den Gêren, um zu schwören, wessen von beiden Eigenthum dies sei. Der Conzenbergische Herrschaftsvogt war ein übelgesinnter Mann. Er nahm, bevor er auf den Gêren ging, vom Vogteigarten in Wurmlingen eine Hand voll Erde, legte sie in seine Schuhe; unter seinen Hut steckte er einen Löffel und in sein Haar einen Kamm. An Ort und Stelle angekommen, schwur er also: »So wahr mein Schöpfer und Richter über mir ist, so wahr stehe ich auf meinem eignen Grund und Boden.« Die Enzbergisch-Nendinger verloren den Gêren bis auf eine Halde, die Wurmlinger gewannen. Dafür, sagen jene, müsse der treulose Schwörer umgehen (Mündlich von Wurmlingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 221-222, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565800

Zwei Männer von Wurmlingen

… der Beattelseppel und der Konrad, gingen in der heiligen Nacht um 12 Uhr hinaus, um den Fahrsamen zu holen. Hinterfür stiegen sie zu ihren Kammerfenstern hinaus und gingen dem Löwenthal zu. Durften kein sterbigs Wörtlein reden. Da begegnet ihnen eine geisterhafte Kutsche, voller Frauen, die sie zum Reden bringen wollten. Beide hatten Angst genug; da kam eine dahergesprungen und schrie immer der Kutsche nach: sie sei ja die Köchin! und hatte hinten einen ungeheuren Kochlöffel stecken. Jezt gruselte es Beiden erst recht, sprangen heim und stiegen wieder rückwärts zum Kammerfenster hinein; wollten nimmermehr in’s Löwenthal hinter gehen. Der »Beatkelseppel« war schon drinnen, hatte aber noch einen Fuß haußen, da sagte er: so jezt Gott Lob! da riß ihm der Böse sein Bein beinahe ganz heraus (Wurmlingen bei Tuttlingen)

[Aus »Farrensamen« ging Fahrsamen hervor, welch letzteres falsch ist; vielleicht gab das Farrensamenholen in den Hexenprocessen Veranlassung dazu, als ob zum Nachtfahren etc. solcher Samen notwendig, was nicht erwiesen werden kann. Vgl. über »Farn« Grimm, Mythol. S. 1160. 1161.]

Quelle:Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 333, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568508

Volksglaube, Wetter und Gestirne

Den Fahrsamen muß man in der heiligen Nacht

… um 12 Uhr holen an Kreuzwegen. Dabei muß man hinterfür zum Fenster hinaussteigen und ebenso wieder hinein. Dabei muß man aber strenges Stillschweigen halten. (Wurmlingen bei Tuttlingen)

[Vgl. Panzer II. 73. 103. In der St. Johannisnacht blüt, reift er und fällt ab.]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 333-334, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568516

Die Glücksruthe

… muß von einer Haselnußstaude genommen, und sie muß in einem Jahr zwei Zweige, eine Gabel, zu gleicher Zeit und gleicher Größe getrieben haben; muß dem Priester während der hl. Messe unter dem Corporale[338] liegen, unbemerkt, und so geweiht werden. Alle Schätze kann man mit einer solchen Ruthe finden (Wurmlingen bei Tuttlingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 338-339, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568621

In der heiligen Nacht um 12 Uhr

… muß man in drei Schnitten den Bindnagel heraufwärts schneiden in den drei höchsten Namen, so kommt kein Ungeziefer an die Garben. (Wurmlingen bei Tuttlingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 466. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570669

Wenn nach einer hl. Messe

… für die armen Seelen die Altarlichter ausgelöscht werden, so steigen, während es noch raucht, fortwährend Seelen aus dem Fegfeuer. (Wurmlingen bei Tuttlingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 200, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565282

Werden nach einer hl. Seelenmesse

… die Altarlichter ausgelöscht, so steigen, so lange sie gloschten, immer noch arme Seelen aus dem Fegfeuer. (Wurmlingen bei Tuttlingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 283-284, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567137