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Geschichte

De Merian Sueviae 068

Topographia Sueviae: Bregentz

Sagen, Mythen und Geschichten

‚S Freile vu Rukburg

Uf der Rukburg ist vor Zite a Freile gsi, das schönst i der Geged. Menge Ritter hei’s welle zur Froue: aber’s Freile ist nomma viel z’ernstli gsi, und hot it welle manne. Nu, amole goht es am a Obed spaziere, und trifft a Beatlare a, die just am Weag dana striket. Die klagt dem Freile d’Noth und briegget und verzellt, was sie scho hei mitg’macht im trurige Leabe: „Ihr thätet ’s it gloube, g’streng Freile, was i miner Leabtag ho gʻlitte! Keak därf i säge: wär der Himmel an Boge Papier, und d’Sterne dob d’Schriber, und der Bodesee dunda mithalb an Hafa voll Dinte: schouet, sie kintet’s it verschribe, was i ho g’litte. Jo g’streng Freile, Ihr wisset halt it, was Kummer und Sorg ist?

Mi Freile schmöllelet: „Was Kummer und Sorg ist? – Wible, ei do honder an Gulde, etz säget, was Kummer und Sorg ist.“ ‚S Beatlerwible aber git dem Freile de Kneiel Garn und seit: „Do träget de Kneiel in Tannewald uffe, bis er d’Seel findet vum Kneiel, denn erfahret ihr b’stimmt, g’streng Freile, was Kummer und Sorg ist.“
Mi Freile nimt de Kneiel, und goht munter in Tannewald uffe. Etzeda fangt es a langsam z’dimmera und mit der Dunkle golt de Kneiel us, und mim Freile blibt a Bomnuss, uf die der Kneiel ist g’wunde gsi, i der Hand, und die Bomnuss ist d’Seel vum Kneiel, und mi Freile sieht i, was „Kummer und Sorg“ ist. Denn des zart Ding stoht etzeda im a schwarze Tannewald moetterseelgs alloa, woasst koen Weag, koen Steag zum Schloss zruk, hot Hunger und Durst, hot nix z’easse und nix z’trinke, möcht schlofe und hot koe Bett, möcht si wärme und hot koe Stube. Do fangt as a z’briegge und verspricht, wenn as wieder zu Litte kum, gang as i d’s Kloster. Druf goht as allad witer i d’Tanne und Foahre, und beathet vorm ani, und der kalt Nachtluft verzuslet em d’Loke.

Mit oamol sieht as a Liechtli dur d’Tanne, und schreit uf vor Froide und goht uf’s Liechtli zue, und kunt zu nar Hütte und kloket. An alts buckelegs Wible, a Liecht i der Hand, thuet uf. „Hom me doch über Nacht“ seit’s Freile, „i bi verdwiert und find koen Weag meh hom.“ – „Nu, so sei as“, seit s’Moetterle, und führt ’s Freile i d’Stube, „aber“ seit as, „des Ding is it sicher, mi Freile, i fürcht, der Jäger kum. Des ist an wilde udreassene Kerle, der nix, was Mensch hoasst, lide will, nu mir thuet er nix, i sei scho g’schlage gnue, seit ar, mit mim Bukel. Tägwis goht ar furt und passet uf’s Hochgwild, und a Gott will, kumt ar hinnacht nimma.“ ‚S Freile loset und schnufet voll Kummer und Sorge. Uf oamol hört mas bealle und hiine, und der Jäger ist vor Hütte und fluechet. ‚S Freile, stuchewiiss vor Schreke, springt uf und will fliehe, aber unter der Thüer verkunt as dem Jäger, und der zicht sin Säbel und hout em das flatterig Hoor ab. ‚S Freile ist frouh gsi, dass em de Kopf noch ist sto blieba, und louft im Wald furt.

Das is g’scheahe im Herbst. Aber dem Jäger is vu der Zit a nimma meh wohl gsi. ‚S Bild vum selle Freile ist em, wo sin Zorn ist verrocha gsi, alwil vur d’Seel ku. Stundewis scheut ar ’s Freiles Hoor a, und sinnet und loaret. Er macht Kränzle und Blümle us’am Hoor, und lueget si a, und briegget. „Wible“, seit ar amol zu sinar Wirthschäaftere,“Wible“, seit ar, „mi risst as etzt witer, i gang, und suech mer des Freile, ohne dea Engel kanis nimmer prästiere, die und ko andere. Und der Jäger zicht furt mitte im Winter, und goht wislos vu Schloss zu Schloss, aber niena findt ar a Freile, das sim Schätzle hätt g’glichet. Endli kunt ar im Schwobeland in a Kloster und beatlet a Suppe. Wer git em se? – O’s Freile vn Rukburg. Stuchewiiss wearet beide und d’Klosterfrou schlecht gschneall wieder Thüer zue; der Jäger lit aber am andere Morge verfrore bir Pforte.

Die Rukburg (Ruggburg) ist nunmehr eine Ruine in der Gemeinde Möggers
Quelle: Franz Josef Vonbun: Volkssagen aus Vorarlberg, Gedruckt bei den P.P. Mechitharisten, 1847, 90 Seiten, https://books.google.de/books?id=1j4JAAAAQAAJ, Seite 58 ff.



Quelle: Quelle: Franz Josef Vonbun: Volkssagen aus Vorarlberg, Gedruckt bei den P.P. Mechitharisten, 1847, 90 Seiten, https://books.google.de/books?id=1j4JAAAAQAAJ, Seite 63 ff.