Thurn und Taxis

franz. de la Tour, ital. della Torre, ist der Name eines in Deutschland residirenden, aus Mailand stammenden gräflichen und fürstlichen Geschlechts. Es wird erzählt, daß in der letzten Hälfte des 4. Jahrh. der erste della Torre gelebt habe, welchem der h. Ambrosius bei der Vertheidigung Mailands gegen die Arianer in Anerkennung seiner Tapferkeit diesen Namen ertheilte, indem er ihn zugleich zum souverainen Herrn von Valsassina, einer Herrschaft am Comersee im Herzogthum Mailand, machte. In Mailand, Bergamo, Novara und in andern Städten waren die Herren della Torre hoch angesehen und gelangten zur Herrschaft.

Die Tochter und Erbin eines Tacio della Torre vermählte sich mit einem franz. Ritter Heribert, und ihr Sohn Martin I. della Torre, Herr von Valsassina und der Riviera di Como am Comersee, begleitete den Kaiser Konrad I. auf dem von diesem unternommenen Kreuzzuge und starb 1147 in sarazenischer Gefangenschaft. Derselbe ist der älteste gewisse Stammherr des Hauses T. und Taxis. Acht Fürsten aus diesem Hause herrschten seit 1259 in Mailand. Endlich unterlag Guido der Reiche 1312 dem mächtigen Hause der Visconti. Der jüngste Sohn desselben, Lamoral I., kam nach der Valle del Cornello im Gebiete von Bergamo und nannte sich nach dem Berge Tasso, auf welchem seine Burg lag, del Tasso, und der Urenkel desselben, Graf Robert I., kam nach Deutschland, wurde vom Kaiser Friedrich III. 1450 zum Ritter geschlagen und wurde Gründer des Postwesens.

Graf Eugen Franz von T. und Taxis wurde vom Kaiser Leopold l. im J. 1695 in den Reichsfürstenstand erhoben, und unter jenes Enkel, Alexander Ferdinand, wurde das reichslehnbare Reichs-General-Erbpostmeisteramt 1744 zum Reichsthronlehn geschaffen. Er selbst wurde 1754 als Reichsstand mit einer Virilstimme in den Reichsfürstenrath aufgenommen. Der Fürst von T. residirte in seinem Palaste zu Regensburg als kais. Principalcommissarius bei dem Reichstage zu Regensburg. Fürst Karl Anselm von T. erwarb 1785 durch Kauf die reichsunmittelbaren Herrschaften Friedberg-Scheer, Dürmentingen und Bussen, welche 1786 zur gefürsteten Reichsgrafschaft erhoben wurden. Damit erhielt der Fürst von T. Sitz und Stimme auf der Fürstenbank des schwäb. Kreises.

Im J. 1806 wurden die Fürsten mediatisirt. Das Postwesen ist ihnen in mehren der größern deutschen Staaten abgenommen worden, doch haben sie dafür bedeutende Entschädigungen an Grundbesitz erhalten. Gegenwärtig sind sie noch mit dem Postwesen in Würtemberg, Hessen-Darmstadt, Hessen-Kassel, Hessen-Homburg, Sachsen-Weimar, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Koburg-Gotha, Sachsen-Altenburg, Nassau, Hohenzollern, Waldeck, Lippe, Reuß. und in den vier freien Städten beliehen.

Ihre Besitzungen, welche gegen 14 ! M. mit 35,000 Einw. umfassen, sind: im Würtembergischen das Fürstenthum Buchau, die Grafschaften Friedberg-Scheer, Marchthal, Neresheim, die Herrschaften Göffingen, Heudorf, Ober- und Unter-Sulmetingen, Öpfingen, Demmingen, Dischingen, Balmertshofen, Eglingen, Duttenstein und Trugenhofen; im Baierischen die Herrschaften Donaustauf, Wörth, Wiesent und Sulzheim; in Preußen das Fürstenthum Krotoszyn und mehre adelige Herrschaften; in Böhmen vier Herrschaften; in Tirol zwei Ämter und in den Niederlanden die Herrschaft Braine le château Hautitre und Impden.

Die Einkünfte des Hauses sollen 800,000 Gulden betragen. Die Hauptlinie wird jetzt repräsentirt durch den Fürsten Maximilian Karl, geb. 1802, der seinem Vater, dem letzten kais. Principalcommissair, Fürst Karl Alexander, 1827 folgte. Stammsitz ist das Schloß Taxis (sonst Trugenhofen) bei Dischingen im Würtembergischen. Das Haupt der Nebenlinie ist der Fürst Karl Anselm, geb. 1793. Beide Linien bekennen sich zur katholischen Kirche.
Quelle: Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1841., S. 426-427.
Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000870005