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Kloster Heiligkreuzthal

Sagen, Mythen und Geschichten

Graf Ego von Landau gründet das Gotteshaus Heiligkreuzthal

In der Registratur des k. Cameralamtes Kreuzthal ist eine Urkunde (V. 1. 6.) von 1550 auf Papier, die da lautet: »Nota: Zu den selbigen Ziten wonetten Erlich Graven von Landow zu Grieningen im wirtemberg unter denen ainer genant Ego. Der gewan ain Uebung vnd sundern willen zu den gaistlichen zu gwinnen do er aber vf ain zeit kam zu dem Hailgenberg do stal er vom hailtum daselbst ain stuk deß hailgen kritz. Von stund an warde er Erblindt vnd seines gesichtz deßhalber Entraubt. Sollichs behertzgott er sich zum hechsten vnd versprach sich zu dem Hailgenberg widerumm, vnd begert dariber beicht vnd buß. Do kam er wider zu seinem gesicht batt darvf den Hern vom Hailigenberg, daß Er ihme vom hailigen kritz ain wenig gebe. Do wolt er ain wirdig Gotzhuß bauwen, vnd sein geburenden thail vatterlichs gut darran geben. Das ward Er von dem Herrn gewert vnd do er zu Wasser schapfen sahe daß schlecht vnd gering wesen fieng er an alda zu bauwen zu lob vnd ern gott vnd dem Hailgen kritz ain Gotzhauß darinnen sy die Grauen von Landow ain grebnus mechtind haben[398] welches Hailig kritz er och Erstlich an den pau gabe vnd daß Gotzhauß darnach Hailigkritzthal nannte«.

[Die Riedlinger O.A. Beschreibung S. 185. 186 hat folgende Notiz: »Der Name Wasserschapfen wurde mit dem von Heiligkreuzthal vertauscht. Die Veranlassung dazu soll Graf Egon gegeben haben, indem er einen Splitter vom Kreuze Christi, den er zu Reichenau, nach Andern auf dem Heiligenberge sich verschaffte, in das Kloster stiftete, eine Reliquie, die bis auf den heutigen Tag im Kloster aufbewahrt wird.« – Landauhof, eine Viertelstunde von Binswangen; hier stand einst die Burg Landau, woher der Berg »Schloßberg« heißt.]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 398-399, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004569342

Kreuzlein vom Wildschwein ausgegraben

In der Pfarrkirche Heiligkreuzthal ist ein silberner Alltags-Kreuzpartikel, auf dessen Rückseite in eine buckelähnliche Stahlplatte Folgendes eingravirt ist: »Als man A,o. 1200 dises gottshaus zu transferiren vorhabens gewesen, ist dises Crützlein oder Mettall in dieser Form und Gestalt von Einem wilden Mutterschwein gefunden vnd ausgegraben worden vnd weil man es für ein Zeichen vnd wunder gehalten ist das gegenwärtig adeliche auch lobwürdige Closter vnd Stüfft welches mann damalen zur Wasserschapfen geheißen (jezund aber Heiligkreuzthal genannt wird) eben an dem Ort das Münster a. 1204 wo es noch steht gesetzet und erbaut worden«.

[Der Name »Heiligkreuzthal« kommt zum ersten Mal in der päpstlichen Bulle von 1231 vor. Durch eine Urkunde vom Jahr 1247 schenkt Anselm von Justingen dem Kloster das Eigenthum einiger Güter in Wazzersawen nunc mutato nomine in valle S. crucis. Eine spätere Urkunde von 1274 hat doch noch: in loco Wasserschaffen. Riedlinger O.A. Beschreibung S. 186. Ueber obige Sage, das. Anmerkung. Wildschwein wühlt einen Bischofsstab heraus, Panzer II. 182. 306.]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 391-392, Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456930X

Mondfanger

Die Altheimer (Riedlingen) ärgerten sich sehr, daß die Sonne, wenn sie über den Oesterberg aufging, die ganze Gegend vergoldete. Sie hielten diesen Schein für die Ursache der Oede ihres Berges und konnten nicht anders glauben, als daß die Sonne dem Berg zu nahe hange und ihn ausdörre. Die Gemeinde beschloß daher, die Sonne und ihren Kameraden, den Mond, auf dem Oesterberg in Netzen zu fangen und in einem eigens auf dem Kirchthurm hergerichteten Kasten[446] aufzubewahren, um sie nach Lust und Lieb scheinen lassen zu können. Die guten Altheimer glaubten, die Sonne möchte ihr Netz durchreißen, und schlugen daher noch Pfähle in den Berg, um es zu befestigen. Die Schlauen lauerten hinter Wachholdersträuchen auf den Fang. Aber die Sonne lief zu ihrem großen Schrecken über das Netz weg. Sie hielten aber das für die Ursache, daß der Berg gerutscht sei und schlugen gewaltige Pfähle in den Fuß des Berges. Aber auch diese Vorsicht führte nicht zum Zweck. Sonn und Mond gingen ihren alten Weg, und seither lächelt der Mond, den Altheimern zum großen Aergerniß.

[Ganz das Gleiche sagt man von den Munderkingern. Vgl. Sebst. Sailers Sonn- und Mondfang. Bair. Volksbüchl. II. 212.]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 446-447. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570235