Die drei Kirchen der Insel Reichenau stammen aus dem ersten Jahrtausend. Zwei zeigen noch romanische Wandmalereien.

Untersee mit Reichenau. Postkarte um 1900

Oberzell

Direkt am Eingang der Insel liegt in Oberzell die Kirche Sankt Georg – mit den reichhaltigsten und am besten erhaltenen Fresken. „St.Georg ist ein spätkarolingisches und ottonisches Kirchengebäude. Die Ende des 9. Jahrhunderts gebaute Basilika beherbergt in ihrer unterirdischen Krypta das Haupt des Heiligen Georg. Berühmt sind vor allem die ottonischen Wandmalereien aus der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts.“ (Wikipedia)

Mittelzell

In Mittelzell befindet sich das von Pirmin 724 gegründete Benediktinerkloster mit dem Münster St. Maria und Markus, der Abteikirche des Klosters Reichenau

Niederzell

In Niederzell befindet sich die kleinere Kirche St. Peter und Paul. Diese Kirche wurde 799 durch Bischof Egino von Verona errichtet. Nach zwei Bränden wurde der Gründungsbau allerdings um 1080 abgebrochen, und auf den alten Fundamenten wurde unter Beibehaltung der ursprünglichen Maße die heutige querhauslose Säulenbasilika erstellt. Das Innere von St. Peter und Paul wurde um 1750/1760 im Stil des Rokoko umgestaltet: die Fenster wurden vergrößert, die flache Holzdecke durch ein flaches Stuckgewölbe ersetzt sowie die Orgelempore im Westteil eingezogen. (Infos aus Wikipedia)

Karten

Karte eingebunden aus https://www.openstreetmap.de/

Anmerkung: Die Grenzziehung durch den Bodensee auf der Karte ist nicht korrekt, die Staatsgrenzen enden an den Uferlinien. Mit Ausnahme des Bereichs Untersee/Konstanzer Trichter existieren für den Bodensee keine Grenzverträge zwischen den drei Anrainerstaaten Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Seefläche an sich ist somit quasi »internationales Gewässer« und zählt nicht zur Staatsfläche von Deutschland, bzw. Baden-Württemberg, der Schweiz oder von Österreich.“ ➥statistik-bw.de-Service-Monatshefte-20080811

Links

Filmbeiträge

Literatur


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Sagen, Mythen und Geschichten

Insel Reichenau

Die jetzt so liebliche Reichenau war ehemals (724 n. Chr.) noch ein von schädlichem Gewürme bewohntes, wildes Eiland, das in dem Gebiete eines Austrasischen Landvogtes, Namens Sintleoz (Sintlas) lag, welcher gegenüber, auf einer wahrscheinlich nach ihm benannten Burg (später Sandeck genannt) oberhalb Bernang am Untersee, seßhaft war. Sie hieß schlechthin die Aue, auch die Sintlas-Au. Dorthin schickte der Austrasische Hausmajer Karl Martell den helvetischen Bischof Priminius aus Winterthur, um eine christliche Pflanzstätte zu gründen. Der Bischof erhielt von Sintlas Wohnung, reinigte das Eiland von den Schlangen und gründete eine Abtei, der die schwäbischen Dörfer Markolfingen, Alohospach (Allenspach), Kaltebrunn, Almanns-Montescurt (Allmannsdorf) und Erfmuottingen (Ermatingen) mit Land und Leuten vergabt wurden. Karl Martell stellte das Stift (Reichenau) unter den Schutz des Herzogs Luitfried von Allemannien und eines Grafen Bernald; Pipin und Carl der Große bestätigten die Schenkung.
Gustav Schwab: Insel Reichenau aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 53–54, 1846
Quelle: https://de.wikisource.org/wiki/Insel_Reichenau

Von dem Ursprunge des Geschlechts derer von Einsiedel

Um das Jahr 830 lebte in Böhmen ein Graf Berthold v. Sulgow. Nachdem seine Ehe lange Jahre ohne Kindersegen geblieben war, erfreute ihn endlich Gott in Folge eines Gelübdes, das seine Gemahlin gethan hatte, mit einem Sohne, der in der heiligen Taufe den Namen Meginrad empfing. Meginrad widmete sich, wie es die Mutter gelobt hatte, dem Dienste des Herrn, ging aber nicht in ein Kloster, sondern zog sich in eine Einsiedlerhütte zurück. Da nun in jener Zeit das Cölibat der Geistlichen noch nicht gesetzlich bestand, so nahm er sich ein Weib, nach den Worten der Schrift: „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei.“ Meginrad wurde bald ein glücklicher Vater mehrerer Kinder. Auch diese verließen den väterlichen Wohnplatz nicht, bis endlich um das Jahr 1281 einer der Nachkommen Meginrads, Grubo genannt, in die Welt zurückkehrte, anstatt der Einsiedlerkutte den Harnisch anlegte und statt des Rosenkranzes das Schwert in die Hand nahm. Grubo machte sich bald in Schlachten und Turnieren berühmt, allein der Name Einsiedel blieb ihm und ward von ihm auf zahlreiche Söhne und Töchter fortgeerbt.

Dieselbe Sage erzählt mit mehreren Veränderungen Stumpf in seiner Schweizer-Chronik, Zürich 1548. Fol. S. 106. : Nach ihr lebte im 9. Jahrhundert in Schwaben ein Graf, Berchtolt von Sulgow, dem seine Gemahlin einen Sohn Meynrad oder Meginrad (Meinhard) gebar. Meginrad wurde von seinen Aeltern für den geistlichen Stand bestimmt und daher in das Kloster Reichenau am Bodensee gebracht. Doch sein Sinn verlangte nach der Einsamkeit des Waldes. Er verließ daher Reichenau und zog sich in einen finstern, öden Wald am Züricher See zurück, um hier ungestört als Einsiedler seinem Gott zu dienen. Da geschah es denn im Jahre 863, daß zween Räuber zu ihm kamen und ihn erwürgten in der Hoffnung, Gold und Schätze bei ihm zu finden. Als er eben von ihren Händen sterben sollte, sah er zween Raben fliegen und sprach: „Die Raben werden’s verrathen!“ Da nun nach einiger Zeit die Räuber in Zürich in der Garküche saßen und Raben um das Haus fliegen sahen, sprach einer zum andern: „Schau, schau, da fliegen die St. Meinhard’s Zeugen her!“ Das zeigten Etliche der Obrigkeit an, die zog sie ein, und da sie die That bekannten, wurden sie gerädert und mit Feuer verbrannt. Aber der Leichnam des frommen Meinhard wurde nach Reichenau gebracht und blieb dort ein Gegenstand der Verehrung bis zur Aufhebung des Klosters, d. h. bis zum Jahre 1803. An der Stelle aber, wo St. Meinhards Zelle gestanden hatte, erbaute im Jahr 913 der Dom-Decan Eberhard aus Straßburg eine Kapelle und eine neue Einsiedelei. Bald fanden sich hier viele Fromme zusammen, bis endlich das Kloster Einsiedeln entstand. In Einsiedeln wurden aber bald der Ordensleute so viele, daß das Kloster sie nicht alle erhalten konnte. Manche der Klosterbrüder verließen ihre Zellen wieder. Unter diesen befand sich auch ein Bruder, der aus dem Lande Meißen [285] stammte und der in die Heimath zurückkehrte, um sich dem Kriegsdienste zu widmen. Aber hatte er auch seinem Leben eine andere Bestimmung als die früher gewählte gegeben, so behielt er doch den Namen Einsiedel und wurde so der Ahnherr derer von Einsiedel. – Dies soll geschehen sein um das Jahr 1280. Uebrigens ist die Sage der von den Kranichen des Ibycus sehr ähnlich, s. B. Schmidt, Romanzen u. Ball. deutsch. Dichter S. 206

Johann Georg Theodor Grässe: Von dem Ursprunge des Geschlechts derer von Einsiedel aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 283-284, 1874
Quelle: https://de.wikisource.org/wiki/Von_dem_Ursprunge_des_Geschlechts_derer_von_Einsiedel