Infos, historische Ansichten, Sagen & Brauchtum aus Oberschwaben

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Bad Wurzach – Sehenswertes, Geschichte, Sagen, Mythen und Volksglaube der Region. Das „etwas andere“ Portal. Links, Landkarten, historische Ansichtskarten, Fotos, Ausflugsziele …

Bad Wurzach mit Alpenpanorama, Eugen Felle, 1931

Bad Wurzach mit Alpenpanorama, Eugen Felle, 1931

Allgemeines

Gliederung

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  • Kunst, Kultur und Brauchtum
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    • Die Otternlinde bei Wurzach
    • Muetisheer bei Albers
    • St. Ulrichsbrunnen in Seibranz
    • Umgehendes Schwein
    • Wurzach versunken
  • Volksglaube, Wetter und Gestirne
    • Wenn man an Weihnachten in der hl. Messe
  • Sitten und Gebräuche
    • Alte Karfreitagsprozession in Wurzach
    • Der Hahnentanz in Wolfartsweiler
    • Salzscheibe
    • Strafwerkzeuge
    • Scharfrichter-Schwert
    • Martinitag
    • Wurzachische Bâl-Ordnung,
  • Fußnoten

➥ Internetauftritt der Stadt Bad Wurzach
➥ Wikipedia:Bad Wurzach
➥ Alemannische Wikipedia:Bad Wurzach
➥ Wikisource: Historische Quellen zu Bad Wurzach

Fotos & Abbildungen

Schloss Bad Wurzach

Die hier gezeigten Bilder wurden von mir erstellt, falls nicht anders vermerkt oder aus anderen Quellen eingebunden.
© Wolfgang Autenrieth

➥ Bildersammlung auf Wikimedia-Commons
➥ Bad Wurzach auf Tumblr
➥ Bad Wurzach auf Pinterest

Kunst, Kultur und Brauchtum

➥ Kultur und Sehenswürdigkeiten (Wikipedia)
➥ Bad Wurzach auf ‚Bildindex‘
➥ Bad Wurzach auf ‚Google-Art‘
➥ Bad Wurzach auf ‚Zeno-Org‘

Museen in Bad Wurzach

Käserei-Museum, Privatkäserei Vogler

Das Käserei-Museum der Privatkäserei Vogler in Bad Wurzach zeigt originalgetreu rekonstruierte historische Käsereien, darunter die erste Käserei von Gospoldshofen, und veranschaulicht in einer der letzten privaten Rohmilch-Käsereien Baden-Württembergsdie die traditionelle Käseherstellung aus naturbelassener Rohmilch. Besucher erleben bei Führungen die handwerkliche Produktion hautnah und können im angeschlossenen Sennerstüble regionale Allgäuer Spezialitäten genießen.

Simon-Göser-Straße 11
88410 Bad Wurzach-Gospoldshofen
Tel. +49 7564 3583
info@kaeserei-vogle.de

Wetterstation an der Käserei Gospoldshofen, Foto ©Wolfgang Autenrieth

Wetterstation an der Käserei Gospoldshofen, Foto ©Wolfgang Autenrieth

Wetterstation an der Käserei Gospoldshofen - Bedienungshinweis, Foto ©Wolfgang Autenrieth

Wetterstation an der Käserei Gospoldshofen – Bedienungshinweis, Foto ©Wolfgang Autenrieth

Sepp-Mahler-Museum im Leprosenhaus

Das Sepp-Mahler-Museum im historischen Leprosenhaus in Bad Wurzach zeigt Werke des Malers und Dichters Sepp Mahler, darunter eindrucksvolle Bilder, Linolschnitte und Grafiken, die von seiner tiefen Verbundenheit zur Moorlandschaft und Heimat geprägt sind. In dem mittelalterlichen Gebäude, in dem Mahler 1901 geboren wurde, verschmelzen Kunst und Geschichte zu einem authentischen Ort der Erinnerung und Inspiration.

Ravensburger Straße
88410 Bad Wurzach
Tel. +49 7568 960496
h.kussauer@web.de
https://www.leprosenhaus.de

MOOR EXTREM

Das Naturschutzzentrum Wurzacher Ried zeigt in der interaktiven Erlebnisausstellung „MOOR EXTREM“ die faszinierende Welt der Moore mit neun Themenbereichen, in denen Besucher Naturgewalten, ökologische Zusammenhänge und die Tricks der Torfmoose hautnah erleben können. Mit allen Sinnen wird das Wurzacher Ried als extrem vielgestaltiger, gefährdeter und inspirierender Lebensraum erfahrbar gemacht – von der Entstehung durch Gletscher bis zur Bedeutung für Klima und Artenvielfalt.

Rosengarten 1
88410 Bad Wurzach
Tel.+49 7564 302190
naturschutzzentrum@wurzacher-ried.de
https://www.moorextrem.de

Torfmuseum

Das Oberschwäbische Torfmuseum im historischen Zeiler Torfwerk in Bad Wurzach dokumentiert über 200 Jahre Torfabbau im Wurzacher Ried – von der Handarbeit bis zur industriellen Nutzung – anhand originaler Werkzeuge, Maschinen und Fotografien. In 13 Stationen und einer funktionsfähigen Schmiede erleben Besucher die soziale, wirtschaftliche und ökologische Bedeutung des Torfs, ergänzt durch Fahrten mit dem historischen Torfbähnle durch das Moor.

Am Reischberg 12/1
88410 Bad Wurzach
Tel. +49 151 50743888
vincon@torfbahn.de
https://www.torfbahn.de

Geschichte

➥ Wikipedia – Bad Wurzach#Geschichte
➥ Matthäus Merian, Topographia_Sueviae: Wurtzach (Wikisource)

Ausflüge und Sehenswertes

➥ Wikivoyage: Bad Wurzach (Projekt der Wikimedia)
➥ Wikitravel: Bad Wurzach

Natur & Parks

Wachbühl

„Der Wachbühl ist ein 791 m ü. NN hoher Aussichtsberg. (…) Der Wachbühl ist die höchste Erhebung der Raumschaft Bad Wurzach, des Zeiler Schotterfelds und im ehemaligen Oberamt Leutkirch. Der Aussichtspunkt befindet sich auf der Gemarkung von Seibranz und gewährt an klaren Tagen einen Überblick über die gesamte Alpenkette, Allgäuer Vorland und Oberschwaben.
Nach Norden hat man eine gute Übersicht auf die stark bewaldete Marstetter Schotterebene, Donautal und Schwäbische Alb. (…) In der Nähe liegt das tobelähnliche Teufelsloch.(…) Fünf Kilometer südwestlich der eiszeitlichen Endmoräne, auf 745 Meter Höhe befindet sich Schloss Zeil, die Residenz des Fürsten von Waldburg-Zeil.“ zit. aus Wikipedia: Wachbühl

Karten

Links oben in der Karte können Sie mit + und – den Maßstab der Darstellung ändern. Durch Festhalten des Mauszeigers lässt sich der Ausschnitt verschieben.

Karte eingebunden aus OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL.
➥ Luftlinie-org berechnet die Luftlinienentfernung
sowie die Straßenentfernung zwischen zwei Orten und stellt beide auf der Landkarte dar.

Nachbargemeinden

➥ angrenzende Städte und Gemeinden (aus Wikipedia)

Teilorte / Teilgemeinden

➥ Ortschaften und Wohnplätze von Bad Wurzach (aus Wikipedia)

Sagen, Mythen und Geschichten

Burggeist

Zwischen Wurzach und Gospoldshofen liegt eine Höhe, auf der einstens eine Burg stand. Ob es der Mühleberg oder Ellenberg ist, ist nicht genau zu sagen. Da kommt alle 100 Jahre ein Berg- oder Burggeist heraus und leuchtet in die Umgegend, daß es ganz tageshell wird. (Alberg)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 287, Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456720X

Das Wurzacher Stadtwappen

Stadtwappen von Bad Wurzach

Im Wurzacher Stadtwappen sieht man einen Krebs. Wie der hineingekommen, weiß man nicht. Aber das ist wahr: alles Gethier zog fort von Wurzach und mochte es nur gar nicht leiden. Da verirrte sich mal ein Krebs und kam wieder nach Wurzach. Man bewunderte das Thier gewaltig und sah, daß es rückwärts ging. Die Städter meinten, der Krebs wolle den alten Achtertanz tanzen und schrien: auch vorwärts, nit immer rückwärts. Sie wollten den Krebs tanzen lernen, der aber tanzte nicht, ebensowenig als der Karpfe sang, den die Biberacher singen lernen wollten.[Lernern schwäb. Provinz. = lehren]
Quelle:G. Schwab, Volksbücher I. 352, Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 444. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570189

Die Otternlinde bei Wurzach

Auf dem »Siechenberge« oder »Leprosenberge« bei Wurzach steht eine alte Linde. Ein etwa drei Finger breiter, ausgehöhlter, gleichsam eingeschnittener Streifen windet sich an dem Stamme hinauf. In Mitte des Stammes über der Wendung ist eine alte Votivtafel mit Christus am Kreuze, fast in den Baum hineingewachsen. Die Sage geht: Vor alten Zeiten kam, man weiß nicht von welcher Gegend her, ein grausig Tier, halb Schlange, halb Drache, geflogen und ließ sich an dem Baume nieder und wand sich um ihn herum. Der Atem, den das Tier aushauchte, erzeugte eine tödliche Seuche in der ganzen Umgegend. Um des Tieres los zu werden und die Pest abzuhalten, nahm man seine Zuflucht zu verschiedenen Mitteln, vor allem zu Wallfahrten und Gebeten. Alles schien nichts zu helfen; da zog der Geistliche mit dem Allerheiligsten an der Spitze einer Prozession den Riesenberg hinauf und beschwor das Ungeheuer an der Linde, damit es weiche. Unter furchtbaren Zuckungen und Windungen wand das Tier sich nach und nach vom Stamm herab und verschwand plötzlich in der Erde. Am Stamme des Baumes blieb diese Spur zurück, und um dem Tiere den Rückweg abzuschneiden, brachte man das Bild des Gekreuzigten an.

Lonicerus sagt S. 629 von »Drachen«: »Ihre Wohnung ist am meisten in Höhlen. – Wo der Lindwurm wohnt, da vergiftet er den Luft. Hat seine Kraft nicht in den Zähnen, sondern im Schwanz. Und beschädigt mehr mit streichen, dann mit beißen. – Aus dem Hirn des Drachen schneidet man einen Stein, Dracontias genannt, wann man ihm den nicht lebendig nimmt, so ist’s kein Stein, dann wenn er stirbt, so verschwindet er. Vom Drachenschmalz fliehen alle giftige Tier.«
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 104-105.Von X. Bernhard Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456233X

Muetisheer bei Albers

An Sommerjohanni vernahm ein Bauer von Albers bei Gospoldshofen, wie er in’s Bett und die Läden zumachen wollte, ein wildes Durcheinander von Schreien, Pfeifen, ein Sausen und Brausen in der Richtung Albers zu. Es ging diese Geschichte hinter Albers hinum durch den Boden eines Bauernhauses. Auf dem Gang riß es die Knechte aus den Betten; die Betten selbst flogen vorn vom Haus zu den Fenstern hinaus den Hof hinab. Von da zog es weiter über den Winterösch, den Berg hinauf an der entgegengesezten Seite. Auf dem Berge droben war noch Einer, der heim wollte. Hörte das Muetisheer kommen, legte sich schnell mit kreuzweis übereinander geschlagenen Armen auf den Boden. Das Muetisheer zog über ihn hin. Des andern Morgens sah man die ganze Strecke, wo das Muetisheer durchzog, bis dem Berg zu, in dem bereits geschossen Korn- und Roggenfeld eine lange Furche dahin laufen, wie wenn man mit einer Anzahl abgehauener Baumäste durchgegangen wäre.
Im Wurzacherried hörte es mal ein Hirtenbube hoch in den Lüften kommen, wie wenn hundert Glocken läuteten, wie sie seine Kühe anhatten. Bald war’s schöne, schöne Wolkenmusik, bald fürchterliches Lärmen.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 33-34. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004561147

Anmerkung: Diejenigen, welche im Rausche sterben, müssen mit dem Muetisheer fahren, hinterfür auf einem Rosse, auf eisernem Sattel von eisernen Stacheln. (Rohrdorf)
Quelle:Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 37. Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456121X

St. Ulrichsbrunnen in Seibranz

Unten im Dorfe ist der St. Ulrichsbrunnen. Vor Zeiten hatten die Seibranzer kein eigen Wasser. Die Not war groß. Da kam mal St. Ulrich von Augsburg her, um zu firmen. Das Volk klagte ihm sein Elend. Da kniete der Heilige an den Altar nieder, betete inbrünstig zu Gott um Hülfe in der wasserarmen Gegend. Ging hinaus, steckte seinen Stab in die Erde mit einem Stoß, und augenblicklich sprudelte eine reiche, silberreine Quelle heraus. Der Platz kann weitum kein Wasser geben: die Quelle fließt noch jezt klar, Jahr aus, Jahr ein. St. Ulrich ist Kirchenpatron in Seibranz. Jährlich an St. Ulrichstag hielt man noch bis in unsere Zeit herein eine feierliche Prozession zum Brunnen.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 407-408, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004569520

Umgehendes Schwein

Bei Dietmanns im Wurzachischen ist eine Sandgrube, in der es nicht geheuer ist. Da sieht man zu gewissen Zeiten ein Schwein, auf dem eine Frau reitet. (Rochholz A.S. I. S. 93 ff. S. 97 ff. Erinnerung an Frô’s heiligen Eber »Gullinbursti«.)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 112-113. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004562496

Wurzach versunken

Westlich am Wurzacher Riede steht ein großer Bauernhof. In diesen soll einst am späten Abende ein altes Weib gekommen sein, welches die Stadt Wurzach, in der man ihr kein Nachtlager gönnte, verwünschte. Aus dem Brunnen mit einem Löffel Wasser schöpfend, sprach sie: »So gewiß ich diesen Löffel voll Wasser ausgieße, so gewiß wird bis Morgen Wurzach versunken sein.« Am andern Morgen war die Stadt versunken, und man hörte nachher die Hähne aus der Tiefe krähen.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 230-231, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565983

Volksglaube, Wetter und Gestirne

Wenn man an Weihnachten in der hl. Messe

… neunerlei Holz schneidet und es mit der Hand so vor Augen hält, daß man dadurch hinaussehen kann, so werden alle Hexen kennbar; man erkennt sie daran, sie haben alle Melkeimer auf dem Kopf, rückwärts in den Bänken stehend. Man muß sich aber gleich nach der hl. Messe aus der Kirche machen, sonst verfolgen einen die Hexen und thun einem Uebles an. (Wurzacher Gegend)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 466-467. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570693

Sitten und Gebräuche

Alte Karfreitagsprozession in Wurzach

Vermerkung Aller der Jenig Personen vnnd Figuren, so bey negst Prozession am Carfreytag sollen exhibiert werden pro a. 1712.
1) Einer zue pferdt Romanisch Kleidt, mit dem standari.
2) 2 trompeter.
3) herenbauger.
4) Genius zue fueß, tragent den schilt Passio Domini nostri Jesu Christi.
5) Stabtrager.
6) Fahnentrager.
7) Adam und Eva.
8) Der todt.
9) Der teiffel.
10) Ein tragende figur. Die Liebe Gottes. Bedeitend die grosse Lieb zue dem Leiden Christi.
11) Anna./Tobias. [Alttestamenmtarische Figuren aus dem Buch Tobit als Vorbildfiguren]
12) Anna./Tobias.
Anna nimbt von ihrem Sohn Tobias den Abschid bedeitend den abschid Christi vnd Maria.
13) labrum die Bescheidung [Stangentafel (Labrum), die das Thema „Das Verhör / Die Befragung Jesu“ (die Bescheidung) ankündigte.]
14) Der Abschid Christi vnd Maria.
15) Joseph mit seinen 7 Brüdern.
16) Ein tragende Figur mons oliueti, Josaphat [Eine Person trägt ein Schild mit der Darstellung des Ölberges]
17) Etliche paar Creuztragend Bueben.
18) Fahrende figur der öhlberg.
19) Creuztrager.
20) labrum, Flucht in Egypten.
21) Flagellanten.
22) 2 Courrassier.
23) Jacob vnd Manassa.
24) Ein tragende figur der falsch Kuß Judä.
25) Samson.
26) 2 Grichts Diener.
27) Christus Pönitent mit 4 Juden.
28) 2 Courrassier.
29) 2 grichts Diener.
30) Schriftgelehrte.
31) Die 2 hoch Priester Annas vnnd Cayphas.
32) Der rewmietige Petrus.
33) Creuztrager.
34) labrum die Lehrung im tempel.
35) Flagellanten. [Henkersknechte, die Jesus gegeißelt haben]
36) 2 hatschier.
37) König Herodes.
38) Dessen hofbediente.
39) Michäas, Achab vnnd Sedechias. [Michaja (wahrer Prophet), Ahab (König) und Zedekia (falscher Prophet) aus dem 1. Buch der Könige als eine theologische Spiegel-Szene]
40) Christus im weißen Kleidt vnnd 4 Juden.
41) Eine tragende figur die Geisslung Christi.
42) Flagellanten.
43) Creuztrager.[170]
44) Abraham vnd Isac.
45) Ein tragende figur Crönung Christi.
46) Ein Cornet so die Standari fiehrt mit S.P.Q.R. (Senatus populusque romanus).
47) Der hof Pilati.
48) 2 Bagage [2 Pagen].
49) Pilatus.
50) Ein Juden Schaar.
51) Ein tragende Figur: Ecce Homo.
52) labrum Creuz tragung.
53) Flagellanten.
54) Die 2 Schecher.
55) 2 Juden so die Schecher fiehren.
56) Der Creuztragende Christus, 4 Juden.
57) Simon Cyreneus.
58) Magdalena.
59) Veronica.
60) 2 Töchteren von Jerusalem.
61) labrum Creuzigung.
62) Creuztrager.
63) ferculus die Annaglung Christi.
64) Flagellanten.
65) Ein schwarzen Fahnen.
66) Moyses mit den Schlangen.
67) Ein grosses Crucifix.
68) Longinus.
69) 2 Serviter.
70) labrum.
71) Creuztrager.
72) Ein tragendes Vesperbild, Schmerzhafte Muetter.
73) Musikanten, singen »Stabat Mater.«
74) labrum.
75) Flagellanten.
76) H. Grab.
77) 4 genij.
78) Die Beede Jünger Johannes vnd Petrus.
79) Die 3 Frauen mit den Salben.
80) Reiterei.
81) Ein Triumph Wagen, bedeitend wie Christus den Tot, teiffel vnd die Welt überwunden.
Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004575369

Der Hahnentanz in Wolfartsweiler

Am St. Bartholomäustag (24. Aug.) ist in Wolfartsweiler der Hahnentanz. Auf einem abgegrenzten Wiesenplatz ist eine Stange angebracht. In einiger Entfernung davon eine Wanne mit einer geladenen Pistole und mit aufgelegtem brennendem Zunder. Die Buben tanzen mit ihren Mädchen um diese Stange, die auf dem Rasen liegend befestigt ist. Beim Beginn des Tanzes bekommt das Paar, das anhebt, einen Blumenstrauß beim Gipfel der Stange. Kommt das Paar an den Fuß der Stange, dann bekommt den Strauß ein anderes Paar. Wer den Strauß gerade hat, wenn die Pistole losgeht, der gewinnt den Hahnen, das ein beliebiger Gewinn sein kann.
Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 286. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004576810

Salzscheibe

Eheleute sollen nur mit einander eine Salzscheibe bis zur goldenen Hochzeit brauchen. Sie sollen nämlich jährlich am Hochzeittage zur Erinnerung an denselben von der Salzscheibe lecken; nach 50 Jahren werde dann die Salzscheibe golden; daher stamme die Sage von der goldenen Hochzeit. Aus der Wurzacher Gegend.
Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 400-401. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004577752

Strafwerkzeuge

Beschreibung der im Hochfürstlichen Residenzschloss in Wurzach befindlichen, von der ehemaligen Hochgräflichen Justiz- und Polizeiverwaltung herrührenden Strafwerkzeuge

a. Der sogenannte spanische Mantel
Ein eichenes Fass, etwa zwei Schuh hoch, ohne Boden, mit eisernen Reifen. Oben im Boden ist eine weite Öffnung, durch welche der Bestrafte den Kopf, wenn ihm dieses Fass (Mantel) über den Kopf her getan wurde, hinausstrecken konnte. War der Bestrafte im Mantel, so wurde erst ein Halseisen geschlossen und mit Vorhangschloss versehen. So verwahrt musste der Bestrafte entweder in den Gängen vor der Justizkanzlei oder am Pranger vor dem Rathaus herumlaufen, bis nach Abfluss der Strafzeit.

Ein Einwohner in Wurzach wurde einmal zu dieser Strafe verurteilt. Nach Ablauf der Strafe erzählte er ganz vergnügt zu Haus seiner Ehefrau: Heute habe ich einmal ein starkes Tuch zu einem Mantel bekommen. Das ist gut, sagte die Frau, dass du so starkes Tuch bekommst; wann bringst du es? Ja ja! sagte der Mann, hinter den Ohren kratzend: du könntest es wohl im Oberamt holen, den spanischen Mantel.

b. Die sogenannte Doppelgeige
Dieses Strafwerkzeug besteht aus Holz, ist bretterdick, hat eine Öffnung für den Hals und für jede Hand eine solche, also drei Öffnungen, und eben so viele Öffnungen für die andere Person, mit eisernen Scharnieren und Schloss.

Zu dieser Strafe wurden rauf- und zanksüchtige Weiber verdammt. Waren die Bestraften gegenseitig fest, so entspann sich oft erst die wahre gegenseitige freundliche Begegnung, welche oft bis zum Anspeien ausartete.

c. Die sogenannte kleine Geige
Beschaffenheit wie oben, nur für eine Person, für Halberwachsene.

d. Der eiserne Schnabel
Zwei bis drei eiserne Ringe in Form einer Kappe mit eisernem Schnabel, an welchem eine Glocke. Zum Aufsetzen dieses Schnabels wurden Schwätzerinnen verurteilt.

e. Großes Betnuster
Die Nusterkugeln von der Größe einer großen Nuss. Zum Tragen dieses Nusters wurden Ruhestörer etc. in der Kirche verurteilt.

Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 234. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004576446

Anmerkung zum Betnuster: Während ein normaler Rosenkranz kleine Perlen aus Holz oder Glas besitzt, waren die Kugeln dieses Strafwerkzeugs klobig und „von der Größe einer großen Nuss“ (oder teils sogar noch größer, wie kleine Äpfel). Sie wurden meist aus schwerem, grobem Holz (wie Eiche oder Buche) gedreht oder teilweise sogar aus Stein oder Eisen gefertigt. Diese einzelnen Riesenkugeln waren mit dicken, schweren Eisenringen oder stabilen Stricken miteinander verbunden. Am Ende der Kette hing meist kein filigranes Kruzifix, sondern ein auffallend großes, schweres Holzkreuz oder ein Schandzeichen. Das Straf-Nuster war so riesig und lang, dass man es wie eine schwere Kette um den Hals legen oder mit beiden Händen vor sich hertragen musste.

Scharfrichter-Schwert

Inschrift auf dem Nachrichter-Schwert, welches Herr Tierarzt Zimmer in Wurzach besitzt.
Erste Seite:
Wann ich das Schwert tue aufheben,
So wünsch ich dem armen Sünder das – ewige Leben.

Zweite Seite:
Hüte dich, tue kein Böses nicht,
Wann du willst fliehen dies Gericht.

Anno 1414.
Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 239. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004576527

Martinitag

Zu Hauerz, im Oberamt Leutkirch2, ward früher immer zu Martini die Kirchweih gehalten, bei der sich alle Bewohner der Gegend einfanden. Die Bauern brachten alsdann dem hl. Martin alles Mögliche zum Opfer: Frucht, Hanf, Obst, Fleisch, Eier, Schmalz, Butter u. dgl. In den Wirtshäusern wurde geschmaust und getanzt. Am Tag darauf wurde eine »Nachkirchweih«, wie man es nannte, gehalten, und da blieb niemand zu Haus, denn an diesem Tage verzehrte man das Opfer, das dem hl. Martin gefallen war; was aber übrig blieb oder nicht essbar war, wie Flachs, Hanf u. dgl., das verteilten die Leute unter sich und nahmen es mit nach Haus.
Manchmal hat man auch wohl den hl. Martin aus der Kirche abgeholt und in’s Wirtshaus gebracht, damit er selbst sehe, wie fröhlich sein Opfer verzehrt werde.
Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 164-165. Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000457530X

Wurzachische Bâl-Ordnung,

welche auf gnädigsten Befehl bei denen in dem Gasthofe zur goldenen Krone dahier abzuhaltenden Bälen zu Jedermanns Wissenschaft und Nachachtung Kund gemacht wird.
Erstens.
Die in dem Saale zur goldenen Krone dahier abzuhaltenden Bäle nehmen ihren Anfang Abends 6 Uhr, wo mit Deutschtanzen der Anfang gemacht, und jederzeit von 1/4 Stund zu 1/4 Stund mit Tanz und Ruhezeit abgewechselt wird, und dauern bis Morgens früh 6 Uhr. Nach Verlangen werden auch englische Touren gemacht.
Zweitens.
Um 8 Uhr Abends wird bis 9 Uhr soupirt, unter welcher Zeit die Musikanten ebenfalls speisen. Nach dem Soupee wird der Bâl wieder in voriger Ordnung fortgesezt.
Drittens.
Wird zu diesen Bälen Jedermann, ohne Unterschied des Standes, gegen das bestimmte Eintritsgeld, maskiert oder auch in eigenen Kleidern, doch mit einer Larve oder Karte auf dem Hut, eingelassen.
Viertens.
Wird bei Vermeidung der Wegschaffung durch die Wache einen Stock, Feuer-, Seiten-oder andere Gewehr, auch Sporn im Tanzen, bei sich auf dem Bâl zu tragen verboten, und besonders nicht gestattet, daß die Diener einiges Gewehr mit sich führen sollen, welchen auch der Eintritt in den Saal in ihrer Livree gänzlich untersagt ist.
Fünftens.
Sind bei gleichmäßiger Wegschaffung verboten alle eckelhaften und graüßlichen Vermummungen und Larven, auch jene, durch welche die Leibesgestalt verborgen wird, oder die sonst dem sittlichen Anstande entgegenstehen, insbesondere aber die geistlichen oder Ordenskleidungen von was immer für einer christlichen Religion.
Sechstens.
Alle Hazard-Spiele sind verboten, deßgleichen auch das Tabakrauchen, sowohl im Tanz-als Speisesaal.
Siebentens.
Gleich wie bei dieser Belustigungs-Anstalt alle Stände sich gleich zu halten haben, ebenso wird Niemand einiges Vorzugsrecht im Tanzen zum Nachstande eines andern sich anmaßen, wobei auch Jedermann von allen Beleidigungen bei Vermeidung öffentlicher Ahndung und Fortschaffung aus dem Sal sorgsamst sich zu enthalten, sofort sich gegen den zu Beibehaltung guter Ordnung von der hochfürstlichen Regierungskanzley dahier aufgestellten Herrn Commissär Waldraf, dann die Geld- und Billette-Einnehmer, auch die Wache mit gehöriger Achtung zu benehmen hat. Wornach sich also Jedermann zu achten wissen wird.
Gegeben Wurzach, 12. Jenner 1805. Pr. Hochfürstlich Waldburg, Wurzach’sche Regierungs-Kanzlei.
Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 213-215.
Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004576098


Fußnoten

1 Informationen zusammengestellt bzw. zitiert aus Wikipedia (Quelle siehe „Allgemeines“

2 Hauerz gehört heute zur Stadt Bad Wurzach. Im 19.Jahrhundert war das „Oberamt“ ein Verwaltungsbezirk, entsprechend dem heutigen „Landkreis“.

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