Oberschwaben – historische Ortsansichten & regionale Sagen

  • Kreise, Städte, Orte
    • AIC – Kreis Aichach-Friedberg
      • Ortsliste
    • BC – Kreis Biberach
      • Ortsliste
    • BL – Zollernalbkreis
      • Ortsliste
    • DLG – Kreis Dillingen
      • Ortsliste
    • FN – Bodenseekreis
      • Ortsliste
    • KN – Kreis Konstanz
      • Ortsliste
    • LI – Kreis Lindau
      • Ortsliste
    • MN – Kreis Unterallgäu
      • Ortsliste
    • OA – Kreis Oberallgäu
      • Ortsliste
    • OAL – Kreis Ostallgäu
      • Ortsliste
    • RT – Kreis Reutlingen
      • Ortsliste
    • RV – Kreis Ravensburg
      • Ortsliste
    • SIG – Kreis Sigmaringen
      • Ortsliste
    • TUT – Kreis Tuttlingen
      • Ortsliste
    • UL – Alb-Donau-Kreis
      • Ortsliste
    • VS – Schwarzwald-Baar-Kreis
      • Ortsliste
    • |AT – Reutte
      • Ortsliste
      • |AT – Vorarlberg
        • Ortsliste
        • |CH – Kanton Aargau
          • Ortsliste
        • | CH – Kanton Appenzell Innerrhoden
          • Ortsliste
        • |CH – Kanton Sankt Gallen
          • Ortsliste
        • |CH – Kanton Thurgau
          • Ortsliste
  • Schwäbisch
    • Dialekt & Sprache
      • Schwäbische Paradoxa
      • Schwäbische Literatur
      • Schwabenwitze
      • Schwäbisch bruddla
      • Schwabenrock & Kabarett
  • Schwaben
    • Nachrichten aus Schwaben
    • Sagen & Mythen
    • Schwäbische Sagen & Märchen
  • Geschichte
    • Prähistorische Siedlungen
    • Keltenstadt Pyrene – Heuneburg
    • Römer & Limes
    • Mittelalter
      • Campus Galli
      • Freie Reichsstädte
      • Bauernkrieg
      • Der Bauernkrieg in Oberschwaben
      • Burgen, Schlösser, Ruinen, Festungen
    • 19.Jahrhundert
      • Schwabenkinder
    • 20.Jahrhundert
      • Nationalsozialismus in Oberschwaben
    • Geschichtliche Museen
  • Sehenswertes
    • Kunst in Oberschwaben
      • Galerien
      • Kunst Festivals & Events
      • Kunst_Mittelalter
      • Kulturgeschichtliche Museen
      • Kunstmuseen
      • Kunstvereine & Künstlergruppen
      • Kunstwege
      • Oberschwäbische Barockstraße
    • Themenstraßen + Wege
      • Bodensee-Radwanderweg
      • Oberschwäbische Barockstraße
      • Thermalbäder in Oberschwaben und Umgebung
      • Donau-Radwanderweg
      • Jakobswege durch Oberschwaben
      • Kunstwege
    • Flora & Fauna
      • Tier- und Wildparks
      • Viehscheid im Herbst
    • Landschaften
      • Alpen-Gletscher
  • x-Info
    • Oberschwaben – Orte mit Geschichte(n)
    • Über diese Website
    • Cookie-Richtlinie (EU)
    • Impressum
    • Datenschutzerklaerung

Geschichte von den 7 Schwaben – erzählt von Essen 

Gliederung

Toggle
  • Geschichte von den 7 Schwaben – erzählt von Essen 
    • I. Wie der Seehas auf Abenteuer auszieht und der Nestelschwab sich zu ihm gesellt
    • II. Wie ein Gelbfüßler von Bopfingen mit den beiden Schwaben gemeinschaftliche Sache macht und mit ihnen zieht
    • III. Vom Knöpfleschwaben und wie er auch mit ihnen gezogen ist
    • IV. Vom Blitzschwaben und was sich sonst zugetragen
    • V. Wie auch der Spiegelschwab und der Allgäuer in den Bund der sieben Schwaben eintreten, also dass die Galgenzahl Sieben voll wird.
    • VI. Wie die sieben Schwaben gen Augsburg kommen und sich allda mit ritterlichem Streitzeug versehen
    • VII. Wie die sieben Schwaben ausziehen und dann den geraden Weg nach dem Bodensee zu einschlagen.
    • VIII. Wie eine Zigeunerin den sieben Schwaben wahrsagt und das Rechte trifft
    • IX. Wie die sieben Schwaben auf einen Bären stoßen und sich als Helden zeigen
    • X. Wie die sieben Schwaben in den Stauden stecken bleiben und was sich dabei begibt.
    • XI. Wie den sieben Helden ein Schwabenmädel begegnet und der Blitzschwab von ihr auf die Kirbe geladen wird.
    • XII. Wie die sieben Schwaben ein Abenteuer mit einem aus Baierland haben und ihn brav heimschicken.
    • XIII. Wie die sieben Schwaben von einem Waldbruder allerlei Unglimpf erfahren müssen.
      • Nutzanwendung des Autors
      • Welches Lied der Blitzschwab gesungen
    • XIV. Wie sich der Blitzschwab und der Spiegelschwab in die Haare geraten, und wie sie wieder gute Freunde werden
    • XV. Wie der Blitzschwab an dem Allgäuer Rache nimmt
    • XVI. Wie der Blitzschwab an dem Allgäuer Rache nimmt.
    • XVII. Was für eine Gefahr dem Spiegelschwaben gedroht, und wie er sich daraus errettet
    • XVIII. Wie sie gegen Wissen und Willen in die Stadt Memmingen kommen, und dorten Bierbeschau halten
  • Linktipps
    • Wikipedia
    • Die sieben Schwaben als Operette

Diese Geschichte von den Sieben Schwaben – „erzählt von Essen“ ist mit Illustrationen der Düsseldorfer Malerschule versehen und erschien im Jahr 1859. Der Text dieser Schrift entspricht der Erzählung von Ludwig Aurbacher. Den Text habe ich in der Rechtschreibung an heutige Lesegewohnheiten angepasst. Die Quelle zum Originaltext steht in den Fußnoten am Ende der Geschichte. Die illustrierenden Grafiken stammen vom Original sowie aus gemeinfreien Quellen. Diese habe ich in Farbe, Größe, Schärfe und Kontrast verändert. Sätze, die in Dialekt gesprochen werden, wurden meist belassen und nur soweit abgeändert, dass sie „verständlicher“ wurden. Die Abschnitte sind für das flüssigere Lesen am Bildschirm frisch angeordnet.

Düsseldorfer Malerschule: Die 7 Schwaben, Erzählt von Essen 1859, Frontispiz

Düsseldorfer Malerschule: Die 7 Schwaben, Erzählt von Essen 1859, Frontispiz

Wunderseltsame und abenteuerliche Geschichten und Taten der 7 Schwaben, und wie sie gegen ein grausames Untier, das in dem großen Wald am Bodensee gehauset und Land und Leuten viel Abbruch getan, mannlich und sieghaft ausgefahren sind.

Erzählt von Essen, Düsseldorf am Rhein MDCCCLVI (gezeichnet 1856)


Günst’ger Leser und Beschauer, dem dies Büchlein kommt zur Hand,
Schau zu streng nicht auf die sieben Helden aus dem Schwabenland,
Sei kein eitler Federfuchser, Sittenpred’ger, Splitterrichter,
Denn es kennt wie seine Schwaben sich und auch dich selbst der Dichter
Und er weiß es, solche Sachsen, wie er fleißig hier beschrieben,
Werden insgeheim und offen auch von Andren wohl getrieben,
Und er sagt es laut und klärlich, was er längstens hat entdeckt,
Das auch in euch Allerschlausten meist ein Schwäblein ist versteckt.

I. Wie der Seehas auf Abenteuer auszieht und der Nestelschwab sich zu ihm gesellt

Zu Überlingen am Bodensee hat vor hundert und mehr Jahren ein Schwab gewohnt, den sie hernach den Seehas nannten, – wie er zu dem Namen gekommen, werdet ihr hernachmals vernehmen, – der hatte allerlei Posten gehabt und war zuletzt Bannwart gewesen. Es war ihm aber alles zu schwer gewesen und leid geworden. Er hatte nimmer gut tun wollen und so beschloss er endlich, ein Held zu werden und auf Abenteuer auszuziehn. Von solcherlei Fahrten hatte er Mancherlei gehört und gelesen, also dass es auch ihn gelüstete, in die Welt zu ziehn und Taten zu tun, davon noch die Enkelskinder erzählen möchten.

Er stund grade auf dem Anger, als er den männlichen Plan fasste und er dachte so lebhaft an die Gefahren, denen er sein armes Leben nun bloßstellte, dass er Bauchgrimmen bekam und sich hinter einer schattigen Hecke wieder in Ordnung bringen musste.

Als er des Wegs wieder zurückkam, stieß er auf den Nestelschwaben, der in ähnlichen Geschäften ausgegangen war und machte bei der guten Gelegenheit Bekanntschaft mit ihm, wie ehrliche Schwaben zu tun pflegen. Fragte ihn also, was er für ein Landsmann sei, worauf der andre erwiederte, er sei kein Landsmann, sondern ein Mähbub bei jenem Bauern, der dort den Acker pflüge.

Darüber merkte der Seehas sofort, mit wem er’s zu tun habe, dass der Nestelschwab nicht gescheidter sei, als er selbst, und so war ihm der Dummrian gerade recht, dass er ihn für seine abenteuerlichen Fahrten anzuwerben beschloss. Der Seehas wusste recht wohl, dass zu guter Wirtschaft der Knecht allzeit einige Prozent dümmer sein muss, als der Herr. Also machte er ihm den Vorschlag, als sein Knecht mit ihm zu ziehn, das Bündel zu tragen und immer, wenn der Seehas etwas erzählte, zu sagen, dass es wahr sei. Der Nestelschwab war’s zufrieden, meinte aber, er wisse nicht, was wahr sei und was nicht wahr sei.

Da belehrte ihn der Seehas und sagte: „Merk Dir’s, Bauernlümmel, Hott bedeutet wahr und Wist nicht wahr“. Nun verstehe er’s, sagte der Nestelschwab und er wolle mit ihm ziehen um einen Batzen die Woche und ihm das Bündel tragen durch die ganze Welt und noch einige Dörfer drüber hinaus. Also zogen sie selbander fürbass und der Nestelschwab trug des Seehas sein Bündel.

Da ich aber nun, wie Homeros das gute Exempel gegeben, meiner Helden zunächst gedenke und das Nötige von ihnen erzähle, muss ich von dem Nestelschwaben sagen, woher er gewesen und welche Bewandtnis es mit seinem Namen gehabt.

Aber die Geschichte weiß bis heutiges Tages noch nicht, wes Landes er gewesen, ob Schwab, Schweizer oder Pfälzer, oder woher sonst im Reich; denn er redete in allen Landessprachen und in keiner recht. Nestelschwab wird er aber darum genannt, weil er statt Knopf und Knopfloch Nesteln hatte an Jacken und Hosen. Sintemal nun von den Nesteln allermeist einige verrissen waren, absonderlich an den Hosen, so musste er mit der Hand nachhelfen und festhalten, was sonsten herabgefallen wäre. Das Halten war ihm darüber so zur Gewohnheit geworden, dass er allzeit die Hose mit einer der Hände festhielt, auch wenn’s nicht nötig gewesen wäre.

Also zog der Nestelschwab seine Hose kräftig herauf und ging mit dem Seehas dahin, bis sie zum Gelbfüßler kamen, der in Bopfingen ansässig war.


II. Wie ein Gelbfüßler von Bopfingen mit den beiden Schwaben gemeinschaftliche Sache macht und mit ihnen zieht

Von den Bopfingern wird erzählt, dass sie den Namen Gelbfüßler auf eine sehr sonderbare Weise erhalten und mit Recht. Sie waren nämlich ihrem Herzog von Alters her eine Abgabe schuldig, die sie in Eiern zu zahlen hatten. Da sie dem guten Herrn nun die Naturaleinkünfte nicht schmälern wollten, ärgerten sie sich, dass allzeit zwischen den Eiern, wenn sie im Haufen lagen, viel Raum blieb, den sie nicht füllen konnten. Sie luden deshalb in einem guten Jahr ihren Eierzehnten auf einen Krättenwagen und traten sie mit den Füßen darin fest ein, damit sie um so mehr hineinbringen möchten. Diese Tat ihres Untertaneneifers hat ihrer Ehrlichkeit keinen Abbruch getan, sie haben aber darüber den Namen Gelbfüßler erhalten, den sie noch bis auf den heutigen Tag führen.

Wie nun der Seehas mit seinem Gesellen eines dieser Gelbfüßler ansichtig wurde, der in Bopfingen Bote war, schien er ihm der rechte Mann, um ihn für die Ausfahrt mit anzuwerben, und erzählte:

Wie dass in dem großen Wald am Bodensee ein fürchterliches Tier hause, welches Land und Leuten großen Schaden tue. Beschreiben könne er es ihm gar nicht, aber es sei so groß wie eine wilde Katz, doch weit scheußlicher und grauslicher anzusehn. Und Augen habe es im Kopf so groß wie Goldgulden, die funkelten nicht anders, als wie das höllische Feuer, und Ohren habe es –

„Nicht wahr, Landsmann?“ fragte er dazwischen dem Nestelschwaben. „Wist!“ sagte der, weil er meinte, so wär’s ausgemacht. Da rief der Seehas: „Hott!“ worauf der Nestelschwab beteuerte: „’s ist wägerle wahr!“ Danach fuhr der Seehas fort und beschwor den Gelbfüßler um des gemeinen Besten willen, er möge ihm zu Rat und Tat sein und mit ihm getreuliche Gespannen zu werben suchen aus allen schwäbischen Gauen. Dem Gelbfüßler leuchtete der Vorschlag ein und er sagte, fechten könne er zwar nicht, aber sei’s mit dem Laufen getan, so könne er den Teufel auf dem freien Felde fangen.

Also wurden sie handelseinig, denn der Seehas sah ein, dass er den Mann brauchen könne. Der Gelbfüßler sagte, er müsse nur noch vorher seine Stiefel anziehen und sein Ränzel packen. Damit fertig, zogen sie selbdrei munter in’s Land hinein und wurden demnach uneins, wohin sie sich wenden sollten, ob gegen die Donau oder das Ries. „Im Ries,“ sagte der Gelbfüßler, „gibt es wohl viel Gänse, wie ich gehört habe, aber ich weiß nicht, ob es auch Menschen dort gibt“.

Der Seehas aber gab den Ausschlag und meinte: „Das Sehen kostet nichts und erfahren wir’s nicht neu, so erfahren wir’s alt“. Und damit gingen sie nach dem Ries.


III. Vom Knöpfleschwaben und wie er auch mit ihnen gezogen ist

Dass Schwabenland ein gesegnet Land ist, weiß jedermann, sonst kann er’s leichtlich daraus abnehmen, dass dort irgendwo die löbliche Gewohnheit besteht, tägliches Tags fünf Mal zu essen und zwar fünf Mal Suppe und zwei Mal dazu Knöpfle oder Spätzle. Die Leute dort herum werden deshalb auch Suppen- oder Knöpfleschwaben genannt und man sagt, dass sie zwei Magen hätten und kein Herz.

Wie nun der Seehas mit seinen beiden Kumpanen bei den Knöpfleschwaben eintraf, redete er deren Einen an und sprach also: „Werter Landsmann und Knöpfleschwab, ich sage Dir, dass in dem großen Wald am Bodensee ein fürchterliches Tier hauset, welches Land und Leuten großen Schaden tut. Augen hat es im Kopf, feurige, so groß wie ein Salzbüchsle“. „Hott!“ schrie der Nestelschwab und wollte sagen, das sei wahr. Der Gelbfüßler stieß aber den Seehasen in die Rippen, vermeinend, er solle nicht so lügen. 

Der Seehas trat aber auf die Seite vom Nestelschwab und log also weiter:„Das Ungeheuer wächst zusehends, je länger man’s anlugt, und wird so groß wie ein Pudelhund. Also bitte ich Dich, guter Knöpfleschwab, um der Landsmannschaft willen, sei mir zu Rat und Tat und hilf mir tüchtige Gesellen zu werben in Schwabenland, auf das wir das Untier bestehen. Der Knöpfleschwab sagte: „Fechten ist meine Leidenschaft nicht, aber wenn ihr einen braucht, euch Knöpfle zu kochen, so bin ich euer Mann und ziehe mit euch auf das Abenteuer“.

Alle waren’s zufrieden, der Knöpfleschwab packte Häfen und Pfannen auf und so zogen sie selbvier voran und wendeten sich nun nach dem Lechfelde zu.


IV. Vom Blitzschwaben und was sich sonst zugetragen

Als sie zu Meitingen anlangten, trafen sie dort im Wirtshaus bei einem Mäßle weißen Gerstenbiers den Blitzschwab, und als sie ihm wie brave Landsleute das „Gsegne Gott!“ zugerufen, wischte der sich den Mund und sagte „Dank Gott!“

Darüber brachte der Wirt fünf neue Mäßle, der Seehas aber hub an und erzählte, wie dass in dem großen Wald am Bodensee ein fürchterliches Tier hause, das Land und Leuten großen Schaden tue. Es sei so groß wie ein Mastochs, habe Augen im Kopf wie die Mondscheibe und das Tier wachse zusehends, je länger man es anluge. „Potz Blitz!“ sagte der Blitzschwab, „das Untier möchte ich einmal ansehen, ich ließe mir’s beim Terel! einen Dreibägner kosten“.

Der Seehas sagte, er könne es halt umsonst sehen, er solle nur mitkommen und ihm und seinen Genossen treulich helfen, das Untier zu erlegen; sie würden großen Ruhm ernten.  „Fechten ist absonderlich mein Handwerk nicht,“ versetzte der Blitzschwab, „aber schimpfen kann ich wie ein Rohrspatz und fluchen wie ein Heid“.

Da meinte der Seehas, man wisse nicht, wozu das gut sein könne, er solle nur mitkommen. Der Blitzschwab schlug ein, nachdem er noch ein Kännlein Branntwein zu sich genommen, um die Magenwinde zu verteilen, wie er sagte, die er mit dem vermaledeiten Bier eingetrunken haben müsse.

Dann rüstete er sich mitzuziehen, wobei er als lustiger Vogel das Liedlein sang:

Wohin soll ich mich kehren,
Ich dummes Brüderlein?
Wie soll ich mich ernähren?
Mein Gut ist viel zu klein.
Was heut ich soll verzehren,
Ist gestern schon vertan,
Soll ich des Trunks entbehren,
Bin ich ein armer Mann,
Darum ist mein Begehren,
Ich zieh mit euch von dann.

Selbsfünf zogen sie danach weiter und kamen gen‘ Memmingen, wo der Spiegelschwab zu Haus war.


V. Wie auch der Spiegelschwab und der Allgäuer in den Bund der sieben Schwaben eintreten, also dass die Galgenzahl Sieben voll wird.

Es ist mir nicht bewusst, dass Memmingen jemals durch Spiegelfabriken berühmt gewesen, sonst hätt’ ich vermuten lassen können, des Spiegelschwabs Name datiere daher. Es ging damit anders zu, nämlich also, dass dort Brauch war, statt säuberlicher Fazinettle den Vorderärmel zu benutzen, worauf sich sodann bald ein Spiegel ansetzte, der im Sonnenschein glitzerte. Einige warfen auch geradezu fort, was vornehme Leute in den Sack stecken, und gebrauchten also das Hühnertaschentuch, sintemal die Hühnchen und Hähnchen auch kein Sack- oder Nastüchlein besitzen. Andere brachten es unter die Üchse oder zwischen die Grattel, wo es sich wieder von selbst abweste. Unser Spiegelschwab hatte aber einen ansehnlichen Spiegel auf dem Rockärmel und führte daher seinen Namen mit Fug und Recht.

Der Seehas kam zu ihm und trug ihm sein Anliegen vor, sagend, wie dass in dem großen Wald am Bodensee ein grausam Ungeheuer hause, das Land und Leuten viel Schaden tue. Es sei so groß wie ein Trampeltier, habe Augen wie Mühlsteine groß, und er bitte daher, er möge ihm und seinem Gespann mit Rat und Tat zu Hülfe sein, auf dass sie um des gemeinen Besten willen die Landplage sicher möchten erlegen.

„Rat kann ich wohl erteilen,“ versetzte der Spiegelschwab, „aber mit der Tat sieht es schlimm aus, dieweil ich nicht einmal mein Weib meistern kann, die gewaltiglich den Pantoffel regiert. Freilich hat sie sieben Häute, wie die Memminger Zwiebel und ist von Teufels Großmutter gefeit. Darum will ich denn mitziehn gegen das Untier, das nicht gefährlicher sein kann, wie mein Weib. Was die tapfere Tat betrifft, so weiß ich aber Einen, der es mit dem Teufel selbst aufnimmt, das ist der Allgäuer, den lasst uns noch ansprechen, er wird uns beistehn und schützen, denn er ist ein kleiner Goliath“.

Somit gingen die sechs zu dem Allgäuer, der sich auch sofort bereit finden ließ, obwohl der Seehas gesagt hatte, das Untier sei so groß, wie ein Haus, habe Augen wie Mühlräder, die im Um- und Umgehen Feuer und glühende Kohlen auswürfen.

„Bygott!“ schrie der Allgäuer, „es wird dennoch halt nur ein Vieh sein und der Mensch ist mit Gottes Hülfe stärker als alles Getier auf Erden“. „So ist es,“ versetzte der Seehas, „und da das alte Sprüchlein besagt, Gott verlässt einen ehrlichen Schwaben nimmermehr, so lasset uns nunmehr getrost in die Gefahr uns stürzen, wir sind nun Mann’s genug gegen alle Lindwürmer und Drachen“. Also redend erhöhte sich der Mut der Sieben wunderbar, sie gaben sich getreulich die Hand, gelobend, als treue Schwaben und Landsleute sich beistehn zu wollen in allen Gefahren, Nöthen und Drangsalen Leibes und der Seele.


VI. Wie die sieben Schwaben gen Augsburg kommen und sich allda mit ritterlichem Streitzeug versehen

Danach wendeten sich die vereinigten sieben Schwabenhelden nach der weltberühmten Stadt Augsburg, woselbst damals viel geschickte Waffenschmiede und Schwertfeger wohnten. Und sie traten bei einem von ihnen ein, der den größten Waffensaal hatte, und wollten dort aussuchen und erstehen, was sie zu ihrer Ausfahrt bedurften. Der Meister führte sie in den Waffensaal, wo viel Kriegszeug umher hing und stand, Spieße, Schwerter, Dolche, Helme und Harnische, Schilde, Sporen und anderes Gewaffen.

Sie musterten Alles fleißig, aber der Allgäuer sagte: „Pygott! Sind das auch Spieße? So einer wär mir grade recht zu einem Zahnstocher. Meister, zimmert für mich nur gleich einen Wiesbaum von sieben Mannslängen“. „Potz Blitz!“ sagte der Blitzschwab, „Allgäuer, prahle dich nicht allzu sehr“.

Da sah ihn der Allgäuer mit grimmigen Augen an, als wollte er ihn durchbohren, worauf der Blitzschwab sofort anderer Meinung war und fortfuhr: „Eigentlich hast Du Recht, Männle. Ich merke Deine Meinung und teile sie: Wir alle Sieben für Einen, so für alle Sieben nur Einen.“ Dabei streichelte er ihm den Kauzen, und obwohl ihn der Allgäuer nicht verstand, so sagte er doch: „Ja!“ Den Andern war’s auch recht und so wurde denn ein Spieß bestellt von sieben Mannslängen und in einer Stunde war er fertig.

Inzwischen kauften sie sich noch allerlei Gewaffen, wie es jeder sich für dienlich hielt, der Knöpfleschwab einen Bratspieß, der Allgäuer einen Sturmhut mit einer Feder darauf, der Gelbfüßler aber Sporen für seine Stiefel.

„Was soll’s damit, Landsmann,“ fragte ihn der Seehas, sintemal Du kein Rösslein hast zum Reiten?

„Sporen sind nicht bloß gut zum Reiten, sondern auch zum Hintenausschlagen,“ versetzte der Gelbfüßler und damit hatte er Recht. „Auch zieren sie ihren Mann,“ fügte der Seehas hinzu, wählte für sich aber einen Harnisch, sagend: „Vorsicht ist die Mutter der Weisheit und nützlich zu allen Dingen. Des Guten kann man nicht zu viel tun und nützt es nicht, so schadet’s auch nicht“. Der Spiegelschwab sagte: „Ja!“ und wollte auch einen tragen, aber nicht vorn auf der Brust, sondern hinten auf dem Hintern.

Der Seehas meinte, jener wolle ihn foppen. Der sagte aber: „Merk’s, hab ich Mut und geh ich vorwärts, was nützt mir der Harnisch? Fällt mir aber der Mut anders wohin, so ist der Harnisch dann am rechten Platze.“ Demnach ließ er sich einen Harnisch zurecht machen, der Meister nahm aber nur ein altes Barbierbecken und fügte es ihm mit Riemen und Schnallen hinten an.

Wohl ausgerüstet standen so bald die sieben Schwaben, bezahlten ihre Einkäufe wie ehrliche Christen auf Heller und Pfennig und gingen zunächst in St. Ulrichs Kapelle, Messe zu hören, vergaßen dieselbigen dann aber nicht, auch bei dem Metzger am Gögginger Tor vorzusprechen und gute Augsburger Würste einzukaufen, die der Knöpfleschwab als Proviantmeister des streitbaren Schwabenheeres in einem Säcklein tragen musste.


VII. Wie die sieben Schwaben ausziehen und dann den geraden Weg nach dem Bodensee zu einschlagen.

Wie sie nun tapfern Sinnes voranzogen, ordneten sie sich also, dass der Allgäuer an der Spitze ging. Er stimmte auch sofort auf seinem Posthörnle ein lustig Trompeterstückchen an, dass allen das Herz im Leibe lachte. Hinter ihm ging der Seehas, der den Plan zum Zuge angegeben hatte und deshalb mindestens der zweite im Zug sein wollte und auf ihn folgte der Nestelschwab mit des Seehas seinem Bündel auf dem Buckel. Dann kam der Blitzschwab, der lustige Vogel, der, als der Allgäuer sein Stückchen geendet hatte, alsbald ein muthiges Lied sang, das also anhebt:

Es geht ein Buzemann
Im ganzen Reich herum, herum,
Es geht ein Buzemann
Im ganzen Reich herum,
Bidibum, Bidibum.

Auf ihn folgte der Spiegelschwab, dann kam der Gelbfüßler und ganz hintennach grattelte und pfraufte der Knöpfleschwab mit seinen Häfen, Pfannen und den Augsburger Würsten, bis sie verzehrt waren. Dabei trugen sie zusammen, Mann für Mann, den Spieß von sieben Mannslängen und sahen schier aus wie ein Wiedle gespießter Rebhühner.

Als sie nun eine gute Strecke marschiert waren, also dass sie ein wenig ermüdet waren, Halt machten und einen Imbiss zu sich nahmen, beschlossen sie demnach einmütig, einen bestimmten Weg einzusschlagen, um auch richtig an den Bodensee zu gelangen, allwo das Untier hause, dem sie das Garaus machen wollten.

Nach des Allgäuers Meinung sollten sie der Wertach nachgehen. Dann kämen sie ans Gebirg und könnten dann nimmer fehlen. Der Gelbfüßler widersprach und rief: „Über das Gebirg ist es ein Umweg. Folgt mir an den Neckar, der Neckar fließt in den Rhein, der Rhein in den Bodensee, und wann wir so gehen, so kommen wir sicher an, wohin uns der Mut und der Eiser für das gemeine Beste ruft“. „Potz Blitz!“ sagte der Blizschwab. „schämt euch, Landsleute, ein braver Mann geht gerade aus“.

Da lobten alle den Blizschwaben und entschlossen sich zu dem geraden Wege, dem Spieße nach. so brachen sie auf und zogen zwischen Göggingen und Pfersen durch. Weil die Brücke abseits von ihrem Wege lag, wateten sie durch die Wertach und gingen nun weiter über Stock und Stein, über Wiesen und Felder, durch Wüsten und Wälder, Berg auf, Berg ab und scheuten sich nicht der Abenteuer, die sie schon auf dem Wege zu bestehen hatten.


VIII. Wie eine Zigeunerin den sieben Schwaben wahrsagt und das Rechte trifft

Außerhalb Kriegshaben an einer Staude am Weg trafen die sieben Schwaben ein altes, grundhäßliches Weib, das auf einem Holzfeuerlein in einem alten Kessel wunderliches Zeug durcheinander kochte. Der Knöpfleschwab guckte neugierig in den Kessel und sagte: „Knöpfle sind’s einmal nicht“. Auch der Blitzschwab schaute in den Kessel und meinte gar, er sehe auf der schwarzbraunen Brühe statt Pfeffer und Schmalz, Mausdreck und Krötenaugen schwimmen, worüber sich fast der Magen im Leibe umkehrte. Der Spiegelschwab wusste aber schnell, mit wem sie’s zu tun hatten, trat auf die Alte zu und sagte: „Alte Trampel, du musst mir wahrsagen“.

Die Zigeunerin besah seine Hand und sagte:
„Wer Welderjoch muss auf sich tragen,
hat wohl von großer Not zu tragen“.
Die Blitzer versteht’s und redet wahr, schrie der Spiegelschwab und schob auch die andern hin, sich für ihre Ausfahrt vorher wahrsagen zu lassen.

Zuerst kam nun der Gelbfüßler, dem sie auch in die Hand lugte und dann sagte:
„Einem, der ist übermannt,
dem ist Fliehen keine Schand“.
„Das alte Fell spielt auf meine Stiefel an, dachte der Gelbfüßler und weiß, dass ich ein Held im Laufen bin“.

Zu dem Seehas sagte die Alte:
„Ein Ding man leget Manchem vor,
und wer es tut, der ist ein Tor“.
Der Seehas verstand’s nicht ganz, ließ es aber gut sein und schob den Knöpfleschwaben vor, denn es sollten alle sich wahrsagen lassen.

Zu dem sagte sie:
„Was man erspart an seinem Mund,
das frisst die Katze und der Hund“.
„Richtig, altes Mütterlein,“ schrie der und nun kam der Nestelschwab, hielt mit der einen Hand seine Hose fest und streckte die andere der Zigeunerin dar.

Sie sagte:
„Den Esel kennt man an den Ohren,
an der Rede Weiß und Toren“.

Der Allgäuer trat nun vor und vernahm das Sprüchlein:
„Der Wagen wird nicht wohl geführt,
wenn Ochsen ungleich angeschirrt“.
„Bygott!“ sagte der, „das hab’ ich selbst oft erfahren, wenn ich Mist habe ausgeführt. Die Hex sieht einem wägerle ins Herz“.

Nun war noch der Blitzschwab übrig. Der hatte aber indes die Brühe im Hafen näher angesehen, wollte mit der Heidin nichts zu schaffen haben, sondern stülpte ihr den Kessel mit dem Hexengebräu in’s Feuer, dass es mit Prasseln auseinander fuhr und auslosch.
Danach wollte er sich aus dem Staube machen, musste aber noch zu seinem Entsetzen hören, wie ihm die Zigeunerin mit schnatternder, quäkender Stimme nachrief:
„Jungfernlieb ist fahrend Hab,
Heut „Herzliebster,“, morgen „Schabab“.

Somit konnten denn auch die sieben Schwaben ihrem Schicksal nicht entgehen und gedachten es zu tragen wie Männer.

Wie die Zigeunerin wahrsagt, Illustration der Düsseldorfer Malerschule 1859

Wie die Zigeunerin wahrsagt, Illustration der Düsseldorfer Malerschule 1859


IX. Wie die sieben Schwaben auf einen Bären stoßen und sich als Helden zeigen

Vier bis fünf Stunden außer Augsburg gelangten die sieben Schwaben in einen Hohlweg, den sie passieren mussten und zogen unverzagt hinein. Und siehe da! Liegt ein großmächtiger Bär mitten im Wege und der Allgäuer bemerkt ihn nicht eher, als bis er fast mit der Nase drauf fällt.

Schreit also was er kann: „Ein Bär, ein Bär!“ und damit trifft der Spieß den Bären, — man weiß nicht, wie’s zuging. Der Bär rührte sich aber nicht mehr, denn er war schon vorher maustot, was aber keiner, auch der Allgäuer und der Blitzschwab nicht, merkte.

Also war der Allgäuer über sein sieghaft Abenteuer seelenfroh, schaut sich um und sieht seine Landsleute alle auf dem Boden liegen, dass er vermeint, sie seien auch tot und er habe sie hinterrücks mit dem Spieß erstochen. Darüber fängt er an laut zu lamentieren und voll Herzeleid ruft er: „Nun ist der wilde Bär tot, aber auch meine tapferen Landsleute habe ich umgebracht!“

„Mich nicht!“ schrie der Blitzschwab, „mich auch nicht!“ der Seehas, „auch mich nicht!“ der Gelbfüßler und so hintereinander, auch der Spiegelschwab, der Nestelschwab und der Knöpfleschwab. Frisch und gesund sprangen sie alle wieder auf, als sie hörten, dass der Bär tot sei, und keiner wusste zu sagen, wie er zu Boden gekommen sei.

Sie stellten sich nun den toten Bären herum, der eine rupfte ihn am Pelz, der andre steckte ihm gar die Hand in den Rachen und prüfte das grausige Zahngebiss und war nicht einer, der sich noch vor ihm fürchtete. Da sie also den Bären gründlich untersuchten und kein Loch an ihm fanden, denn das eine, was er schon bei seinen Lebzeiten gehabt, erkannten sie endlich an, dass er nicht von ihnen erstochen, sondern verreckt sei und waren zornig auf den Bären, dass er durch sein vorzeitig Ende sie um eine schöne Helden-tat gebracht habe.

„Denn erlegt hätten wir ihn doch,“ warf der Spiegelschwab hin, „nun möcht ich wissen, wer ihn in den Tod geschickt“. „Wer denn sonst,“ bemerkte der Knöpfleschwab, „als der Hunger, denn wenn er statt hier zu liegen, eben gefressen hätte, so Knöpfle, so lebte er noch zur Stund“. „Nein,“ sagte der Gelbfüßler, „an Kälte ist er gestorben, — und so hatte denn jeder eine aparte Meinung, wie die Palenburger voreinst ob des toten Wolfes.

Zuletzt sprach der Spiegelschwab, der vielleicht — aber man weiß es nicht sicher, — der pfiffigste unter ihnen war, die Vermutung aus, der Bär sei, wo nicht an Wehtagen, doch am Tode gestorben. Dabei ließen sie’s und hielten Rat, was mit dem Luder anzufangen sei und nach viel Debatten, wie man dieses kluge Hin- und Widerreden nennt, wurden sie eins, dem toten Bären die Haut abzuziehen, um sie einst dem als Trophäe zu geben, der sich bei dem Abenteuer am Bodensee am Mannlichsten erweise.

Das Aas wollten sie liegen lassen, sagten sie, und einer von den sieben Schwaben, doch habe ich nicht erfahren, welcher, trat an den abgeschundenen Bären und sprach die Worte: „So mögen dich die Schafe nun fressen, wie du einst die Schafe gefressen hast! Ruhe in Frieden!“ Also packten sie die Bärenhaut auf, fassten den Spieß, der Allgäuer vorn und zogen in guter Ordnung ihre gerade Straße weiter.


X. Wie die sieben Schwaben in den Stauden stecken bleiben und was sich dabei begibt.

Als sie nun tiefer in den Wald und in die Stauden kamen, blieben sie endlich darin stecken. Der Allgäuer aber wollte allzeit voran, musste auch wohl, da die anderen unaufhaltsam nachdrängten. So kam er vor einige Bäume, die enge beisammen standen und den Weg versperrten.

„Bygost!“ sagte er, „durch muss ich!“ und damit drückte und bog er den Spieß so gewaltsam zur Seite, dass er den armen Knöpfleschwab gar bös zwischen einem Baume und dem Spieß einklemmte und zwängte und sie alle weder voran noch zurück konnten. Da wurde es also schon wahr, was die alte Zigeunerin dem Allgäuer prophezeit hatte: Der Wagen wird nicht wohl geführt, wenn Ochsen ungleich angeschirrt.

Nun wollten die andren Schwaben den Knöpfleschwab wohl wieder los arbeiten, fingen’s aber allzu eifrig an, so dass , wie der Eine oben, der Andre unten, der Dritte rechts, der Vierte links und so fort an ihm zogen und zerrten, das Ding nicht gehen wollte und sie den Knöpfleschwab bald in Stücke zerrissen hätten wie einen Haderlump. Endlich half der Allgäuer aus der Not und rief: „Bygost! so muß es gehen! Und der Teufel müsste ich sein, wenn mir Gott nicht so hülfe“. Und er schrie: „Hui Ochsi!“ und bog den Stamm, der den Knöpfleschwab einzwängte, mit einem gewaltigen Riss zurück, so dass er mit den Wurzeln hervorflog, der Knöpfleschwab aber, wie aus der Kanone geschossen, fortgeschnellt wurde und weit weg hinplumpste, als sollt er nimmer aufstehen.

Darüber waren alle sechs Schwaben voll Respekt vor dem Allgäuer, den sie vordem für einen tappigen Gesellen gehalten hatten, und priesen sich glücklich, dass er zu ihrer Kumpanei gehöre. Und wäre er nicht gewesen, so säße der Knöpfleschwab vielleicht noch jetzt zwischen Baum und Spieß und wie möchte er dazu aussehen. Will aber einer dies Stücklein des Allgäuers nicht glauben, so mag er dort im Wald nur selbst nachsehen, denn bis auf den heutigen Tag liegt der ausgerissene Baum noch auf demselben Platz.


XI. Wie den sieben Helden ein Schwabenmädel begegnet und der Blitzschwab von ihr auf die Kirbe geladen wird.

Danach steuerten sie nach der Gegend von Schwabeck querfeldein und trafen auf ein Bauernmädel, die allen sogleich in’s Auge stach, zumeist dem Blitzschwaben. Als er fein züchtig gegrüßt: „Gegrüßt sei Jesus Christus!“ antworteten allesamt wie aus einem Munde: „In Ewigkeit, Amen!“ — Also guter Christensinn herrschte damals im ganzen schwäbischen Gau und steckte noch nicht die Welt so voll Freimaurer, wie jetztunder.

„Potz Blitz!“ schmunzelte danach der Blitzschwab, „das Mädel muss ich stellen und anreden, vielleicht gibt’s ’ne Geschicht‘.“ Fragte sie also: „Wie heißt Du?“ und sie antwortete: „Käther, und ich bin aus der Grafschaft Schwabeck“. Dabei lugte sie dem Blitzschwab, der kein unübler Gesell war, freundlich in die Blitzaugen, dass er Mut gewann und sie fragte: „Käther, willst Du mich nicht heuren?“

Das Mädel versetzte lachend: „Ja, wenn die Mannsleute einmal so fäßig sind wie die Pfeffernüsse!“
Der Blitzschwab geriet in gelindes Feuer, haselierte um sie zu und sprach: „Schön Kätherle, so gib mir gleich ein Schmätzle als Draufgeld“.

„Ohrfeigen sind mir feil, mein Büble,“ sprach die Jungfer, „aber keine Schmätzle.“ Der Blitzschwab merkte aber, dass es ihr damit nicht sonderlich Ernst war, wie denn überall die Mädel anders sprechen, als tun, ergriff ihre Hand, was sie zuließ und sagte: „Wann i komm, wann i komm, wann i wiederum komm, kehr’ i ein, mein Schatz bei Dir, willst Du mir zu hoffen geben, dass i Dich dann krieg, schön Käthermäuschen?“

Und dabei schmeichelte und streichelte er wie ein Franzos‘ und nannte sie sein Schatzhauser, sein Herzkäferle, sein Mohrenköpfchen, sein Perlmütterle, sein Scapulierläusle und machte heillos närrisch Zeug, wie das verliebter Leute Art ist.

Endlich hatte das Mädle genug und meinte, er solle bei ihr auf die Kirbe kommen, und ging fort. Danach lugte sie aber noch einmal um und sagte: „Nichts für ungut!“ denn sie wollte es mit dem Blitzschwaben, der nicht schlimmer war, als andre schwäbische Freiersleute, nicht geradezu verderben. So war der Blitzschwab wohl heimgeschickt und grob genug, aber er war’s doch zufrieden und alle seine Kumpanen sagten, das Kätherle sei ein hübsch Ding, wie alle schwäbischen Mädle, ausgenommen die Wüsten. Selbst der Allgäuer sagte: „Bygost! Wenn’s Kätherle ein Fräule aus dem Allgäu wär, ich wüsste nicht, was ich tät‘.“

Dem Blitzschwab aber war das Mädle aus dem Schwabeck in’s Herz gehupft, er nahm sich festiglich vor, zu ihr auf die Kirbe zu kommen und sang für sich:
Wart e bissele,
Wart e bissele,
Sitz e bissele nieder,
Und wenn du e bissele bei mir warst,
So sag’s kein’m Menschen wieder.


XII. Wie die sieben Schwaben ein Abenteuer mit einem aus Baierland haben und ihn brav heimschicken.

Über Mindelheim wollten die sieben Schwaben nicht gehen, denn sie fürchteten, die Mindelheimer möchten sich vor ihnen fürchten, wie einst vor einem feindlichen Reiter, der ganz allein ihre Stadt eingenommen hatte. Zogen also außerhalb Mindelheim über Aurbach und trafen auf einen, dem sie gleich an der Nas‘ ansahen, dass er ein Bayer war. Er war ein Bräuer aus München, hatte Säu in’s Reich getrieben und dafür Hopfen in Memmingen einhandelt. Der stand still auf der Landstraß und hatte nicht übel Lust, die Spießgesellen auszulachen.

Der Blitzschwab fragte ihn: „Was lugst Du so, Büble? Hast Du nie einen Schwaben gesehn?“
„O ja!“ sagte der Baier, „bei mir daheim in der Kuchel gibt’s zu Tausende“.
„Potz Blitz, Malefiz!“ schrie darüber der Blitzschwab, sprang an dem baumlangen Bayer empor und verabreichte ihm eine solche ritterliche Ohrfeige, dass ihm das Feuer aus den Augen flog, dass ihm die Ohren sausten und er nicht anders meinte, er habe ein voll Duzend Ohrfeigen bekommen.

Der Bayer wollte aber das Empfangene auf der Stelle richtig bezahlen, langte weitmächtig mit dem Arme aus und hätte dem Schwäblein eine Dachtel gegeben, woran der sein Lebtag gedacht hätte. Der Blitzschwab duckte sich aber schnell auf den Boden, dass jener in den Wind hineinschlug, davon wie ein Kreisel sich um sich selbst drehte und taumelnd auf den Boden stürzte.

Wie die Kobolde waren sofort die Schwaben über ihm, der Blitzschwab hatte ihn an der Gurgel, die andren hielten ihn an Händen und Füßen und nun trommelten sie auf ihm herum nach Herzenslust. Der Bayer wäre aber doch wieder Herr geworden und hätte sie sämtlich in die Höhe geschupft, wie Pfulben, wenn nicht zuletzt der Allgäuer, der an seinen Spieß gelehnt der Rauferei zugesehen hatte, wie ein Maltersack auf ihn gefallen wäre und ihm gedroht hätte, ihm sein Lebenslicht auszublasen, falls er nicht Abbitte tue und Urfehde schwöre.

Dazu musste sich der Bayer entschließen, worauf die sieben Schwaben ihn laufen ließen. Aber als er nach München zurückgekommen, hat er dort die sieben Schwaben in sein Bierschild malen lassen, allwo sie noch heutiges Tags zu sehen sind, auf dem Anger.


XIII. Wie die sieben Schwaben von einem Waldbruder allerlei Unglimpf erfahren müssen.

Der Spieß des Allgäuers zeigte nicht immer den geraden Weg, denn wenn der Knöpfleschwab sich hinten von rechts her mit seinen Pfannen und Häfen auf den Spieß lehnte, so ging der Allgäuer links ab, ohne es zu wissen. Also zogen sie die Kreuz und Quer und kamen von Ungefähr vor die Klause eines Waldbruders. Sie baten ihn mit herabgezogenem Käpple, wie es Christenmenschen geziemt, er möchte sie auf den rechten Weg weisen.

Der Klausner hatte in einem Tractätlein gelesen, das hieß: contra facetias, oder zu deutsch: gegen die Faxen, und so war es nicht verwunderlich, dass er alsbald in den sieben Schwaben das lebendige Konterfei aller Faxenmacher zu sehen vermeinte.

Hub also mit gewaltiger Stimme an: „Den Weg soll ich euch weisen, ihr Landfahrer? Wartet, die Schellen will ich euch stimmen, ihr Schalksnarren! Die Federn will ich euch beschneiden, ihr Fatzvögel! Den Grind will ich euch einäschern, ihr Fastnachtsbuben!“

Der Seehas vermeinte, ihn in der Predigt unterbrechen zu müssen und sagte, wie dass in dem großen Wald am Bodensee ein fürchterliches Untier sein Wesen triebe, Land und Leuten viel Schaden tue …

Der Klausner ließ ihn aber nicht ausreden, sondern schrie: „Herr Gott im Himmel, was für Höllenlumpen hast du auf Erden! Da ziehen sieben Kalfakter herum im Reich, zu Schand und Spott des lieben Schwabenlandes und der gesamten Christenheit deutscher Nation! Gibt’s denn nichts Nützliches mehr zu tun in der Welt für solche Schlingel, wie ihr seid? Gibt’s keine Häfen mehr zu binden, keine Pfannen zu flicken, keine Scheren zu schleifen? Packt euch fort, ihr Scheurenpurzler! In den Stock mit euch, in die Geige, in die blecherne Botz, an den Galgenbaum, ihr Vaganten, ihr Lyrannten, ihr Komödianten!“

Vor eitel Staunen und Starren waren die sieben Schwaben also verwirrt, dass der Allgäuer rief: „Potz Blitz!“ und der Blitzschwab: „Bygott!“ Danach machten sie kehrt mit ihrem Wiesbaum und der Blitzschwab stimmte die Fiedel und sang ein Liedel, dass sie bald das grimmige Scheitern des Waldbruders nicht mehr vernehmen konnten.

Das Liedel aber, welches der Blitzschwab gesungen, lautete also:

Lieble ist’s überall,
Lieble auf Erden,
Lieble ist’s überall,
Lustig im Mai;
Wenn es mir mögle wär,
Z’mache wär, mögle wär,
Mei müsst Du werden,
Mei müsst Du sei.

Wenn zu mein Schätzerl kommst,
Tue mer’s schö grüße,
Wenn zu mein Schätzerl kommst,
Sag‘ em viel Grüß.
Wenn es fragt wie es geht,
Wie es steht, wie es geht,
Sag auf zwei Füße,
Sag auf zwei Füß.

Und wenn es freundle ist,
Sag i sei g’storbe,
Und wenn es lache tut,
Sag i hätt gfreit;
Wenn’s aber weine tut,
Traurig ist, klage tut,
Sag i kommt morgen,
Sag i komm heut‘.

Maidle trau nit so sehr,
Du bist betroge,
Maidle, trau nit so sehr,
Du bist in G’fahr;
Dass i Di gar nit mag,
Nemme mag, gar nit mag,
Sell ist verloge,
Sell ist nit wahr.

Nutzanwendung des Autors

Vielleicht, günstiger Leser, wird es meinem Büchlein von den Abenteuern der sieben Schwaben auch also ergehen, wie es den sieben Schwaben selbst ergangen; und dass irgend ein Sitten- und Splitterrichter es anschnurren möchte und verdammen als ein eitles Gedicht voller nichtsnutziger, ja ehrenrühriger Faxen … Günstiger Leser! sag‘ ihm dann: es gebe in der weiten Gotteswelt nicht nur fleißige Immen und geschäftige Ämsen, sondern auch Maivögelein, lustige; und man wisse nicht, ob und wozu die letzteren nicht auch nutze seien. Mein Büchlein aber – sag‘ ihm das – wolle niemanden ärgern, sondern vielmehr jedermann ergötzen; und wem es nicht gefallen wolle, der könne es ja abweisen von seiner Tür. Die Schwalbe ziehe auch lustig durch die Welt und heime sich ein, wo man sie eben dulde, und bringe kein Unglück den Leuten ins Haus. Sie irre nicht einmal die Meise, die geschäftig das Rädlein treibt am Käfig, achte aber auch nicht der Nachteule, die in dem finsteren Loche sitzt mit ihren glotzenden Augen.

Welches Lied der Blitzschwab gesungen

Guten Morgen, Spielmann,
Wo bleibst du so lang?
Da drunten, da droben,
Da tanzen die Schwaben
Mit der kleinen Killekeia,
Mit der großen Kumkum.

Da kommen die Weiber
Mit Sichel und Scheiben,
Und wollen den Schwaben
Das Tanzen vertreiben,
Mit der kleinen Killekeia,
Mit der großen Kumkum.

Da laufen die Schwaben
Und fallen in Graben,
Da sprechen die Schwaben:
Liegt ein Spielmann begraben
Mit der kleinen Killekeia,
Mit der großen Kumkum.

Da laufen die Schwaben,
Die Weiber nachtraben,
Bis über die Grenze,
Mit Sichel und Sense:
Guten Morgen Spielleut,
Nun schneidet das Korn.


XIV. Wie sich der Blitzschwab und der Spiegelschwab in die Haare geraten, und wie sie wieder gute Freunde werden

Es war schon Nacht, als die sieben Schwaben ins Freie und auf die Landstraße kamen. Und der Mond ging so eben auf. Da sagte der Spiegelschwab: Jetzt haben wir’s gewonnen, Memmingen ist nicht mehr weit.

Der Blitzschwab fragte ihn: wie er das wissen könne? Werd‘ ja doch den Memminger Maun (Mond) kennen? Potz Blitz, wie blitzdumm! sagte der Blitzschwab. Dies kaum gesagt, hatte er schon seine Dachtel vom Spiegelschwaben, der alles leiden mochte, nur nicht dass man ihn für dumm halten sollte.

Dass dir der Blitz ins Maul platz‘, schrie der Blitzschwab, du Lalle, du Ginkel, du Takel, du Kog, und so ging’s eine ganze Litanei durch. Der Spiegelschwab wurde auch immer wilder, und so kamen sie denn einander in die Haare und rauften sich ab, wie zwei Metzgerhunde. Da bat der Seehas den Allgäuer, er sollte Frieden machen. Der ließ sich nicht lang bitten, sondern packte sogleich den Blitzschwaben am Hosenbändel, und hielt ihn in der Luft, wie einen Frosch, und er mochte zappeln, wie er wollte.

Inzwischen ließ der Spiegelschwab nicht nach, dem Blitzschwaben aufs Brät zu klopfen; und daher packte denn der Allgäuer ihn auch mit der Linken, und hielt ihn am Leible, unter der Gurgel, so keif und fest, dass er bockstarr dastand und nicht mucksen konnte.

„Bygost!“, sagte er, „ich will euch Hores Mores lernen, ihr donnerschlächtige Strolkerle.“

Und er schüttelte den einen, und drosselte den andern immer ärger und ärger, bis sie endlich einander das Wort gegeben, dass sie wieder gut Freund sein wollten. Und das sind sie denn auch geblieben von der Zeit an bis in ihren Tod.

XV. Wie der Blitzschwab an dem Allgäuer Rache nimmt

Der Blitzschwab konnte es dem Allgäuer aber nicht vergessen, daß er ihm so übel mitgespielt, und er wollte es ihm gelegentlich wieder eintränken und Gleiches mit Gleichem vergelten. Darüber hielt er Rathschlag mit dem Spiegelschwaben. Damit aber der Allgäuer aus dem Spaß keinen Ernst machen möchte – denn im Zorn hätte er sie mitten entzwei gebrochen, wie Zaunstecken, das wußten sie – so sagte der Blitzschwabe: Allgäuer, wenn ich’s mit dir aufnehme und dich auf den Boden werf und durchprügle, was[153] thust du mir? Bygost, sagte der Allgäuer und lachte; wenn du mich auf den Boden bringst, so magst du mich meinethalb todtschlagen, ich halt dir’s nicht nach. Ein Mann, ein Wort! sagte der Blitzschwab. Wie sie nun auf der Halde vor Memmingen ausruthen – der Allgäuer hatte die Rede schon wieder vergessen – da sagte zu ihm der Blitzschwab: Allgäuer, du bist noch nicht um einen Kopf größer als ich. Bygost! sagte Jener, du reichst mir nicht bis unter die Gratel. Laß mal probiren, sagte der Blitzschwab; es gilt einen Dreibätzner; steh auf und streck dich grad! Der Allgäuer stand auf und streckte sich, und machte sich grad, wie eine Hopfenstange. Da ging der Blitzschwab hinter seinen Rücken, steckte den Kopf unter seine Gratel und stieß ihm die beiden Fäuste in die Kniehöhlen, so daß Jener taumelte, und auf einen Hub des Blitzschwaben umschlug und dalag wie ein Hopfensack. Der Blitzschwab geschwind wie der Wind über ihn her. Jetzt rühr‘ dich nicht, sagte er; ein Mann, ein Wort. Der Allgäuer hatte Ehr im Leib, und so mochte er’s denn leiden, daß der Blitzschwab auf ihm herum fäustelte nach Herzenslust. Endlich wurde es dem Allgäuer doch zu arg – der andere hätte ihn grün und blau geschlagen – Bygost! sagte er, mich sticht eine Fliege. Und nun gab er dem Blitzschwaben ein Hirnbätzle, daß er über und über purzelte, wie ein Holzfrosch. Und damit hatte der Streit ein Ende.

XVI. Wie der Blitzschwab an dem Allgäuer Rache nimmt.

Der Blitzschwab konnte es dem Allgäuer aber nicht vergessen, dass er ihm so übel mitgespielt, und er wollte es ihm gelegentlich wieder eintränken und Gleiches mit Gleichem vergelten. Darüber hielt er Ratschlag mit dem Spiegelschwaben. Damit aber der Allgäuer aus dem Spaß keinen Ernst machen möchte – denn im Zorn hätte er sie mitten entzwei gebrochen, wie Zaunstecken, das wussten sie – so sagte der Blitzschwabe: „Allgäuer, wenn ich’s mit dir aufnehme und dich auf den Boden werf‘ und durchprügle, was tust du mir?“

„Bygost“, sagte der Allgäuer und lachte; „wenn du mich auf den Boden bringst, so magst du mich meinethalb totschlagen, ich halt dir’s nicht nach.“ „Ein Mann, ein Wort!“, sagte der Blitzschwab.

Wie sie nun auf der Halde vor Memmingen ausruhten – der Allgäuer hatte die Rede schon wieder vergessen – da sagte zu ihm der Blitzschwab: „Allgäuer, du bist noch nicht um einen Kopf größer als ich.“ „Bygost!“ sagte jener, „du reichst mir nicht bis unter die Gratel.“ „Laß mal probieren“, sagte der Blitzschwab; „es gilt einen Dreibätzner; steh auf und streck dich grad!“

Der Allgäuer stand auf und streckte sich, und machte sich grad, wie eine Hopfenstange. Da ging der Blitzschwab hinter seinen Rücken, steckte den Kopf unter seine Gratel und stieß ihm die beiden Fäuste in die Kniehöhlen, so dass jener taumelte und auf einen Hub des Blitzschwaben umschlug und dalag wie ein Hopfensack. Der Blitzschwab geschwind wie der Wind über ihn her. „Jetzt rühr‘ dich nicht“, sagte er; „ein Mann, ein Wort.“

Der Allgäuer hatte Ehr im Leib, und so mochte er’s denn leiden, dass der Blitzschwab auf ihm herum fäustelte nach Herzenslust. Endlich wurde es dem Allgäuer doch zu arg – der andere hätte ihn grün und blau geschlagen – „Bygost!“ sagte er, „mich sticht eine Fliege.“ Und nun gab er dem Blitzschwaben ein Hirnbätzle, dass er über und über purzelte, wie ein Holzfrosch. Und damit hatte der Streit ein Ende.

XVII. Was für eine Gefahr dem Spiegelschwaben gedroht, und wie er sich daraus errettet

Durch Memmingen gehen wir nicht, obwohl drin gute digene Würste zu haben sind, sagte der Spiegelschwab. Und als man ihn fragte: warum? so sagte er: darum; und er müsse sich doch wol am besten auswissen. Sei’s, sagte der Nestelschwab, wir können ja um die Mauer herum, und dann zum andern Tor hinaus. Die sieben Schwaben gingen also um die Mauer herum durch die Hopfengärten.

Aber da hat sich’s denn wiederum augenfällig gezeigt, dass der Mensch seinem Schicksal nicht entgehen könne. Denn ehe sich’s der Spiegelschwab versehen, sprang aus einem Hopfengarten ein Weib auf ihn zu, eine rechte Runkunkel und schrie in einem Ton, der durch Mark und Bein ging: „Bist du endlich wiederum da, du Schlingel? Wo bist du so lange Zeit herum kalfaktert, du Galgenstrick?“ Der Spiegelschwab erkannte in ihr sogleich seine liebe Ehehälfte und er rief: „Helft mir alle Heiligen! der Teufel ist los!“ und huschte in den andern Hopfengarten hinein. Das Weib ihm nach.

In der Herzensangst fiel ihm eine List ein. Er hatte nichts zu tragen, weil er nichts hatte, als das Bärenfell; das tat ihm nun guten Dienst. Er warf’s in Eile über den Kopf, schloff in die Pratzen und kreiste nun auf allen Vieren, wie ein leibhafter Bär. Wie nun das Weib näher kam, richtete er sich auf und trappelte brummend auf sie zu. Die sah nicht sobald den Bären, als sie laut aufschrie, und über Hals und Kopf davon rannte.

Der Bär aber holte sie ein, und drückte und herzte sie, dass ihr fast die Sinne vergingen. Dann ließ er sie los und ging den Gesellen nach. Seit der Zeit, als dieser Schwank kund geworden unter den Memminger Frauen, werden die bösen Männer von ihnen Brummbären genannt.

XVIII. Wie sie gegen Wissen und Willen in die Stadt Memmingen kommen, und dorten Bierbeschau halten

.. to be continued — den restlichen Text muss ich noch aus Fraktur transkribieren

Quelle: Düsseldorfer Malerschule (DFG): Wunderseltsame und abenteuerliche Geschichten und Thaten der sieben Schwaben, 1858, Link: https://digital.ulb.hhu.de/dfg/content/pageview/1116852


Linktipps

Wikipedia

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Sieben_Schwaben

Handlung in Kirchhofs Wendunmuth (ab 1563) und Grimms Märchen (ab 1819):
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Sieben_Schwaben#Handlung_in_Kirchhofs_Wendunmuth_(ab_1563)_und_Grimms_M%C3%A4rchen_(ab_1819)

Die sieben Schwaben als Operette

„Die sieben Schwaben – Volksoper in drei Acten“. Operette von Hugo Wittmann und Justin Bauer; Musik: Karl Millöcker, 1887
Digitalisat bei archive.org: https://archive.org/details/diesiebenschwabe00mill/

Suche nach …

➥ Sitemap
Sitemap/Inhalt


➥ Klick zum Inhaltsverzeichnis der Website

Blogroll

  • Schwäbische Vornamen
  • Wasserburg am Bodensee
  • Jakobswege in Oberschwaben
  • Eintrag zu Krauchenwies aktualisiert
  • Neue Überarbeitungen: Gammertingen, Mariaberg, Waldburg… u.v.a.m.
Neue und alte Techniken der Radierung und Edeldruckverfahren.
Techniken der Radierung und Edeldruckverfahren Umschlag
Ein alchemistisches Werkstattbuch für Radierer. Anleitungen & Rezepturen aus 500 Jahren auf 232 Seiten
ISBN 978-3-9821765-0-5
7.Auflage - 36,90 € incl. Versand (D)
➥Wege zum Buch

Meine Webseiten


Banner: Schulbibo.de - Daf/Daz
 
Banner: Oberschwabenschau.info: Land + Sehenswertes - Sagen + Mythen
 
Banner: Techniken der Radierung
 
Banner: Schulen für Bisoro
 
Banner: Linuxmuster
 
Banner: Linuxmuster kiuzhg

Die zitierten, historischen Texte des 19.Jahrhunderts habe ich aus freien Quellen und/oder Fraktur- und Kurrentschrift in heutige Normschrift transkribiert, dabei in Rechtschreibung, Satzbau und Grammatik angepasst und ergänzt,  die historischen Ansichtskarten sind retuschiert und farblich "aufgehübscht", teilweise coloriert.

Für die Webseite, Texte und Abbildungen gilt das Copyright: © CC BY-NC-ND (Namensnennung, Nicht kommerziell, Keine Bearbeitung) edition Wolfgang Autenrieth, Krauchenwies, https://oberschwabenschau.info, 2024


➥ Impressum und AGB

Dies ist eine private Website.
Alle Abbildungen und Texte - sofern nicht aus anderen Quellen eingebunden:
© Wolfgang Autenrieth ➥ Login


Linkhinweise, die mit 🛒 gekennzeichnet sind, verweisen auf das Angebot von Amazon oder anderen Anbietern. Sobald Sie darauf klicken, verlassen Sie meine Seite. Amazon etc. speichern Ihren Zugriff und setzen Cookies. Falls Sie anschließend dort einkaufen, erhalte ich eine (geringe) Provision, die zur Refinanzierung meiner Webseiten beiträgt.
Tipp: Schauen Sie sich dort um - und bestellen anschließend im regionalen Buchhandel. Der zahlt regionale Gewerbesteuer, die Ihrem Ort zu Gute kommt ;-)

Copyright der dargestellten historischen Ansichtskarten
Ein Werk wie ein Foto, eine Grafik oder ein Kunstwerk ist bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers urheberrechtlich geschützt. Auf einigen der eingestellten historischen Ansichten ist kein Urheber vermerkt. Ich habe nur solche Karten der Jahrhundertwende 1900 verwendet, bei denen nach menschlichem Ermessen der Urheber bereits vor mehr als 70 Jahren verstorben ist. Sollte bei eingestellten Abbildungen, für die ich trotz meiner Recherchen keine Rechteinhaber ausfindig machen konnte noch solche existieren, bitte ich diese nachträglich um Erlaubnis und um eine Mitteilung. Ich werde dann die Werke zeitnah entfernen oder auf Wunsch mit einem entsprechenden Copyrightvermerk versehen. Ich verfolge keine kommerziellen Interessen. Die eingeblendete Werbung dient lediglich der (teilweisen) Deckung der Unkosten. Es geht mir einzig darum, diese interessanten Zeitdokumente der Nachwelt zu zeigen und zu erhalten. Und das dürfte auch im Sinne der Urheber sein!

Die Retusche der Ansichtskarten war SEHR zeitaufwändig und setzt Fachwissen voraus. Dasselbe gilt für die Recherche,  Transkription und Überarbeitung der Texte und Bilder aus historischen Quellen und Frakturschrift. Die Umarbeitung ergibt für die hier eingestellten Ansichtskarten und Texte ein neues Copyright, da es sich nicht mehr um die ursprünglich gemeinfreien Werke handelt. Es steht Ihnen frei, nach den historischen Abbildungen zu forschen und diese zu verwenden. Dass jemand ohne mein Einverständnis aus meiner Arbeit Kapital schlägt, werde ich nicht akzeptieren.

CyberChimps WordPress Themes

©Wolfgang Autenrieth, Krauchenwies, 2025
Cookie-Zustimmung verwalten
Wir verwenden Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Wir tun dies, um das Browsing-Erlebnis zu verbessern und um (nicht) personalisierte Werbung anzuzeigen. Wenn du nicht zustimmst oder die Zustimmung widerrufst, kann dies bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigen.
Funktional Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt. Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.
  • Optionen verwalten
  • Dienste verwalten
  • Verwalten von {vendor_count}-Lieferanten
  • Lese mehr über diese Zwecke
Einstellungen ansehen
  • {title}
  • {title}
  • {title}