Riedlingen – Sehenswertes, Geschichte, Sagen, Mythen und Volksglaube der Region. Das „etwas andere“ Portal. Links, Landkarten, historische Ansichtskarten, Fotos, Ausflugsziele …
Allgemeines
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➥ Alemannische Wikipedia
➥ Wikisource: Historische Quellen und Schriften
Geschichte
Lexikoneinträge
Riedlingen (Meyers, 1908)
Oberamtsstadt im württemberg. Donaukreis, an der Donau und der Staatsbahnlinie Ulm-Tutlingen, 536 m ü. M., hat eine evangelische und 2 kath. Kirchen, ein Progymnasium, Amtsgericht, eine mechanische Wirkwarenfabrik und (1905) 2377 meist kath. Einwohner. Dabei das Riedlinger Ried, s. Donauried.
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 16. Leipzig 1908, S. 916. Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000735021X
Riedlingen (Pierer, 1862)
1) Oberamt im württembergischen Donaukreise, an Hohenzollern grenzend; 8 QM. 25,900 Ew.; gebirgig, mit Eisenlagern, Rindvieh- u. Pferdezucht;
2) Stadt darin, an der Donau; Hospital, Spinnerei, Getreide- u. Viehmärkte; 1800 Ew.
Quelle: Pierer’s Universal-Lexikon, Band 14. Altenburg 1862, S. 152. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20010754636
Affa (m. Geogr.), Gau in Alemannien, an der Donau, bei Riedlingen, Andelfingen u. Alzheim
Quelle: Pierer’s Universal-Lexikon, Band 1. Altenburg 1857, S. 153., Permalink: http://www.zeno.org/nid/20009310576
Ortsbeschreibung von Merian
➥ https://de.wikisource.org/wiki/Topographia_Sueviae:_Riedlingen
Karten von Riedlingen
➥ Luftlinie-org berechnet die Luftlinienentfernung
sowie die Straßenentfernung zwischen zwei Orten und stellt beide auf der Landkarte dar. Startort ist Riedlingen, den Zielort müssen Sie noch wählen. Voreingetragen ist ➥ Bisoro in Burundi
Karte eingebunden aus OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL
Fotos & Abbildungen
Ein Klick in die erste Karte öffnet die Slideshow. Mit den Pfeilen am Bildrand kann vor- und zurückgeblättert werden. Am unteren Bildrand ist vermerkt, was die Karte darstellt und wann sie versendet wurde. Die Karten wurden von mir retuschiert und „aufgehübscht“.
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Kunst, Kultur und Brauchtum
➥ Kultur und Sehenswürdigkeiten (Wikipedia)
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Ausflüge und Sehenswertes
➥ Wikivoyage – Projekt der Wikimedia
➥ Wikitravel – der freie Reiseführer
Webcams
➥ Webcams in Riedlingen und Umgebung
Nachbargemeinden
➥ angrenzende Städte und Gemeinden (aus Wikipedia)
Teilgemeinden und Ortschaften
Die Stadt besteht aus der Kernstadt, sowie den Gemeinden Bechingen, Daugendorf, Grüningen, Neufra, Pflummern, Zell und Zwiefaltendorf.
Sagen
Der Bröller
Irgendwo im Heuberg und Flussgebiet der Donau muss eine Höhle sein mit einem unterirdischen See, den man sieden und brodeln hört, und wenn er viel Wasser enthält, soll er brüllen. Man sagt nun in Ertingen, es werde einmal jener unterirdische See, der »Bröller«, ausbrechen und alles im Donautal ersaufen. Vor einigen Jahren geschah es, dass Spaßvögel im Tale verbreiteten, »der Bröller sei losgebrochen.« Ich sah mit eigenen Augen einige Leichtgläubige bei dem Schreckenswort: »der Bröller işt leos!« die Hände ringen und Anstalt machen, ihre Habe auf einen Berg zu retten. Noch immer warten die Leute auf den Schreckensruf: »der Bröller işt leos, älles işt hẽ!« (Riedlinger Gegend)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 136-137. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004563468
Die goldene Gans
Ein König hatte eine Tochter, welche niemals lachte. Da ließ er bekannt machen, wer seine Tochter zum Lachen brächte, sollte sie zur Gemahlin bekommen. Ein guter dummer Kerl bekam von einem Waldweiblein eine goldene Gans geschenkt, als er ihr gutmütig von seinem Brot gegeben hatte, da er selbst sehr hungrig im Walde aß. Dieser befand sich zufällig in der Königsstadt und war mit seiner Gans in einem Wirtshaus über Nacht, das nahe beim Schloss stand. Er hängte seine Gans in einem Schnupftuch ans Ofenstängle und sagte, es solle ihm Niemand die Gans berühren, da man sonst hängen bleiben müsste. Die Magd, der Knecht, Wirt und Wirtin dachten bei sich, das glauben sie nicht und wollen sich bei Nacht doch ein Federchen ausrupfen.
Die Nacht kam und in der Dunkelheit schlich sich die Magd »hemmetpflenzig« (im Hemd), wie sie war, in die Stube, um eine Feder zu holen. Aber sie blieb hängen. Da kam bald hernach der Knecht und blieb auch an der Gans hängen. Als der Wirt den Lärm hörte, dachte er an etwas Anderes und wollte die zwei verjagen, aber er blieb an Magd und Knecht hängen. Zuletzt kam die Wirtin und blieb richtig am Wirt hängen. Des Morgens kümmerte sich aber der Einfältige wenig darum, sondern nahm die Gans unter den Arm und ging seiner Wege. Das Wirtspersonal musste im Nachtaufzug mit, ob es wollte oder nicht. Da kam der Einfältige am Schloss vorbei. Die Königstochter sah eben zum Fenster heraus und musste beim Anblick dieses Zuges hell auflachen. Da ward der Einfältige Schwiegersohn des Königs durch eine Gans. (Riedlingen)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 364-365, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568931
Sitten und Gebräuche
Das Sterben
Wenn ein Toter in den letzten Zügen liegt, mit dem Tode ringt, so glaubt man, jetzt streite der Schutzengel und der Teufel um die Seele des Sterbenden, welchem Streite der Sterbende zusehe und nun durch Lächeln oder düstere Miene den Gang des Kampfes andeute. Man spritzt dann überall um die Bettstatt her mit dem Weihwasser. Auch sollen sich so viele Teufel um den Sterbenden versammeln, als die Stube nur fassen mag, und immer sollen noch Scharen nachrücken, so viel Tür und Fenster davon schlucken mögen. Diese halten dem Sterbenden seine Sünden vor, geschrieben auf eine Kuhhaut, um ihn zur Verzweiflung zu bringen. Man hat nun eigens dazu geweihte Kruzifixbildchen, »Sterbherrgöttle« genannt, die man den Sterbenden in die Hand gibt, damit sie die Drohungen des Satans stark ertragen. Wenn man glaubt, dass der Sterbende den letzten Atemzug getan, jedoch häufig schon vorher, fangen die Weiber ein gräuliches Schluchzen und Wehklagen an, das den Bass der betenden Männer durchbricht, welch‘ letztere eine Litanei mit dem bekannten Refrain: »erbarm d’r arm Seel im Fëegfuir!« beten.
Nachher entschuldigen sich die Angehörigen gegen ihre Nachbarn und Anverwandte, dass sie an dem Tod nicht schuldig seien, dass sie alles Menschenmögliche getan hätten, den Kranken zu retten. Die Nachbarsleute, welche man schon vorher »zum End« zusammengerufen hatte, verlieren sich allmählich, indem sie dem Verstorbenen das Weihwasser mit einem Bündelchen von drei ausgekörnten Roggenähren geben und sich lobend über des Verstorbenen Leumund hören lassen. Neben das Bett stellt man einen brennenden »Wachsrodel«, des Verstorbenen Hände werden gekreuzt, mit dem Ende eines Wachsstockes und einem Nuster umwickelt, die ihm ins Grab mitgegeben werden, er selbst wird mit seinen Werktagskleidern bekleidet, die Zipfelkappe wird ihm an den Kopf gezogen, die Füße werden mit Strümpfen versehen, schließlich wird er mit einem weißen Leinlaken zugedeckt.
Ein Anderer öffnet das Fenster, »um die Seele hinausfliegen zu lassen,« wobei einige sagen: »Geh hin und pfludere!« (Flattere als Taube gen Himmel!) Jetzt muss man schnell die Immenstöcke (=Bienenstöcke) von ihrer Stelle rücken, ebenso die Leinfässer und Kleesamenfässer, die »Frucht« (Getreide) auf der »Laube« (Bühne) umschlagen und an alle Fässer im Keller dreimal klopfen, sonst »steht Alles das ab!« Auch im Stall muss man die Trauer ansagen, wo gewöhnlich die Nachbarsleute für das herrenlos gewordene Vieh sorgen, so lange die Leiche des Bauers im Hause liegt. (Riedlingen)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 279-280, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567080
Scheren ins Grab geben.
Vor Zeiten und jetzt noch hie und da scheint eine Sitte in Schwaben gang und gebe gewesen zu sein, nämlich Scheren den Toten mit ins Grab zu geben. Über die Zahl ist mir nichts genauer bekannt, weil bald eine, bald mehrere noch jetzt in Gräbern gefunden werden. In der Gegend des mittleren Kochers wurden deren fünf gefunden, wovon die fünfte in den andern verhängt gewesen sein soll. Sie waren unsern Schafscheren ähnlich und rohe Werkzeuge aus älterer Zeit. In Hohenstadt soll es erst noch vor 25 Jahren Sitte gewesen sein, einer Näherin eine Schere mitzugeben. In Riedlingen ist noch der Gebrauch, einer Frau, die als Wöchnerin stirbt, eine kleine eiserne Pfanne und eine Schere mit in den Sarg oder in das Grab zu geben, »damit die Arme Ruhe habe und ihrem Kindlein kochen und nähen könne«.
Wichtig ist, dass diese Scheren nachher eifrig gesucht werden, sodass das Grab geöffnet wird. Aus ihr werden dann Krampfringe gemacht, mit denen man großen Unfug treibt. Diese eisernen Ringe sollen gegen Krämpfe unfehlbar helfen und werden gerne getragen. Ein Betrug läuft immer mitunter, da gewisse Leute auch geweihte haben wollen.
In Ulm und Augsburg sind solche Scheren aufbewahrt. Die Augsburger Schere wurde in den Nordendorfer Gräbern gefunden.
Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 407-408. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004577884
St. Vitustag
In der St. Vitusnacht gießen in der Riedlinger Umgegend die Mädchen wie in der Andreasnacht Blei und sagen:
Heiliger Sanct Veit,
Dërf î dî bitte,
Zeig mier de-n-éşte,
De zweite und de dritte!
In der Stockgelte zeigen sich allerlei Bleifiguren und das Handwerkszeug des künftigen Mannes stellt sich heraus.
Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 445. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004578473
Von den armen Seelen
Für die armen Seelen tut der Schwabe viel, indem er wohl weiß, dass dem, der Andern nicht helfen mag, auch keine Hilfe zuteil wird. Er gedenkt ihrer so oft er betet, und läuft ihnen viele Meilen weit zu lieb an Gnadenorte. Es gibt auch eigens Weiber, die gegen die Unkosten Wallfahrten für Andere machen, fast ausschließlich geht man von Oberschwaben nach Einsiedeln. Es gibt wohl wenige rüstige Leute, die in ihrem Leben nicht wenigstens einmal in Einsiedeln gewesen wären. Die Poesie wie der hie und da vorkommende Unfug dieser Wallerzüge haben durch die Eisenbahnen und Dampfschiffe wesentliche Einbuße erlitten. Nur wie ein Märchen klingen heutzutage die abenteuerlichen Erzählungen von den gefahrvollen Fahrten über das schwäbische Meer in »der guten alten Zeit« – von der Arbeit und Todesangst, dem Beten und Fluchen, der stummen Verzweiflung und der übermenschlichen Anstrengung gegen die ins Schiffchen strömende Flut – mit Stiefeln und Regendach!
Wie die armen Seelen dankbar sind, wenn man ihnen zu lieb etwas betet, und wie sie den Bettpisser pünktlich vor der Katastrophe wecken, so nehmen sie Beleidigungen groß übel und hat einmal ein Mann, der ihrer wenig erbaulich gedacht, am hellen Tag eine »Humse« aus heiterer Luft erhalten. Knechten und Mägden, die ihrer Pflicht gar zu saumselig nachkommen, ist schon dann und wann in Scheuer und Stall von Seiten des verstorbenen Bauers ähnliches begegnet. Denn der Bauer schaut wegen seiner Kinder nach seinem Sach.
Doch nehmen Viele an, dass die armen Seelen am Orte ihrer früheren Tätigkeit die Strafe absitzen müssen, und dass es daher komme, wenn man zu Zeiten von unsichtbaren Wesen innerhalb der Hofraite Seufzer vernommen. Fast in allen Wallfahrtskapellen befinden sich an einem Gitter ein Leinwandtäschchen, in welchen sich gedruckte Zettel befinden, auf denen verschiedenes zu beten, dem »Wunderfitzigen«, der hineingreift, aufgegeben wird. Diese Vaterunser oder Stationen kommen den armen Seelen zu gut. (Riedlinger Gegend)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 282-283, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567102
Will man um Riedlingen herum sehen,
ob ein »unterwachsenes Kind« (rachitisches Kind) gedeihe (»gronet«) oder sterbe, trägt man es in die Kapuzinerkirche nach Riedlingen, zündet dort zwei Wachslichtlein an, das eine vor dem hl. Antoni, das andere vor dem Kind. Brennt dann das Licht vor dem hl. Antoni bälder ab als vor dem Kinde, so stirbt das Kind.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 200, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565258
Balladen, Sprüche & Gedichte
Im Donauthal, Riedlingen, auf- und abwärts geht der Reim
Ulm işt e schönẽ Stadt,
Ehinge işt e Bëttlsack,
Munderkinge e Saukübl
Und Schëlkinge dr Dekl drüber
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 458. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570456
Spottnamen
Die Daugendorfer
Als die Daugendorfer eine Brücke über die Donau bauten, war ein Balken zu kurz, um über den Fluss zu reichen. Da wollten sie ihn strecken und setzten unten und oben vier Pferde an den Balken. Seither kann man sich in Daugendorf Schläge holen, wenn man von den »Blockstreckern« spricht. Ganz dasselbe mutet man den Blochingern (Saulgau) zu, man heißt sie nur die »Stegstrecker«.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 449. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570286
Die Riedlinger sind Sonnenspritzer
Die Riedlinger heißt man Sonnenspritzer. Da schien mal die Abendsonne so herrlich in die dampfenden Fensterluken einer Brauerei, dass es aussah, als brenne die Brauerei lichterloh. Man stürmte, die Spritzen rasselten herbei, die Mannschaft fing an die Brauerei mit Wasser zu überschütten. Da sahen die Brauknechte heraus und riefen zu den Leuten hinab, ob sie denn verrückt worden, sie hätten zu ihrem Bier Wasser genug: woran nicht zu zweifeln gewesen, da nach dem allgemeinen Gesäge das Riedlinger Bier nach dem Rezept gemacht werde: Auf ein Simri Malz drei Tag gumpen (Wasser pumpen).
Auch sagt ein Sprichwort, dass aus zwei Riedlingern drei Juden gemacht werden könnten. Die Fama will ferner haben, dass sie in der neuesten Zeit den Versuch gemacht haben, einen Mohren weiß zu waschen, was aber nach dem Spruch:
„Und was sie halt hend deõ,
D’r Mohr håt d’Farb itt gleõ!
mißlungen sein soll.“
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 447-448. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570243

