Oberschwaben – historische Ortsansichten & regionale Sagen

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Bad_Hindelang – Sehenswertes, Geschichte, Sagen, Mythen und Volksglaube der Region. Das „etwas andere“ Portal. Links, Landkarten, historische Ansichtskarten, Fotos, Ausflugsziele …

Inhalt

Gliederung

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    • Historische Lexikoneinträge
      • Hindelang (Meyers, 1907)
      • Hindelang (Pierer, 1859)
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  • Kunst, Kultur und Brauchtum
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  • Sagen, Mythen und Geschichten
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    • Das „Wilde Gjägt“ im Tiefenbacher Wald
    • Das Muetesheer entführt einen Burgberger
    • Das Muetes und der Marte zu Ruben
    • Der Küchelnfresser in Hinterstein
    • Die Isenbrechen
    • Die wilden Fräulein
  • Balladen und Gedichte
    • Das Älplein bei Wertach
Bad Hindelang, Postkarte von 1916

Bad Hindelang, Postkarte von 1916


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Update: 18. August 2026

Allgemeines

➥ Internetauftritt der Stadt / Gemeinde
➥ Wikipediaeintrag
➥ Alemannische Wikipedia
➥ Wikisource: Historische Quellen und Schriften

Historische Lexikoneinträge

Hindelang (Meyers, 1907)

Flecken im bayr. Regbez. Schwaben, Bezirksamt Sonthofen, in den Allgäuer Alpen, 825 m ü. M., hat eine kath. Kirche, Nebenzollamt I, Zementfabriken, Baumwollweberei, Waffen- und Hammerschmieden, Gerberei, Käserei, Bierbrauerei und (1960) 2401 Einwohner
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 9. Leipzig 1907, S. 348.  Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000677511X

Hindelang (Pierer, 1859)

Marktflecken an der Osterach im Landgericht Sonthofen des baierischen Kreises Schwaben; königliches Schloß, Eisensteingruben, Eisenhammer, Viehzucht; 1300 Ew.
Quelle: Pierer’s Universal-Lexikon, Band 8. Altenburg 1859, S. 386. Permalink: http://www.zeno.org/nid/2001011548X

Karten

Links oben in der Karte können Sie mit + und – den Maßstab der Darstellung ändern. Durch Festhalten des Mauszeigers lässt sich der Ausschnitt verschieben.

Karte eingebunden aus OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL.
➥ Luftlinie-org berechnet die Luftlinienentfernung
sowie die Straßenentfernung zwischen zwei Orten und stellt beide auf der Landkarte dar.

Fotos & Abbildungen

➥ Bildersammlung auf Wikimedia-Commons
➥ Abbildungen auf Tumblr
➥ Infos und Fotos auf Pinterest
➥ Filme in der ARD-Retro-Mediathek (Filmbeiträge der 60er-Jahre)

Kunst, Kultur und Brauchtum

➥ Kultur und Sehenswürdigkeiten (Wikipedia)
➥ Abbildungen auf ‚Bildindex‘
➥ Bilder auf ‚Google-Art‘
➥ Bad_Hindelang auf ‚Zeno-Org‘
➥ Suchfunktion nutzen fürBad_Hindelang auf leo-bw.de
(Karten, Archivmaterialien und Luftaufnahmen vom Landesarchiv Baden-Württemberg)
➥ Alphabetisch sortiertes Verzeichnis auf www.kloester-bw.de
Beschreibungen vom Landesarchiv Baden-Württemberg

Katholische Filialkirche St. Leonhard bei Sonthofen, Abb aus Baumann, Geschichte des Allgäus 1881

Katholische Filialkirche St. Leonhard in Liebenstein, Abb aus Baumann, Geschichte des Allgäus 1881

Geschichte

Ortsbeschreibung von Merian: ➥ https://de.wikisource.org/wiki/Topographia_Sueviae:_Bad_Hindelang

Ausflüge und Sehenswertes

Teilgemeinden und Ortschaften

Gailenberg – Vorderhindelang – Liebenstein – Reckenberg – Bad Oberdorf – Hinterstein – Oberjoch – Unterjoch

➥ Ortschaften und Wohnplätze von Bad_Hindelang (aus Wikipedia)

➥ Wikivoyage – Projekt der Wikimedia
➥ Wikitravel – der freie Reiseführer

Webcams

➥ Webcams in Bad_Hindelang und Umgebung

Nachbargemeinden

➥ angrenzende Städte und Gemeinden (aus Wikipedia)

Sagen, Mythen und Geschichten

 

Das „Wilde Gjägt“ im Tiefenbacher Wald

Der alte Grentler von Schattwald war mit seinem Bruder vor vielen Jahren auf der Holzarbeit im Tiefenbacher Walde südöstlich vom Grünten.
Eines Abends nun, wie es schon stark dämmerte und die beiden schon Feierabend gemacht hatten, hörten sie von ferne Hunde bellen und glaubten nun nicht anders, als es kämen noch Jäger von Burgberg zum Jagen. Sie hatten aber vorgehabt, an dem Abend selbst noch als Wilderer auf die Pirsch zu gehen, und waren deshalb schon ärgerlich darob, dass sie nun von den Burgbergern hierbei gehindert würden. Es dauerte nicht lange, so kam das Hundegebell immer näher, wurde lauter und heftiger, und nun vernahmen sie auch ein starkes Gerassel wie von einem schnell dahinrollenden Wagen, und war doch nirgends ein fahrbarer Weg in der Nähe. Sie vernahmen dann auch immer deutlicher Hufschläge von Rossen, und wie der lärmende Zug ihrer Holzerhütte nahe gekommen war, erkannten sie mit Schrecken, dass dies das „Wilde Gjägt“ sei, das laut tobend dahinstürmte, und dessen Lärmen, Bellen und Tosen allmählich in der Ferne verklang. Nun waren sie todsfroh, dass sie hiervon nicht im Freien überrascht worden waren, hatten auch keine Lust mehr, den Abend zum Wildern zu gehen. (Hinterstein)

Quelle: Karl August Reiser: Sagen, Gebräuche und sprichwörter des Allgäus aus dem Munde des Volkes gesammelt und herausgegeben · Band 1, S.39, 1895, Link: https://www.google.de/books/edition/Sagen_gebr%C3%A4uche_und_sprichw%C3%B6rter_des_A/yNwNAQAAIAAJ

Das Muetesheer entführt einen Burgberger

Ein Mann von Burgberg war einmal des Nachts über Feld und befand sich gerade auf der Ostrachbrücke, als das „Muetesheer“ heranzog. Da er sich hier nicht genug schützen konnte, erfasste es ihn und trug ihn in den Lüften fort, dass er alle Besinnung verlor. Am Morgen befand er sich in Dinkelsbühl auf einem Misthaufen und hatte nun viele Not, wieder heim zu gelangen. Er hatte durch die Fahrt äußerlich keinen Schaden erlitten, aber eine Letze blieb ihm doch zeitlebens; denn von da an hatte er es im Kopfe nie mehr ganz recht, sein Geist ward getrübt, und wunderliche Eigenheiten verblieben ihm, so lange er lebte. Wenn er in der Kirche war und während der Wandlung alles still auf den Knieen lag, betete er halb laut und vernehmlich: holpra, stolpra, holpra! (Hinterstein.)

Quelle: Karl August Reiser: Sagen, Gebräuche und sprichwörter des Allgäus aus dem Munde des Volkes gesammelt und herausgegeben · Band 1, S.41, 1895, Link: https://www.google.de/books/edition/Sagen_gebr%C3%A4uche_und_sprichw%C3%B6rter_des_A/yNwNAQAAIAAJ

Das Muetes und der Marte zu Ruben

In Tiefenbach wurde das Muetes am häufigsten auf dem Kaps gehört, wo es vorbeizog, dann gewöhnlich den Lauf über die Seegadra nahm, einer nahen, felsenumschlossenen, moosigen Wiese, um von da Rubi zuzuziehen. Anfänglich hörte man dabei jedes Mal wunderbare Musik, die dann aber allmählich in wilden Lärm und schreckliches Geheul überging.

Einmal nahm es in Ruben den Marte mit, einen Wilderer, der wahrscheinlich gefrevelt, d. h. bei seinem Herannahen sich nicht niedergelegt hatte. Es trug ihn in den Lüften so schnell dahin, daß er kaum wußte, wie ihm geschah. Auf einmal befand er sich in einem großen, schönen Saal. Da wurde gar wunderschöne Musik aufgespielt; lieblicher Gesang ertönte dazu, und viele, viele Leute, Männer und Frauen, schritten hin und her und ging es so lebhaft zu, als wäre ein Markt hier.

Wie der Marte da verwundert so zusah, glaubte er plötzlich eine ihm gut bekannte Wirtin unter der Menge zu erkennen, und so konnte er sich vor Verwunderung nicht zurückhalten und schrie der Frau zu: „Ja grüeß Gott, Stasel! Bist du auch da?“ Er aber grüß Gott sagen und der ganze Saal mit allen Leuten und aller Pracht verschwinden war eins. Der Marte aber sah jetzt, dass er in einem schrecklich wilden Dufenmoos stecke, aus dem er sich fast gar nicht herausarbeiten konnte und lange, lange brauchte, bis er wieder heimfand.

Nach andern aber ist er in Durach von der Fahrt abgeworfen worden, und in der Angst, die er hiebei ausgestanden, habe er sich zur Mutter Gottes verlobt und für seine glückliche Errettung und Rückkehr hernach eine Votivtafel in die Kirche zu Schöllang gestiftet. Diese Tafel, die später lange Jahre auf dem Dachboden der Kirche gelegen, ist noch im Besitze eines Schöllanger Bauern, und alte Leute wissen noch gut, wie ehedem der alte Lehrer N. die Geschichte von ihrer Herkunft dutzende Mal erzählt hatte.

(Tiefenbach, Oberstdorf, Ruben, Schöllang, Fischen)

Quelle: Karl August Reiser: Sagen, Gebräuche und sprichwörter des Allgäus aus dem Munde des Volkes gesammelt und herausgegeben · Band 1, S.36, 1895, Link: https://www.google.de/books/edition/Sagen_gebr%C3%A4uche_und_sprichw%C3%B6rter_des_A/yNwNAQAAIAAJ

Der Küchelnfresser in Hinterstein

Von Hinterstein führt ein Fußsteig hinüber in’s Tannheimer Tal, das schon österreichisch ist, dessen Bewohner aber eben so gut wie die Hindelanger zu den Urallgäuern gehören. Da drüben sind sehr arme Leute, viel ärmer als die Hintersteiner, die bei ihrer Genügsamkeit und Sparsamkeit recht gut auskommen und selbst den Armen aus der Umgegend Almosen reichen können.

Da ist denn auch einmal ein Bettelmann herübergekommen aus dem Tannheimer Tal oder gar aus Tyrol nach Hinterstein, da man hier gerade die Kirchweih feierte. Der fing an in den Häusern herum Kücheln zu sammeln, bekam auch im Ganzen sieben und siebenzig Kücheln zusammen und außerdem auch noch, was er gerade notwendig hatte, um seinen allergrößten Appetit zu stillen. Die sieben und siebenzig Kücheln schob er alle in seine Betteltasche, um sie nach Hause zu bringen und auf längere Zeit etwas zu haben. So machte er sich dann auf den Weg, nicht hungrig, aber auch nicht übersatt.

Wie er den Fußsteig neben dem Wasserfall erreicht hatte, da wandelte ihn gleich in der ersten Krümmung schon eine Lust an nach den sieben und siebenzig Kücheln und er meinte, er sollte jetzt wohl eines davon essen; auf eines käme es gerade nicht an. Und wirklich verzehrte er im ersten Ranke (Krümmung) den Kuchen, welcher ihm aber so vortrefflich schmeckte, dass er im zweiten Ranke zum zweiten schritt und denselben mit eben so großem Appetit verzehrte. Und wie er im dritten Ranke das dritte und im vierten das vierte der Kücheln verzehrt hatte, da meinte er, es wäre doch eine nicht zu verachtende Herzstärkung, wenn er in jedem Ranke so eines von den Kücheln verzehren würde. Der Weg wäre dann lange nicht so langweilig und bis er mit den sieben und siebenzig Kücheln fertig wäre, wäre er auch mit den sieben und siebenzig Ränken oder Krümmungen fertig und hätte das höchste erstiegen. Und so tat er denn auch wirklich und wie er die sieben und siebenzigste Krümmung erstiegen und das sieben und siebenzigste der Kücheln gegessen, da hat es ihm den Magen »verschränzt« oder »verrissen,« so dass er zerplatzte. Die Einen sagen so, die Andern sagen anders, aber darin kommen Alle überein, dass er tot geworden sei, ob am Essen oder am Steigen oder an beiden zugleich, kann man nicht bestimmt sagen. Und seit dieser Geschichte hütet sich Jeder, der da hinaufsteigen muss, unterwegs Etwas zu essen; er fürchtet, es gehe ihm, wie dem Küchelfresser aus Thanheim.
(Hinterstein Filial von Hindelang)
Quelle: Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 24-25. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20005672104

Die Isenbrechen

Unfern Hindelang im Allgäu ist eine wilde Gebirgsschlucht, die Isenbrechen genannt. Dahin sind die verstorbenen Landammänner gebannt, welche im Leben ungerechtes Gericht gehalten. An Sonn- und Festtagen sieht man sie wohl auf den nahegelegenen Alpen auf- und abgehen in ihren rotsamtnen Wamsen und großen Perücken. Die schlimmsten aber aus ihnen sind zu ewiger Nacht verurteilt und hausen, in scheußliche Kröten verwandelt, zwischen den Felsklüften, durch welche die Ostrach fließt. Männer, welche zur Triftzeit in die Schlucht hinabgelassen werden, um das angestauchte Holz weiter zu schaffen, haben sie oft bemerkt und ihre glotzenden Augen gesehen, die so groß sind, wie Salzbüchseln. Sie können aber niemandem mehr ein Leid tun.
Quelle: Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 41-42. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20005667615

Die wilden Fräulein

Bei Hinterstein im Allgäu gegen den Oberen Berg zu befindet sich in einer Felswand eine Höhle. Die Felswand heißt man den Fräuleinstein, weil in der Höhle vor Zeiten wilde Fräulein gehaust haben. Wieviel es ihrer waren, kann man heute nicht mehr sagen, aber das weiß man noch, dass zwei von ihnen Rezabell und Hurlahutsch hießen. So erschienen sie den Bergheuern und Sennen, waren freundlich gegen die Menschen, ja manchmal kamen sie bis nach Hinterstein herein in die Häuser. Auch gesponnen haben die Wildfräulein, und oft sah man ihr Tuch auf der Bleiche ausgebreitet.

Einmal heiratete eines der Fräulein einen Burschen aus Hindelang, aber unter der ausdrücklichen Bedingung, dass man ihr keinen Namen gebe. Denn würde man zufällig ihren wirklichen treffen, so müsste sie sogleich fortgehen. Der Bursche und das Fräulein lebten lange glücklich miteinander. Auch die Nachbarn hatten die freundliche, fleißige Frau lieb. Eines Tags stand sie im Garten und wurmte das Kraut ab. Da kam ein anderes Weib des Wegs daher, die rief über den Zaun: „O mei’ liabs Gertrüdle, wia fressat dia Würmle dei’ Krütle z’säme!“

Da wurde das Fräulein leichenblass, fing an zu weinen und klagte bitterlich darüber, dass sie nun nicht mehr bleiben dürfe, da man sie bei ihrem richtigen Namen genannt. Einmal hatte sich ein Wildfräulein als Magd an einen Bauern verdingt. Sie diente ihm fleißig mehrere Jahre lang. Eines Tags fuhr der Bauer mit seinem Gespann am Fräuleinstein vorbei. Da rief ihm eine Stimme zu: „Jochtrager, sag der Stuzza Maruzza, d’Schalinga sei g’storba.“ Obschon der Bauer niemand dieses Namens kannte, erzählte er doch zu Hause von der Geschichte. Da fing die Magd, die dabei gestanden war, zu weinen an, sagte, nun müsse sie sogleich heim, und verließ den Dienst zur Stunde.
Rudolf Kapff: Schwäbische Sagen, Jena 1926 (Deutscher Sagenschatz) Link: https://books.google.com/books?id=T7xZAAAAMAAJ S.68

Balladen und Gedichte

Das Älplein bei Wertach

Von Karl Fernau.

Zu Wertach nah bei Hindelang
Lebt einstmal unter Sing und Sang
Und manchem Weltentand ergeben
Herr Bach ein lustig Pfarrerleben.
Es war ein Männlein, schlau, verdreht,
Und wie es leider manchmal geht,
Obwohl zum Streiter auserkoren,
Zum Heil der Kirche nicht geboren,
Leicht glitt er über alles hin
Und nahm es kurz nach seinem Sinn.

Nun hört: ein Älplein war gelegen
Auf hohem Berg, ein Weide-Segen,
Voll Gras und Saft und Blumenduft,
Recht in der freien Gottesluft,
Doch mühten sich in altem Streite
Drum Hindelang und Wertach beide,
Mit Zeugen und mit Dokumenten
War dieser Zank gar nicht zu enden.

Da fiel zuletzt es Einem ein:
Weil Ende muß bei Allem sein,
So soll’s zum Schiedsspruch kommen! – Bach
Stand eben unter seinem Dach,
Als eine Schar von Freund‘ und Feinden
Der eifersüchtigen Gemeinden
Zum Pfarrdechanten eilend kam
Und ihn zum Friedensrichter nahm.
Da waren sie am rechten Orte;
Denn alsogleich sprach er die Worte:

»Ich will nach Glaub‘ und Wissen schalten,
Zu keiner der Parteien halten –«
Indessen lächelt er gar fein,
Denn schnell fiel eine List ihm ein.
Schon freut‘ er sich, ein weltklug Männlein,
Im Geist der abgefallnen Spänlein,
Womit er seine Pfründ‘ und Pfarr‘
Gesonnen zu bereichern war.

An Ort und Stell‘ der fetten Weiden
Wollt er den langen Zwist entscheiden;
Und als der Tag kam, den er wählte,
Auf den er die Partei’n bestellte,
Da hielt ein Jeder Arbeitsrast,
Und eilte hoffend und in Hast
Herbei, hinan den Bergeshang,
Ganz Wertach und ganz Hindelang.
Die Sonn‘ erheiterte die Herzen,
Vergessen wurden manche Schmerzen;
Denn auf der freien Gotteshöh‘
Vergißt der Mensch so gern sein Weh.

Und nun Herr Bach? Den Spruch zu sprechen
Macht ihm wohl großes Kopfzerbrechen? –
Nicht doch! Oh, der geübte Mann
Der griff sein Ding viel leichter an.
Zerhau’n den Knoten! Alexandern
Gleich auf das Älplein hinzuwandern,
Dacht‘ er im Geist: kaum konnt‘ er warten,
Ging schon beim Frührot in den Garten,
Und nahm vom Brünnlein, das dort fließt,
Den Schöpfer, draus man Wasser gießt,
Und stellt ihn keck und wohlgemut
Über dem Haupt in seinen Hut.
Drauf von dem Boden, wo er stand‘,
Fasst‘ er den feinsten Gartensand
Und streut‘ ihn sorgsam und verstohlen
Inwendig auf der Schuhe Sohlen,
Und stieg zu Pferd! Oh Doktor Bach,
Das geht gewiß dem Rechte nach!

Versammelt standen sie schon all‘,
Als Bach heraufritt durch das Tal;
Er stieg gar froh von seinem Pferde,
Fest trat er auf des Älpleins Erde;
Und da er in der Mitte stand, –
Die Augen Aller aufgespannt –
Sprach er, der kleine Pfarrdechant:
»Ihr Leute, habt mich kommen lassen:
Seid ihr bereit, den Spruch zu fassen?
Seid ihr bereit, ihn zu vollziehen?« –
Ja! ward vom Bauernvolk geschrieen. –
»So will ich nun auf euer Klagen
Als Schiedsmann richten, tun und sagen,
Was Rechtens ist und bleibt: hört ihr!
So wahr ein Schöpfer über mir,
Steh‘ ich auf Wertach-Boden hier.«
Das konnt‘ er leicht sagen mit seinen Sohlen,
Und mit dem Schöpfer zum Wasserholen!

Der Spruch gar Manchen schlimm verdross!
Des theuren Guts war Hind’lang los;
Durch Doktor Bach nun war es klar,
Bei wem das Recht auf’s Älplein war;
Auf Erden ließ sich’s nicht mehr nehmen;
Die Andern mussten sich bequemen. –
Doch der im Himmel oben ist,
Der Herr vernahm des Dechants List,
Befand die Weise arg und schlecht
Und selbst das Urteil ungerecht.
Der Schöpfer ließ ihn nimmer ruh’n,
Der Boden brannt‘ ihm in den Schuh’n;
Und als Herr Bach in kurzer Zeit
Gesegnet drauf die Endlichkeit,
Sah man – so hört man Leute sagen, –
Ihn oft zu Pferd um’s Älplein jagen,
Im schwarzen Mäntlein, wie er war,
Da er das Recht fand also klar. –
Ein Kreuz steht auf den Felsenhöh’n,
Wo einst das Älplein grün und schön
Im reichen Gottessegen lag;
Es wurde kahl nach kurzem Tag.
Quelle: Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 39-41. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20005667593

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Die Retusche der Ansichtskarten war SEHR zeitaufwändig und setzt Fachwissen voraus. Dasselbe gilt für die Recherche,  Transkription und Überarbeitung der Texte und Bilder aus historischen Quellen und Frakturschrift. Die Umarbeitung ergibt für die hier eingestellten Ansichtskarten und Texte ein neues Copyright, da es sich nicht mehr um die ursprünglich gemeinfreien Werke handelt. Es steht Ihnen frei, nach den historischen Abbildungen zu forschen und diese zu verwenden. Dass jemand ohne mein Einverständnis aus meiner Arbeit Kapital schlägt, werde ich nicht akzeptieren.

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