Oberschwaben – historische Ortsansichten & regionale Sagen

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Füssen– Sehenswertes, Geschichte, Sagen, Mythen und Volksglaube der Region. Das „etwas andere“ Portal. Links, Landkarten, historische Ansichtskarten, Fotos, Ausflugsziele …

Füssen mit dem Säuling 1902

Füssen mit dem Säuling 1902

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Historische Lexikoneinträge

Füssen (Meyers 1907)
Bezirksamtsstadt im bayr. Regierungsbezirk Schwaben, am Fuß der Alpen, am Lech, an der Eisenbahn Oberdorf bei Biessenhofen-Füssen, 797 m ü. M., hat 6 kath. Kirchen, Franziskanerkloster, Schloss, Standbild des Prinz-Regenten Luitpold, Amtsgericht, Nebenzollamt I, eine große Seilerwarenfabrik (1100 Arbeiter), Orgelbau und (1900) 3847 Einw.

Das auf einem Felsen gelegene Schloss ist durch den am 22. April 1745 zwischen dem Kurfürsten Maximilian III. Joseph von Bayern und Maria Theresia daselbst abgeschlossenen Frieden merkwürdig geworden und durch König Maximilian II. teilweise restauriert. Neben der Burg stehen die Gebäude der ehemaligen Benediktinerabtei St. Mang und die Stiftskirche mit Grabdenkmälern und Gemälden. In der Nähe der Stadt liegen ein Schwefelbad (Faulenbach), der Kalvarienberg mit herrlicher Aussicht und gegen SO. Schloss Hohenschwangau (s.d.). – Füssen steht an der Stelle einer römischen Niederlassung. Um 720 erhielt es die Benediktinerabtei St. Mang (S. Magni ad fauces Julias). Erst im Besitz der Welfen, kam es 1191 an die Hohenstaufen und 1226 durch Verpfändung an den Herzog Ludwig von Bayern. 1313 fiel die dortige Vogtei an die Bischöfe von Augsburg. Im Schmalkaldischen Kriege wurde Füssen 1546 von Sebastian Schärtlin von Burtenbach, 1552 vom Kurfürsten Moritz von Sachsen und 1632 von den Schweden eingenommen.

Am 13. Sept. 1796 wurden hier die Franzosen unter General Tarneau von den Österreichern, 11. Juli 1800 dagegen diese von jenen und 18. Aug. 1809 die Württemberger von den Tirolern zurückgeschlagen. Bei der Säkularisation des Hochstifts Augsburg (1802) kam die Stadt an Bayern, das Kloster St. Mang aber mit allen Einkünften an den Fürsten von Öttingen-Wallerstein, von dem es 1839 an den Freiherrn v. Ponikau überging.
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 7. Leipzig 1907, S. 232. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20006644759

Karten

Links oben in der Karte können Sie mit + und – den Maßstab der Darstellung ändern. Durch Festhalten des Mauszeigers lässt sich der Ausschnitt verschieben.

Karte eingebunden aus OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL.
➥ Luftlinie-org berechnet die Luftlinienentfernung
sowie die Straßenentfernung zwischen zwei Orten und stellt beide auf der Landkarte dar.

Fotos & Abbildungen

Ein Klick in die erste Karte öffnet die Slideshow. Mit den Pfeilen am Bildrand kann vor- und zurückgeblättert werden. Am unteren Bildrand ist vermerkt, was die Karte darstellt und wann sie versendet wurde. Die Karten wurden von mir retuschiert und „aufgehübscht“.

Gruss aus Füssen vom Lech her 1902 Gruss aus Füssen 1898 Füssen um 1900 Gruss aus Füssen 1900 Füssen mit dem Säuling 1902 Gruss aus Füssen 1897 Ein Bild bleibender Trauer 1899
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Kalvarienberg Fotografie von Joseph Albert, 1857 Der St.-Mang-Fall, Foto von Joseph Albert 1857 Lechufer mit Blick auf das Schloss, colorierter Kupferstich von Johann Gabriel Friedrich Poppel um 1840- Hohes Schloss und Klosterkirche St.Mang, Fotografie von Joseph Albert, 1857 Burgruinen Hohenfreiberg und Eisenberg von Südwesten, Lithografie von Karl August Lebschee, 1842 Schloss Hohenschwangau von Südosten, Lithografie von Karl August Lebsche, 1842 Burgruine Falkenstein von Norden, Lithographie von Karl August Lebschee, 1842
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➥ Bildersammlung auf Wikimedia-Commons
➥ Abbildungen auf Tumblr
➥ Infos und Fotos auf Pinterest
➥ Filme in der ARD-Retro-Mediathek (Filmbeiträge der 60er-Jahre)

Kunst, Kultur und Brauchtum

➥ Kultur und Sehenswürdigkeiten (Wikipedia)
➥ Abbildungen auf ‚Bildindex‘
➥ Bilder auf ‚Google-Art‘
➥ Füssen auf ‚Zeno-Org‘
➥ Suchfunktion nutzen fürFüssen auf leo-bw.de
(Karten, Archivmaterialien und Luftaufnahmen vom Landesarchiv Baden-Württemberg)
➥ Alphabetisch sortiertes Verzeichnis auf www.kloester-bw.de
Beschreibungen vom Landesarchiv Baden-Württemberg

Geschichte

Ortsbeschreibung von Merian: ➥ https://de.wikisource.org/wiki/Topographia_Sueviae:_Füssen

Ausflüge und Sehenswertes

➥ Wikivoyage – Projekt der Wikimedia
➥ Wikitravel – der freie Reiseführer

Webcams

➥ Webcams in Füssen und Umgebung

Nachbargemeinden

➥ angrenzende Städte und Gemeinden (aus Wikipedia)

Teilgemeinden und Ortschaften

➥ Ortschaften und Wohnplätze von Füssen (aus Wikipedia)

Sagen und Mythen

Sagen

Das Dummaheer im Faulenbacher Tal

Im Faulenbacher Tal bei Füssen und auch sonst in der Gegend hat sich vor alters oftermalen das Dummaheer vernehmen lassen. Man hörte in den Lüften einen wundervollen Gesang durchziehen und manche nannten das wohl auch den „Herrentanz“. Am öftesten haben die Hirten das Dummaheer gehört, weil sie die ganze Nacht draußen waren.
Quelle: Sagen, Gebräuche und Sprichwörter des Allgäus, aus dem Munde des Volkes gesammelt und herausgegeben von Karl August Reiser, Band 1, Kempten 1895, Seite 53, Digital: https://www.google.at/books/edition/_/SczGjV41q_sC

Das Kirchlein des Auerbergs

An der Nordgrenze des Landgerichts Füssen im schwäbischen Allgäu, liegt der Auerberg mit einem dem heiligen Georg geweihten, von dem umwohnenden Volke häufig besuchten Kirchlein, von dessen Erbauung sich im Munde des Volkes eine Sage erhalten hat. In grauer Vorzeit kam ein gewaltiger Rittersmann in diese Gegend. Er saß milden Anblicks auf einem blendend weißen Rosse, mit Purpur angetan, einen silberstrahlenden Helm auf dem Haupte. Man sah ihn niemals, nach Anderer Art, von wildem Trosse gefolgt, den Edelhirsch und den Eber jagen, auch hörte man nichts von Schmausen und Gelagen auf seinem Schlosse.

Nur mit den Drachen und grausen Untieren, welche das Land bedrängten, lag er in Fehde, und wo es eine Unschuld zu retten oder zu schirmen gab, da war er männiglich bereitet. Es ward überhaupt nichts Edles und Gutes getan, was er nicht aus allen Kräften beförderte. Damals gedachten die Bewohner jener Gegend auf der Höhe des Auerberges eine Kirche zu bauen. Sie begannen das Werk, allein es ging wider Erwarten langsam von Statten, weil das Herbeischaffen der Steine auf den Berg gar beschwerlich war.

Da flehten sie inbrünstig zu Gott um Förderung und Segen ihres Beginnens, und siehe da, von selbem Augenblicke an gedieh der Bau auf wunderbare Weise. Denn Gott hatte ihnen einen wackeren Helfer geschickt, das war kein Anderer, als jener treffliche Rittersmann, welcher mit den Ungeheuern und Drachen Krieg führte. Dieser arbeitete Nachts, während die Leute ruhten, an dem Bau der Kirche, schleppte auf seinen gewaltigen Schultern Steine herbei und fügte sie mit kunstreicher Hand aufeinander. In wenigen Tagen stand die Kirche vollendet da, also dass man ob des wunderbaren Anblickes kaum seinen Augen trauen mochte. Mit der Vollendung des Werkes war aber auch der wackere Bauhelfer verschwunden, und Nichts als die Erinnerung ist dem Volke geblieben, dass es der heilige Rittersmann – Georg gewesen.
Quelle: Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 37-38. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20005667569

Der Zugspitzgeist

S’Ahnl hat mir davon erzählt und dies weiß alles gewiss und wahr von seinem Urahn, dem Jägersixt. Der war in seiner Jugend Schafhirte auf der Angerhütte droben am Platt. Da hat er den Zuggeist kennen lernen. Der Zuggeist ist eigentlich kein rechter Geist, sondern ein gräulicher Vogel: halb Geier und halb Adler. In dieser Gestalt als Geieradler umkreist er beständig die Zinnen der Zugspitze. Auf der unzugänglichsten, höchsten Spitze hat er seinen Horst. Darin liegt unter dem Geäste ein zauberhaftes Springkraut verborgen. Wer dieses Wunderkraut kriegen könnte, bräuchte damit nur an die Wände des Berges zu klopfen, nachher würden sich die Felsen öffnen und er könnte alle Schätze des Berges heben und diese wären sein eigen.

Wie der Jägersixt einmal schon so weit hinaufgeklettert war, dass er nur mehr einen kleinen Grat zu ersteigen gehabt hätte, sieht er auf einmal den Zuggeist über sich. Er ist geradwegs „awigschossen wie nomal der Tuifi selm“. Wütend hat er mit seinen weit ausgespannten Flügeln geschlagen und ist „sirrig“ in schraubenförmigen Wendungen auf- und abgeschwebt. Mit den wuchtigen Flügelschlägen hat er ihn in den Abgrund stürzen wollen. Immer bedrohlicher ist er an den Sixt herangekommen.

„Pfy, pfy!“, hat er in grellem, langgezogenem Ton gerufen, als wollt er sagen: „Behüt Gott! pfüt Dich Gott, junges Leben! Um Dich ist es geschehen, wenn Du nicht bald umkehrst und von Deinem Beginnen ablässt.“ Plötzlich hat der Sixt auch eine wüstschwarze Wolke grad‘ über dem Zugspitzfels stehen sehen und er hat schon arg mächtig über sich donnern hören. Da hat den Burschen die Schneid verlassen und er ist wieder abwärts gestiegen. Es ist nämlich eine alte, ausgemachte Tatsache: Die Berggeister haben die Elemente in ihrer Gewalt und können jeden Eindringling mit Blitz und Donner aus ihren Revieren vertreiben.

Am andern Tag ist der Sixt hinunter nach Garmisch und hat sein Erlebnis dem Vater erzählt. Der hat g’sagt, es sei richtig, er habe auch grad über der Zugspitze eine einzige große Wolke stehen sehen. Wenn es dem Sirt gelungen wäre, den Zugspitzgipfel zu ersteigen, so hätte der Zuggeist abgehaust gehabt dort oben und er hätte unter Blitz und Donner fliehen müssen. Freilich, wenn man so was heutzutage erzählt, lachen einen die jungen Leute aus, schloss das Ahnl mit geröteten Wangen seine Erzählung.

Der Zuggeist wird heutigen Tages schon auch nicht mehr droben sein auf seiner Spitz. Die Leute sind jetzt gar „letz“, die fürchten keinen „Tuifi“ mehr. Nachhex werden sie „scho aa“ mit dem Zuggeist fertig worden sein. Is aa recht, nachher is er endlich erlöst!

Die Zugspitze galt bis zu Anfang des vorigen Jahrhunderts für unbesteigbar. Im Jahre 1820 hat der Leutnant (später General) Naus die Zugspitze bestiegen. Der Schriftsteller Maximilian Schmidt schildert das waghalsige Unternehmen nach Tagebuchaufzeichnungen des Leutnants Naus in seiner Erzählung „Der Zuggeist“. Dem kühnen Offizier gebührt also der Ruhm der ersten Zugspitzbesteigung.
Bronner, Franz Joseph. Bayerisch’ Land Und Volk (Diesseits Und Jenseits Des Rheins) in Wort Und Bild. München: Verlag von Max Kellerers h.b. Hofbuchhandlung, 1910. S.66. https://digi.evifa.de/viewer/image/BV047657612/87

Julius Cäsar

Auffallend ist es, dass sich in der Gegend von Reute bis nach Füssen hin das Andenken an den Römer Julius Cäsar erhalten hat, der wohl schwerlich hierher gekommen ist. Schon bei Füssen soll er zu Pferd über den Lechschlund gesprengt sein; auch soll er am Säuling ein Bad besucht haben.
Quelle: Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 443. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20005676339

Sankt Mang

Auf seinen zahlreichen Wanderungen durchs Iller- und Lechtal kam Sankt Mang auch nach Pfronten. Dort hat er eine Zeitlang auf dem Rossberg gehaust. Jetzt noch heisst eine Quelle dort der Mangenbrunn. Sie fliest aber nur acht Tage vor st. Mangentag und acht Tage nachher. Auch sieht man dort noch den Mangensitz, einen Platz, wo er gerastet hat. Von da ist der Heilige nach Füssen gezogen. Dort ist er mit Gottes Hilfe über die Lechklamm an der Lusalten hinübergeschritten, wo noch bis heute im Felsgestein der St. Mangentritt zu sehen ist.
Quelle: Rudolf Kapff: Schwäbische Sagen, Jena, 1926 Permalink: https://archive.org/details/kapff-schwaebische-sagen/page/40

Sankt Mang, des Allgäu’s Apostel

Es geht die Sage, dass Sankt Mang, der Apostel des Allgäu’s, vorerst in das Pfrontner Thal gekommen sei, und er habe anfangs am Breitenberg und auf dem Roßberg sich aufgehalten. Jetzt noch heißt ein Brunnen der Mangenbrunnen, der auf dem Berge droben entspringt; man sieht ihn aber nur acht Tage vor bis acht Tage nach Sankt Mangenfest, wie eine glitzernde Fahne, die zur Feier ausgesteckt wird. Weiter zeigt man auf dem Roßberg den Mangenacker und weiter unten den Mangensitz, wo er gerastet hat. Darauf aber ist der Heilige hinübergezogen gegen Füssen, zuerst an den Aletsee, wo noch die Sankt Mangenalpe ist, und dann nach Julienbach, welches jetzt Faulenbach heißt; und endlich ist er mit Gottes Hilfe hinüber geschritten über die Klamm des Lechs, an der »Lusalten«, wo noch im Felsgrund Sankt Mangentritt zu sehen ist bis auf den heutigen Tag.
Quelle:Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 35. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20005667526

Sankt Mang und die Bären

Der heilige Magnus war einmal auf Befehl seines Meisters Columban in den Wald gegangen, um Äpfel zu holen, als sich ein Bär vor ihm dort eingefunden hatte und in gleicher Verrichtung dort beschäftigt war. Sankt Mang befahl ihm, er solle mit Äpfel auflesen inne halten, bis er zuvor für sich gesammelt habe, welchem Befehl der Bär auch zur Stelle nachgekommen (ist).
Demselben Gottesmann sind die Bären wie Lämmer, zahm und sanftmütig nachgefolgt, auch zu Dienst und Befehl gewesen, wie Theodorus im Leben des heiligen Magnus umständlicher berichtet.
Quelle: Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 36. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20005667542

Vom ewigen Juden

In der Franziskanerkirche in Füssen saß einst am Sonntag Nachmittag während der Predigt unter der lauschenden Menge ein kleines fremdes Männlein mit einem kleinen Hütlein, das es neben sich auf die Bank gelegt hatte. Als der Prediger davon sagte, dass der Glaube aus der Welt geschwunden sei, rief das Männlein plötzlich laut dazwischen: „Ja, er ist so klein geworden, dass ich ihn unter mein Hütlein sperren könnte.“ Sprach’s, nahm sein Hütlein und ging zur Kirchentür hinaus. Dann lief es über den Kirchplatz der Brücke zu und auf der Straße bis zum Lusalten, wo der St.Mangentritt ist. Hier machte es einen gewaltigen Sprung über den Lech und verschwand jenseits der Felsenenge.
Dass es der ewige Jude gewesen, hat der Mohrenwirt gemerkt. Bei dem hatte das Männlein übernachtet und hatte während der Nacht den Tisch in seinem Schlafzimmer in die Mitte gerückt und war die ganze Nacht um ihn herumgegangen.

In dem Dorf Altbach am Neckar ob Esslingen in dem großen Hause an der Landstraße, das nun ein Schmied bewohnt, hielt unter folgendem Datum ein mittelgroßer Mann mit freundlicher und sehr bescheidener Bitte um ein Nachtquartier an, wurde aber von dem damaligen Hausbesitzer nur unter derjenigen Bedingung aufgenommen, dass er im Schafstall vorliebnehmen müsse, was er sehr gerne angenommen habe. Weil er aber des andern Morgens zu lange nicht zum Vorschein kam, wollte der Hausvater endlich nach seinem Gaste sehen, fand ihn aber nicht mehr im Schafstalle. Nach langem Umschauen fiel ihm eine frisch eingegrabene Inschrift an der Seitenwand auf, die also hieß: „Ich Ahasverus von Jerusalem bin nun schon das zweite Mal gut in diesem Stalle beherbergt worden, das Gott vergelte! Den 1. Jan. 1766.“

Auch nach Ulm kam der ewige Jude auf seinen Wanderungen. Hier übernachtete er in der oberen Bleiche. Als er am andern Morgen weiterzog, hinterließ er dort seine Schuhe. Die waren riesengroß und wogen wohl einen Viertelszentner. Bis auf den heutigen Tag werden sie in der Altertumssammlung der Stadt Ulm aufbewahrt.
Rudolf Kapff: Schwäbische Sagen, Jena 1926 (Deutscher Sagenschatz) Link: https://books.google.com/books?id=T7xZAAAAMAAJ, S.118

Wigold zu Falkenstein

Nach dem Ableben des Bischofs Embriko traten zu Augsburg zwei Bischöfe hervor: Sigfrid und Wigold, jener vom Kaiser Heinrich IV., dieser von Welf, dem bayerischen Herzoge, beschützt. Heftige Fehden der beiden Parteien zerrütteten viele Jahre hindurch den Zustand des Bistums. Wigold, der vom Kapitel und Volke zu Augsburg als rechtmäßiger Bischof anerkannt war, befand sich doch in Augsburg nicht sicher, sondern flüchtete sich auf das feste Schloss Falkenstein bei Füssen, um den Frieden der Kirche dortselbst zu erwarten. Auf seiner Reise dahin soll er, so geht die Volkssage, um seinen Verfolger zu täuschen, dem Pferde die Hufeisen verkehrt haben aufschlagen lassen, so dass es den Anschein hatte, es sei Einer herab und nicht hinauf geritten.
Quelle: Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 442-443. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20005676320

Balladen und Gedichte

Der Mangensprung bei Füssen

Wer immer heut‘ nach Füssen kommt,
Der sieht den Mangenstab;
Er betet, was dem Herzen frommt,
Und fragt nach Magnus Grab.

Drauf weiß wohl Keiner ihm Bescheid,
Weil keines nah und fern,
Doch gibt man Jedem das Geleit
Zum Mangen-Sprunge gern.

Da ist ein harter Felsenstein,
Ganz nah‘ am wilden Fluss,
Ein Tritt gar tief gegraben ein,
Er ist von Magnus Fuß.

Von da herüber sprang Sankt Mang
Zum nächsten Schroffen hin,
Wo er mit wilden Mächten rang,
Die zitterten vor ihm.

Und staunend sieht der Wandersmann
Den Tritt und weiten Sprung,
Und glaubt, dass Heilige gethan,
Was Keinem sonst gelung.

Und glaubt, dass Glaube stärker ist,
Als jeder Marmelstein,
Dass frommer Eifer schneller ist,
Als jedes Vögelein.

Und kommt auch mancher Jungherr hin,
Und misst den großen Tritt,
Und ist zu weit nach seinem Sinn
Von Fels zu Fels der Schritt:

So spricht der Führer artiglich
Zu ihm an seiner Seit‘:
»Wohlweiser Mann, du irrest dich,
Dein Messen fehlet weit,

Der Mann, der solches hat getan
War eine Kraftnatur;
Bemiss doch nicht den großen Mann
Nach deiner Zwergstatur!
Quelle: Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 36-37. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20005667550
Bei Füssen bildet der Lech einen Durchbruch durch steile Felsen; das ist der „Mangensprung“.


Literatur

➥ Hier findet ihr Literatur zu Füssen
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Die zitierten, historischen Texte des 19.Jahrhunderts habe ich aus freien Quellen und/oder Fraktur- und Kurrentschrift in heutige Normschrift transkribiert, dabei in Rechtschreibung, Satzbau und Grammatik angepasst und ergänzt,  die historischen Ansichtskarten sind retuschiert und farblich "aufgehübscht", teilweise coloriert.

Für die Webseite, Texte und Abbildungen gilt das Copyright: © CC BY-NC-ND (Namensnennung, Nicht kommerziell, Keine Bearbeitung) edition Wolfgang Autenrieth, Krauchenwies, https://oberschwabenschau.info, 2024


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Copyright der dargestellten historischen Ansichtskarten
Ein Werk wie ein Foto, eine Grafik oder ein Kunstwerk ist bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers urheberrechtlich geschützt. Auf einigen der eingestellten historischen Ansichten ist kein Urheber vermerkt. Ich habe nur solche Karten der Jahrhundertwende 1900 verwendet, bei denen nach menschlichem Ermessen der Urheber bereits vor mehr als 70 Jahren verstorben ist. Sollte bei eingestellten Abbildungen, für die ich trotz meiner Recherchen keine Rechteinhaber ausfindig machen konnte noch solche existieren, bitte ich diese nachträglich um Erlaubnis und um eine Mitteilung. Ich werde dann die Werke zeitnah entfernen oder auf Wunsch mit einem entsprechenden Copyrightvermerk versehen. Ich verfolge keine kommerziellen Interessen. Die eingeblendete Werbung dient lediglich der (teilweisen) Deckung der Unkosten. Es geht mir einzig darum, diese interessanten Zeitdokumente der Nachwelt zu zeigen und zu erhalten. Und das dürfte auch im Sinne der Urheber sein!

Die Retusche der Ansichtskarten war SEHR zeitaufwändig und setzt Fachwissen voraus. Dasselbe gilt für die Recherche,  Transkription und Überarbeitung der Texte und Bilder aus historischen Quellen und Frakturschrift. Die Umarbeitung ergibt für die hier eingestellten Ansichtskarten und Texte ein neues Copyright, da es sich nicht mehr um die ursprünglich gemeinfreien Werke handelt. Es steht Ihnen frei, nach den historischen Abbildungen zu forschen und diese zu verwenden. Dass jemand ohne mein Einverständnis aus meiner Arbeit Kapital schlägt, werde ich nicht akzeptieren.

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