Ostrach – Sehenswertes, Geschichte und Insidertipps.
Das etwas andere Portal zu Ostrach in Oberschwaben. Hier gibt es nützliche Links, Insidertipps, (alte und neue) Karten, Fotos, Ausflugsziele.
Inhalt
- 📖 ➥ Schwäbisch Dialekt, Sprache, Sagen …
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- 💸 ➥ Weitere OrteStädte & Ortschaften im Landkreis
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Update: 18. August 2026
Allgemeines
➥ Internetauftritt der Stadt/Gemeinde
➥ Wikipedia:Ostrach
Historische Lexikoneinträge
Ostrach, 1) Herrschaft des Fürsten von Thurn u. Taxis im Fürstenthum Hohenzollern-Sigmaringen, unter dessen Hoheit seit 1806; 17 QM. mit 3400 Ew.; 2) Pfarrdorf darin, an der Osterrach; 1100 Ew. Hier 26. März 1799 Gefecht zwischen den Österreichern unter Erzherzog Karl u. den Franzosen unter Jourdan, s. Französischer Revolutionskrieg III. F).
Quelle: Pierer’s Universal-Lexikon, Band 12. Altenburg 1861, S. 502. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20010569987
Ostrach, Osterach, Dorf im preuß. Fürstenthum Hohenzollern-Sigmaringen mit 1100 E.; Sieg des Erzherzogs Karl 21. März 1799.
Quelle: Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1856, Band 4, S. 430. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20003457680
Karten
Links oben in der Karte können Sie mit + und – den Maßstab der Darstellung ändern. Durch Festhalten des Mauszeigers lässt sich der Ausschnitt verschieben.
Karte eingebunden aus OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL.
➥ Luftlinie-org berechnet die Luftlinienentfernung
sowie die Straßenentfernung zwischen zwei Orten und stellt beide auf der Landkarte dar.
Beschreibung_des_ostrachischen_Bezirks 1697
Fotos & Abbildungen
➥ Bildersammlung auf Wikimedia-Commons: Ostrach
➥ Bildersammlung auf Wikimedia-Commons: Habsthal
➥ Bildersammlung auf Wikimedia-Commons: Einhart
➥ Bildersammlung auf Wikimedia-Commons
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Kunst, Kultur und Brauchtum
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➥ Narrenzunft Bauzemeck
Geschichte & Sehenswürdigkeiten
Ostrach
➥ Schlacht bei Ostrach
Am 21. März 1799 traf das französische Revolutionsheer bei Ostrach um 3 Uhr früh auf die Koalitionsarmee unter der Führung Österreichs (etwa 52.000 Soldaten)
Rund 70.000 Soldaten lieferten sich eine blutige Schlacht. Ostrach war abwechselnd in französischer und österreichischer Hand. Bereits um die Mittagszeit war das Aufeinandertreffen beider Armeen beendet, die Franzosen zogen sich zurück. Am 21. März 1799 kamen bei Ostrach 4.400 Menschen ums Leben – allerdings war kein einziger Ostracher darunter. Die Dorfbevölkerung versteckte sich während der Schlacht mit ihren Familien in ihren Kellern. „Daher ist dieser Tag gefeyert worden, weil alles so gliklich ist durchkommen, es hätte alles kennen verbrend werden. Gott sey tausend mal Dank“ 1
Pfarrkirche St. Pankratius
➥ „Die Katholische Pfarrkirche St. Pankratius bildet mit ihrem Turm von 1569 mit Staffelgiebeln das weit sichtbare Wahrzeichen Ostrachs. Der barocke Chor wurde zwischen 1704 und 1706 von Michael Wiedemann gebaut, das neugotische Langhaus von 1897 bis 1899. Die Kirche verfügt über zwei Seitenaltäre mit Aufbau von 1638. Im südlichen Altar befindet sich ein Gemälde der Himmelfahrt Christie von 1638, womöglich von Zacharias Binder. Des Weiteren zwei Tafeln mit heiligen Bischöfen aus der Werkstatt von Bartholomäus Zeitblom und Bildwerke aus dem 17. bis 18. Jahrhundert. Die Kirche hat ein Sakramentshäuschen aus Sandstein.“1
Bachhaupten / Tafertsweiler
Kirche St.Michael in Bachhaupten
➥ Die Kirche St.Michael im Ortsteil Bachhaupten / Tafertsweiler wurde in den Jahren 1727 und 1728 von Johann Georg Wiedemann aus Elchingen gebaut – in der Übergangszeit zwischen Spätbarock und Frührokoko. Die Kirche ist Bachhaupten gehörte zu einem Kloster, von dem heute nur noch Spuren – wie die Mauer und ein Portal – zu finden sind. Das Kloster gehörte zum Kloster Salem. Die Werke im Innenraum – die Gemälde, Skulpturen und Altäre – sind zum Teil Werke des bekannten Stukkateurs, Bildhauers, Altarbauers und Kupferstechers Joseph Anton Feuchtmayer, der auch am Neuen Schloss in Meersburg, am Münster in Salem und an der Wallfahrtskirche Birnau seine Handschrift hinterlassen hat.
Einhart
Die Katholische Pfarrkirche St. Nikolaus in Einhart
hat ihren Anfang im 16. Jahrhundert und wurde 1718 umgestaltet. Der Chor zeigt sich netzgewölbt mit Bemalung von 1524. Sie zeigt die zwölf Apostel. Zur Ausstattung gehören gotische Holzfiguren, ein bronzenes Vortragekreuz mit Korpus um 1200, ein Kreuz um 1525 und Rundmedaillons aus dem 17. Jahrhundert. Der gemalte Kreuzweg ist ein Werk von Johann Nepomuk Meichsner aus dem Jahr 1762
Habstal
siehe ➥ Habstal
Lausheim
„Das dem Namen vorangestellte Bestimmungswort Lus-, Luss-, oder Luz- geht auf das mittelhochdeutsche luz, luze, „Versteck, Lauer“ und dem alt- und mittelhochdeutschen luzen, „verborgen liegen, heimlich lauern“ zurück. Mit L(a)usheim ist also ein Ort gemeint, der verborgen, versteckt liegt.“
➥ https://bz-ticket.de/warum-heisst-lausheim-lausheim–63542533.html
„Filialdorf südöstlich 18,5 km von Sigmaringen und 72,1 von Hechingen, ein Ort, der 1266 und 1274 Luzhaim, 1399 Lusshain geschrieben wurde, ein Name der von dem Eigennamen Luzo herrühren kann.
Kapelle: Für sein Alter zeugt auch die katholische Kapelle, dem hl. Rupertus geweiht, eine der wenigen romanischen Anlagen in unserer Gegend und in der Hauptsache ziemlich unverändert erhalten. Sie ist einfach mit kleinem 5,20 m breitem und 7,50 m langem Schiff und halbrunder Apsis. Das Langhaus hat jetzt eine flache Gipsdecke, während das Chor gewölbt ist. Bemerkenswert bei dem Chorgewölbe ist, dass oberhalb des Triumphbogens der Balken für das Chordach durch das Gewölbe geht. Die Fenster im Langhaus sind wahrscheinlich im letzten Jahrhundert erbreitert worden. Ebenso wurde das Chorfenster an der Südseite ausgebrochen und das ursprüngliche Fenster in der Mittelaxe vermauert. An der Westseite des Langhauses noch ein kleines rundbogiges Fenster, ebenso im Giebel ein Schlitzfenster. Auch das einfache rundbogige Portal ist noch das ursprüngliche. L.
An der Südwand der Apsis steht zu dreiviertel aus der Wand vorkragend eine 1 m hohe Säule in der Art eines Weihwasserbeckens ausgebildet. Das Kapitäl ist aus der Übergangszeit, rund, mit derben, noch romanischen Profilierungen. Der Kelch zeigt in einfacher Weise den Übergang zum Knospenkapitäl. Die Basis der Säule ist abgeschlagen. In dem Becken des Kapitäls ist eine kleine Öffnung eingehauen, die durch den Schaft der Säule zu gehen scheint.
Der kleine Altar einfacher Barock.
Im Schiff eine Pieta, Holzskulptur. Ausdruck und Körper des Christus nicht schlecht. Maria gering. Erste Hälfte des 17. Jahrhunderts.
An der Wand ein einfaches Ölbild mit der Aufschrift: S. Itta Gräfin von Tock die 6 Meii 1797.
In dem offenen Dachreiter eine Glocke mit der Aufschrift in gotischen Majuskeln: LVCAS. MARX. IOHANNES. MATHEVS. Sodann: COS MICH Meister Hans zv Esslingen MDXXXXXV und die weiteren Buchstaben I.M. und S.M.“
Quelle: Die Bau und Kunst Denkmäler in den Hohenzollern‘ schen Landen. Im Auftrage des Hohenzollern‘ schen Landes-Ausschusses bearbeitet von DR KARL THEODOR ZINGELER, Fürstl. Hohenzoll. Hofrat und WILHELM FRIEDRICH LAUR, Architekt, Stuttgart, 1896, S, 251 ff. https://books.google.de/books?id=py2LKjKm3j0C
[Das Wort »Laus« in Zusammensetzungen als Name für Feldhügel, Waldname ist mir nicht klar. Ein »Lausbühl« ist in Rottenburger Markung; einer bei Reutlingen. »Lausweiher«, ein ehemaliger Weiher bei Uttenweiler. »Laushalderthal« oder gewöhnlich »Laushalde« bei St. Moriz (Blauthal). »Laußrain« bei Metzingen. Rechenmeister 263. (Vielleicht der obenerwähnte bei Reutlingen.) »Lauswiese«, »ain wislin ihm Illenthal an der Laußwiß«. Mülheimer (a.D.) Urbar v. 1610. S. 50. – Kann vielleicht an die »Armalausen« auf der Peutingerschen Tafel erinnert werden? Oder liegt diesen Flurnamen ein mhd. lusse zu Grunde?]
{Anmerkung, W.A.: „Das dem Namen vorangestellte Bestimmungswort Lus-, Luss-, oder Luz- geht auf das mittelhochdeutsche luz, luze, „Versteck, Lauer“ und dem alt- und mittelhochdeutschen luzen, „verborgen liegen, heimlich lauern“ zurück. Mit L(a)usheim ist also ein Ort gemeint, der verborgen, versteckt liegt.“}
https://bz-ticket.de/warum-heisst-lausheim-lausheim–63542533.html
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 185-186. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564413
Levertsweiler
„Allgemeines: Pfarrdorf südöstlich 16,6 km von Sigmaringen und 70,2 km von Hechingen, 1273 Laifinwilere, 1313 Laifiswiler, 1352 Laefiswiler geschrieben, kann seinen Namen von dem alten Personennamen Laifo herhaben. Die örtliche Lage lässt allerdings auch an das althochdeutsche hlêwari, mittelhochdeutsch lêwer von hlev, lê, Erdaufwurf, natürlicher Hügel denken. Im Jahre 1273 hatten die von Leiterberg (s. Krauchenwies) das jus patronatus hier. Einige Jahre später tritt es Ortolf von Levertsweiler an das Kloster Salem ab, wobei die Kirche blieb. Als nach dem 30jährigen Kriege der Ort entvölkert war, wurde Levertsweiler Filial von Magenbuch bis 1724. 1799 wurde der Pfarrhof von den Franzosen ausgeplündert und das Archiv zerstört.
Kirche: Die katholische Pfarrkirche, der hl. Lucia geweiht, wurde 1847 neu erbaut. Dagegen ist der Turm an der Westseite des Chors von der alten Kirche stehen geblieben und mittelalterlich. – In den unteren Geschossen sind Schlitzfenster. Die Mauern von ungewöhnlicher Stärke. Im oberen Geschoss hat er gekuppelte Spitzbogenfenster mit Mittelpfeiler ohne Profilierung und Staffelgiebel mit Lisenen. – Allem Anscheine nach diente er mit der Umfriedigungsmauer des Friedhofes (1838 außerhalb des Dorfes verlegt) als Befestigung.
Altäre: Die Altäre sind neu. (Anm.: vor 1896)
Taufstein: Im Chor ein sechsteiliger Taufstein, gut profiliert mit Flachornamenten und Engelsköpfen geziert. Am Fuß die Jahreszahl 1692.
Gemälde: Hinter dem Hochaltar das frühere Hochaltarbild. Szene aus dem Leben der hl. Lucia, mäßig, voriges Jahrhundert (Anm.: 18.Jhd.). Im Schiff drei Bilder auf Holz, Gott Vater, Gott Sohn und Gott hl. Geist darstellend. Die in der Mache ganz ähnlichen Bilder sind jedoch den auf denselben befindlichen Chronogrammen zufolge von 1687, 1731 und 1736.
Glocken: 1.Glocke: Ave.Maria.Gratia.Plena.Dominus.Tecum.1621. Joachim Folmer in Biberach gos mich. Unter einem kleinen Salemer Wappen das Wort Salem und die Jahreszahl 1621. 2. Glocke neu.
Pfarrhof: Der Pfarrhof, 1753 erbaut, ist ein stattliches Haus mit Walmdach. Ein flott gearbeitetes hübsches Rokokoportal führt zu demselben. Oberhalb des Portals ein gutes Salemer Wappen mit Mitra, Stab und Schwert, sowie den Buchstaben A.A.I.S. Unten: MDCCLIII.“
Quelle: Die Bau und Kunst Denkmäler in den Hohenzollern‘ schen Landen. Im Auftrage des Hohenzollern‘ schen Landes-Ausschusses bearbeitet von DR KARL THEODOR ZINGELER, Fürstl. Hohenzoll. Hofrat und WILHELM FRIEDRICH LAUR, Architekt, Stuttgart, 1896, S, 252 https://books.google.de/books?id=py2LKjKm3j0C
Magenbuch
Die Kapelle im Ortsteil Magenbuch
Unterweiler
Tafertsweiler
Ausflüge und Sehenswertes
➥ Wikivoyage: Ostrach (Projekt der Wikimedia
➥ Wikitravel: Ostrach
Grenzsteinmuseum
➥ Atelier Laubbach
Das Atelier Laubbach hat seit 2024 geschlossen. Es handelte sich um die Galerie und das Atelier des Holzschneiders Peter Weydemann mit wechselnden Ausstellungen zeitgenössicher Kunst (Grafik, Zeichnungen, Malerei und Kleinskulptur), Skulpturengarten.
Natur & Parks
Lausheimer Weiher
Pfrunger-Burgweiler Ried
Das ➥ Pfrunger-Burgweiler Ried ist der größte Bannwald Baden-Württembergs (441 ha) inmitten des Naturschutzgebietes Pfrunger-Burgweiler Ried. Es gibt mehrere (Themen-) Wanderwege durchs Ried. Ein gut ausgebauter Weg zum Wandern und Rad fahren ist der Oberschwaben-Kunstweg. Im Ried ist Rad fahren jedoch nicht auf allen Wegen – oder nur sehr eingeschränkt möglich
➥ Abbildungen auf commons.wikimedia
Eigene Fotos (aufgenommen am 20.April 2021), Copyright Wolfgang Autenrieth
➥ Karte: 88356 Ostrach (BW)
Grenzzsteinmuseum
➥ Grenzsteinmuseum_Ostrach auf Google-Maps
Orte in der Umgebung
➥ Königseggwald ca. 3.2 km
➥ Hoßkirch ca. 5.3 km
➥ Riedhausen ca. 6.8 km
➥ Guggenhausen ca. 7.7 km
➥ Unterwaldhausen ca. 8.6 km
➥ Hohentengen ca. 9.2 km
➥ Illmensee ca. 9.2 km
➥ Eichstegen ca. 9.5 km
➥ Wilhelmsdorf ca. 9.5 km
➥ Boms ca. 10.8 km
➥ Fleischwangen ca. 10.9 km
➥ Pfullendorf ca. 11.3 km
➥ Mengen ca. 11.7 km
➥ Bad Saulgau ca. 11.9 km
➥ Ebenweiler ca. 12 km
Sagen, Mythen und Geschichten
Der wilde Jäger
Im »Wagenhardt« ging vor Zeiten ein wilder Jägersmann, Namens »Laute«, geisten; er hat bei seinen Lebzeiten die Leute, welche in die Kirche gehen wollten, vom Kirchgang zum Jagen weggenommen. Er fährt nicht blos bei Nacht, sondern sogar zeitenweise bei Tag im Walde umher; man hört dann Hunde bellen, Hörner blasen, Peitschen knallen. Der Jagdzug fährt über die »Wischbel« (Tannenwipfel) weg. Er verführt die Leute, dass sie im Wald sich verirren und zwei, drei Tage lang im Walde herumlaufen. Dieser »Laute« ist sprichwörtlich geworden; man sagt daher, wenn man sich nicht zurechtfinden will: î moĩ der Lautẽ häb‘ mẽ verfüehrt! (Wagenhardt, Königseggwald)
Das Abhalten von der Kirche, das Holen der Bauern aus derselben ist »Sagen von bösen Rittern« eigen. Es läßt dieses sogleich erraten, warum der Junker, oder wer er sei, in die Sage übergegangen und gebrandmarkt ist. Gleiches tut auch der Junker auf der Kocherburg; mündlich und bei Meier, Sagen S. 98, 99.
Betreffend das Wort »Wag« in Wagenhart kann ich folgende Beispiele anführen: Wagelai (Wurml. Feld. Namen). Wagrõe (Wurml., Tuttl.). Orts- und Wasserbenennungen: Nërewåg; Möhringer Wåg, Wåg (Wurml., Tuttl.). Wåg bei Mülheim a.D. Wågsauter, ehemaliger Thurm in Ueberlingen. Wagehald, verschwundener Marchthaler Flecken; Hörschwag (Sigmaringen). Wëerewåg (Heimat des Minnesängers Hugo, vgl. v.d. Hagen, Minnes. II. Nr. 82), mhd. Werbenwåg. Wâc, wâk, wâg strk. m. bewegtes Wasser, gurges. W. Wackernagel, Wrtb. z. altd. Lesebuch DLXVII. Lauchert, Rotw. Lautlehre S. 4.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 14. Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456085X
Anmerkung: „Der Wagenhart liegt im Ortsdreieck von Bad Saulgau im Norden, Altshausen im Südosten und Ostrach im Südwesten. In Form eines langgestreckten Bogens in den Gemeindegebieten von Bad Saulgau und Ostrach (Landkreis Sigmaringen) und Hoßkirch (Landkreis Ravensburg) gelegen ist seine höchste Erhebung (698 m) eine namenlose Bergkuppe beim Hoßkircher Ortsteil Hüttenreute. (➥ Wikipedia: Wagenhardt)
Brauchtum
Das Mailamm
Der Bürgermeister von Saulgau hatte von dem einige Stunden entfernten ehedem salemitischen Hofe Bachhaupten alljährlich ein sog. Mailamm zu erheben. Am 1. Mai wurde der Stadtdiener zu Pferd nach Bachhaupten abgeschickt; der mußte vor Sonnenaufgang an Ort und Stelle sein, einen Pistol losschießen und 15 Pfennige (3 Kreuzer 6 Heller) gleichen Schlages erlegen, worauf ihm das Lamm verabfolgt wurde.
Der Stadtdiener nahm das Lamm zu sich auf den Gaul und ritt heim, wo ihn schon beim jetzigen Süßemer Weg alles erwartete; für Kinder war dieser Ritt besonders interessant. Es galt strenge »Beobachtung aller altherkömmlichen Formalitäten hinsichtlich der Zeit, des Ortes und des Empfängers und der von letzterem zu reichenden Gegenreichnis, der bestimmten Zahl und Qualität von Pfenningen.«
Um Unordnungen in Abholung des Lammes vorzubeugen, indem der abgeschickte Rats- oder Kanzleidiener schon für ein Trinkgeld durch des Hofbauren Knecht das Lamm hereinbringen ließ, beschloss die Behörde in Ostrach (das Turn und Taxische Rentamt), dass »der Kastenknecht Joseph Frick von hier am 1. Mai des Jahrs morgens um 4 Uhr mit einem wohlgewachsenen heurigen Lamm zu Bachhaupten im Wirtshause eintreffen wird, wo derselbe gegen Ausstellung eines Scheines, dem dahin zum Abholen dieses Lammes abgeschickten Ratsdiener zu übergeben hat. Ein wohllöblicher Stadtrat wird daher ersuchet, den besagten Rathsdiener gefälligst aufgeben zu wollen, dass derselbe an diesem Tag gleichfalls morgens um 4 Uhr sich in Bachhaupten einfinden, daselbst im Hofe nach dem uralten Herkommen ein Pistolenschuss tun und den Kastenknecht gegen das Lamm 15 Pfenninge eines Schlages wie bisher übergeben solle.« Ostrach 1824, 3. April.
In einem hochfürstlichen Erlaß Ostrach 1821, 26. Aug., Abschrift aus einer hochfürstlich Buchauischen Decretur vom 6. Mai 1805 heißt es: »daß, wenn gleich dermalen keine herrschaftliche Schäferei in Bachhaupten ist, deswegen die gedachte, auf einem unwidersprechlichen Herkommen und einem unfürdenklichen Besitzstande beruhende Abgabe eines Landes aufgekündet, oder versagt werden könnte.« Von diesem Herkommen sprechen die Akten wohl, aber keine enthält Aufschluss über den Ursprung des »Mailamms«. Ein Aktenstück liegt in dem Fascikel vom Kloster Salem, wohin eigentlich die Sache gehören mußte, vom Jahr 1804. Es ist gerichtet an den Saulgauer Stadtmagistrat, der angefragt[180] wird, wie es denn sich mit dem Ursprung des »Mailammes« verhalte, und lautet: »Nach Empfang der verehrlichen Zuschrift vom 4ten d., die bisher gewöhnliche Abreichung eines Mailammes von Bachhaupten betreffend, wurde sogleich über diesen Gegenstand in dem Repertorio des hiesigen Archives genau nachgesucht, hierin aber ebensowenig als in den nachgeschlagenen Vertragbüchern von dem ursprünglichen Grunde dieser Abreichung etwas vorgefunden; die Ostrachischen Documenta und Acta hingegen sind bei der vergangenen Veränderung dahin instradirt worden.« Salem, 14. Jul. 1804.
Interessant für »unsern Rechtsbrauch vom Mailamm« dürfte ein Brief sein vom Jahr 1700 (gleichfalls bei den Akten), den Frantz Antoni Jäger, Amtsbürgermeister in Saulgau, an den »Wohl Edlen Vesten vndt Rechtsgelehrten Herrn Johann Martin Reinhardt deß hochlöblichen freyen Römisch. Reichs Stüft vnd Münsters Salmanschweyl. Wohlmeritirenden hoffmaister zue Bachhaupten etc.« geschrieben. Er lautet: »Wohl Edler Vester vndt Rechtsgelehrter insonders hochgeehrtister Herr etc. Es ist von Selbsten bewust, daz man nach alter Observanz alljährlich auf den 1. Maitag wegen deß hochlöbl. heyl. Röm. Reichs Stüfts vndt Münsters Salmanschweyl von bachhaupten Ein Mailamb sambt Einem Khösß hiehero zu lüfern schuldig etc. Zue disem Ende dann vnd zue dero Abhollung Vberbringung disß gegen den Empfangenden gebühr abgeschickht worden etc.« Saulgau, 30. April 1700. Revers: »Diß begehren ist mit ausfolgung des Lambs allein: Vom Käß aber: weilen die Hofmeisterei Keinen schuldig, nichts vberschickt worden worden, ferners von Ihme Ambtsburgermeister Kein Meldung desßen mehr beschehen.«
Das Mailamm wollte man wiederholt ablösen; Saulgau verlangte 100 fl., Ostrach bot 70. Es zerschlug sich alles, bis ein Gesetz vom 27. Aug. 1848, Verordnungs- und Anzeigeblatt von Hohenzollern-Sigmaringen Nr. 35. S. 316. § 1c. alle derlei Mai-und Martinssteuern aufhob.
Auszug aus der Saulg. Stadtregistratur Kast. 4. Fach 1. Fascikel 11. Mailamm.
Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 179-182. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004575431
1 Informationen zusammengestellt bzw. zitiert aus Wikipedia (Quelle siehe „Allgemeines“ bzw. den im Text erwähnten Link)






