Wurmlingen (Landkreis Tuttlingen) – Sehenswertes, Geschichte, Sagen, Mythen und Gebräuche. Das „etwas andere“ Portal mit Links, (alten und neuen) Karten, Fotos, Ausflugszielen
Allgemeines
➥ Internetauftritt der Stadt / Gemeinde
➥ Wikipediaeintrag
➥ Alemannische Wikipedia
➥ Wikisource: Historische Quellen und Schriften
Historische Lexikoneinträge
Meyers Enzyklop. Lexikon, 1905. http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Wurmlingen_(Landkreis_Tuttlingen)?hl=Wurmlingen_(Landkreis_Tuttlingen)
Karten
➥ Luftlinie-org berechnet die Luftlinienentfernung
sowie die Straßenentfernung zwischen zwei Orten und stellt beide auf der Landkarte dar. Startort ist Wurmlingen_(Landkreis_Tuttlingen), den Zielort müssen Sie noch wählen. Voreingetragen ist ➥ Bisoro in Burundi
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Karte eingebunden aus OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL
Fotos & Abbildungen
➥ Bildersammlung auf Wikimedia-Commons
➥ Abbildungen auf Tumblr
➥ Infos und Fotos auf Pinterest
➥ Filme in der ARD-Retro-Mediathek (Filmbeiträge der 60er-Jahre)
Kunst, Kultur und Brauchtum
➥ Kultur und Sehenswürdigkeiten (Wikipedia)
➥ Abbildungen auf ‚Bildindex‘
➥ Bilder auf ‚Google-Art‘
➥ Wurmlingen_(Landkreis_Tuttlingen) auf ‚Zeno-Org‘
➥ Suchfunktion nutzen fürWurmlingen_(Landkreis_Tuttlingen) auf leo-bw.de
(Karten, Archivmaterialien und Luftaufnahmen vom Landesarchiv Baden-Württemberg)
➥ Alphabetisch sortiertes Verzeichnis auf www.kloester-bw.de
Beschreibungen vom Landesarchiv Baden-Württemberg
Geschichte
„Die Ruine Konzenberg liegt etwa 2 Kilometer östlich von Eßlingen und 3 Kilometer südwestlich von Wurmlingen auf einem nach Westnordwest zeigenden Sporn, der im Norden vom Eltatal und im Südwesten durch das vom Krähenbach gebildete Bächetal begrenzt wird. (…)
Erbaut wurde die Burg im hohen Mittelalter, wohl von den Edelfreien von Wartenberg. Sie wurde im Jahr 1239 erstmals urkundlich erwähnt und war zu dieser Zeit bereits im Besitz der Edelfreien Fürst von Hirschegg, deren Vater Konrad Fürst I. Udilhild von Wartenberg geheiratet hatte.
Konrad Fürst von Konzenberg III. verkaufte im Jahr 1300 die Burg samt Zubehör an Bischof Heinrich II. von Konstanz, der im Jahr 1301 die Gerichtsherrschaft (Vogtei) Wurmlingen (mit Weilheim) und einen Teil der Vogtei von Frittlingen hinzu erwarb und zur Herrschaft Konzenberg machte.
Im Jahr 1460 wurde die Vogtei Wurmlingen mit der Feste Konzenberg vom Hochstift Konstanz an die Konstanzer Dompropstei verpfändet, die es mit dem angrenzenden Eigenbesitz des Dompropstes vereinigte und von Wurmlingen aus einheitlich verwaltete. Im Jahr 1614 erwarb die Dompropstei den Pfandanteil der Herrschaft mit der zeitweise als Gefängnis genutzten Burg Konzenberg zu Eigentum, das dann 1802/03 säkularisiert wurde. Im Jahr 1820 wurde die Burg auf Abbruch verkauft und in der Folgezeit zur Ruine. Von der Burg existiert heute der Rest des Bergfriedes aus mächtigen Muschelkalk–Buckelquadern.“ (zit. aus Wikipedia)
Ausflüge und Sehenswertes
➥ Wikivoyage – Projekt der Wikimedia
➥ Wikitravel – der freie Reiseführer
Webcams
➥ Webcams in Wurmlingen_(Landkreis_Tuttlingen) und Umgebung
Nachbargemeinden
➥ angrenzende Städte und Gemeinden (aus Wikipedia)
Teilgemeinden und Ortschaften
➥ Ortschaften und Wohnplätze von Wurmlingen_(Landkreis_Tuttlingen) (aus Wikipedia)
Sagen, Mythen und Geschichten
Das Holderstöckle
Unterhalb des Hochgerichts, begrenzt von dem sog. Schultheißentäle auf Wurmlinger (Tuttlingen) Markung, ist ein uraltes Holderstöckle, das man nicht austilgen kann, trotzdem die Leute es immer wider heraushacken. Es soll etwas damit gewesen sein. In der Ebene zwischen Rottenburg und Kiebingersteg ist der Holderstock, der ebenfalls unausrottbar und bei dem einst eine Schlacht geschlagen werden solle.
Quelle: https://de.wikisource.org/wiki/Das_Holderstöckle
Das Kratenweible
Zwischen Wurmlingen (Tuttlingen) und Seitingen im sog. »Aken– oder Langenthal« soll das »Kratenweible« umgehen. Eine kleine weibliche Gestalt mit einem schwarzen Hipplein und Schuhen mit eisernen Sohlen. Wenn es diese Sohlen einstens durchlaufen, wird seine Erlösung kommen. Am Arme hat es immer einen Korb oder Kraten (schwäb. auch ‚Gretten‘), woher sein Name. Leute, die in jenem Revier sich aufhalten, führt es irre seit alters. Es muss umgehen in dem Walde, weil es ihn im Streite ungerecht an sich gezogen hat.
Mal ging ein altes Mütterlein von Wurmlingen in aller Frühe in’s Gaißenfutter in den Wald; es war gerade Tuttlinger Markt. Da begegnet ihm ein gleichfalls alt Weiblein mit zwei jungen netten Tierchen von Gaißlein. Sagte: »Früh, Weible, früh«, und wünschte ihm einen guten Morgen. Dies war aber Niemand anders, als das Kratenweiblein, und im Nu, ohne Antwort, sprang das Weiblein über Stock und Stauden und verschwand. – Dem alten Bantle begegnete Kratenweiblein mal und hatte in seinem Armkorbe zwei »Gitzlein«. Schnell wie der Blitz fuhr es an dem Manne hinum und verschwand. Kratenweiblein ist weit herum bekannt: im Hegau heißt es »Bergweible«; in Weilheim » Seltlweible«, von der Seltlhalde im Weilheimer Walde.
Quelle:Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 60-61. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004561619
Das Mohrentobler Rösslein
Auf dem Mohrentobel, dem waldigen Bergrücken oberhalb Wurmlingen, geht seit alten Zeiten ein schneeweiß Rösslein mit Schabracke. Jetzt hat man’s schon lang nicht mehr gesehen. Wenn die Buben früher im Walde hüteten: auf einmal weidete das Rösslein bei ihren Rossen und keiner wusste, von wannen es gekommen; es sprang allemal wieder tief in den Wald hinein. Mal wollten’s einige fangen, sprangen ihm nach, sagten aber, sie täten’s nie mehr.
An Allerheiligen nach der Kirche ging mal ein Häuflein Mädchen den Mohrentobel hinauf, um Schlehen und Hagenbutzen zu sammeln: da kam auf einmal das Mohrentobelrösslein daher gesprungen, schneeweiß, den Kopf verbunden mit feuerrotem Tüchlein. Wie die Mädchen sprangen, lässt sich denken; das Rösslein ging aber wieder in den Wald hinein. Eine Sage will, dass es umgehe, seitdem ein berüchtigter Wirt der Umgegend vom Bösen geholt, auf den Mohrentobel geschleppt, von Fischern in viele Stücke zerrissen gefunden worden sei. (Stöber S. 230. »Das weiße Rösslein im Krontal.«)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 108-109. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004562402
Der Bauer als Wettermacher
Ein Bauer, der mit dem Wetter niemals zufrieden war, hatte sich vom lieben Gott die Gnade ausgebeten, dass er einmal ein Jahr lang die Witterung nach seinem Gutdünken bestimmen dürfe. Diese Bitte wurde ihm gewährt. Nun bat er, so oft es ihm zum Gedeihen der Früchte nötig schien, abwechselnd bald um Regen, bald um Sonnenschein und die Saaten schienen sich gut dabei zu befinden. Als er aber sein Getreide geerntet und gedroschen hatte, fand sich’s, dass die Körner alle taub waren und keinen Mehlstoff enthielten. Der Bauer beschwerte sich nun beim lieben Gott, dass seine Frucht, obwohl es ihr nie an Regen noch an Sonnenschein gefehlt habe, doch so schlecht ausgefallen sei. Der liebe Gott aber sagte: »Du hast nur um Regen und Sonnenschein gebeten, aber niemals um ›Wind‹, der doch zum Gedeihen der Frucht ganz notwendig ist.«
Seitdem überließ der Bauer das Wettermachen ohne Murren wieder dem lieben Gott. (Mündlich von Wurmlingen)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 191-192, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564677
Der Jäger auf der Wallenburg
Wie man von Wurmlingen her in’s Urselenthal kommt, ist links droben eine ausgegrabene, alte Mauer von der ehemaligen »Wallenburg«. Dort geht nächtlich ein »grüner Jäger« um, kommt zu Leuten, die noch spät im Wald sind, besonders zu Holzdieben; hat ein Gewehr umhängen, steht zu ihnen hin, tut aber niemand was zu Leide.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 15-16. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004560884
Der Lapphut auf dem Conzenberg
Auf dem Conzenberg geht der »Lapphut« oder »Schlapphut« seit undenklichen Zeiten. Er heißt bisweilen auch blos der »Trallare«. »Trallare« ist sonst in Niederschwaben ein »roher, ungehobelter, grobdummer Kerl.« Der »Lapphut« hat, wie sein Name schon andeutet, einen ungeheuern, großkrämpigen Hut und treibt sein Unwesen auf den umliegenden waldigen Höhen. Mal kamen mehrere Männer in’s Jägerhaus, das jezt nicht mehr auf dem Conzenberg ist, da hörten sie ganz in ihrer Nähe »jauchzen«, meinten, seien lustige Buben. Aber auf einmal jauchzte es wieder auf einer andern Halde, und gleich darauf auf der entfernten Brenntenhalde. Es war ihnen klar, dass dies Niemand anders sei, als der »Lapphut«. Mal stand »Lapphut«, das tat er gerne, hinter einem Rosshirten, der mit andern wegen des übertretenen Mühlebachs nicht nach Wurmlingen konnte, auf dem Conzenberg übernachtete, wie er das Feuer im Ofen schürte. Auf dieses hin rannte dieser davon in die Stube, Alle sezten sich hinter den Ofen und starben fast vor Angst. Der alte Jäger kam mal heim, da lag »Lapphut« im Burggraben und hatte ein Kind im Arme. Der Jäger nahm es ihm und meinte, es wäre ein Schatz. Aber er hatte einen Stein und warf ihn hin. Im Augenblicke saß das Kind wieder auf dem Arm des »Lapphut«; der Jäger erschrack so, dass er bald starb. »Lapphut« soll öfters in’s Jägerhaus und in die Schlafkammer gekommen sein. Wenn man das Jäger-Marîle fragte nach dem »Lapphut«, so sagte es: »håt een weisse Ring ums Maul.« Lapphut sezte sich auf’s Bett der Kinder.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 10-11. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004560825
Der Mühlebergfuchs
Zwischen Wurmlingen und dem badischen Städtchen Möhringen liegt der Mühleberg; der Weg führt darüber. Zu oberst, alles ist Waldung, soll ein gespenstisches Pferd umgehen: der »Mühlebergfuchs«, seit vor Alters gefürchtet. Das Ross erscheint in verschiedenen Gestalten, in der Regel als Fuchs. Es begegnet den Leuten, führt sie in die Irre und rennt oft bis nahe an Wurmlingen. Ein Wurmlinger saß ihm mal auf, und wie der Blitz ging’s bergab und waldauf; der Mann wusste sich nicht mehr zu helfen; endlich warf ihn die Bestie über einen Abhang, sprengte unter Gewieher wieder aufwärts. Der Mann kam schlecht weg und ritt den ungeheuern Gaul nimmer mehr. Damals kam er als Schimmel.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 110-111. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004562453
Der Wurm in der Tanhalde
Wurmlingen bei Tuttlingen soll seinen Namen von einem großen Wurme haben, der in der Tanhalde drüben hauste und beim Kapuzinerkloster, der jetzigen Gottesackerkirche, unter der Linde an der Quelle erlegt worden ist. Die beiden Siegel von Wurmlingen: das uralte hat einen Drachen, mehr in Gestalt eines vierfüßigen Tieres; das zweite hat den Wurm oder Drachen ganz deutlich.
Über Sage vom Lindwurm auf dem Berge bei Wurmlingen (Rottenb.) vgl. Uhland in Pfeiff. Germania I. 304 ff. tan, than, strk. m. mhd. der Tannenwald. Wackern. Leseb. 559. 3. 736. 25. 925. 2. 1034. 18.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 105. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004562348
Die Muotisheer
In Wurmlingen, Oberamt Tuttlingen, gingen mal die Buben, an die Zehn wohl mögen’s gewesen sein, vom Tanze heim und suchten noch nach ihren Liebsten. Wie sie da johlend eine Gasse hinaufziehen, hörten sie auf einmal eine wunderschöne Musik in den Höhen, wie von tausend Instrumenten. Diese zog über den Weilenberg über Wurmlingen hin der Tannhalde zu und weiter. Man hörte die Musik noch weit. Die Buben wollten tanzen, waren aber doch klug genug, es bleiben zu lassen, es wäre ihnen sicherlich schlecht bekommen.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 36-37. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004561198
Die nächtlichen Arbeiter im Wurmlinger Wald
Wenn man nächtlicherweile schon auf den Mohrentobel ging und die letzte Höhe ersteigen wollte, hörte man unter dem sog. Stich in einem hervorschauenden Felsen arbeiten. Ein alter Waldbannwart vernahm dieses Treiben mal, schon gegen Nachmitternacht hin. Er lag auf einem Wasen. Es tat gerade, als ob viele hunderte von Leuten gruben, schlugen, Steine hin und her warfen: kurz, es war der Lärm der Steine und Instrumente ein über alle Maßen gehender. Gegen Tag war es ruhig und der Felsen ganz und kein Moospflänzchen in seinem Frieden gestört
Ueber Waldgeister Th. Vernaleken, Myth. u. Bräuche S. 241 ff.
Quelle:Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 69.Permalink:http://www.zeno.org/nid/20004561791
Die Prästeneck
Das westliche Ende von Wurmlingen heißt Präschneck. Dort soll einstens ein Schloss gestanden haben. Noch jetzt heißt das Ackerfeld am Fuße der Anhöhe »der Markgraf«. Wenn man auf dem Platze, wo das Schloss stand und die Gräben noch sichtbar sind, welcher Platz »uff der Wåed« heißt, fest auftritt oder im Winter mit Schlitten hinunterfährt, so soll man drunten ein unterirdisches »Klingeln« hören.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 239, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004566165
Die Weilheimer (Tuttl.) sind »Schneegänse«,
… weil sie in Streitigkeiten mit den Wurmlingern immer schneegansartige Wachposten und Angriffsweisen entwickelten
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 458-459. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570480
Gespenstisches Ross
Auf dem Mohrentobel, dem waldigen Bergrücken oberhalb Wurmlingen, geht seit alten Zeiten ein schneeweißes Rößlein. Auf dem Mühleberg, zwischen Wurmlingen und Möhringen, im Walde, geht ebenfalls ein gespenstisches Roß, der Mühlebergfuchs, von Alters her gefürchtet.
Der Aienbuch, ein Waldberg zwischen Seitingen und Wurmlingen steht auf einem See. Einst wird der See losbrechen unter fürchterlichem Rauschen und Toben und Alles mit Wasser überdecken. Wurmlingen selbst wird dabei untergehen. Der Honberg bei Tuttlingen soll gleichfalls auf einem See stehen.
Wurmlingen soll seinen Namen von einem großen Wurm haben, der in der Tanhalde drüben hauste und bei der jetzigen Gottesackerkirche unter der Linde an der Quelle erlegt worden ist. Von den beiden Siegeln von Wurmlingen hat das uralte einen Drachen, mehr in Gestalt eines vierfüßigen Thieres, das zweite hat den Wurm ganz deutlich.
Quelle: Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Tuttlingen, Stuttgart 1879 Link: https://de.wikisource.org/wiki/Seite:OberamtTuttlingen0139.jpg
Petrus und das Bäuerlein
Starb mal ein Bäuerlein und kam vor die Himmelspforte. Aber da war’s verschlossen und es sah Niemand. Innen aber ging’s recht lustig her; er hörte musizieren, so schön, wie er noch nirgends es hörte. Er hörte singen und jubilieren von unzähligen Stimmen. Während er so zuhörte, verging der Tag und es kam immer noch Niemand. Da öffnete sich gegen Abend die Himmelstür und Petrus kam heraus. Da fragte ihn das Bäuerlein, was denn da drinnen sei, dass Alles so lustig hergehe? Petrus sagte: Es sei ein Pfäfflein von unten herauf gekommen, darum sei eine so große Himmelsfreude. Entgegnete Bäuerlein: So, warum denn grad bei diesen? Sagte Petrus: Ja, das Ding sei anders, so einer komme alle fünfzig Jahr einmal, Bauern aber kommen des Tags viel. (Mündlich von Wurmlingen)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 362, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568907
Schätze liegen verborgen
Auf dem Konzenberg liegt ein Schatz verborgen, und da wo er liegt, ist der Bodenplatz immer frei von Schnee.
Bei der Brühlmühle, zwischen Wurmlingen und Tuttlingen, liegt ein Schatz begraben; er zeigt sich gewissen Leuten auf der Oberfläche. Dies soll noch von alten Klosterszeiten herrühren, wo die Brühlmühle dem Kloster am Weilenberge gehörte, das auch schon lang verschwunden ist.
Bei Alleshausen ist ein Hügel, der heißt die »Schatzgrub«. Bei Egelfingen ist die Burgruine »Schatzberg«. Ein Schatz soll in Wurmlingen selber in einem Garten liegen.
Bei Poltringen, zwischen Pfäffingen und Oberndorf, soll in der »Raosen«, einem Wasserloch, ein Schatz verborgen liegen.
In dem Baumburghügel bei Hundersingen ist ein Schatz verborgen, den ein Pudel hütet.
Schätze in Wassern, Brunnen, Weihern etc. Panzer I. 295. Vgl. auch Schwartz, Urspr. d. Mythol. 22, 62 ff. 65 ff. 177. 211. 212.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 100-101. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004562275
Von Drachenbergen
Drachenberge gibt es in Deutschland nicht wenige; ihre Namen bezeugen den festgewurzelten Volksglauben an Drachen, die, mit dem an Lindwürme verschmolzen und fast eins, überall auf Ungeheuer der Vorzeit hindeuten, die nicht mehr vorhanden sind. Wo Sagen von Lindwürmer haften, ist insgemein die Sankt Georg-Legende mit ihnen verwachsen. Die vielen drachenhaften Gebilde an den Kirchen des romanischen Baustils gaben der Sage stets neue Nahrung.
Bei Wurmlingen und seiner berühmten Wallfahrtkapelle und in der Höhle am Fuße der Wandelburg hauste und wandelte vorzugsweise ein greulicher Wurm, der ja auch Wurmlingen den Namen gab. Viele sagen, es sei gar ein Pärchen, Männlein und Weiblein, gewesen, auf dass die gute Art nicht aussterbe und die irrenden Ritter doch etwas zu tun fänden. Die Sage vom Lindwurm auf Frankenstein wie die von Limburg (Lindburg) an der Lahn wiederholt sich getreu mit der alten Limburg auf dem Lim- oder Lindberge im Neidlinger Tale im Schwabenlande, nur dass sie geradezu den heiligen Georg als Drachentöter nennt, während andere verwandte Sagen dessen mythische Persönlichkeit mehr umhüllen.
Nah dem Filstale liegt das Dorf Drackenstein mit einem Drachenloch und einer Totenhöhle, wie bei Meiningen ein Drachenberg mit einem Drachen- und einem Bärengraben. Der Drache im Drachenloch bei Drackenstein soll noch immer geisten. Einst gelang ihm der Raub einer Kaiserstochter, er hielt sie gefangen fünf Jahre lang und gedachte ihr die Ehre zu, sie zu seiner Gemahlin zu erheben, aber er gefiel ihr nicht, obschon er ihr drei herrliche Kleider schenkte, darauf auf einem Sterne gestickt waren, auf dem zweiten der Mond und auf dem dritten die Sonne. Sie ging mit einem Schneider, der ihr im Walde begegnet war, durch und nahm die Kleider mit, und später heiratete sie den Schneider, und der Drache hatte das Nachsehen.
Auch bei Eningen liegt ein Drackenberg; daran sollen zwei hohe Nussbäume gestanden haben, mit den Kronen ineinander verschlungen. Diese Kronen bildeten das Drachenbette, und der Drache sei gewesen wie eine ungeheuer große Klapperschlange. Ein Jäger, welcher allerlei Jagdstücklein verstand, auch wohl selbst ein Hexenmeister war, schoss mit einer gewissen Kugel die Schlange in den Kopf, da tat sie einen Schneller noch den halben Drackenberg hinauf und starb. Im Ammentale hauste ein gräulicher Lindwurm, den erlegte nur dadurch ein Ritter, dass er sich über und über mit Spiegeln behing. Da der Wurm in diesen sich erblickte, meinte er, er bekomme Kameradschaft, und nahte sich nicht feindlich. Gleich darauf stieß ihm der Ritter seinen Speer in das Herz.
Quelle: Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersburg und Leipzig 1930, S. 605-606. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004543904
Wenn mal Alles in der Welt in gläsernen Schuhen läuft,
…dann ist es nahe dem Weltende. (Wurmlingen bei Tuttlingen)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 183, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564367
Wenn man von Wurmlingen
… über die Kohlenplatte das Urselenthäle hinabgeht, ist links noch eine Mauer von der alten Wallenburg zu sehen. Rechts, der Mauer gegenüber, ist ein waldiger Bergkegel, der heißt der Edelknab, und noch weiter vorwärts ist der Schlössleberg. Diese drei Höhen sollen einstens durch lederne Brücken mit einander verbunden gewesen sein. Eine Frau von der Wallenburg ging einst auf den Edelknab herüber spazieren und kam in Geburtswehen.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 237, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004566122
Wie ein Conzenberger schwur
Vor langen Zeiten stritten die Nendinger und die Wurmlinger um die Waldesgrenze. Die Nendinger heißen den Wald »Schoren« (Schåre), die Wurmlinger »Gêren«. Es handelte sich um 80-90 Morgen. Um nun die Grenzmarken festzusetzen, mussten von Conzenbergischer Herrschaft und von Enzbergischer Herrschaft Abgeordnete an Ort und Stelle auf den Gêren, um zu schwören, wessen von beiden Eigentum dies sei. Der Conzenbergische Herrschaftsvogt war ein übelgesinnter Mann. Er nahm, bevor er auf den Gêren ging, vom Vogteigarten in Wurmlingen eine Hand voll Erde, legte sie in seine Schuhe; unter seinen Hut steckte er einen Löffel und in sein Haar einen Kamm. An Ort und Stelle angekommen, schwor er also: »So wahr mein Schöpfer und Richter über mir ist, so wahr stehe ich auf meinem eignen Grund und Boden.« Die Enzbergisch-Nendinger verloren den Gêren bis auf eine Halde, die Wurmlinger gewannen. Dafür, sagen jene, müsse der treulose Schwörer umgehen (Mündlich von Wurmlingen)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 221-222, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565800
Zwei Männer von Wurmlingen
… der Beattelseppel und der Konrad, gingen in der heiligen Nacht um 12 Uhr hinaus, um den Fahrsamen (=Farnsamen) zu holen. Hinterfür stiegen sie zu ihren Kammerfenstern hinaus und gingen dem Löwenthal zu. Durften kein sterbigs Wörtlein reden. Da begegnet ihnen eine geisterhafte Kutsche, voller Frauen, die sie zum Reden bringen wollten. Beide hatten Angst genug; da kam eine dahergesprungen und schrie immer der Kutsche nach: sie sei ja die Köchin! und hatte hinten einen ungeheuren Kochlöffel stecken. Jetzt gruselte es Beiden erst recht, sprangen heim und stiegen wieder rückwärts zum Kammerfenster hinein; wollten nimmermehr in’s Löwenthal hinter gehen. Der »Beatkelseppel« war schon drinnen, hatte aber noch einen Fuß heraußen, da sagte er: so jetzt Gott Lob! da riss ihm der Böse sein Bein beinahe ganz heraus (Wurmlingen bei Tuttlingen)
[Aus »Farrensamen« ging Fahrsamen hervor, welch letzteres falsch ist; vielleicht gab das Farrensamenholen in den Hexenprocessen Veranlassung dazu, als ob zum Nachtfahren etc. solcher Samen notwendig, was nicht erwiesen werden kann. Vgl. über »Farn« Grimm, Mythol. S. 1160. 1161.]
Quelle:Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 333, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568508
Brauchtum
Das Scheibenschlagen in Wurmlingen (Tuttlingen)
Früher zogen die Schulkinder mit Fackeln den Oesch hinaus. Diese Fackeln waren von Stroh, innen Späne, andere waren hölzern, oft ungeheuer lang und oben mit Harz bestrichen. Der Zug begann mit eintretender Nacht unter Abbetung eines Rosenkranzes, unter Begleitung von Feldschützen und Polizei auf den angeblümten Oesch. Das Feuer soll die Saat vor Hagel sichern. Später haben auch Erwachsene einen Fackelzug veranstaltet auf den sog. Scheibenrain. Man machte dort ein großes Feuer und nahm die brennenden Prügel, schwang sie in der Nacht mit den Worten:
Schibo, Schibo, über den Rhein,
Wem wird wohl diese Schibo sein?
Diese geht rechts, diese geht links,
Und gehört der N.N. zum Lädele nein.
Beim letzten Worte lässt man das glühende Scheit fahren, und je weiter es fliegt, desto besser ist es. Oft wurden die Burschen verjagt, aber immer wurden die Schibo geschlagen. Kleinere Buben wurden fortgejagt, bei den größeren gab es nicht selten Prügeleien aus Eifersucht. Solche Scheibenraine gab es auch in Weilheim und Mühlheim a.d.D. Auch in der Horber Gegend ist diese Sitte daheim gewesen.
Anno 1668 (heißt es im Kirchenbuche) sei halb Eytingen wegen unsinnigen Scheibenschlagens abgebrannt am ersten Fastensonntag.
Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 108-109. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004574788
Volksglaube, Wetter und Gestirne
Den Fahrsamen muss man in der heiligen Nacht
… um 12 Uhr holen an Kreuzwegen. Dabei muss man hinterfür zum Fenster hinaussteigen und ebenso wieder hinein. Dabei muss man aber strenges Stillschweigen halten. (Wurmlingen bei Tuttlingen)
Anmerkung: Fahrsamen=Farnsamen
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 333-334, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568516
Die Glücksruthe
… muss von einer Haselnussstaude genommen, und sie muss in einem Jahr zwei Zweige, eine Gabel, zu gleicher Zeit und gleicher Größe getrieben haben; muss dem Priester während der hl. Messe unter dem Corporale liegen, unbemerkt, und so geweiht werden. Alle Schätze kann man mit einer solchen Rute finden (Wurmlingen bei Tuttlingen)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 338-339, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568621
In der heiligen Nacht um 12 Uhr
… muss man in drei Schnitten den Bindnagel heraufwärts schneiden in den drei höchsten Namen, so kommt kein Ungeziefer an die Garben. (Wurmlingen bei Tuttlingen)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 466. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570669
Wenn nach einer hl. Messe
… für die armen Seelen die Altarlichter ausgelöscht werden, so steigen, während es noch raucht, fortwährend Seelen aus dem Fegefeuer. (Wurmlingen bei Tuttlingen)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 200, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565282
Werden nach einer hl. Seelenmesse
… die Altarlichter ausgelöscht, so steigen, so lange sie ‚gloschten‘, immer noch arme Seelen aus dem Fegefeuer. (Wurmlingen bei Tuttlingen)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 283-284, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567137
³ Die historischen Texte habe ich zur besseren Lesbarkeit „sachte“ an die gültige Rechtschreibung angepasst, historisch überholte Begriffe jedoch belassen. Zahlreiche historische Postkarten habe ich retuschiert, Flecken entfernt und einige farblich angepasst oder coloriert.
Literatur
➥ Hier findet ihr Literatur zu Wurmlingen_(Landkreis_Tuttlingen)
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