Oberschwaben – historische Ortsansichten & regionale Sagen

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Villingen – Schwenningen – Sehenswertes, Geschichte, Sagen, Mythen und Volksglaube der Region. Das „etwas andere“ Portal. Links, Landkarten, historische Ansichtskarten, Fotos, Ausflugsziele …

Inhalt

Gliederung

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  • Allgemeines
    • Historische Lexikoneinträge
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  • Fotos & Abbildungen
    • Villingen – Schwenningen auf Ansichtskarten um 1900
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  • Sagen, Mythen und Geschichten
    • Das Kautenweibchen
    • Das Kautenweible
    • Das Nägelin Kreuz zu Villingen (Baar)
    • Der Hölzlekönig bei Schwenningen
    • Geld im Warenbach
    • Heu und Häckerling in Geld verwandelt
    • Kindersegen
    • Romeias
  • Literatur
  • Fußnoten
Villingen - Schwenniungen, Waldhotel, Kriegerdenkmal, Ortsansicht aus der Vogelschau, 1906

Villingen, Waldhotel, Kriegerdenkmal, Ortsansicht aus der Vogelschau, 1906


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Update: 18. August 2026

Allgemeines

➥ Internetauftritt der Stadt / Gemeinde
➥ Wikipediaeintrag
➥ Alemannische Wikipedia
➥ Wikisource: Historische Quellen und Schriften

Historische Lexikoneinträge

Meyers Enzyklop. Lexikon, 1905. http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Villingen-Schwenningen?hl=Villingen-Schwenningen

Karten

Links oben in der Karte können Sie mit + und – den Maßstab der Darstellung ändern. Durch Festhalten des Mauszeigers lässt sich der Ausschnitt verschieben.

Karte eingebunden aus OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL.
➥ Luftlinie-org berechnet die Luftlinienentfernung
sowie die Straßenentfernung zwischen zwei Orten und stellt beide auf der Landkarte dar.

Fotos & Abbildungen

➥ Bildersammlung auf Wikimedia-Commons
➥ Abbildungen auf Tumblr
➥ Infos und Fotos auf Pinterest
➥ Filme in der ARD-Retro-Mediathek (Filmbeiträge der 60er-Jahre)

Villingen – Schwenningen auf Ansichtskarten um 1900

Ein Klick ins Bild zeigt die vergrößerte Darstellung und startet den Slideshow-Browser mit Titel und Jahr des Poststempels. Mit dem Pfeil in der rechten und linken Bildmitte können Sie vor- und zurückblättern. Die Karten wurden von mir digital „aufgehübscht“, farbkorrigiert und von Schmutz und Beschriftung befreit.
Viel Spaß bei der Zeitreise!

Villingen

Post_Kriegerdenkmal_Bezirksamt_Villingen_1903_800
Villingen_Bickenstrasse_Hotel_Post_um_1900_800
Villingen_Deutscher_Kaiser_Stadteingang_1907_800
Villingen_Blick_auf_das_Waldhotel_1915_800
Villingen_Hotel_Blume_Kriegerdenkmal_Romeius_1898_800
Villingen_Hotel_Zaehringerhof_Garten_um_1920_800
Villingen_Niedere_und_Obere_Strasse_mit_Lamm_und_Berthold_Apotheke_um_1925_800
Villingen_Ortspartie_mit_Hotel_Deutscher_Kaiser_um_1900_800
Villingen_Stadtansicht_1904_800
Villingen_Pension_Waldmuehle_um_1900_800
Villingen_Tonhalle_um_1900_800
Villingen_Waldhotel_1903_2_800
Villingen_Waldhotel_1903_800
Villingen_Waldhotel_Gesamtansicht_1901_800
Villingen_Waldhotel_Kriegerdenkmal_Ortsansicht_aus_der_Vogelschau_1906_800
Villingen_Waldhotel_und_Riettorum_1900_800
[Zeige eine Slideshow]

Schwenningen

Schwenningen_Herdstrasse_um_1910_800
Schwenningen_Hotel_Adler_um_1910_800
[Zeige eine Slideshow]
Die gezeigten Ansichtskarten sind retuschiert. Die Originalversionen wurden dabei digital verändert.
These are retouched pictures, which means that they have been digitally altered from their original version.

Kunst, Kultur und Brauchtum

➥ Kultur und Sehenswürdigkeiten (Wikipedia)
➥ Abbildungen auf ‚Bildindex‘
➥ Bilder auf ‚Google-Art‘
➥ Villingen-Schwenningen auf ‚Zeno-Org‘
➥ Suchfunktion nutzen für Villingen – Schwenningen auf leo-bw.de (Karten, Archivmaterialien und Luftaufnahmen vom Landesarchiv Baden-Württemberg)
➥ Alphabetisch sortiertes Verzeichnis auf www.kloester-bw.de Beschreibungen vom Landesarchiv Baden-Württemberg

Geschichte

Ortsbeschreibung von Merian: ➥ https://de.wikisource.org/wiki/Topographia_Sueviae:_Villingen-Schwenningen
Ein Unterrichtsprojekt des Landesarchives Ba-Wü zur Geschichte von Villingen:
➥ https://www.landesarchiv-bw.de/sixcms/media.php/120/25KTA_Workshop2.pdf

Ausflüge und Sehenswertes

➥ Wikivoyage – Projekt der Wikimedia
➥ Wikitravel – der freie Reiseführer

Webcams

➥ Webcams in Villingen – Schwenningen und Umgebung

Nachbargemeinden

➥ angrenzende Städte und Gemeinden (aus Wikipedia)

Teilgemeinden und Ortschaften

➥ Ortschaften und Wohnplätze von Villingen – Schwenningen (aus Wikipedia)

Sagen, Mythen und Geschichten

Sagen und Mythen

Das Kautenweibchen

Im »Kautenwald« zwischen Rotweil, Villingen und Neckarburg geht ein Waldweiblein um, vom Walde »Kautenweiblein« zugenannt. Es ist sehr gefürchtet, so dass Buben und junge Mädchen gar nicht in den Wald mögen. Diesen ist Kautenweibchen nicht hold, auf sie hat’s es besonders abgesehen. Oft, wenn solche Mädchen in den Wald kamen, um Holz oder Erdbeeren zu holen, trieb sie Kautenweibchen im Kreise herum, dass sie am Ende gar wohl nicht mehr wussten, wo sie daran waren. Nicht selten verloren sie den rechten Weg und verirrten so, dass sie um Alles sich des Orts nicht mehr erinnern konnten, wo sie auch standen. Kurz, sie kamen statt zum Walde hinaus, immer tiefer in ihn hinein. Holz auf dem Kopfe wurde unerträglich schwer und manchmal brachten Buben ihre Büscheln gar nicht mehr heim, so schwer hat’s ihnen das »Kautenweible« gemacht. Aber auch alten Weibern und Männern spielte »Kautenweiblein« hie und da einen Schabernack. Schon viele irrten Tag und Nacht im Wald herum, von dem Waldgeist verführt, und fanden lediglich keinen Ausweg mehr. Dies soll nicht blos ein mal passiert sein. Sehen kann man »Kautenweibchen« selten; hie und da haben’s schon Leute gesehen, wie es vor ihnen hertanzte, ganz hautpudelnacket; hat dabei immer in die Hände geklatscht, gelacht und ein abscheulich garstig Liedlein gesungen, das die Leute nicht mal sagen mögen, sie schämen sich dessen. Plötzlich war’s wieder nimmer da und versteckte sich in einer Hecke. Alte Leute sagen noch viel davon, wie sie geneckt worden seien.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 59-60. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004561600

Das Kautenweible

Im Kautenwald zwischen Villingen und Rottweil haust ein Waldweiblein, das Kautenweible geheißen. Wenn Mädchen im Walde Beeren suchen oder Holz lesen wollen, so treibt sie das Kautenweiblein oft im Kreise herum, dass sie nicht mehr wissen, wo aus noch ein. Oder wenn sie eine Tracht Holz zum Wald hinaustragen wollen, macht sie ihnen das Kautenweible so schwer, dass es ihnen nicht möglich ist, sie nach Haus zu bringen und sie das Holz im Wald liegen lassen müssen. Sehen lässt sich das Weiblein selten. Hie und da haben sie die Leute beobachtet, wie sie faselnackt vor ihren Augen herumtanzte, dabei immer in die Hände klatschte und ein garstig Liedlein dazu sang, so abscheulich, dass sie es nicht nachsagen mochten; sie schämten sich des. Plötzlich aber war es in einer Hecke verschwunden.
Rudolf Kapff: Schwäbische Sagen, Jena 1926 (Deutscher Sagenschatz) Link: https://books.google.com/books?id=T7xZAAAAMAAJ, S.73

Das Nägelin Kreuz zu Villingen (Baar)

Um das Jahr 1300 trug es sich zu, dass Andreas Nägelin, ein Bauersmann aus dem Spaichinger Tale, von Dürrheim nach Villingen auf den Markt ging. Unterwegs in der Gegend der sogenannten Schönwiesen fand er ein schön gearbeitetes Kruzifix zur Seite der Straße liegen. Er hob es voll Ehrfurcht auf und verbarg es einstweilen in einem nahen Gebüsche, um es auf seinem Rückwege mit nach Hause zu nehmen. Dies geschah: er stellte das Bild in seiner Kammer auf und verrichtete zwei Jahre hindurch täglich seine Andacht davor.

Nach Verlauf dieser Zeit fiel er in eine schwere Krankheit, die dergestalt überhand nahm, dass dem Nägelin bald alle Sinnen schwanden und er vierundzwanzig Stunden lang wie eine Leiche dalag, so dass die Leute ihn für tot hielten und Anstalten zu seiner Beerdigung trafen. Allein, Wunder über Wunder, Nägelin erhält plötzlich sein Bewusstsein wieder und fängt ganz deutlich folgende Worte zu reden an: Lasst dieses heilige Kreuz durch einen vertrauten Mann nach Villingen tragen mit Vermelden, dass wenn diesem Kruzifix zu Ehren daselbst ein Kirchlein errichtet würde, dann werde Villingen von großen schwer drohenden Übeln verschont und erhalten werden. Man erfüllte Nägelins Wunsch und sandte Boten mit dem Kreuz in die Stadt; allein die Obrigkeit setzte Zweifel in die Wahrhaftigkeit des Berichtes und die Boten mussten unverrichteter Sache mit dem Kruzifixe wieder heimkehren.

Doch in der folgenden Nacht gegen Tagesanbruch vernahm Nägelin von dessen Platze her folgende Worte: „Steh auf, Andreas Nägelin, nimm dieses Kreuz und trage es nun selbst nach Villingen, um die versprochenen Gnadenverheißungen durch deinen eigenen Mund zu bekräftigen. Mit einem Male fühlte sich Nägelin von aller Krankheit und Schwäche befreit, zum höchsten Staunen der Seinigen erhob er sich kräftig vom Lager, eilte zum Pfarrer des Ortes, erzählte ihm den Vorgang und bat ihn um seine Begleitung nach Villingen. Alsbald machten sich die Leute mit dem Wunderkreuze auf den Weg und es gelang ihnen, den Magistrat der Stadt zum Entschlusse zu bewegen, das Kreuz in Villingens Mauern aufzustellen und ihm ein eigenes Kirchlein zu bauen, wozu man den Platz vor dem Bickentore wählte.

Bald war die Kapelle fertig und seit der Zeit hat des Nägelins Kreuz von Wallfahrern aus Nähe und Ferne immer zahlreichen Besuch in schweren Zeiten der Stadt und ihrer Bewohner Wunder unzählige getan und sie geschützt in den drohendsten Gefahren, namentlich während der Belagerung von den Schweden im Jahre 1633
Quelle: Klänge aus der Vorzeit: Fromme Sagen und Legenden aus Baden, Württemberg, Hohenzollern, Elsass, der Schweiz, Tyrol, Vorarlberg, Bayern und Salzburg, Band 1, Kupferberg, 1873, Nr.46, https://books.google.de/books?id=1xxcAAAAcAAJ

Der Hölzlekönig bei Schwenningen

Vor etlichen hundert Jahren zog einmal eine Gesellschaft Zigeuner durch die Baar unter einem Anführer, der hatte ein kleines Söhnlein. Dem starben Vater und Mutter bald hintereinander. Der Bruder des ver⸗ storbenen Häuptlings setzte das Knäblein im Wald aus, damit er selbst Anführer der Horde würde. Man fand es, nahm es in den Ort Schwenningen, taufte es auf den Namen Michel, und erzog es christlich.

Nach Jahren kamen dieselben Zigeuner wieder in die Gegend und spielten der Jugend im Wald, den man das Hölzle heißt, zum Tanz auf. Alles strömte in den Wald, auch Michel war dabei. Da erkannte die Zigeuners-Altmutter ihr Enkelkind, nahm es zu sich und zeigte ihn den Zigeunern als ihr rechtmäßiges Oberhaupt. Der böse Oheim wurde seiner Stellung entsetzt und ging grimmig davon. Zur Rache dafür legte er in der folgenden Nacht an zwei Orten in Schwenningen Feuer. Die Schwenninger glaubten, Michel sei der Schuldige, zogen zu den Zigeunern in den Wald hinaus, und erschlugen Michel. Dann schaufelten die Zigeuner ihrem Anführer ein Grab im Walde, und die Altmutter pflanzte ein Tännlein darauf. Dies wurde mit den Jahren der Hölzlekönig, der lange Zeit der größte und schönste Baum im ganzen Schwabenland gewesen ist.
Rudolf Kapff: Schwäbische Sagen, Jena 1926 (Deutscher Sagenschatz) Link: https://books.google.com/books?id=T7xZAAAAMAAJ S.98

Geld im Warenbach

Jährlich am ersten Mai heben sich die vergrabenen Schätze aus dem Boden, um sich zu sonnen. An einem solchen Tag sah ein fischender Knabe im Warenbach eine Menge Silbermünzen zum Vorschein kommen, er steckte sie nacheinander ein und rief einigen Buben in der Nähe herbeizukommen. Auf dieses erschienen keine Münzen mehr; die eingesteckten aber blieben ihm. Um auch so Geld zu erhalten, ging am folgenden ersten Mai ein anderer böser Bube an den Bach; allein, trotz seines Wartens und Suchens, konnte er keines entdecken. Endlich kam ein Männlein und fragte, was er da mache und ob er blos Fische fangen wolle, worauf der Bube barsch antwortete, dass er nur fische, es übrigens das Männlein nichts angehe und es sich fortpacken solle. Da ging dasselbe den Berg hinauf; aber bald war es so groß wie ein Riese, drehte sich um und winkte drohend dem Knaben, der entsetzt davonlief und in Folge des Schreckens am andern Tage starb.
Quelle: Bernhard Baader: Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden, Karlsruhe, Verlag der Herderschen Buchhandlung, 1851, Permalink: https://books.google.de/books?id=f6k7AAAAcAAJ

Heu und Häckerling in Geld verwandelt

Eines Abends sah ein Mann, der mit einem leeren Sack in die Mühle wollte, am Warenberg Heu und Häckerling liegen. In der Meinung, es habe jemand da gefüttert, füllte er den Fund in den Sack, der davon ganz voll wurde. Nachdem der Mann ihn eine Strecke fortgetragen, läutete die Betglocke und alsbald ward derselbe so schwer, dass er ihn abwerfen musste. Da klingelte es wie Geld; er öffnete den Sack und fand ihn statt mit Heu und Stroh mit blanken Silbermünzen gefüllt.
Quelle: Bernhard Baader: Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden, Karlsruhe, Verlag der Herderschen Buchhandlung, 1851, Permalink: https://books.google.de/books?id=f6k7AAAAcAAJ

Kindersegen

Wie fast in jedem deutschen Lande, vom Norden zum Süden und bis in den letzten Winkel hinterm Watzmann, wo Deutschland ein Ende hat und in Österreich aufgeht – früher war es all eins, da war bessere Zeit –, so hat auch Schwaben seine Sagen vom Kindersegen in etwas übergroßer und den Gesegneten unlieber Zahl. Bei Mühlhausen im Oberamt Spaichingen quillt noch heute ein Kindlestalbrunnen, in welchem eine Magd sechs von ihrer Herrin auf einmal nebst einem siebenten geborenen Knäblein ersäufen sollte, nachdem letztere eine Zeit vorher von einer Bettlerin zu solcher Siebengeburt ob harter und höhnischer Behandlung verwünscht worden war. Da nun der Ritter wie jedes Mal bei dieser so hundertfach wiederholenden Sage dazukam, die Tat hinderte und die Mutter zürnend fragte: Was soll man einer Mutter tun, die ihre Kindlein will versaufen lassen? und sie antwortete: Die ist wert, dass man sie lebendig in Öl versiede! – so ließ er solch selbst gesprochenes Urteil auch an ihr ohne Verzug vollziehen.

Geradeso erging es einer Ritterfrau auf Burg Wildeck zwischen Schömberg und Rottweil, allwo die alten Trümmer der Burg noch stehen, nur nicht alsbald, sondern erst nachdem die Knäblein erwachsen waren. Bei diesen beiden Frauen, die in Öl versotten wurden, waren der Knäblein sieben, bei einer Gräfin von Altdorf im Schussentale aber waren ihrer zwölf, wie bei der Frau Irmentritt im Pinzgau, beider Männer hießen auch Isenbart, und da trug sich denn auch wieder alles genau so zu wie immer, und die Besitzer einer Mühle an der Scherzach, Mann und Frau, zogen die vom Wassertod, dem gewöhnlichen Tod junger Hündlein, geretteten Knäblein auf. Ob nun schon auch hier die Gräfin sich zur Strafe des In-Öl-Versiedens selbst verurteilte, so soll sie doch Gnade erlangt haben durch ihre bittre Reue. Am Altdorfer Rathause ist noch ein Bild zu ersehen, das die Knaben und ihre Erzieher darstellt.
Quelle: Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersburg und Leipzig 1930, S. 591. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004543610

Romeias

Beinahe vor vierhundert Jahren lebte in Villingen ein Riese der Romeias hieß, gewöhnlich aber Romäus genannt wird. Er war dort, auf dem Käferberg, geboren, sein Vater nicht groß, seine Mutter eine Zwergin. Wenn er auf der Gasse ging, konnte er in den zweiten Stock der Häuser sehen und drei hohe Pfauenfedern, die er auf dem Hute zu tragen pflegte, ließen ihn noch größer scheinen.
Eines Tages hatte er auf einen Wagen, der mit einem Paar Ochsen bespannt war, zwei schwere Baumstämme geladen, aber jene konnten die große Last nicht fortbringen. Da lud er die Ochsen zu den Stämmen auf den Wagen und zog dann allein denselben nach Hause.
Als er zu einer andern Zeit Rotweil besuchte, wollten die Einwohner ihn gefangen nehmen und schlossen die Stadttore. Er aber hob die Flügel eines derselben aus den Angeln, nahm den einen auf die Achsel, steckte den andern mittelst dessen Henkels an den Zeigefinger und eilte damit gegen Villingen. Drei Viertelstunden von da blieb er auf einem Hügel stehen und schaute zurück. gewahrte aber keine Verfolger. (Davon hat der Hügel den Namen Guckenbühl.) Alsdann brachte er die Torflügel in seine Vaterstadt, wo sie zum ewigen Andenken an dem dazu erbauten obern Torturm eingesetzt wurden.
So groß die Stärke des Romäus, so groß war auch seine Esslust. Einst kam er in eine Stube, worin niemand war, aber das Essen für sieben Personen auf dem Tische stand. Unverweilt machte er sich darüber her, aß alles rein auf und als die Leute kamen, fragte er, ob nichts mehr zu essen gebracht werde.
Nachdem er im Kriege viele ritterliche Taten vollbracht hatte, ließ er sich durch den Übermut verleiten, seine Obrigkeit zu schelten. Da niemand sich an ihn wagen wollte, ersann der Stadtrat eine List, um ihn gefangen zu nehmen. Es wurde ihm der Auftrag gegeben, aus dem tiefen Verlies des Michelsturms etwas zu schaffen und ihm dafür eine gute Belohnung versprochen. Arglos stieg er hinab, aber sobald er von der Leiter sich entfernt hatte, zog man sie schnell hinauf und schloss ihn in den Turm ein, der seitdem auch Romäusturm heißt. Zur Atzung des Riesen wurde dann täglich ein Kalb oder ein Schaf in das Verlies geworfen. Als er genug Knochen beisammen hatte, steckte er sie in die Ritzen und Löcher der Mauer, stieg auf ihnen wie auf einer Treppe hinauf, durchbrach die Balkendecke und gelangte bis unter das Dach des Turmes. Daselbst fand er eine Menge Stroh, drehte daraus ein starkes Seil und ließ sich daran in der Nacht zu einer Öffnung hinaus auf die Ringmauer. Auf deren Umlauf kam er in die Freistätte von St.Johann, wo er einen der ausgebrochenen Balken im Chor zum Danke niederlegte. Nachdem er sich einige Tage da aufgehalten, gelang es ihm, abends während eines starken Gewitters über die Ringmauer aus der Stadt zu kommen. Stracks begab er sich vor das feste Schloss Kusenberg und belagerte allein es so lange, bis es sich an ihn ergeben musste. Auf dieses nahmen die Villinger ihn wieder zu Gnaden an und begabten ihn mit einer guten Pfründe in ihrem Spitale. Daselbst ist er bis zu seinem Tode geblieben und auch begraben. Sein lebensgroßes Bild, das Wahrzeichen der Stadt, war Jahrhunderte lang an der nun abgebrochenen Mauer beim obern Tore mit folgender Inschrift zu sehen:

Als man zählt 1498 Jahr,
Hat hier gelebt, glaubt fürwahr,
Ein Wundermann Romeyas genannt,
Im ganzen Land gar wohl bekannt.
Nachdem er ritterliche Taten vollbracht,
Sein Stärke ihn verführet hat,
Fing an sein Obrigkeit zu schelten.
Dessen musste er im Turm entgelten,
Brach wunderlich mit List daraus,
Und floh in St.Johanniser Haus.
Alda noch ein Balken zu finden,
Welchen Romeyas dahin tragen konnte.
Wagt sich hernach über Mauren naus.
Belagert Kusenberg das veste Haus.
Das er in wenig Zeit eingenommen:
Daher wiederum Gnad bekommen,
Dass im Spital bis in das Grab,
Die Herren Pfrund gegeben ward,
Endigt also in Ruh sein Leben.
Gott woll uns allen den Frieden geben.

Quelle: Bernhard Baader: Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden, Karlsruhe, Verlag der Herderschen Buchhandlung, 1851, Permalink: https://books.google.de/books?id=f6k7AAAAcAAJ

Literatur

➥ Hier findet ihr Literatur zu Villingen-Schwenningen Der Link leitet zur Seite von Amazon. Dies ist für mich die einfachste und effektivste Art, auf Literatur hinzuweisen – denn dort finden sich Abbildungen, Preise und Rezensionen. Bestellen könnt ihr die Bücher dann beim lokalen Buchhandel 😉 Anmerkung: Es handelt sich beim Link um einen „Affiliate-Link“. Falls ihr nach dem Aufruf etwas bei Amazon bestellt, erhalte ich eine geringe Provision, mit der ein Teil der Server- und Websitekosten gedeckt werden kann.

Fußnoten

³ Die historischen Texte habe ich zur besseren Lesbarkeit „sachte“ an die gültige Rechtschreibung angepasst, historisch überholte Begriffe jedoch belassen. Die historischen Postkarten wurden von mir retuschiert, Flecken und Schrift habe ich entfernt und die Karten in Farbe und Kontrast geändert, manche auch digital coloriert.

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  • Pfronten im Allgäu
  • Sodale. Wolfegg ergänzt
  • Ansichtskarten von Hayingen und Wimsen eingefügt
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Die zitierten, historischen Texte des 19.Jahrhunderts habe ich aus freien Quellen und/oder Fraktur- und Kurrentschrift in heutige Normschrift transkribiert, dabei in Rechtschreibung, Satzbau und Grammatik angepasst und ergänzt,  die historischen Ansichtskarten sind retuschiert und farblich "aufgehübscht", teilweise coloriert.

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Copyright der dargestellten historischen Ansichtskarten
Ein Werk wie ein Foto, eine Grafik oder ein Kunstwerk ist bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers urheberrechtlich geschützt. Auf einigen der eingestellten historischen Ansichten ist kein Urheber vermerkt. Ich habe nur solche Karten der Jahrhundertwende 1900 verwendet, bei denen nach menschlichem Ermessen der Urheber bereits vor mehr als 70 Jahren verstorben ist. Sollte bei eingestellten Abbildungen, für die ich trotz meiner Recherchen keine Rechteinhaber ausfindig machen konnte noch solche existieren, bitte ich diese nachträglich um Erlaubnis und um eine Mitteilung. Ich werde dann die Werke zeitnah entfernen oder auf Wunsch mit einem entsprechenden Copyrightvermerk versehen. Ich verfolge keine kommerziellen Interessen. Die eingeblendete Werbung dient lediglich der (teilweisen) Deckung der Unkosten. Es geht mir einzig darum, diese interessanten Zeitdokumente der Nachwelt zu zeigen und zu erhalten. Und das dürfte auch im Sinne der Urheber sein!

Die Retusche der Ansichtskarten war SEHR zeitaufwändig und setzt Fachwissen voraus. Dasselbe gilt für die Recherche,  Transkription und Überarbeitung der Texte und Bilder aus historischen Quellen und Frakturschrift. Die Umarbeitung ergibt für die hier eingestellten Ansichtskarten und Texte ein neues Copyright, da es sich nicht mehr um die ursprünglich gemeinfreien Werke handelt. Es steht Ihnen frei, nach den historischen Abbildungen zu forschen und diese zu verwenden. Dass jemand ohne mein Einverständnis aus meiner Arbeit Kapital schlägt, werde ich nicht akzeptieren.

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