Schwäbisch-Französisch

Mir könned elles – sogar französisch!

Im Schwäbisch-Alemannischen existieren zahlreiche Lehnworte. Es ist nicht mehr nachvollziehbar, ob die Franzosen diese Worte aus dem Schwäbischen – oder die Schwaben sie aus dem Französischen übernommen haben 😉

Ernsthaft: In der deutschen Sprache existieren zahlreiche „Gallizismen“ = Lehnworte aus der französischen Sprache. Im 18.Jahrhundert war der Hof von Ludwig XIV in Europa Maßstab für die deutschen Fürstenhäuser – und Französisch die Sprache der Gebildeten. Dadurch haben sich zahlreiche Worte „eingebürgert“.
Mein Wohnort heißt – nebenbei bemerkt – „Kleinparis“. Warum? – Siehe unten… 😉

Auch während der Besatzungszeiten durch französische Truppen unter Napoleon sowie nach dem ersten und 2.Weltkrieg und durch die Flucht von Franzosen nach Sigmaringen, die der Vichy-Regierung unter Pétain in Nazideutschland nahe standen, kamen zahlreiche Worte nach Schwaben.
Randnotiz zur Geschichte: Sigmaringen war durch den „Umzug“ der französischen Vichy-Regierung mehrere Monate lang de facto Hauptstadt von Frankreich – und es gab in Sigmaringen eine japanische, eine italienische und … tataaa … eine deutsche Botschaft (weil das Schloss Sigmaringen als exterritoriales, französisches Gebiet galt)

Schwäbisch Schriftdeitsch Französisch
s’Kannapee Sofa canapé
d’Schäselong Liege chaise longue
wisawi gegenüber vis a vis
dr‘ Bottschambr Nachttopf pot d’chambre
s’Fatzenettle Einstecktuch fasse le nez
s‘ Trottwar Gehsteig, Bürgersteig trottoir
dr‘ Kondukteur Fahrkartenschaffner, Kontrolleur conducteur
s‘ Billettle Fahrkarte billet
d’Fiesematende Unsinn, Blödsinn fisimatents
s’Lombarieleischdle Sockelleiste lambris
s’Suddorai Keller souterrain (unter Tage)
d’Beletasch 1.Sockwerk la belle étage
s’Bordmonee Geldbeutel la porte monnaie
s’abort WC l’abort
dr‘ Blaffo Zimmerdecke plafond
s’Barderr Erdgeschoss parterre
d’Bagaasch Bande, Brut, Gesindel, Pack, bucklige Verwandschaft bagage (Gepäck, Packstück)
retur zurück retour
s’Biffee Wohnzimmerschrank / Küchenschrank buffet (Theke)
d’Garaasch Garage garage
rangschier d’Schesä redur Fahr das Fahrzeug zurück  
s’Waschlavor Waschschüssel lavoir (Waschraum, Waschschüssel)
s’Pissoir Pinkelrinne pissoir
abonniere vorausbestellen s’abonner à quelque chose
s’Assesoir Zubehör, Schmuckteil Accessoire
Adee! Auf Wiedersehen Adieu (à dieu = Gott sei mit dir)
d’Adress Anschrift adresse
d’Allee Straße/Weg mit Baumreihe Allee
s’Appartmong Wohnung Appartement
apropos Übrigens, nebenbei bemerkt à propos
a Bagage Gesindel, Pack, Pöbe bagage (Tross im 30-jährig.Krieg)
a Bagadell Kleinigkeit bagatelle
dr Balkon Balkon balcon
dr‘ Banker Bankier bankier
blamier‘ di ned, s’wär blamabel bloßstellen blâmer („tadeln“)
ihm isch ganz blümerant schwindelig, schwankend bleu mourant (blau sterbend / blau im Gesicht)
der macht’s mit Bravur tapfer, beherzt bravoure
er kommt in d’Bredullie Schwierigkeit, Problem bredouille (kleiner Ärger)
a Brimborium Getue brimborion (Lappalie)
Scharmör Frauenheld charmeur
er hot Kurasch Mut, Schneid courage
dr Kusä Vetter cousin
s’isch a Debakl Katastrophe débâcle (plötzliche Auflösung)
s’isch delikat problematisch (eigentl.fein, edel) délicat
er isch derangschiert durcheinander, verwirrt déranger
s’isch a Disaschtr Katastrophe désastre
im Detail im Speziellen détailler
sie eschoffiert sich aufregen échauffer
er hot a Fäble für sie Vorliebe, Neigung, Schwäche faible
oine an de Frack na.. Kittel, Rücken, Frack froc (Kutte)
s’isch fulminand erstaunlich, großartig fulminant (blitzend, donnernd)
Galoschen Schuhe galoche (Überschuh)
Schellee Marmelade, Gelee gelée
er isch an Gurmet Feinschmecker gourmet
s’isch grotesk seltsam, bizarr, lächerlich grotesque
s‘ Haschee Hackfleisch hacher (hacken)
s’imponiert mir beeindrucken, erstaunen imposer
Inschdalladör Sanitär-Handwerker installateur
s’Kabl¹ Kabel, Leitung câble (Ankertau, Schiffsseil)
Kaffee (koin Muggafugg) Kaffee café
a Kanallie Schurke, Pack, Pöbel canaille
Glaskaraff‘ Krug aus Glas carafe
d‘ Karosse Auto, Fahrzeug, Kutsche carrosse
im Karree rom Viereck, Stadtviertel carré
Kinkerlitzle Kleinigkeit, wertloses Zeug la quincaillerie
a Klischee Abklatsch, Vorurteil cliché
n‘ Koffer Koffer, Gepäckstück coffre (Truhe)
dr‘ Kompanion Gefährte, Kumpel, Teilhaber, Geselle compagnon
kondoliere Mitleid, Anteilnahme ausdrücken condolence
er isch kulant entgegenkommend, großzügig coulant
s’isch kurios seltsam, bizarr, abwegig curieux
kuschle schmusen coucher
s’Kusinle Base cousine
s’isch makabr grotesk, grausig macabre
er isch malad krank, kränklich malade
s’isch a Maleur bassierd ein Unglück, Ungeschick, Missgeschick malheur
d’Mamsell Mädchen, Frau, Wirtschafterin mademoiselle
(koine) Maniere hau Benehmen, Stil besitzen maniere
a markants G’sicht auffallend, hervorstechend marquant
s’isch marod baufällig maraud (Bettler, Lump)
der hot Marotte Spleen, Eigenart, Angewohnheit marotte
den hend se massakriert ermorden, abschlachten, hinmetzeln massacrer
a g’hörige Melange Mischung, Mixtur, Gemenge mélange
ach menno! aber nicht doch! mais non
sei Metier Beruf, Tätigkeit, Arbeit, Gewerbe métier
der mokiert sich spöttisch oder abfällig reden moquer
er montiert was zusammenbauen, aufbauen monter
a g’hörige Menage Familie, Gruppe ménage
Muckefuck Gerstenkaffee, falscher Kaffee mocca faux
lauter Nippes Tand, Trödel nippes
Oma macht a Omelett Rührei amelette / omelette
der isch ordinär gewöhnlich, unanständig, vulgär ordinaire
jetzt palavred se reden, diskutieren, schwatzen palabrer
mein Babbe Vater papa
mein Onkel Onkel oncle
mei Mamme Mutter maman
an Pedant kleinlicher Mensch, Außerschwäbischer 😉 pédant (Schulmeister)
pervers abartig, abnormal, verdorben pervers
Blaschtik Skulptur, Kunstwerk, Kunststoff plastique
pompös wuchtig, barock, überladen, prächtig pompeux
brekär heikel, problematisch, unsicher précaire
s’bressiert granademäßig eilig, hurtig, rasen presser
s‘ Püree Kartoffel-, Erbsen- Tomatenpüree, pürieren purée
s’geit Gwereele Zank, Streit, Zwist querelle
er räsoniert (sich) nachdenken, schimpfen, meckern, argumentieren raisonner
d’Kutsche in d’Remise dua Unterstand, Schuppen remise / remettre
sei Renomme isch hee Ruf, Ansehen, Ruhm renommée
sei Salär isch schmal Gehalt, Lohn, Sold salaire
mei Tante Nane tante
bring’s aufs Tapet auf den Tisch bringen mettre une affaire sur le tapis
s’isch trischt öde, traurig, langweilig triste
er nimmt Vakanz arbeitsfrei, Urlaub, vacances
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

oder gugged oifach do nei:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Gallizismen

Grüßle aus Kleinparis!

Kleinparis

Mehrere Städte Deutschlands nennen sich „Klein-Paris“ – so z.B. Leipzig, Güstrow und Düsseldorf. Der einzige Ort, der den Namen „Klein-Paris“ jedoch zu Recht und (wirklich) historisch verbürgt tragen darf, ist Krauchenwies:

„Krauchenwies wurde im 19. Jahrhundert im Volksmund als „Klein-Paris“ bezeichnet: In der Nachbarschaft des frühklassizistischen Schlosses wurde von der Herrschaft Hohenzollern-Sigmaringen 1828/1829 das neue Landhaus inmitten des fürstlichen Parks errichtet. Neben der prachtvollen Parkanlage gab es repräsentative Bürgerhäuser, Krauchenwies avancierte bald zum Treffpunkt gekrönter Häupter. So weilten hier unter anderem ➥Kaiser Wilhelm I. und ➥Kaiserin Augusta als Gäste“ (➥Wikipedia:Krauchenwies)

Fürstin Amalie Zephyrine konnte zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Mediatisierung durch Napoleon verhindern. 1806 nutzte Amalie ihre Beziehungen zum napoleonischen Hof, um sich zu Gunsten ihres Sohnes Karl für den Erhalt des Fürstentums Hohenzollern-Sigmaringen und dessen volle Souveränität einzusetzen. Sie konnte schließlich die drohende Mediatisierung zugunsten Württembergs oder Badens sowohl für Hohenzollern-Sigmaringen als auch für Hohenzollern-Hechingen abwenden. 

Sie pflegte beste Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten der Revolution wie Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord und Joséphine, der Witwe ihres ehemaligen Geliebten, welche 1796 Napoléon Bonaparte geheiratet hatte. Sie arrangierte die im Februar 1808 geschlossene Hochzeit ihres Sohnes Karl mit Antoinette Murat, Mündel von Joachim Murat, der mit Napoleon Bonapartes jüngster Schwester Caroline verheiratet war und zum Großherzog von Berg und König von Neapel aufstieg. Bereits in napoleonischer Zeit war der Ort dann ‚Klein-Paris‘ genannt worden, da durch die aus Frankreich stammende Erbprinzessin ➥Antoinette von Hohenzollern- Sigmaringen (1793–1847) viel französisches Flair in Krauchenwies eingezogen war. 

Um 1900 kleidete man sich galant nach französischer Mode:

Französische Mode um 1900
Französische Mode um 1900

¹Anmerkung zum Kabel: Erfunden von einem Schwaben, als er ein Pfennigstück so lange zwischen den Fingern herumdrehte, bis es 3 Meter lang war.

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