Allgäu – Literatur & Sagen
Sagen, Mythen, Brauchtum und Volksglaube
Der Teufel und der Doktor
Es war einmal ein Doktor im Allgäu, der ging öfters ins Gebirge, heilsame Kräuter zu suchen. Da kam er einst von ungefähr an einer großen Tanne vorbei und bemerkte, dass in einer ihrer Wurzeln ein kleines Zäpflein steckte. Wie er es so betrachtete, hörte er auf einmal eine dumpfe Stimme, die kam hinter dem Zäpflein aus der Wurzel. Da fing er an, an dem Zäpflein zu ziehen, und als er es herausgezogen hatte, da sprach die Stimme aus dem Löchlein: „Ich bin hier hinein gebannt und kann erst heraus, wenn du mich eigens herausrufst. Willst du das tun, so werde ich dir alle Heilkräutlein zeigen, die es im Gebirge gibt.“ Darauf der Doktor voll Freude: „So komm heraus!“ Da kroch etwas aus dem Loch und verschwand sogleich im Grasboden.
Plötzlich richtete sich ein hagerer Mann vor dem Doktor auf, der sprach zu ihm: „Komm mit!“ Und nun wanderten sie weit umher im Gebirge, und der Teufel zeigte ihm vieles, was er bisher nicht gekannt hatte. Das wäre nun alles recht gewesen, nur wurmte es den Doktor immer mehr, dass er um diesen Preis sollte dem Teufel wieder auf die Beine geholfen haben. Darum sann er auf ein Mittel, diesen wieder unschädlich zu machen. Darum sagte er zum Teufel: „Der euch in die Tanne hinein gebannt hat, muss doch ein mächtiger Mann gewesen sein, dass er imstande war, euch in ein so kleines Löchlein hineinzuzwängen. Aus eigener Macht könntet ihr euch doch wohl schwerlich so zusammenziehen.“ „O warum denn nicht? Das ist für mich eine Kleinigkeit.“ „Verzeiht,“ erwiderte darauf der Doktor, „ich halte zwar viel von eurer Macht und Kunst, kann mir aber trotzdem nicht denken, wie ihr das so mir nichts dir nichts fertigbringen solltet.“ „Was gilt’s; ich kann’s?“ „Vielleicht; aber ich möchte es doch lieber auch sehen.“
Da rief der Teufel: „Gib acht, wie leicht das geht!“ Sprach’s und kroch alsbald zum Löchlein hinein. Der Doktor aber hatte unterdessen das Zäpflein schon bereit gelegt. Schnell steckte er es hinter dem Teufel ins Löchlein und schlug es wieder fest hinein. So war der Teufel wieder eingesperrt wie vorher, indes der Doktor sich der Kräuter freute, die er nun kennen gelernt und die er zu Nutz und Frommen der Menschen zu verwenden gedachte.
Rudolf Kapff: Schwäbische Sagen, Jena 1926 (Deutscher Sagenschatz) Link: https://books.google.com/books?id=T7xZAAAAMAAJ S. 98
Historische Literatur
Schwaben
Baumann, Franz Ludwig (1846-1915):
➥ Die oberschwäbischen Bauern im März 1525 und die zwölf Artikel
Baumann, Franz Ludwig (1846-1915):
➥ Forschungen zur schwäbischen Geschichte, Kempten, 1899
Allgäu
Baader, Joseph: Chronik des Marktes Mittenwald, seiner Kirchen, Stiftungen und Umgegend, 1890.
Herausgegeben von Feurstein, Franz Michael, Georg Norbert Hilbrand und Johann Jakob Zengerle, daher auch „Feuersteinsche Chronik“ genannt.
➥ https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb00010369?page=4,5
Baumann, Franz Ludwig (1846-1915):
➥ Geschichte des Allgäus : von den ältesten Zeiten bis zum Beginne des neunzehnten Jahrhunderts / 1. Von der ältesten Zeit bis zur Zeit der schwäbischen Herzöge (1268) , Kempten, 1881
Baumann, Franz Ludwig (1846-1915):
➥ Geschichte des Allgäus : von den ältesten Zeiten bis zum Beginne des neunzehnten Jahrhunderts / 2. Das spätere Mittelalter : 1268 – 1517, Kempten, 1883-95
Baumann, Franz Ludwig (1846-1915):
➥ Geschichte des Allgäus : von den ältesten Zeiten bis zum Beginne des neunzehnten Jahrhunderts / 3. Die neuere Zeit : 1517 – 1802 , Kempten, 1894