Oberschwaben – historische Ortsansichten & regionale Sagen

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Leutkirch im Allgäu– Sehenswertes, Geschichte, Sagen, Mythen und Volksglaube der Region. Das „etwas andere“ Portal. Links, Landkarten, historische Ansichtskarten, Fotos, Ausflugsziele …

Inhalt

Gliederung

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    • Weitere Teilseiten zu Leutkirch im Allgäu
  • Ortsbeschreibung
  • Allgemeines
    • Fotos & Abbildungen
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  • Kunst, Kultur und Brauchtum
  • Geschichte
    • Glasherstellung im Kreuzthal
    • Leutkirch im III.Reich
  • Ausflüge und Sehenswertes
    • Elektrotechnisches Museum Leutkirch e.V.
    • Schloss Zeil
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    • Nachbargemeinden
    • Teilorte / Teilgemeinden
  • Sagen, Mythen und Geschichten
    • Das Graumännlein auf Schloss Zeil
    • Graumännlein auf Zeil
    • Der Eremit auf Gschnaid
    • Der große Stein auf Zaun
    • Der Schatz im Steinbühl
    • Die lange Jupp
    • Die Laustanne bei Leutkirch
    • Die Uhr auf Beil
    • Heilige Hostie unversehrt
    • Hexenritt
    • Wie Leutkirch entstand
    • Womit die Leutkirchner und die Isner einander foppten
  • Sitten und Gebräuche
    • Das Osterfest bei Leutkirch
    • Kinderbegräbnis auf der Leutkircher Haide
    • Nächtliches »Wachen« bei Leichen
    • Von Winkelehen
  • Volksglaube, Aberglaube
    • An Weihnachten zwischen 11 und 12 Uhr
    • Der Ostertauf
Leutkirch Teilansicht mit Straßenpartie 1899

Leutkirch Teilansicht mit Straßenpartie 1899


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Update: 18. August 2026

Weitere Teilseiten zu Leutkirch im Allgäu

➥ Geschichte von Leutkirch
➥ Ortsbeschreibung

Ortsbeschreibung

„Leutkirch im Allgäu ist eine (ehemalige) Reichsstadt mit rund 23.000 Einwohnern im Landkreis Ravensburg. Im Jahre 1293 wurden Leutkirch von König Adolf von Nassau die Rechte der Stadt Lindau verliehen; sie wurde so zur Reichsstadt. Das Hauptgewerbe der Stadt wurde der Leinwandhandel – wie in Isny. Die größte Zunft mit bis zu 200 Mitgliedern waren die Weber, deren Erzeugnisse bis nach Italien und Spanien gehandelt wurden. 1488 wurde Leutkirch Mitglied im Schwäbischen Bund und erlangte Sitz und Stimme auf dem Reichstag und im Schwäbischen Bund.

Leutkirch aus Merian Topografie Sueviae, S.159 von 1643

Leutkirch aus Merian Topografie Sueviae, S.159 von 1643

 

Die Altstadt von Leutkirch ist in wesentlichen Teilen seit der Frühen Neuzeit erhalten geblieben. Sie ist eine denkmalgeschützte Gesamtanlage nach § 19 Denkmalschutzgesetz Baden-Württemberg. Das Rathaus der ehemaligen Reichsstadt wurde 1740/1741 mit Walmdach erbaut. Der historische Sitzungssaal mit Stuckdecke stammt von Johannes Schütz.

Das Gotische Haus in der Marktstraße zählt zu den fünf bedeutendsten Denkmälern Südwürttembergs. Es wurde zwischen 1377 und 1379 erbaut. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg ernannte es zum Denkmal des Monats Juni 2008

Von der ehemaligen Stadtbefestigung sind noch der Bock- oder Blaserturm und der Pulverturm von 1693 erhalten.  Das ehemalige Kloster, das 1281 gestiftet wurde, diente nach der Auflösung 1804 ab 1853 als Schulhaus. Nach dem Neubau der Schule wurde es als Wohnhaus genutzt. Die katholische Stadtpfarrkirche („Leutekirche“) St. Martin, deren erster Vorgängerbau schon 848 erwähnt wurde, hat seit 1519 ihre heutige Form als spätgotische Hallenkirche.

Das 1508/09 errichtete Kornhaus diente bis in die Zeit des Zweiten Weltkrieges Handel und Lagerung landwirtschaftlicher Produkte. Bei der Sanierung 1965–1967 wurde das Fachwerk der inneren Außenwandschale wegen Fäulnis durch Mauerwerk ohne Holz ersetzt. Nach einem weiteren Umbau dient es seit 1989 als Bibliothek und Galerie.

Die Dreifaltigkeitskirche wurde von 1613 bis 1615 erbaut und war der erste evangelische Kirchenneubau im schwäbischen Oberland. Nach Schäden durch ein Erdbeben wurde sie 1857 bis 1860 in neugotischem Stil hergerichtet. 1972 wurden die meisten neugotischen Elemente entfernt und das Innere in einen modernen Kirchensaal und mehrere Gemeinderäume unterteilt.

Das 1408 erbaute Spital dient heute als Stadtbauamt. Das Schlösschen Hummelsberg wurde 1636 von der Ulmer Patrizierfamilie Furttenbach errichtet.

In den 1930er Jahren bauten die Nationalsozialisten unterhalb der Wilhelmshöhe einen Thingplatz.“¹

Allgemeines

➥ Internetauftritt der Stadt Leutkirch
➥ Wikipedia:Leutkirch
➥ Alemannische Wikipedia:Leutkirch
➥ Wikisource: Historische Quellen zu Leutkirch

Fotos & Abbildungen

Gruss_aus_Leutkirch_Bahnhof_um_1900_800 Leutkirch_Gruss_aus_Gebrazhofen_1910_800 Leutkirch_Ortsansicht_mit-Wilhelmshoehe_um_1910_800 Leutkirch_Ortsansicht_mit_Kirchen_um_1910_800 Leutkirch_Strassenpartie_mit_Passanten_und_Kutsche_1905_800 Leutkirch_Ortsansicht_mit_Umland_und_Hoizen_1933_800 Leutkirch_Partie_an_der_Schule_1920_800 Gasthof_zum_Pflug_Post_Leutkirch_1903_800 Leutkirch_Ortsansicht_mit_Strasse_und_Bahnanlagen_1902_800 Leutkirch_Teilansicht_mit_Strassenpartie_1899_800 Leutkirch_Marktplatz_mit_Geschaeft_und_Brunnen_1916_800 Leutkirch_Blick_vom_Bahnhof_unbekannter_Fotograf_1909_800 Leutkirch_Ansicht_mit_Strassenpartie_und_Wilhelmshoehe_1906_800 Leutkirch_Teilansicht_mit_Strassenpartie_1905_800 Leutkirch_Bezirkskrankenhaus_1916_800
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➥ Bildersammlung auf Wikimedia-Commons
➥ Leutkirch auf ‚Tumblr‘
➥ Leutkirch auf ‚Pinterest‘
➥ Leutkirch auf ‚Flickr‘

Kartonmodelle

Dieter Welz hat auf seiner Website ➥ https://www.wediul-kartonmodelle.de/modellkatalog.htm einige Kartonmodelle zur Verfügung gestellt.

Kunst, Kultur und Brauchtum

➥ Kultur und Sehenswürdigkeiten (Wikipedia)
➥ Leutkirch auf ‚Bildindex‘
➥ Leutkirch auf ‚Google-Art‘

Geschichte

Glasherstellung im Kreuzthal

Im Kreuztal liegt das ehemalige Glasmacherdorf ➥ Schmidsfelden. Infos zur Glasherstellung und zur Geschichte finden sich in dieser Broschüre:
➥ https://www.landratsamt-unterallgaeu.de/fileadmin/eigene_dateien/LRA/Aktuelles/Ausstellungen/Broschuere_Glas.pdf

Leutkirch im III.Reich

Zum Gemeindegebiet gehört Urlau. Hier befand sich die Heeresmunitionsanstalt (kurz: Muna Urlau). Es war eine Munitionsanstalt zur Fertigstellung von Granaten und ein Lager für Munition und chemische Waffen im Zweiten Weltkrieg. Am 19. März 1945 erließ Adolf Hitler den sogenannten Nerobefehl, laut dem alle militärische Infrastruktur in Deutschland vernichtet werden sollte. Viele deutsche Militärs scheuten aber die Sprengung der Giftgasvorräte, darunter vorwiegend Kampfstoffe wie ➥ Sarin,  ➥ Tabun, ➥ Phosgen, ➥ Adamsit und ➥ Lost.
Anstaltsleiter Major Günther Zöller entschied gegen ausdrücklichen Befehl, das Lager nicht zu sprengen. Da ihm wegen Befehlsverweigerung mit Hinrichtung gedroht wurde, ließ er zum Schein falsche Sprengtermine verbreiten. An die Bevölkerung wurden Gasmasken, Gasjäckchen für Kleinkinder und Gasbettchen für Säuglinge verteilt. Es kam zu Panik und Massenflucht aus Urlau und den Weilern der Umgebung. Trotz in weiten Teilen bereits zerstörter Infrastruktur konnte Zöller mehrere tausend Tonnen der Kampfstoffe per Bahn an die Ostsee transportieren lassen, wo sie im Kleinen Belt versenkt wurden und dort bis heute die Fischbestände schädigen. Das Allgäu wurde so vor einer Katastrophe bewahrt. Zöller schickte den einrückenden Franzosen als Parlamentär den Toxikologen Dr. Friedrich Jung mit einer weißen Fahne entgegen und übergab ihnen am 28. April 1945 die Muna mitsamt verbliebenen 10.000 Tonnen Kampfstoffen und den vorbereiteten Sprengladungen.
Später wurde die Anlage von der Bundeswehr und den US-amerikanischen Streitkräften als Munitions- und Raketenlager genutzt. Die Muna war von 1945 bis 1960 als kampfmittelverseuchtes Sperrgebiet deklariert. Bis in die 1990er Jahre rollten immer wieder Munitionszüge durch Leutkirch, insbesondere während des zweiten Golfkrieges. Die sich hartnäckig haltenden Gerüchte, in Urlau seien US-amerikanische atomare Sprengkörper gelagert, wurden nie bestätigt. 2007 gab die Bundeswehr den Standort Urlau endgültig auf, auf den Gleisanschluss hatte man bereits Jahre zuvor verzichtet.
Eine Dauerausstellung im Museum im Bock in Leutkirch zeigt die Geschichte der Muna Urlau anhand von Filmen, Fotos und Texten, Objekten und Relikten.
Quellen: Gebhard Blank u.a.: Die Geschichte der Muna Urlau, 204 Seiten, über 300 Abbildungen, ISBN 9783000227486
➥ https://de.wikipedia.org/wiki/Heeresmunitionsanstalt_Urlau
➥ https://web.archive.org/web/20101121044305/http://www.gebhard-blank.de/akmu/vorstell1.htm (private Webseite von Leutkircher Heimatforschern, abrufbar auf archive.org)

Ausflüge und Sehenswertes

➥ Liste der Kulturdenkmale in Leutkirch im_Allgäu
➥ Wikivoyage: Leutkirch (Projekt der Wikimedia)
➥ Wikitravel: Leutkirch

Elektrotechnisches Museum Leutkirch e.V.

Das Museum präsentiert seit seiner Eröffnung 1998 auf über 400m² elektrische Geräte ab dem Jahre 1900.
Leutkirch, Eichenstraße 3

➥ https://www.etm-leutkirch.de/

Schloss Zeil

➥ Schloss Zeil steht fünf Kilometer nördlich der Kernstadt auf einem Berg am entgegengesetzten Rand des Talbeckens oberhalb des Dorfes Unterzeil. Das Renaissance-Bauwerk kann nur von außen besichtigt werden. Frei zugänglich ist die zum Schlosskomplex gehörende ➥ Pfarrkirche St. Maria.
(Informationen zum Teil aus wikipedia.org eingebunden)

Karten

Links oben in der Karte können Sie mit + und – den Maßstab der Darstellung ändern. Durch Festhalten des Mauszeigers lässt sich der Ausschnitt verschieben.

Karte eingebunden aus OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL.
➥ Luftlinie-org berechnet die Luftlinienentfernung
sowie die Straßenentfernung zwischen zwei Orten und stellt beide auf der Landkarte dar.

Webcams

➥ Stadt Leutkirch – Rathausplatz und andere
➥ Flugplatz Leutkirch-Unterzeil

Nachbargemeinden

➥ angrenzende Städte und Gemeinden (aus Wikipedia)

Teilorte / Teilgemeinden

➥ Ortschaften und Wohnplätze von Leutkirch (aus Wikipedia)

Die Große Kreisstadt Leutkirch im Allgäu besteht neben der eigentlichen Kernstadt aus insgesamt acht eingegliederten Ortschaften (Teilorten). Diese ehemaligen Gemeinden besitzen jeweils eine eigene Ortsverwaltung mit einem Ortsvorsteher:

  • Diepoldshofen
  • Friesenhofen
  • Gebrazhofen
  • Herlazhofen (flächenmäßig und nach Einwohnern der größte Teilort)
  • Hofs
  • Reichenhofen (bekannt durch das Schloss Zeil)
  • Winterstetten (mit dem historischen Glasmacherdorf Schmidsfelden)
  • Wuchzenhofen

Zu diesen acht großen Ortschaften gehören wiederum zahlreiche kleinere Wohnplätze, Weiler und Dörfer (wie zum Beispiel Ausnang zu Hofs, Tautenhofen zu Herlazhofen oder Adrazhofen zu Wuchzenhofen). Insgesamt zählt das Stadtgebiet von Leutkirch durch diese Struktur weit über 200 einzelne Wohnplätze, was sie flächenmäßig zu einer der größten Gemeinden in Baden-Württemberg macht. (Text erstellt per KI)

Sagen, Mythen und Geschichten

Das Graumännlein auf Schloss Zeil

Auf Schloss Zeil im Oberland erscheint ein Graumännlein, so oft auf Schloß Zeil Glied der Familie stirbt. Es ist ganz klein von Gestalt, hat lange, graue Haare, einen grauen Bart und ein aschgraues Mäntelein. Es kommt aus dem großen Schlosskeller herauf, geht durch alle Gemächer und durchstöbert alles, wozu es gelangen kann. Wenn es seine Runde durch’s Schloss gemacht hat, so geht es wieder dahin, woher es gekommen ist. Man hat’s schon oft gesehen. Als der alte Fürst starb, kam es auch wieder, seitdem aber nicht mehr.
Quelle: Rudolf Kapff: Schwäbische Sagen, Jena, 1926 Permalink: https://archive.org/details/kapff-schwaebische-sagen/page/52

Graumännlein auf Zeil

In dem Schlosse Waldburg-Zeil erscheint jedes Mal, so oft ein Glied der fürstlichen Familie stirbt, das Graumännlein; es ist ganz klein von Gestalt, hat graue uralte Haare und ein aschgraues Mäntelchen. Aus den großen unterirdischen Kellern und Gewölben kommt das Graumännlein herauf ins Schloß, geht durch alle Gemächer und durchstöbert alles. Hat es die Runde gemacht, so kehrt es wieder zurück, von wo es gekommen. Man hat’s schon oft gesehen. Als der alte Fürst starb, kam es auch wieder, seither aber nicht mehr.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 45. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004561368

Der Eremit auf Gschnaid

Zwischen Frauenzell und Kemrazhofen an der württembergischen und bairischen Grenze liegt in einer einsamen öden Gegend ein dick bewaldeter Hügel mit einem ebenen, mächtig großen Platze oben. Dieser Hügel heißt »Gschnaid«.

Als vor Zeiten mal in Kempten ein Kloster aufgehoben wurde, zogen zwei Klosterherren aus, jeder den entgegengesetzten Weg. Der Eine von ihnen kam auch in diese Wildnis. Alles war voll Moor und Sumpf, weithin war[419] kein Obstbaum zu sehen. Hier baute er eine Hütte und lebte von Wurzeln und führte ein gar frommes Leben. Aber er wusste nicht, wo er eine Quelle fände, um seinen Durst zu löschen. Da bemerkte er mal, wie alle Tage eine Schar wilder Raben einem Orte unten an dem Hügel zufliege, und gewiss sei dort eine Quelle. Er zog ihnen nach und fand richtig ein Brünnlein, eine Viertelstunde über steilen Felsen drunten. Das Brünnlein selbst ergießt sich, kaum ans Licht getreten, schon wieder in einen Felsen. Dahin kam der Einsiedler täglich.

Mal nach langer Zeit kam auch der andere Einsiedler, der etwas jünger war, in diese Gegend, um den alten Freund aufzusuchen. Er hatte seine Fußspuren im Schnee (vom Brünnlein an) verfolgt und gelangte zu der Hütte. Da fand er den ehemaligen Freund, der aber nichts mehr von der Welt wissen wollte und ihn von dannen gehen hieß. Er solle nach vielen Jahren wieder kommen und dann nach ihm sehen, wenn er gestorben sei. Er kam dann nach langer langer Zeit wieder. Der Einsiedler hatte ihm streng verboten, Jemanden etwas von seinem Aufenthalt zu sagen. Da traf er die Hütte wieder, dabei ein Grab; drinnen lag sein Leichnam und alles mögliche Gestrüpp, verfaultes Holz etc. auf ihm. Man machte Anstalten, um ihn zu begraben und nach Frauenzell zu führen. Trug ihn herunter zum Brünnlein und lud ihn auf einen Wagen. Aber allemal kehrten die Zugtiere wieder um, dem Berge hinauf zu, und sie waren nicht weiter zu bringen. Darin sah man eine höhere Weisung und begrub den Leichnam droben. Bald erhob sich über dem Grabe eine kleine Kapelle und ein Kreuz. Allgemein war jetzt die Verehrung des Einsiedlers, und die Kapelle wurde nach und nach eine berühmte Wallfahrt. – Eine Unzahl, man sagt an die Tausende, kleiner und großer hölzerner Kreuze sieht man droben, ja bis ans Brünnlein herunter alles voll, und bis weit in den Wald hinein. Diese Kreuze werden oft von Wallfahrern zehn bis zwölf Stunden weit hergebracht.

Jeder Wallfahrer opfert nach Vermögen; alle möglichen Schmucksachen legt man auf die Altäre; der fromme Glaube weiß sogar von dem Opferbewahrer, der mal frevelte und etwas bei Seite tat, dass er habe nicht mehr wegkommen können, bis er durch des Priesters von Frauenzell Hülfe befreit worden sei. Besonders häufig werden Werg (=Fett, W.A.) und Garn unter dem Geopferten gesehen. Auch nehmen Augenleidende von des Eremiten Brünnlein Wasser mit; es soll heilsam sein. – Woher der Heilige war und wie sein Name gewesen, weiß Niemand. (Mündlich von Leutkirch)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 419-421, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004569652

Der große Stein auf Zaun

Zwischen Meggen und Dettishofen (0.-A. Leutkirch) erhebt sich von der Argen auf ein Höhenzug, der von dem tiefen Eschachtobel auf der Ost- und Nordseite begrenzt ist und oben eine ebene Fläche bildet. Auf dieser nach drei Seiten steil abfallenden Landzunge, Zaun genannt, ruht ein ungemein großer Felsblock, von dem früher immer die wunderliche Sage ging, man habe auf ihm einstens Messe gelesen. Jetzt ist der Platz mit Tannen und Gestrüpp bewachsen und teilweise Wald. (Ratzenried, Gebrathofen)
Quelle: Karl August Reiser: Sagen, Gebräuche und Sprichwörter des Allgäus, Kempten, 1895, S.434, https://www.google.de/books/edition/Sagen_Gebräuche_und_Sprichwörter_des_A/SczGjV41q_sC

Der Schatz im Steinbühl

Im Steinbühl zwischen Luttolsberg und Frauenzell, bei Leutkirch an der bairischen Grenze, ist ein Schatz verborgen: eine große Kiste Geld. Alle sieben Jahre „sönnelt“ (sonnt)‚ er sich oben auf dem Hügel und versinkt wieder. Einstmals, vor vielen Jahren, gingen Bauern von Luttolsberg und Frauenzell auf den Steinbühl, um den Schatz zu heben. Es schlug auf einem entfernten Kirchturm zwölfe. Sie gruben über Hals und Kopf und kamen auf eine schwere, schwere Kiste. Aber auf der saß eine kohlrabenschwarze Katz, mit feurigen Augen, wie Pflugrädlein. Die Kiste wurde heraufgewogen, aber da, wo sie am weitesten heroben, sprang die hässliche Katze hin und sie sank wieder. Kein sterbigs Wörtlein durfte einem über die Lippen kommen. Auf einmal, erschien am Wald drüben ein steinaltes Weiblein und umkreiste den Hügel; immer lauter und lauter rief sie: „Lasst das Graben, thut’s bei Tag!” Unwillig darüber, kam einem von den Luttolsberger Bauern das Fluchen, und er fing den rechten Weg an. Im selben Augenblick stürzte Katze und Kiste wieder in den Abgrund des Steinbühl. Hätten sie reinen Mund gehalten, so hätten sie gewiss den Schatz bekommen.
Quelle: Birlinger, Anton: „Volksthümliches aus Schwaben“, 1861, https://archive.org/details/volksthmlichesa00birlgoog/page/81/mode/2up?view=theater, Seite 81

Die lange Jupp

Bei Zeil ist ein gespenstisches Weib im Wald, » die lang Jupp« genannt wegen ihrer langen Juppe (Weiberrock), welche bei Nacht die Leute irre führt. Einer hat schon vergebens auf sie geschossen.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 250, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004566416

Die Laustanne bei Leutkirch

Nicht weit von Leutkirch ist eine Tanne, die man nur die »Laustanne« heißt. Dort sollen allemal die Handwerksbursche geruht, sich ihrer Läuse entledigt haben. An diese Tanne knüpft sich die Sage von einer einst stattfindenden großen Völkerschlacht. So viele Leute werden einst umkommen, dass die ganze Leutkircher Heide ein Blutbad sein wird. Alsdann wird der Türk dort seine Rüstung aufhängen, und sein Rösslein anbinden.

[Das Wort »Laus« in Zusammensetzungen als Name für Feldhügel, Waldname ist mir nicht klar. Ein »Lausbühl« ist in Rottenburger Markung; einer bei Reutlingen. »Lausweiher«, ein ehemaliger Weiher bei Uttenweiler. »Laushalderthal« oder gewöhnlich »Laushalde« bei St. Moriz (Blauthal). »Laußrain« bei Metzingen. Rechenmeister 263. (Vielleicht der obenerwähnte bei Reutlingen.) »Lauswiese«, »ain wislin ihm Illenthal an der Laußwiß«. Mülheimer (a.D.) Urbar v. 1610. S. 50. – Kann vielleicht an die »Armalausen« auf der Peutingerschen Tafel erinnert werden? Oder liegt diesen Flurnamen ein mhd. lusse zu Grunde?]

{Anmerkung, W.A.: „Das dem Namen vorangestellte Bestimmungswort Lus-, Luss-, oder Luz- geht auf das mittelhochdeutsche luz, luze, „Versteck, Lauer“ und dem alt- und mittelhochdeutschen luzen, „verborgen liegen, heimlich lauern“ zurück. Mit L(a)usheim ist also ein Ort gemeint, der verborgen, versteckt liegt.“ https://bz-ticket.de/warum-heisst-lausheim-lausheim–63542533.html
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 185-186. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564413

Die Uhr auf Beil

Im Rittersaal auf Zeil soll eine große Uhr sein. Sie fängt an zu gehen nur wenn der Tod des Fürsten nahe ist. Lange Zeit ging sie nicht mehr, trotz aller Versuche und Mühe um sie; auf einmal fing sie zu rasseln an mit einem Schlag: der alte Fürst starb.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 242, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004566254

Heilige Hostie unversehrt

Waren mal zwei Müller gesessen zwischen Memmingen und Ottobeuren bei Benningen, und die waren gar spännig miteinander. Der Eine war voll Neids über den Andern vom kleinen Zehen bis auf den Scheitel. Er beschloss, seinen Nachbar um jeden Preis zu vertilgen, und tat Folgendes, wie die Sage geht. Es ist ein Glaube von gewissen Leuten, mit der hl. Hostie vom grünen Donnerstag könne man besonderen Zauber treiben. Der böse Müller ging zur hl. Kommunion am grünen Donnerstag, nahm die hl. Hostie wieder aus dem Munde, schob sie in sein Sacktuch und trug sie heim. Des Abends selbigen Tags begab er sich von Hause fort, hinterließ, er wolle diese Nacht wachen, wie Christus, der Herr und Meister, am Ölberg gewacht habe. Festen Schrittes ging’s der andern Mühle zu und warf den hl. Leib in die Räder. Kaum war die Untat vollbracht, da rief es deutlich aus den Mühlrädern dreimal:
»Mal it, mal it das höchste Gut!«
Das Mühlwerk stand wie mit einem Schlag still. Man untersuchte die Sache, fand die hl. Hostie unversehrt. Im selbigen Augenblicke stürzte dem ruchlosen Frevler seine Mühle mit Höllengekrach zusammen, versank mit Mann und Maus. So erzählt das Volk. Die hl. Hostie ist abgeholt worden mit Kreuz und Fahnen von der ganzen Geistlichkeit nach Memmingen, wo sie viele hundert Jahre aufbewahrt worden sein soll. An der Stelle des Wunders erhob sich bald eine Kapelle.
[In Ottobeuren in der Klosterkirche sollen Plafondgemälde diese Geschichte darstellen.]
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 384-385, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004569229

Hexenritt

War mal im Oberland ein Mann und eine Frau. Die Frau war eine Hexe und fuhr viele Nächte immer fort. Ihr Mann merkte, dass sie nicht selten Nachts gar nicht daheim im Bett sei, wusste aber nicht recht, wessen Geschäftes wegen. Einmal schlich er ihr nach, schaute von der Stube zum kleinen Küchenfensterle hinein. Gerade langte die Frau einen Besenstiel, nahm ein Sälblein vom Kamin herab, bestrich ihn, setzte sich darauf und fuhr durch den Rauch hinauf. Der Mann hörte rufen: »Hopp, hopp auf und nёene nã!« Der Mann nicht faul, machte es auch so und fuhr wie’s Wetter durch’s Kamin. Kam nach langer Luftfahrt in einen ungeheuren Saal, wo großer Hexentanz war. Über die Maßen ging’s lustig her, von Mitternacht bis gegen Morgen. Auf einmal hörte er ein Munkeln im großen Gewühle: jetzt läutet man’s Bett! Husch! Alles zerstob und war wie weggeblasen. Der gute Mann wusste nicht, was dies zu bedeuten, hörte läuten eine ferne Frühglocke. Gut! er hat sich verspätet. Auf einmal saß er jämmerlich auf weitem ödem Felde, wo nichts als Gräber und Totengerippe zu sehen waren, in landfremder Gegend. Zwei Jahre brauchte er, bis er wieder in seine Heimat kam (Mündlich von Leutkirch)
[Über die Hexensalben siehe »Leubuscher«, über die Wehrwölfe und Tierverwandlungen im Mittelalter. Berlin 1850. 8°. S. 41 ff. Kuhn und Schwarz, nordd. Sagen S. 154. 217. 2. 71]
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 309-310, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567641

Wie Leutkirch entstand

Vor uralten Zeiten soll da, wo jetzt Leutkirch steht, nur eine kleine „ Leutkapelle“ gewesen sein. So oft die Leute der Umgebung zu der Kapelle kamen, sollen sie jedesmal, oft gar weit her, Stein und Holz mit sich geschleppt haben. Es geschah, daß bald die so genannte „ Allerleutskirche“ erbaut werden konnte. Bis von Aitrach herauf sollen Leute Stein und Holz geschafft haben.
Quelle: Karl August Reiser: Sagen, Gebräuche und Sprichwörter des Allgäus, Kempten, 1895, S.486, https://www.google.de/books/edition/Sagen_Gebräuche_und_Sprichwörter_des_A/SczGjV41q_sC

Womit die Leutkirchner und die Isner einander foppten

Die Jsner wurden früher von den Leutkirchnern gerne „mit ihren luimenen Glocken “ aufgezwickt, indem ihnen vorgehalten wurde, dass sie einstmals, um an Kosten zu sparen oder aus sonstigen Gründen ein Turmgeläute aus Lehm hergestellt hätten, um am Sonntag damit die frommen Gläubigen zum Gottesdienst zusammenrufen zu können. Die Jsner leugneten nun zwar nicht, das sie mit den neuen seltsamen Glocken nicht viel Glück gehabt hätten, meinten aber, die „Luitkircher“ brauchten gar nichts zu sagen, denn die hätten lange Zeit überhaupt keine Kirchenglocken gehabt und sich damit beholfen, dass der Mesmer sich jedesmal unter die Fensteröffnungen des Turmes stellte, zwei Finger in den Mund steckte und einen grellen Pfiff ausstieß. Dann habe er mit den Armen herumgefuchtelt und den Leuten „zugewunken“, dass sie kommen sollen. (Jsny)
Quelle: Karl August Reiser: Sagen, Gebräuche und Sprichwörter des Allgäus, Kempten, 1895, S.522, https://www.google.de/books/edition/Sagen_Gebräuche_und_Sprichwörter_des_A/SczGjV41q_sC

Sitten und Gebräuche

Das Osterfest bei Leutkirch

In Reichenhofen, Beuren, Merazhofen, Christazhofen, Diepoldshofen wird das Osterfest, der Ostersonntag, besonders gefeiert. Man geht auf den Höfen da nicht in die Vesper, sondern es wird gefestet bis Abends und gegessen, dass es den Bauern oft die ganze Woche hinein nicht wohl ist. Das Festessen bilden die Nudeln und Bratknöpfle, Rindfleisch, Kraut, geräucherter Speck, Schnitz, dürre Birnen, geräuchertes Rind- oder Hagenfleisch, dreieckige Küechleszelta (aus Nudelteig mit saurem Rahm oder Butter angemacht). Als Nachtisch kommt das Lamm mit rotem Halsband, eine Siegesfahne hinterm Ohr angelehnt aus Backwerk (von Lebkuchen), ganz weiß aus Butter.
Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 81-82. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004574508

Kinderbegräbnis auf der Leutkircher Haide

Wird auf der Leutkircher Haide ein Kind begraben, so kommen diejenigen, welche mit der Leiche gehen, vor derselben in’s Haus und sagen zu den Eltern: »Gott sei Lob und Dank, dass ihr einen Engel im Himmel habt!«
Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 408. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004577892

Nächtliches »Wachen« bei Leichen

Ist im Allgäu und auf der Leutkircher Heide ein Lediges gestorben, oft auch beim Tode Verheirateter, so kommen ledige Leute beiderlei Geschlechts zusammen im Hause, die den Verstorbenen besonders gut kannten, verwandt waren, oder in der Nachbarschaft wohnten. Sie wachten, so lange der Leichnam im Hause lag, drei Nächte lang. Der Tote wird gleich in den Hausörn auf eine Schranne gelegt. Da wird dann Bier getrunken und gezecht, Küchlein und Kaffee aufgetischt, Weißbrot gebacken und endlich getanzt und gelärmt. Um 12 Uhr wird innegehalten und ein Psalter gebetet. Hernach geht’s wieder von neuem an, und zuletzt wird wieder getanzt, die Mädchen in bloßen Strümpfen: die Sache ist hergebracht und geduldet; jetzt noch. Es mögen oft 16-18 Personen beisammen sein. So dauert’s fort bis gegen Morgen.

Der Schwabe unterscheidet wie der Oberpfälzer zwischen Leich und Leicht; letzteres Wort ist nur die Leichenprozession, »mit der Leicht geõ«.
Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 406-407. Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000457785X

Von Winkelehen

»Wann zwai ohne ofentliche Taghaltung einander nehmben wöllen, sollen sie von Stunt an zum wenigsten zwaien erbaren Männern öffnen vnd anzaigen. Dann so das nit geschieht, vnd offenbar wart, daß sie vor bekanter ehe sich mit einandern vermischt, sollen sie nit zum Kirchgang gelassen werden, biß sie sich der Salzscheiben halber abfindig gemacht haben oder mit fengknus gestraft werden«

Erbtruchsäßisch Zeilische Statuten und Lants-Ordnungen Anno 1605. Der Herrschaft Zeil im Thal und ufm Berg Gebot und Verbot. Der 30. Titul.
Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 224. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004576233

Volksglaube, Aberglaube

An Weihnachten zwischen 11 und 12 Uhr

…Nachts hat der Teufel freien Lauf; da bietet er all‘ seine Gewalt auf, um Seelen zu gewinnen. (Leutkirch – Haide)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 467. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570731

Der Ostertauf

Den Ostertauf vom Charsamstag behält man in der Gegend von Wangen, Leutkirch, Ravensburg das ganze Jahr hindurch auf. Man besprengt sich am Andreasabend, in der Christnacht und andern Nächten, von denen man glaubt, sie seien nicht geheuer. Wenn kleine Kinder mit dem Schnaufen herb thun, was in gewissen Gegenden vom »Schrexle« herrühren soll, so besprengt man sie gleich mit dem Ostertauf, und so wird ihnen geholfen.
Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 83-84. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004574540

 


1 Informationen zusammengestellt bzw. zitiert aus Wikipedia (Quelle siehe „Allgemeines“)

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