Oberschwaben – historische Ortsansichten & regionale Sagen

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Tuttlingen – Sehenswertes, Geschichte und Insidertipps. Das etwas andere Portal zu Tuttlingen in Oberschwaben. Hier gibt es nützliche Links, (alte und neue) Karten, Fotos, Ausflugsziele, Sagen, Mythen, Geschichten und Gebräuche

Inhalt

Gliederung

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  • Allgemeines
    • Historische Lexikoneinträge
  • Karten
  • Fotos & Abbildungen
  • Kunst, Kultur und Brauchtum
  • Geschichte
  • Ausflüge und Sehenswertes
  • Natur & Parks
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  • Nachbargemeinden
  • Teilgemeinden und Ortschaften
  • Sagen, Mythen und Geschichten
    • Das Kistenmännlein oder Kellermännlein
    • Der Jäger auf der Wallenburg
    • Der Schäfer am Grünenberg
    • Der Schlapphut im Urselenthäle
    • Des edlen Möringers Wallfahrt
    • Die Tuttlinger
    • Die Duttfee (Duttenthal)
    • Die Zauberinnen im Heiligentäle bei Tuttlingen
    • Kaiser Friedrich III. in Tuttlingen
    • Wie die Tuttlinger lutherisch worden sind
    • Wie Einer einen Bindnagel schnitt
    • Vom Conzenberg
  • Sitten und Gebräuche
    • Begräbnissitten zu Tuttlingen
      • Bei Kindsleichen unter sechs Jahren
      • Bei Schulkindern
      • Bei Confirmanden und Erwachsenen
    • Hochzeitsitten in Tuttlingen
    • Taufsitten zu Tuttlingen
Merian Ansicht von Tuttlingen mit Honberg,1640

Merian Ansicht von Tuttlingen mit Honberg,1640


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Update: 18. August 2026

Allgemeines

➥ Internetauftritt der Stadt / Gemeinde
➥ Wikipediaeintrag
➥ Alemannische Wikipedia
➥ Wikisource: Historische Quellen und Schriften

Historische Lexikoneinträge

Tuttlingen (Meyers 1909)
Oberamtsstadt im württembergischen Schwarzwaldkreis, an der Donau, unweit der badischen Grenze, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Rottweil-Immendingen und Ulm-T., 645 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Denkmal des hier gebornen Dichters Max Schneckenburger, eine Latein- und Realschule, eine höhere Handelsschule für Mädchen, eine Kinderrettungs- und Erziehungsanstalt, ein Amtsgericht, 2 Forstämter, Reichsbanknebenstelle, Schuhfabrikation, Fabriken für chirurgische Instrumente, Messer, Leder, Trikot- und Wollwaren,[842] Bierbrauerei, berühmte Nelkenzüchterei, einen Wollmarkt, Getreidehandel und (1905) 14,627 Einw. (da »von 3777 Katholiken und 16 Juden). In der Nähe das königliche Eisenhammerwerk Ludwigsthal. Über der Stadt liegen die Ruinen des Schlosses Honberg, das im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Südöstlich davon, meist auf badischem Gebiete, die Tuttlinger Höhe (864 m) mit Aussicht nach den Alpen. – T., aus einer römischen Ansiedelung hervorgegangen, gehörte im Mittelalter zur Grafschaft Baar (s. d.) und kam 1404 an Württemberg. Hier siegten 24. Nov. 1643 die Österreicher und Bayern unter Johann v. Werth, Hatzfeld und Mercy über die Franzosen unter dem Grafen Rantzau.
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909, S. 842-843.
Permalink: http://www.zeno.org/nid/20007617828

Tuttlingen (Pierer 1864)
1) Oberamt im württembergischen Schwarzwaldkreise; 51/2 QM., 28,800 Ew.;
2) Hauptstadt hier, an der Donau, in der Baar, Armen- u. Krankenhaus (Katharinenstift); 5600 Ew., welche sehr gewerbfleißig sind u. einen lebhaften Absatz nach der Schweiz haben, große Wollenspinnerei, Strumpfwirkerei, Tuch- u. Wollenzeugweberei, Leimsiederei, Gerbereien, Messerschmiede etc. Dabei das Eisenwerk Ludwigsthal; zur Gemeinde gehört auch die Schloßruine Hohentwiel (s.d.) u. die Ruinen des Schlosses Honberg, welches im Dreißigjährigen Kriege zerstört wurde. – Im 14. Jahrh. besaßen T. nach einander die Herren von Wartenberg u. von Sulz, wahrscheinlich kam es 1471 mit Sulz an Württemberg. 1635 übergab es der Kaiser dem Grafen Schlik. Hier 1643 Sieg der Österreicher u. Baiern unter Hatzfeld u. Mercy über die Franzosen unter Rantzau, s.u. Dreißigjähriger Krieg S. 324. Im Westfälischen Frieden kam es wieder an Württemberg; 1803 brannte die Stadt ganz ab.
Quelle: Pierer’s Universal-Lexikon, Band 18. Altenburg 1864, S. 84.
Permalink: http://www.zeno.org/nid/20011161612

Karten

➥ Luftlinie-org berechnet die Luftlinienentfernung
sowie die Straßenentfernung zwischen zwei Orten und stellt beide auf der Landkarte dar. Startort ist Tuttlingen, den Zielort müssen Sie noch wählen. Voreingetragen ist ➥ Bisoro in Burundi

[cbxgooglemap width=“100%“ height=“300″ zoom=“13″ scrollwheel=“1″ showinfo=“0″ infow_open=“1″ maptype=“roadmap“ lat=“47.984444″ lng=“8.818611″] Karte eingebunden aus https://www.openstreetmap.de/

Fotos & Abbildungen

Die hier gezeigten Bilder wurden von mir erstellt, falls nicht anders vermerkt oder aus anderen Quellen eingebunden.

➥ Bildersammlung auf Wikimedia-Commons
➥ Abbildungen auf Tumblr
➥ Infos und Fotos auf Pinterest
➥ Filme in der ARD-Retro-Mediathek (Filmbeiträge der 60er-Jahre)

Gruss_aus_Tuttlingen_1897_800
Gruss_aus_Tuttlingen_Bahnhof_um_1900_800
Tuttlingen_Donaubruecke_um_1900_800
Tuttlingen_Bahnhofstrasse_um_1900_800
Tuttlingen_Kameralamt_um_1900_800
Tuttlingen_Marktplatz_um_1850_800
Tuttlingen_Marktplatz_um_1890_800
Tuttlingen_Marktplatz_um_1900_800
Tuttlingen_Partie_beim_Bahnhof_Eugen_Felle_1901_800
Tuttlingen_Partie_beim_Bahnhof_um_1900_800
Tuttlingen_Rundes_Eck_um_1920_800
Tuttlingen_Stadtgarten_u_Honberg_um_1900_800
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Kunst, Kultur und Brauchtum

➥ Kultur und Sehenswürdigkeiten (Wikipedia)
➥ Abbildungen auf ‚Bildindex‘
➥ Bilder auf ‚Google-Art‘
➥ Tuttlingen auf ‚Zeno-Org‘
➥ Suchfunktion nutzen für Tuttlingen auf leo-bw.de
(Karten, Archivmaterialien und Luftaufnahmen vom Landesarchiv Baden-Württemberg)
➥ Alphabetisch sortiertes Verzeichnis auf www.kloester-bw.de
Beschreibungen vom Landesarchiv Baden-Württemberg

Geschichte

Ortsbeschreibung von Merian: ➥ https://de.wikisource.org/wiki/Topographia_Sueviae:_Tuttlingen

Ausflüge und Sehenswertes

➥ Wikivoyage – Projekt der Wikimedia
➥ Wikitravel – der freie Reiseführer

Natur & Parks

Webcams

➥ Webcams in Tuttlingen und Umgebung

Nachbargemeinden

➥ angrenzende Städte und Gemeinden (aus Wikipedia)

Teilgemeinden und Ortschaften

➥ Ortschaften und Wohnplätze von Tuttlingen (aus Wikipedia)

Sagen, Mythen und Geschichten

Sagen und Mythen

Das Kistenmännlein oder Kellermännlein

Hinter Tuttlingen erhebt sich der »Honberg« mit seinen alten Burgtrümmern. In den Ruinen drinnen sitze das Kisten- oder Kellermännlein auf einer große Schätze enthaltenden Kiste, die es von Zeit zu Zeit Begünstigten spende. So habe es einmal einem Kinde, zu dessen Wiege ein verzauberter Baum im nahen Walde, dessen Standort zufällig gefunden wurde, gehauen werden musste, den ganzen Schatz zu Teil werden lassen. Ein andermal erschien es Schnitterinnen, die in der heißen Sonne über die harte Arbeit seufzten, als rettender Geist, indem es sich erbot, ihnen den großen Acker über Nacht abzuschneiden. Die sich hierauf entfernenden Schnitterinnen sahen dann in der Ferne, wie das Männlein mit einer Schar kleiner Kobolde den Acker abschnitt und seine Gehilfen mit den vernehmbaren Worten aufmunterte: »Nur fein säuberle!« Der Acker heißt jetzt noch der »Feinsäuberle-Acker«. Ein andermal erschien Kellermännlein auch als neckender Geist, indem es Wanderer so lange führte, bis sie verirrten, worauf es sie dann lachend verließ. Wieder einmal erschien es in einer Waldschlucht, im Daxenloch auf dem Gute Maienthal, in Gestalt eines schwarzen heulenden Hundes, um den Leuten im Felde Angst einzujagen oder auch verändert es in derselben Gegend seine Neckereien und ergötzt die Umgebung durch Töne der lieblichsten Musik. Immer hütet Kistenmännlein bis auf diese Stunde einen großen Schatz auf dem Honberg.
(…)Der »Homberg« heißt im Volksmund »Heõmpl«; die alten Besitzer der Burg »Hõne«.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 37-38. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004561252

Der Jäger auf der Wallenburg

Wie man von Wurmlingen her in’s Urselenthal kommt, ist links droben eine ausgegrabene, alte Mauer von der ehemaligen »Wallenburg«. Dort geht nächtlich ein »grüner Jäger« um, kommt zu Leuten, die noch spät im Wald sind, besonders zu Holzdieben; hat ein Gewehr umhängen, steht zu ihnen hin, thut aber Niemand was zu Leide.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 15-16. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004560884

Der Schäfer am Grünenberg

Ein Fuhrmann von Tuttlingen an der Donau wollte eines Tags vom Grünenberg Holz heimführen. Als er von der Weide in den Wald einbiegen wollte, scheuten plötzlich die Pferde und wollten um keinen Preis weitergehen. Wie er sich umsieht, steht wenige Schritte von ihm weg ein alter Schäfer mit einem Schlapphut und einem langen Bart, auf seinen Stecken gestützt. Der sah den Fuhrmann eine Zeitlang starr an, dass er von dem Blick wie gebannt war. Um weiterzukommen, lädt er das Holz vom Wagen ab, aber es hilft nichts: die Rosse gehen keinen Schritt weiter. Daraufhin fasste er sich ein Herz, ging zu dem Schäfer und bat, ihn doch weiterfahren zu lassen. Aber der rührte sich nicht und hat den Fuhrmann nur starr angesehen. Inzwischen waren Leute von der Stadt auf die Suche nach ihm gegangen. Sobald man die Stimmen der Suchenden hörte und den Schein ihrer Lichter sah, verschwand der Schäfer plötzlich. Erst dann konnte Fuhrmann und Fuhrwerk weiter.
Die ihn gefunden, sagten dem so Erlösten, dass er sichtlich im Bann des Muãti gewesen sei.
Quelle: Rudolf Kapff: Schwäbische Sagen, Jena, 1926 Permalink: https://archive.org/details/kapff-schwaebische-sagen/page/27

Der Schlapphut im Urselenthäle

Im Urselenthäle, das bei Nendingen auslauft, haust der »Schlapphut« seit vielen Jahrhunderten. In der Seelenwoche kommt er gerne nächtlicherweile. Seine Füße bedeckt eine Art Schuhe, worauf etwas Schneeweißes kommt, wie Tüchlein, und dann Hosen. Einen schwarzgrauen Jägerjuppen hat er um sich. Sein Gesicht ist das Schrecklichste: er hat schneeweiße zwei Augen, fast größer als Ganseier, und sein Hut hängt ihm wol weit über die Schultern hinab. Holzdiebe hat er schon arg in Angst gejagt. Leuchtende Feuer, die von Nendingen her wiederholt gesehen wurden, kommen von ihm her. Er kommt beim »Schlößlebergfelsen« unten über das Hag herunter, steht oft stundenweise um Mitternacht auf demselben Platz.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 11-12. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004560833

Des edlen Möringers Wallfahrt

Zu Möringen an der Donau lebte vor Zeiten ein edler Ritter; der lag eines Nachts bei seiner Frau und bat sie um Urlaub, weil er weit hin ziehen wollte in Sankt Thomas Land; befahl ihr Leute und Gut und sagte, dass sie sieben Jahre seiner harren möchte. Früh Morgens stand er auf, kleidete sich an und empfahl seinem Kämmerer, dass er sieben Jahre lang seiner Frauen pflege, bis zu seiner Wiederkehr. Der Kämmerer sprach: Frauen tragen lange Haar und kurzen Mut; fürwahr nicht länger denn sieben Tage mag ich eurer Frauen pflegen. Da ging der edle Möringer hin zu dem Jungen von Neufen und bat, dass er sieben Jahre seiner Gemahlin pflege; der sagt’s ihm zu und gelobte seine Treue.

Also zog der edle Möringer fern dahin und ein Jahr verstrich um das andere. Wie das siebente nun sich vollendete, lag er im Garten und schlief. Da träumte ihm, wie dass ein Engel riefe und spräche: erwache Möringer, es ist Zeit! kommst du heut‘ nicht zu Land, so nimmt der junge von Neufen dein Weib. Der Möringer raufte vor Leid seinen grauen Bart und klagte flehentlich seine Not Gott und dem heiligen Thomas; in den schweren Sorgen entschlief er von neuem. Wie er aufwachte und die Augen öffnete, wusste er nicht, wo er war; denn er sah sich daheim in Schwaben, vor seiner Mühle, dankte Gott, jedoch traurig im Herzen und ging zu der Mühle. Müller – sprach er – was gibt’s Neues in der Burg? ich bin ein armer Pilgrim. Viel Neues – antwortete der Müller – der von Neufen will heut‘ des edlen Möringers Frau nehmen; leider soll unser guter Herr tot sein. – Da ging der edle Möringer an sein eigen Burgtor und klopfte hart dawider. Der Torwart trat heraus: „Geh und sag deiner Frauen an, hier stehe ein elender Pilgrim; nun bin ich vom weiten Gehen so müde geworden, dass ich sie um ein Almosen bitte, um Gottes und Sanct Thomas Willen und des edlen Möringers Seele.“ Und als das die Frau erhörte, hieß sie eilends auftun und solle er dem Pilger zu essen geben ein ganzes Jahr.

Der edle Möringer trat in seine Burg und es war ihm so leid und schwer, dass ihn kein Mann empfing; er setzte sich nieder auf die Bank und als die Abendstunde kam, dass die Braut bald zu Bett gehen sollte, redete ein Dienstmann und sprach: sonst hatte mein Herr Möring die Sitte, dass kein fremder Pilgrim schlafen durfte, er sang denn zuvor ein Lied. Das hörte der junge Herr von Neufen, der Bräutigam und rief: singt uns, Herr Gast, ein Liedelein, ich will euch reich begaben. Da hub der edle Möringer an und sang ein Lied, das anfängt: „Eins langen Schweigens hat‘ ich mich bedacht, so muss ich aber singen als eh“ u. s. w. und sang darin: dass ihn der junge Mann an der alten Braut rächen und sie mit Sommerlatten (Ruten) schlagen solle; ehemals sei er Herr gewesen und jetzt Knecht und auf der Hochzeit ihm nun eine alte Schüssel vorgesetzt worden. Sobald die edle Frau das Lied hörte, trübten sich ihre klare Augen und einen goldnen Becher setzte sie dem Pilgrim hin, in den schenkte sie klaren Wein. Möringer aber zog ein goldrotes Fingerlein von seiner Hand, womit ihm seine liebste Frau vermählt worden war, senkt es in den Becher und gab ihn dem Weinschenken, dass er ihn der edlen Frau vorsetzen sollte. Der Weinschenk brachte ihn: das sendet euch der Pilger, lasst’s euch nicht verschmähen, edle Frau. Und als sie trank und das Fingerlein im Becher sah, rief sie laut: „Mein Herr ist hier, der edle Möringer“, stand auf und fiel ihm zu Füßen. Gott, willkommen, liebster Herr und lasst euer Trauern sein! Meine Ehr hab ich noch behalten und hätt’ ich sie verbrochen, so sollt ihr mich vermauern lassen. Aber der Herr von Neufen erschrak und fiel auch auf die Knie: „Liebster Herr, Treu und Eid hab ich gebrochen, darum schlagt mir ab mein Haupt!“ – „Das soll nicht sein, Herr von Neufen! Sondern ich will euren Kummer lindern und euch meine Tochter zur Ehe geben; nehmt sie und lasst mir meine alte Braut.“ Des war der von Neufen froh und nahm die Tochter; Mutter und Tochter waren beide zarte Frauen und beide Herren waren wohl geboren.
Quelle: Brüder Grimm: Des edlen Möringers Wallfahrt, aus: Deutsche Sagen Bd. 2, 1818, S. 253–256 Nr. 523. https://de.wikisource.org/wiki/Des_edlen_M%C3%B6ringers_Wallfahrt

Die Tuttlinger

… heißen »Schwellenhopper«.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 459-460. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570499

Die Duttfee (Duttenthal)

Das Tal zwischen Tuttlingen und dem badischen Städtchen Möhringen heißt »Duttenthal«. Da soll einst, wie uralte Tuttlinger und Möhringer Leute von ihren Eltern sagen gehört, eine Göttin verehrt worden sein, die habe »Dutt« geheißen. »Tuttlingen« sei von ihr so genannt worden. Man hat auch vor alten Zeiten mal in dem Thal eine weibliche Figur unter dem Moos gefunden, von blauem Sandstein. Schlank, von Menschengröße, mit etwas kleinem Kopfe, zwei Gesichtern, und einer Doppelbrust von großem Umfange. Diese Göttin wurde nach Tuttlingen gebracht und mochte seit mehreren Jahrhunderten auf dem Stadtbrunnen gestanden haben. Endlich ward das Bild um ein Paar Batzen verkauft und von einem Maurer zerschlagen. Stücke in Mauern weiß man noch. In dem Duttenthal sei es auch sonst nicht geheuer. Vor vielen, vielen Jahren hütete ein Mädchen Pferde draußen, da sah es auf einmal eine große Menge Andächtiger mit dem Pfarrer an der Spitze, wohlgeordnet daherkommen: in uraltertümlicher Kleidung. Wie im Nu flog Alles in die Luft, und das Mädchen sah Nichts mehr. Der mit dem langen schwarzen Rocke vornedraus winkte ihr: sie ging aber nicht hin. Kaum waren diese sonderbaren Leute verschwunden, so stand das Mädchen vor einem großen Schlosse in alter Bauart, in dem Leute wahrgenommen werden konnten. Oben bemerkte man Frauenzimmer; eine Magd war unten mit Kübelfegen beschäftigt, zwei Ritter turnierten miteinander, hieben auch mit Säbel auf einander ein. Was sie redeten, verstand sie nicht und wusste sie nicht. Im Duttenthal soll mal ein Schloss gestanden sein. (Mündlich aus Tuttlingen)

Dupfé ist der volkstümliche Name dieser mater mammosa. Wie der Name »Fee« in diese Gegend gekommen, weiß ich nicht: vielleicht durch Lektüre? Vielleicht noch aus alten Zeiten, was zur Annahme berechtigte, es hätten Kelten hier einstens gewohnt. Diese Annahme würde noch unterstützt durch unverkennbar keltische Berg-, Flur-, Wald- und Wassernamen. Ein Umstand aber hält mich ab, Kelten hier anzunehmen: die Tuttlinger Gegend ist ganz von Alemannen bewohnt gewesen, was auch die alten, von Dürrich und W. Menzel untersuchten Oberflachter Heidengräber dartun; die Alemannen waren aber die erbittertsten Keltenfeinde, somit kann das Wort » Fee« schwerlich trotz keltischer Ortsnamen in der Gegend ein echter Nachhall des untergehenden Druidinnenkults in der Tuttlinger Heimat sein. Volksthümlich ist »Dupfé« ganz, und wenn die Sage Nr. 1 von den drei Heidinnen auf den Feenkult zurückgeführt werden könnte, so wäre dieses für Geschichte und Mythologie ein nicht unbedeutender Wink. Die Grenzen des Keltentums und somit auch des Druidinnencults, dessen Nachhall der Feenkult, sind von Dr. H. Schreiber freilich über die Vogesen und höchsten Firsten der Alpen gezogen, und somit läge Tuttlingen weit ab und könnte kein Feenkult heimisch gewesen sein. Dupfé ist in der Tuttlinger Gegend ein Kinderschrecken.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 1-3. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004560736

Die Zauberinnen im Heiligentäle bei Tuttlingen

Vor Zeiten hausten im Heiligentäle zwischen Tuttlingen an der Donau und dem Witthoh zwei Zauberinnen, die hatten weiße Schimmel und beteten zu den Götzen. Als einmal eine schwere Seuche ausgebrochen war, die Mensch und Tier dahinraffte, kamen die Leute zu den Zauberinnen und baten um Hilfe. Diese versprachen zu helfen unter der Bedingung, dass man wieder zu den alten Heidengöttern bete. Das taten die Leute, knieten vor den Schimmeln nieder und beteten sie an. Darauf sei die Seuche erloschen.

Rudolf Kapff: Schwäbische Sagen, Jena 1926 (Deutscher Sagenschatz) Link: https://books.google.com/books?id=T7xZAAAAMAAJ

Kaiser Friedrich III. in Tuttlingen

Kaiser Friedrich III. (reg. von 1440-1493) machte einstmalen auch eine Reise durch die Tuttlinger Gegend. Die Tuttlinger verbaten sich’s gar höflich und artiglich, sie hätten für seine geheiligte Person weder eine anständige Wohnung, noch der Lebensmittel zur Genüge. Der Kaiser sah aber gar bald ein, warum man ihn nicht in Tuttlingen haben wollte, denn der wahre Grund war der: Tuttlingen hatte kein Pflaster und des Kaisers Pferde mußten bis fast an den Bauch im Straßenkothe waden und sagte der Kaiser lächelnd: »Jezt sehe er erst, daß man ihm aus lauter Devotion den Durchzug nicht gönnen wollte.«
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 225, Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456586X

Wie die Tuttlinger lutherisch worden sind

Die Tuttlinger wurden zweimal gezwungen, den alten Glauben zu verlassen, und allemal kehrten sie wieder zu ihm zurück. Das dritte Mal endlich, als Alles nichts mehr half, zogen sie mit Kreuz und Fahne den »Withoh« hinauf, eine bedeutende Höhe westlich von der Stadt; ließen dort Kreuz und Fahne und Alles stehen und zogen heim und fügten sich in die neue Lehre. (aus Tuttlingen)
[Auch die Winterlinger (Sigmaringen) trugen ihre Fahnen fort in die Donau, als sie vom alten Glauben abfielen. – Betreffend das Wort »Withoh«, so gibt es noch jetzt bei Hundersingen, O.A. Riedlingen, einen »Widhau«, der Wald um das Hohmichele. Der Withow erscheint im Herkommen der Stadt Horb, Perg. Handschr. d. 14. Jahrh. Schmid, Pfalzgrafen von Tübingen, Urkundenbuch 264, »das man in dem withow zu den warin mug bleker hauen«. Das Seelbuch der Pfarrei Entingen bei Horb hat das Holtz genant der wythow (ebendas. 217). Die Zimmer’sche Chronik hat »ain wald, haißt der Weytow (Weitow)«. Der Name bedeutet »Holzschlag«, Schmeller IV. 200. Pfeiffers Germania I. 3. Anmerk. 6.]
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 216-217, Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456572X

Wie Einer einen Bindnagel schnitt

In Tuttlingen war mal Einer, der wollte gern in der heiligen Nacht 12 Uhr einen Bindnagel schneiden. Es mußte geschehen in drei Striemen heraufwärts in den drei höchsten Namen. Er getraute sich nicht in den Wald und ging die Donau hinab und hieb Schlag 12 Uhr einmal, zweimal; aber beim dritten Schnitt ergriff’s ihn und warf ihn in die Donau. Hätte er nicht schwimmen können, so wäre er ertrunken. Er sagte, lieber Unziefer in den Garben, als nochmal einen Bindnagel schneiden.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 334, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568524

Vom Conzenberg

soll einer (ein unterirdischer Gang) gegangen sein bis auf den Honberg ob Tuttlingen.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 261, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004566661

Sitten und Gebräuche

Begräbnissitten zu Tuttlingen

Bei Kindsleichen unter sechs Jahren

Bei dem Leichnam brennt nachts ein Licht und es wird nur hie und da nachgesehen, ob es auch noch brenne. Zum Leichenzug werden nur die nächsten Verwandten eingeladen, die sich auch im Hause des toten Kindes einfinden. Beim Zug selbst gehen die männlichen Personen linker und die weiblichen rechter Hand. Früher sangen Weiber oder Männer, denen es ihr Geschäft war und die hierfür bezahlt wurden, einige Choralverse; in vielen Fällen wird aber gar nicht gesungen und in der Stille ein Vaterunser gebetet. Bemittelte stellen hierbei einige Lehrer zum Singen an. Ganz kleine Kinder werden vom Totengräber an einem Riemen getragen; sind sie aber etwas erstarkt, so wird der Sarg von vier Buben auf einer Bahre getragen.
Auf dem Gottesacker angekommen, stellen sich die nächsten Verwandten um das Grab herum. Ist der Sarg versenkt, so werden einige Choralverse gesungen, oder aber ein stilles Vaterunser gebetet. Auf dem Heimwege gehen die Weibsleute voran.

Bei Schulkindern

Hier findet bloß der einzige Unterschied statt, dass der betreffende Lehrer mit seinen Kindern vor dem Hause und auf dem Gottesacker einen Choral absingt.
Stirbt ein Kind vor der Konfirmation, so wird bei der Leiche nur das sog. Kleinkinderglöckle geläutet.

Bei Confirmanden und Erwachsenen

Solange die Leiche im Haus lag, wurde hierbei von den nächsten Anverwandten gewacht, die mit Bier und Schnaps traktiert wurden und oft übermäßig davon tranken. Jetzt stellen die Angehörigen des Hauses nur noch ein Licht zur Leiche und sind besorgt, dass es nicht ausgeht.
Etwa 16 bis 24 Schüler singen mit ihrem Lehrer vor dem Hause des Entschlafenen, bevor sich der Zug in Bewegung setzt einen Choral, der vom Verstorbenen vielfältig selbst gewählt ist; auf dem Gottesacker aber wird nach Einsenkung des Sarges gesungen: »Ruhet wohl, ihr Totenbeine.«
Der Lehrer und die Singknaben werden für ihre Mühe je nach den Vermögensverhältnissen des Verstorbenen eigens belohnt; letztere erhalten in der Regel Schreibpapier etc.
Vom Gottesacker bewegte sich der Leichenzug in die Kirche, allwo eine Leichenrede gehalten wurde; die Weibsleute gingen zuerst aus der Kirche. – Seit neuerer Zeit nun wartet der Pfarrer am Gottesackertor, schließt sich dem Leichenzug an und hält seine Rede am Grab.
Die Weibsleute, welche durch den Todesfall besonders berührt werden, die eigentlich Leidtragenden, tragen zum Zeichen ihrer Trauer vierfach der Länge nach zusammengelegte weiße Nastücher in den Händen.
Dem Pfarrer, Mesner und Totengräber, sowie dem Lehrer, der den Gesang leitete, werden je nach den Verhältnissen oft das Doppelte ihrer Gebühr verabreicht. Den Schreiner fragt man nach der Schuldigkeit nicht, sondern es wird ihm eine den Verhältnissen angemessene ortsübliche Belohnung verabreicht.
Bei Leichen Konfirmierter werden sämtliche Glocken geläutet. – Sobald früher der Leichenzug an den Torhäusern vorüberkam, so präsentierten die Torwächter mit einem Gewehr, jetzt nur noch mit einem schwarzen Fähnlein, wofür 12 Kreuzer Belohnung bezahlt wird. – Dem Leichenzug geht ein Polizeidiener voran.

Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 403. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004577795

Hochzeitsitten in Tuttlingen

Den Eintrag dazu habe ich, da er zu umfangreich ist, ausgelagert – siehe

➥ Hochzeitssitten in Tuttlingen

Taufsitten zu Tuttlingen

Gleich nach der Geburt des Kindes wurden die nächsten Verwandten und Freunde davon in Kenntnis gesetzt, welches für eine Einladung zum Besuch des Neugeborenen und der Wöchnerin galt. Nur das weibliche Geschlecht stattete Besuche ab und schenkte bei demselben der Wöchnerin Suppenbrot (2-4 kr.), das sich oft auf 1 fl. 30 kr. Brotwert belief. Diese Sitte ist ganz abhanden gekommen. Die Einladung erfolgt nunmehr nicht sogleich, sondern erst in einigen Tagen nach der Geburt.

War es am Tage der Geburt noch möglich, das Kind taufen zu lassen, so geschah es fortan, jedenfalls aber am andern Tag. Bis zur Taufe wurde dem Kind ein Gebetbuch oder das Gesangbuch unter den Kopf gelegt, damit die Hexen keine Macht an dasselbe haben sollen.

Nunmehr lässt man das Kind erst nach 8 bis 14 Tagen taufen und legt ihm auch kein Buch mehr unter das Kissen. Die Dote war in der Regel eine Schwester oder sonstige nächste Anverwandte der Eltern, bei den zwei Döten wurde das Gleiche beobachtet. War die Dote eine Jungfrau, so trug sie einen weißen Schurz mit Spitzen und ein weißes Spitzhalstuch; die übrige Kleidung war durchaus schwarz. Der Kranz durfte nicht fehlen; bei Wohlhabenden war er außerdem noch mit Gold und Silber geziert; sie trug denselben an der Stirne um den ganzen Kopf herum, in der Breite von 1 bis 1 1/2 Zoll. Gegenwärtig ist die Dote, wenn sie eine Jungfrau ist, nur noch mit einem Ehrenkränzchen geziert, das sich nach der jeweiligen Mode richtet.

War die Dote keine Jungfrau mehr, so war es ihr nicht gestattet, einen Kranz zu tragen, auch nicht einen weißen Schurz und ein weißes Halstuch; sie musste bloßen Hauptes mit hängenden Zöpfen einher gehen, während dieselben von der Jungfrau-Dote um den Kranz gewickelt waren. War aber die Dote verheiratet, so trug sie auf dem Kopfe eine Haube.

Vor dem Taufakt versammelten sich die geladenen Gäste in dem Hause der Wöchnerin, um da Bier, Wein und mürbes Brot zu genießen. Den Wein hatte die Wöchnerin mitzubringen, was aber jezt nicht mehr gebräuchlich ist; überhaupt fällt von der Taufe jeder Schmaus hinweg. Vor dem Abgange in die Kirche wurde ehedem das Kind von der Mutter in den Worten des dreieinigen Gottes gesegnet und in weiß überzogene Kissen eingebunden, welche mit einem rotseidenen und weißen Flor überhängt wurden. Diesen Taufzeug hatte die Dote mitzubringen, und wenn sie ihn zu diesem Zwecke sogar mieten musste. Die Dote nahm das Kind auf den Arm, wenn es in die Kirche ging; neben ihr liefen die Weiber, Mütter und Schwestern der Dote – rechts und links. Kam man bis zur Haustüre des Täuflings, so traf die Dote zwei ledige Burschen, die ihr ein rotes Band quer vor der Haustüre hinhielten, bis sie ein Trinkgeld erhielten. Mittlerweile fielen auch Schüsse zu Ehren der Dote.

Die beiden Döten, bei Zwillingen vier, erwarteten das Kind in der Kirche. Haustaufen waren eine seltene Ausnahme. Nach der Taufe gingen die Döte und die Dote mit dem Kind auf’m Arm in’s Wirtshaus, begleitet von sämtlichen Taufgästen, die sich alle um einen Tisch herum setzten, das Kind in der Mitte liegend. Die ganze Gesellschaft ließ sich das Essen und Trinken wohl schmecken, ja oft bis zum Übermaße. Bei eingetretener Dunkelheit trug die Hebamme das Kind nach Hause. Jetzt geht man von der Kirche in’s Haus der Wöchnerin, allwo Kaffee und Wein aufgetischt wird. Nur lauter ledige Taufzeugen gehen nach dem Taufmal noch miteinander in’s Wirtshaus.

Nach der Taufe wurde und wird jetzt noch die Wöchnerin von den Taufgästen reichlich mit Geld beschenkt. Während des Wochenbettes erhielt sie aber von ihnen mehrmals zu essen: von den Döten und der Dote drei Mal, von den Übrigen zwei Mal.

Der erste Ausgang der Wöchnerin galt der Kirche.
Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 313-315. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004577086

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