Oberschwaben – historische Ortsansichten & regionale Sagen

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Blaubeuren – Sehenswertes, Geschichte, Sagen, Mythen und Volksglaube der Region. Das „etwas andere“ Portal. Links, Landkarten, historische Ansichtskarten, Fotos, Ausflugsziele …

Inhalt

Gliederung

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  • Inhalt
  • Der Blautopf
  • Allgemeines
    • Karten
  • Fotos & Abbildungen
    • Blaubeuren auf Ansichtskarten um 1900
    • Kartonmodelle
  • Kunst, Kultur und Brauchtum
    • Museen in Blaubeuren
      • Hammerschmiede Blaubeuren
      • Kloster Blaubeuren
      • Badhaus der Mönche
      • Urgeschichtliches Museum Blaubeuren und Geopark-Infostelle
    • Geschichte
      • Mittelalter
  • Ausflüge und Sehenswertes
    • Nachbargemeinden
    • Teilorte / Teilgemeinden
    • Das Rusenschloss
  • Sagen, Mythen und Geschichten
    • Die Historie von der schönen Lau
    • Der Breithut
    • Breithut und andere Geister
    • Das Mutesheer in Blaubeuren
    • Der Blaugeist
    • Der Blautopf
    • Der Wunderstein vom Blautopf
    • Georg Sürlin (Syrlin) (1496)
    • Gnadenbild in Blaubeuren
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Gruß aus Blaubeuren, Ruckenschloss, Blautopf und Gesamtansicht, Karte von 1900

Gruß aus Blaubeuren, Ruckenschloss, Blautopf und Gesamtansicht, Karte von 1900


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Update: 18. August 2026

Blaubeuren liegt am Fuße der Schwäbischen Alb, 16 Kilometer westlich von Ulm. Die Keimzelle der heutigen Stadt ist das um 1085 von den Grafen von Tübingen am ➥Blautopf gegründete ➥Benediktinerkloster Blaubeuren.

Der Blautopf

Markanteste Sehenswürdigkeit in Blaubeuren ist der Blautopf, eine ➥Karstquelle, aus welcher die ➥Blau entspringt. Mit 21 Metern Tiefe ist der Blautopf eine der tiefsten und größten Quellen in Deutschland. Aus der Quelle strömen zwischen 250 und 32.000 Liter Wasser pro Sekunde. Die mittlere Schüttung beträgt etwa 2.280 Liter pro Sekunde. Das Quellwasser im Blautopf stammt aus einem weitverzweigten Karst-Höhlensystem unter der Schwäbischen Alb. Dort versickert das Regenwasser und fließt durch das poröse Kalkgestein der Alb unterirdisch ab. 

Ein Karstgebirge entsteht durch die Lösung von Kalkstein oder Dolomitgestein, wobei Regenwasser unterirdische Höhlen, Dolinen und Schlucklöcher formt. Typisch sind bizarre Felsformationen, wasserarme Oberflächen und ein weit verzweigtes System unterirdischer Flüsse und ein riesiges Höhlensystem, wie dem sogenannten Blauhöhlensystem, das unter anderem die Blautopfhöhle, die Vetterhöhle und die Hessenhauhöhle umfasst.

Der Blautopf bildet den Ursprung des Flusses Blau, der später in die Donau mündet. Je nach Niederschlagsmenge über der Schwäbischen Alb schwillt die Wassermenge der Quelle an – oder ebbt ab. Die Quelle ist auch mystisch spannend: Die intensive blaue Farbe des Wassers entsteht durch die Tiefe (ca. 21 Meter) und die Klarheit des Wassers, das fast alle Lichtwellen außer Blau absorbiert.

Entstanden ist die Schwäbische Alb vor etwa 200 bis 145 Millionen Jahren. Damals lag die Region unter einem tropischen Flachmeer, dem sogenannten Jurameer. Dort lagerte sich Kalk und Mergel  aus Riffen ab, wodurch die heutigen porösen Gesteinsschichten der Alb entstanden, sowie Ablagerungen von Ton als untere, wasserundurchlässige Schicht. Durch die Hebung des Oberrheingrabens und die Alpenbildung (Kollision der afrikanischen und eurasischen Platte) wurde die sogenannte südwestdeutsche Großscholle nach Südosten gekippt und die Schwäbische Alb entstand als Karstgebirge.

Allgemeines

➥ Internetauftritt der Stadt Blaubeuren
➥ Wikipedia:Blaubeuren
➥ Alemannische Wikipedia:Blaubeuren
➥ Wikivoyage: Blaubeuren– Reiseführer
➥ Blaubeuren bei LEO-BW

Karten

➥ Luftlinie-org berechnet die Luftlinienentfernung
sowie die Straßenentfernung zwischen zwei Orten und stellt beide auf der Landkarte dar. Startort ist Blaubeuren, den Zielort müssen Sie noch wählen. Voreingetragen ist ➥ Bisoro in Burundi

[cbxgooglemap width=“100%“ height=“300″ zoom=“13″ scrollwheel=“1″ showinfo=“0″ infow_open=“1″ maptype=“roadmap“ lat=“48.411944″ lng=“9.785″] Karte eingebunden aus➥https://www.openstreetmap.de/

Fotos & Abbildungen

Blaubeuren auf Ansichtskarten um 1900

Ein Klick ins Bild zeigt die vergrößerte Darstellung  und startet den Slideshow-Browser mit Titel und Jahr des Poststempels. Mit dem Pfeil in der rechten und linken Bildmitte können Sie vor- und zurückblättern. Die Karten wurden von mir digital „aufgehübscht“, farbkorrigiert und von Schmutz und Beschriftung befreit. 

Viel Spaß bei der Zeitreise!
Gruss_aus_Blaubeuren_Gesamtansicht_1925_800
Blaubeuren_Ruckenschloss_Blautopf_und_Gesamtansicht_1900_800
Blaubeuren_Merian_800
Blaubeuren_Ortsansicht_um_1900_800
Blaubeuren_Seminar_Hochaltar_Ortsansicht_aus_der_Vogelschau_1916_800
Blaubeuren_Gesamtansicht_mit_Strassenpartie_1915_800
Blaubeuren_Gesamtansicht_mit_Bahnhof_und_Dampflokomotive_1907_800
xBlaubeuren_Gesamtansicht_1911_800
xBlaubeuren_Carl_Friedrich_Doerr_farbige_Aquatinta_vor_1842_800
xBlaubeuren_von_Norden_mit_dem_Kloster_im_Vordergrund_um_1900_800
xBlaubeuren_mit_Industrie_im_Hintergrund_um_1913_800
xBlaubeuren_Gasthaus_zur_Weinstube_Klosterkirche_mit_Blautopf_1903_800
xBlaubeuren_Georg-_Ebner_vor_1863_800
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Gruss_aus_Blaubeuren_Wassermuehle_mit_Wehr_Kirche_mit_Ruine_1897_800
Blaubeuren_Rusenschloss_Kuessende_Sau_Blautopf_Eugen_Felle_1914_800
Blaubeuren_Wassermuehle_am_Blautopf_1918_800
Unser_Land_1925_B67_Blaubeuren_Arthur_von_der_Trappen_800h
Blaubeuren_Uferpartie_mit_Kirche_im_Jahre_1838_nach_Stahlstich_von_L_Maier_800
Blaubeuren_S_leit_a_Kloetzle_Blei_glei_800
Blaubeuren_Kloster_Vorderansicht_1921_800
Blaubeuren_Hohlefels_1871_G_Heuberger_800
Blaubeuren_Bahnhof_mit_Bahnsteig_Hotel_Bahnhof_mit_Strasse_1904_800
xBlaubeuren_-Marktstrasse-um-1900_800
xBlaubeuren_Blick_auf_den_Fuchsfelsen_1927_800
xBlaubeuren_Neues_Schulhaus_1915_800
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Blaubeuren_Stifter_des_Klosters_Pergament_von_1516_Wolfenbuettel_800
Gabriel_Bucelin_Zeichnung_des_Klosters-Blaubeuren_um_1630_800
Blaubeuren_Merian_800
Kloster_Blaubeuren_aquarellierte_Zeichnung_von_Max_Eyth_1875_800
Blaubeuren_Wuerttembergische_Flurkarte_von_1827_800
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➥ Wikimedia-Commons (engl.): Blaubeuren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
➥ Blaubeuren auf Tumblr
➥ Blaubeuren auf Pinterest

Kartonmodelle

Dieter Welz hat auf seiner Website ➥ https://www.wediul-kartonmodelle.de/modellkatalog.htm einige Kartonmodelle zur Verfügung gestellt.

Kunst, Kultur und Brauchtum

➥ Kultur und Sehenswürdigkeiten (Wikipedia)
➥ Blaubeuren auf ‚Bildindex‘
➥ Blaubeuren auf ‚Google-Art‘
➥ Blaubeuren auf ‚Zeno-Org‘

Museen in Blaubeuren

Hammerschmiede Blaubeuren

Die Hammerschmiede am Blautopf in Blaubeuren ist eine authentisch erhaltene historische Schmiedewerkstatt, in der einst mit Wasserkraft und mächtigen Hämmern Eisen geschlagen und Werkzeuge gefertigt wurden. Besucher erleben hier die Atmosphäre vergangener Jahrhunderte und können bei Schmiedekursen selbst das traditionelle Handwerk am Amboss erlernen.

Blautopfstraße 9
89143 Blaubeuren
Tel. +49 7344 921027
info@blautopf.de
https://www.blautopf.de

Kloster Blaubeuren

Kloster Blaubeuren aquarellierte Zeichnung von Max Eyth 1875

Kloster Blaubeuren aquarellierte Zeichnung von Max Eyth 1875

Das Kloster Blaubeuren, gegründet um 1085, ist eine eindrucksvoll erhaltene spätgotische Klosteranlage des Benediktinerordens mit kunsthistorisch bedeutenden Elementen wie dem Hochaltar und dem Chorgestühl der Ulmer Schule. Heute beherbergt es ein altsprachliches Gymnasium und bietet Besuchern Führungen durch Kreuzgang, Kapellen und das mittelalterliche Badhaus, die die geistliche und kulturelle Geschichte des Ortes lebendig machen.

Der Hochaltar der ehem. Klosterkirche in Blaubeuren ist der größte und bedeutendste Hochaltar der schwäbischen Hochgotik, der noch heute an der ursprünglichen Stelle steht. Die Tafelbilder des Retabels stammen aus der Ulmer Schule und Werkstatt von ➥Bartholomäus  Zeitblom, mit beteiligt war ➥Bernhard Strigel, das Schnitzwerk stammt vermutlich von ➥Jörg Syrlin. Der ➥doppelt wandelbare Altar wurde 1493 aufgestellt. Die Außentafeln zeigen Szenen aus der Leidensgeschichte von Jesus. Wird er geöffnet, sind 16 Gemälde mit Szenen aus dem Leben von Johannes dem Täufer dargestellt, dem die Kirche geweiht war.  Ganz geöffnet erscheint der geschnitzte Schrein.

Blaubeuren-Hochaltar-SchreinfigurenUebersicht
Abb.: Michel Erhart, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Klosterhof 2
89143 Blaubeuren
Tel. +49 7344 962610
➥https://www.blaubeuren.de

Die Stifter des Klosters sind auf diesem Pergament festgehalten. Das Pergament – vermutlich von 1516 – wird in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (Cod. Guelf. 97 Aug. 2°) aufbewahrt und zeigt von links nach rechts: Fridericus Palatinus, seine Frau, Anshelmus Comes, Berchta uxor eius, Hainricus Comes, Adelhait Comitissa, Seibotto Comes de Ruck, Seifridus Comes et Waltherus Comes filii eius. Die Darstellungen entsprechen in Teilen denen, die im Chorgestühl eingeschnitzt sind.

Blaubeuren: Stifter des Klosters, Pergament von 1516 in Wolfenbuettel

Blaubeuren: Stifter des Klosters, Pergament von 1516 in Wolfenbuettel

 

Gabriel Bucelin, Zeichnung des Klosters Blaubeuren um 1630

Gabriel Bucelin, Zeichnung des Klosters Blaubeuren um 1630

Badhaus der Mönche

Das Badhaus der Mönche in Blaubeuren, erbaut um 1510, ist das einzige erhaltene mittelalterliche Mönchsbad Deutschlands und diente ursprünglich als Badehaus für die Klosterbrüder sowie als Gästehaus für Adelige. Heute beherbergt es das Blaubeurer Heimatmuseum mit kulturhistorisch wertvollen Ausstellungsräumen, darunter ein Festsaal mit mittelalterlichen Seccomalereien und eine Sammlung zur Stadtgeschichte.

Klosterhof 11
89143 Blaubeuren
Tel. +49 7344 966990
tourist@blaubeuren.de
➥https://www.blaubeuren.de

Urgeschichtliches Museum Blaubeuren und Geopark-Infostelle

Das Urgeschichtliche Museum Blaubeuren (URMU) zeigt weltweit einzigartige Funde aus der Altsteinzeit vor 40.000 Jahren, darunter die ältesten figürlichen Kunstwerke und Musikinstrumente der Menschheit, wie die berühmte Venus vom Hohle Fels. In der interaktiven Ausstellung erleben Besucher hautnah, wie die frühen Menschen lebten, jagten und gestalteten – eingebettet in die faszinierende Eiszeitlandschaft der Schwäbischen Alb.

➥ https://de.wikipedia.org/wiki/Urgeschichtliches_Museum_Blaubeuren

Im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren ist (nicht nur) die „Venus vom Hohle Fels“ ausgestellt. Die Figur zeigt die stilisierte Darstellung eines weiblichen Körpers. Dabei handelt es sich um die älteste unbestrittene Darstellung eines Menschen. Vermutet wird, dass diese Figur, die schwanger erscheint, eine Muttergöttin oder eine mit der Geburt verbundene Gottheit darstellen könnte. Die Venus von Hohle Fels wurde möglicherweise als Amulett getragen, um Frauen während der Schwangerschaft und der Geburt zu schützen. Die Figur stammt aus der Oberen Altsteinzeit vor etwa 40.000 Jahren und besteht aus Mammutelfenbein. Entdeckt wurde sie 2008 in der „Hohle-Fels-Höhle“ nahe Schelklingen. Die Figur ist Teil vom UNESCO-Welterbe „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“.
Nur die – ebenfalls in dieser Region gefundene – löwenköpfige Löwenmensch-Figur, die eine Mischform aus Mensch und Tier darstellt, ist älter.
(ausgestellt im ➥ Museum Ulm)
➥ https://www.youtube.com/watch?v=ZaCwbolVwmE (Hörbeitrag vom WDR, 14′)

Anfahrt: Der Bahnhof Blaubeuren liegt auf der Bahnstrecke nach Ulm

➥ Google-Maps

Öffnungszeiten: In der Sommersaison (15. März bis 31. Oktober): Dienstags bis sonntags 11.00 bis 17.00 Uhr, Karfreitag geschlossen
Öffnungszeiten in der Wintersaison (1. November bis 14. März): Di + Sa 14 bis 17 Uhr, so 11 bis 17 Uhr, Geschlossen: 1. November, 24. bis 26. Dezember, 31. Dezember und 1. Januar (ohne Gewähr)

Kirchplatz 10
89143 Blaubeuren
Tel. +49 7344 966990
info@urmu.de
➥https://www.urmu.de/

Geschichte

Mittelalter

Blaubeuren
Blaubeuren, Matthäus Merian: Topographia Sueviae, 1643, Tafel 13

Ortsbeschreibung von Merian:
➥ https://de.wikisource.org/wiki/Topographia_Sueviae:_Blawbeuren

Ausflüge und Sehenswertes

Nachbargemeinden

➥ angrenzende Städte und Gemeinden (aus Wikipedia)

Teilorte / Teilgemeinden

➥ Ortschaften und Wohnplätze von Blaubeuren (aus Wikipedia)

Das Rusenschloss

Die Burg „Russenschloss“ bei Blaubeuren-Gerhausen trägt eigentlich den historischen Namen „Ruine Hohengerhausen“. Der volkstümliche Name „Rusenschloss“ oder „Russenschloss“ hat eine interessante Herkunft: Der Name geht nicht auf Russen oder Russland zurück, wie man vielleicht vermuten könnte. Vielmehr stammt er von einem Forstknecht namens Ruess, der um 1590 in der Nähe der Burg lebte. Im Laufe der Zeit wandelte sich der Name von „Ruessenschloss“ zu „Ruckenschloss oder dem heute mehr gebräuchlichen „Rusenschloss“ oder „Russenschloss“. Dies ist eine typische sprachliche Entwicklung im schwäbischen Dialekt über die Jahrhunderte.

– Die Burg wurde um 1080 von Graf Hartmann II. von Dillingen erbaut.
– Sie liegt oberhalb des Blaubeurer Stadtteils Gerhausen und war später im Besitz der Grafen von Helfenstein, Österreich und Württemberg.
– Die Ruine wurde mehrfach instand gesetzt, zuletzt zwischen 2017 und 2021.
– Unter der Burg liegt die „Große Grotte“ mit Funden aus der Zeit der Neandertaler.

Sagen, Mythen und Geschichten

Die Historie von der schönen Lau

Das Märchen von Eduard Mörike ist so umfangreich, dass ich diese ➥Geschichte auf einer separaten Seite zitiere und illustriert habe.

Der Breithut

In der Adventszeit kommt häufig ein Mann mit vier schwarzen, kopflosen Rappen, zuweilen auch mit vier Schimmeln am Wagen von Blaubeuren über Hohenstadt das Filstal herab nach Wiesenstieg gefahren. Er knallt beständig mit der Peitsche und trägt einen breiten ledernen Schlapphut auf dem Kopf; daher heisst man ihn den Breithut. Etliche sagen, er fahre bald in der Luft, bald auf der Erde und rufe den Leuten zu:
„Aus em Weg,
dass niemand was g’scheh!“
Als das Stãdtchen noch Tore hatte, zog der Breithut jedes Mal, wenn er hereinfahren wollte, die Glocke am Tor. Sobald aber der Torwart aufmachte, war der Breithut schon in der Stadt und jagte knallend ans andere Tor, wo er es dann ebenso machte.

Er soll zu Lebzeiten ein vornehmer Herr gewesen sein und in der Nãhe von Wiesensteig ein Schloss gehabt haben. Weil er aber durch Betrug viel Land an sich brachte, muss er geistweis gehen. Doch tut er niemand etwas zu leid.
Quelle: Rudolf Kapff: Schwäbische Sagen, Jena, 1926 Permalink: https://archive.org/details/kapff-schwaebische-sagen/page/24

Breithut und andere Geister

In der Blaubeurer Gegend und Herrschaft spukt ein Geist, welcher Breithut genannt wird; es ist einer von den vielen gespenstigen Freischärlern, trägt einen Schlapphut und hat von dem den Namen; er hat seinen Kopf aufgesetzt und den Hut obendrauf und geht nicht zu Fuße. Er fährt vielmehr mit vier kohlpechschwarzen Rappen und lärmt und rasaunt wie der ewige Fuhrmann, der in der Gegend von Tettnang geistweis schweben muß. Die Rappen aber haben keine Köpfe. Nächst ihm gibt es noch der Geister und Geistlein in Schwaben wie Sand am Meer, noch außer denen, die zu der Schar der Erdwichtele gehören. Gut, dass sie nicht sichtbar sind, man könnte sich sonst schier entsetzen, wenn einem alle paar Schritt ein Schlapphut begegnen täte, etwa mit einem Waldschrattlebart und gefährlichen Augen.
Da heißt ein Geist Huonzel oder Kuonzel – soviel als Konradle –, der spukt bei Bühlertann; bei Wankheim und Jetenburg geht ein Wiesengeist um und führt die Leute irre; im Kusterdinger Walde bei Tübingen spukt der Eintöffeler, der geht barfuß und hat nur einen Pantoffel an; zu dessen Privatvergnügen gehört es, blitzschnell zu erscheinen und ebenso schnell wieder zu verschwinden, auch seinen Kopf vom Rumpfe schnell auf- und abhüpfen zu lassen. In Schwäbisch-Hall spukt im Salzwerk der Halgeist, dort Haalgeist genannt, er, und nicht der Teufel, sagen einige, soll es gewesen sein, der dem Salzsieder die große Nase zeigte und ihn über den Kocher hinüber auf den Gänsberg schmiß und höhnisch fragte: Ist dees nit a Wuuref? – Ein sich gern in Tiere verwandelnder Geist spukt bei Gniebel und wird der Kappelgeist genannt. Bei Riederich spukt einer als Nachtvogel, so groß wie die Tut-Osel, fliegt vor den Wanderern her, äfft sie und lacht mit Menschenstimme, gleich dem Geist Osschaert im Wanslande. Andre fahren mit Gekreisch in Gestalt eines Lichts blitzschnell den Leuten an die Fenster, so dass alles erschrickt. Soviel von den männlichen Geistern, der weiblichen gibt es nicht minder viel, so dass einer in Wahrheit sagen kann, was einmal ein vierzig Jahre alter Schwab sagte: I schwör’s bei mein’m Eid, das Schwabeland ischt des geischtreichschte Land unter der Sonne!
Quelle: Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersburg und Leipzig 1930, S. 603-604. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004543866

Das Mutesheer in Blaubeuren

In Blaubeuren nennt man das Mutesheer auch wohl das wilde Heer. Man hörte dasselbe namentlich vor dem großen deutschen Freiheitskriege mit Musik und Trommeln über die Stadt hinziehen. – Im Filsthale bei Wiesensteig und Gosbach sagt man auch wohl „die Mutesheer“. Eine Stimme ruft vor dem Zuge her: „Außem Weg! Die Mutesheer nimmt alles weg!“ (Mündlich)
Quelle: Ernst Heinrich Meier: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, Stuttgart 1852, Band 1, Nr.146, Link: https://books.google.de/books?id=i1sKAAAAIAAJ

Anmerkung: „S’Muotas“ und auch „s’Wuotas“ – das „Mutesheer“ beruht auf vorchristlichem Glauben und bezieht sich auf den germanischen Gott „Wotan“. Genaueres dazu ist hier beschrieben: ➥ Ursprung der Sagengestalten

Der Blaugeist

In einem der schönsten Täler unserer Alb liegt die Oberamtsstadt Blaubeuren. Ihren Namen (Beuren, Buron, Born, Bronn-Quelle) hat die Stadt von dem herrlich blauen Quell, der hart am Fuße der Albwand in einem großen runden Kessel von etwa 130 Fuß im Durchmesser aus beträchtlicher Tiefe empordringt. Vor etwa 1000 Jahren, so erzählt die Sage, war der ganze Talkessel, in dem nun Blaubeuren liegt, bis hinab zu dem etwa eine halbe Stunde entfernten Gerhausen von einem finsteren See bedeckt. Düster bewaldete Berghänge und kahle Felswände spiegelten sich in seinen Wassern, und von den kühnsten Gipfeln am Seeufer schauten 3 gewaltige Burgen herab: Ruck, Gerhausen und Blaustein.

Die Herren der Schlösser, Angehörige eines Geschlechtes, hatten vom Herzog von Schwaben die Pfalzgrafschaft Tübingen bekommen und waren nun von den unheimlichen Gestaden des Sees ins liebliche Neckartal gezogen. Nur ab und zu kehrte einer oder der andere von ihnen für einige Wochen in die väterlichen Hallen zurück, um in den umliegenden Forsten der fröhlichen Jagd zu pflegen. So hatte sich auch an einem schönen Sommermorgen der Graf Sigiboto mit einem herrlichen Gefolge in der alten Heimat eingefunden. In der Burg Blaustein, die sich auf zwei steil über dem See aufragenden Felsspitzen erhob, nahm er Wohnung. Bald erscholl durch die Wälder und über den See hin das wilde Gekläff der Rüden, der Halloruf der Jäger und der Klang der Hörner. Die Nacht fand die fröhliche Gesellschaft bei Trunk, Spiel und Sang in den Hallen der Burg versammelt.

Nun hatte der Graf auch eine liebliche Tochter, Berta, bei sich. Sie stand in der Blüte ihrer Jugend und galt für eine der schönsten und tugendhaftesten Jungfrauen Schwabens. An dem lauten Treiben von Jagd und Festen fand sie wenig Geschmack. Oftmals, wenn die andern sich lärmend im Schlosse unterhielten, schlug sie einsam den Weg nach dem Ufer des Sees ein, setzte sich in den Schatten eines alten Ahorns und schaute träumend hinauf zu den wandernden Wolken und hinab auf den See, dessen Spiegel bald im hellsten Blau, bald im düstersten Schwarz erglänzte, und in welchem Himmel, Felsen, Bäume und Schloss in wunderbarer Deutlichkeit sich malten. So saß sie an einem warmen Sommerabend wieder am stillen Seeufer und schaute hinunter in die geheimnisvollen Tiefen.

Da war es ihr auf einmal, wie wenn das Wasser immer heller und heller würde und ihr Blick immer tiefer und tiefer hinabsänke. Und drunten auf dem Grunde des Sees zeigte sich ihren erstaunten Augen inmitten grünender Auen ein kristallenes Haus mit prächtigen Säulen und leuchtenden Mauern, und aus demantenen Fenstern schauten viele schöne Knaben heraus, die lockten und sangen: »Komm, Rose aller Rosen, herab ins Königsschloß, komm Schönste aller Schönen, sei unsre Königin!« Und nun fingen die Wasser an zu rauschen. Es quoll und schwoll herauf, und plötzlich tauchte aus dem Spiegel des Sees ein schöner Jüngling auf. Seine braunen Locken durchschlang ein goldenes Stirnband, und um den Leib wallte ein himmelblaues Gewand. Berta konnte kein Auge von der herrlichen Gestalt wenden. Mit freundlichem Blick trat der Jüngling auf die regungslos Dasitzende zu und berührte mit seinen Lippen ihre Stirne. Da erwachte sie plötzlich aus ihren Träumen. Das liebliche Bild war verschwunden. Über ihr glänzten die Sterne, unter ihr glitzerte der See, und der Duft der wilden Rose erfüllte die laue Luft mit Wohlgeruch.

Von diesem Tage an war Berta noch stiller und ruhiger als vorher. Sie gestand jedoch niemanden, was sie gesehen, und auch der Vater wußte nicht, wie er sich das träumerische Wesen seiner Tochter erklären sollte. So kam allmählich der Tag heran, an dem Berta ihren 18. Geburtstag feiern sollte. Der Vater wollte diesmal das Fest mit besonderer Pracht halten. So lud er denn die edelsten Jungfrauen und Jünglinge Schwabens auf den Blauenstein; denn er gedachte, es möchte vielleicht Berta einen der Ritter zum Gemahl sich wählen und auf diese Weise ihre frühere Fröhlichkeit wieder erlangen.

Am Abend vor dem Geburtstage erstrahlte der Saal der Burg im hellsten Glanze. Man hatte sich versammelt, um durch Tanz und frohen Scherz das eigentliche Fest einzuleiten. Die Musik spielte, und Berta eröffnete, festlich geschmückt, den Reigen mit ihrem Vetter, einem Grafen von Calw. Hocherfreut, dass Berta sich entschlossen hatte, an dem Vergnügen des Abends teilzunehmen, trat der Vater, eine kostbare goldene Schale voll edlen Weines in der Linken, auf seine Tochter zu, ergriff sie an der Hand und sagte bittend: »Liebes Kind, schau‘ umher im Kreise der Ritter, und welchen du dir zum Gemahl erküren willst, dem reiche die Schale zum Trunke, auf dass wieder Freude einkehre in deinem Herzen und in meinem Schlosse.« Der Vater trat unter die Gäste zurück. Die Jungfrau aber stand da, das Angesicht glutübergossen, den Blick in tiefster Verwirrung zu Boden gesenkt. Leise zitterte die mit Wein gefüllte Schale in ihrer Hand. Wählen sollte sie unter den anwesenden Rittern, und doch gehörte ihr Herz schon dem Königssohn auf dem Grunde des Sees.

Eine Träne perlte unter den gesenkten Wimpern hervor und fiel in die Schale. Da horch! Es ertönten von ferne die vollen Klänge einer Harfe. Von unsichtbarer Hand geöffnet sprangen die Türen auf, und ein braungelockter Jüngling mit goldenem Stirnband und blauem Mantel trat in den Saal. Leicht verneigte er sich zum Gruß gegen die anwesenden Gäste, und seinen feurigen Blick fest auf Berta gerichtet, sang er zu den Tönen seiner leuchtenden Harfe mit kristallreiner Stimme ein Lied. Was er sang, Berta hörte es kaum. Aber beim Klang der Stimme und beim Anblick des Sängers, da drängten sich alle die Bilder aus dem Grunde des Sees in ihre Seele: die blumenbedeckten Wiesen, die Demanthallen des Palastes, die jugendfrohen Gesichter der Knaben im tiefen Schlosse, Rosendüfte und Sphärenmusik. Marmorne Blässe und glühende Röte wechselten auf dem Gesichte der Jungfrau, und ihrer Sinne nicht mehr mächtig stürzte sie vor dem Sänger auf die Kniee, hielt ihm die Schale dar und rief: »Trink, trink und nimm mich mit dir!«

Der Königssohn schlang seinen Arm um die knieende Berta, zog sie zu sich herauf und schlürfte in vollen Zügen vom Nass der Schale. Und als er sie bis auf den letzten Tropfen geleert hatte, da zuckte ein blendender Strahl durch den Saal, und ein Donnerschlag erschütterte die Festen des Schlosses. Und als der Graf und seine Gäste wieder zu sich gekommen waren, waren Berta und der Sänger verschwunden. Vom See herauf aber gellte ein Schrei und in dumpfem Rauschen quollen und brodelten die Wasser aus der Tiefe, als wollten sie über ihre Ufer schäumen. Dann wurde es ruhiger und ruhiger auf dem Spiegel, und aus dem Grunde herauf stiegen wundersame Harfenklänge und Gesänge, bis zuletzt die Nacht wieder stumm wie zuvor über dem See lag. Durch das Schloss aber züngelten die Flammen des Blitzstrahls, und weithin über die Wasserfläche glitzerte der Widerschein der brennenden Gebäude. Am Morgen lag Blauenstein in Schutt und Asche.

Mehr noch als die Ruinen seines väterlichen Schlosses schmerzte den Grafen der Verlust seines geliebten Kindes. Suchend und rufend irrte er andern Tags durch die Wälder, und als er endlich nicht mehr darüber im Zweifel sein konnte, wohin seine Tochter gegangen, da brach er vor Schmerz und Jammer zusammen. »Verloren! Ewig verloren! Von der Hölle verführt! Ach, warum hat der Blitzstrahl nicht mein Haupt getroffen!« so klagte er einmal über das andremal. Das Leben hatte für den Pfalzgrafen keinen Wert mehr. Er ging ins Kloster Laichingen, das er wenige Jahre zuvor gegründet hatte, um Gott Tag für Tag auf den Knieen anzuflehen, er möge seine Tochter aus den höllischen Banden der unterseeischen Macht befreien.

Am Ufer des Sees aber ging eine merkwürdige Veränderung vor sich. Der Wasserspiegel senkte sich mehr und mehr, und die große Fläche des Sees zog sich zu einem kleinen Kessel zusammen, aus dem in munterem Laufe ein rasches Flüsschen abfloss. Zwischen den düsteren Berghängen und Felsschroffen entstand ein liebliches Tal, bedeckt mit saftigen, grünen Wiesen, und wenn die Sonne darüber hinleuchtete, war es anzusehen wie ein Garten Gottes.

Als der Graf von der wunderbaren Umwandlung erfuhr, da beschloss er, unmittelbar neben dem Blautopf ein Kloster errichten zu lassen. Hier fuhr er nun fort, den Himmel um Erlösung seiner Tochter zu bitten, und um die Mitternachtsstunde und an hohen Festtagen vernahm er oft seufzende und klagende Töne, die aus der Tiefe des Sees emporzusteigen schienen. Am Fest Mariä Himmelfahrt lag Graf Sigiboto wieder auf den Knieen vor dem Bilde der Gottesmutter und betete. Draußen brauste der Sturm und trug klagende Klänge vom See herüber. Sie schnitten dem Vater durch die Seele, und blutige Tränen benetzten den Saum am Kleid der Maria. Da öffneten sich auf einmal die Lippen des Gnadenbildes und sprachen die süßen Worte zu dem im Gebet Knieenden: »Sie ist gerettet.« Vom See her aber scholl ein jauchzender Jubel auf. Am andern Morgen fand man den Grafen Sigiboto tot vor dem Betaltar. Im Chor der Klosterkirche liegt er begraben.
Nach »Vorzeit und Gegenwart« von P. Barth. Quelle: ➥ https://www.projekt-gutenberg.org/antholog/s-bawue2/chap020.html

Der Blautopf

Im Jahre 1641, so erzählt eine alte Chronik, war der Topf so stark angelaufen, dass das Kloster Blaubeuren den Untergang fürchtete. Es wurde daher ein allgemeiner Bettag gehalten, eine Prozession zu der erzürnten Quelle veranstaltet, und gleichsam zur Versöhnung der in derselben wohnenden Nymphe wurden zwei vergoldete Becher hineingeworfen, worauf das Toben nachgelassen habe.
Quelle:Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 132-133. Permalink: ➥ http://www.zeno.org/nid/20004563387

Der Wunderstein vom Blautopf

Man findet gleichwohl, dass vor vielen Jahren, als die Grafen von Helfenstein das Städtlein Blaubeuren samt der ganzen Herrschaft und Zugehör, wie dann das nun von den Herzogen von Württemberg beherrscht, noch innegehabt, das zwei Gebrüder, des Geschlechts Grafen von Helfenstein, einstmals miteinander zu dem Ursprung und Brunnen der Blau spazieren gingen und der eine unter ihnen einen Stein allernächst dem Ursprung von mancherlei Farben gesehen. Den hat er aufgehoben und besehen. Wie bald das geschehen, da ist er dem andern Bruder aus den Augen gekommen, weshalb er ihn gerufen, wo er so bald hingekommen sei. Der hat ihm geantwortet. Wie er ihn aber noch nicht gesehen, aber wohl gehört oder vernommen, das er allernächst bei ihm sei, da hat er sich noch mehr verwundert, darauf dem Bruder bekannt, er höre ihn wohl, könne ihn aber nicht sehen, und begehrt, womit er solches zu Wege bringt.

Da hat ihm der Bruder den Stein auch in die Hand gegeben, also hat er ihn gleicher Gestalt nicht gesehen. Wie sie nun beide gemerkt, dass die Kraft von dem Stein her reiche, da haben sie nach langer Beratschlagung und Erwägen, was sie mit diesem Stein, als einem köstlichen Erbskleinod, anfangen wollten, sich doch letztlich dahin entschlossen und bedacht, welche Nachteile und Übel ihre Nachkommen und Erben hiermit anstiften möchten, dadurch auch ihr Geschlecht in Spott, Unehre und höchstes Verderben geführt werden könnte, darum sich beraten, dass sie des Steines und seiner Tugend und Kraft sich wollten verwegen und verzeihen, und damit warfen sie den Stein einhelliglich in den Ursprung der Blau, welcher dann viele Klaffter tief und sich niemand sorgen darf, dass ihn etwa wiederum vom Grund heraufbringe.
Rudolf Kapff: Schwäbische Sagen, Jena 1926 (Deutscher Sagenschatz) Link: https://books.google.com/books?id=T7xZAAAAMAAJ S.106

Georg Sürlin (Syrlin) (1496)

Die schönen Schnitzbilder an den Stühlen und am Hochaltar der Kirche zu Blaubeuren rühren von Georg Sürlin aus Ulm her. Als der Meister sein Werk vollendet hatte, fragten ihn die Mönche des Benediktinerklosters, ob er wohl einen noch schöneren Altar zu machen im Stande sei? Als er dies bejahte, so stachen sie ihm aus Neid, dass er nicht anderswo einen solchen Altar verfertigen möge, die Augen aus. – Da schnitzelte er, ohne es sehen zu können, aus Holz sein eigenes Bildnis, welches sich jetzt noch an der Wand bei der Sakristeithüre befindet.
Quelle: Birlinger, Anton: „Volksthümliches aus Schwaben“, 1861, Seite 354, Nummer 391, https://archive.org/details/volksthmlichesa00birlgoog/page/81/mode/2up?view=theater
ebenso: Quelle: Ernst Heinrich Meier: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, Stuttgart 1852, Band 2, Nr.391, Link: https://books.google.de/books?id=i1sKAAAAIAAJ
Quelle zur Abildung: http://www.zeno.org/Meyers-1905/B/Bildhauerkunst?hl=jorg+syrlin

Jörg Syrlinn (um 1450) Ritter vom Fischkasten in Ulm width=

Gnadenbild in Blaubeuren

Seit alten Zeiten ist die Klosterkirche in Blaubeuren ein vielbesuchter Wallfahrtsort: das Gnadenbild von Maria Heimsuchung ist da. Mal wollten es die Blaubeurer verkaufen; siehe! da trat der Blautopf aus; und wenn sie’s nicht alle Jahre sehen lassen, wenn die Wallfahrtsleute kommen, so trifft’s wieder ein.
Auch die Ehinger wollten mal das Bild fortführen, aber die Ochsen zogen nicht mehr und blieben am sog. Ochsenberge stehen und thaten keinen Zug weiter. Das Bild kam wieder zurück.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 417-418, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004569636

Mädchen dient in der Hölle

In Schmiechen (O.A. Blaubeuren) war mal ein Mädchen, dessen bitterböse Stiefmutter es eines Tages von Hause fort jagte mit den Worten: »Geh‘ fort in’s Teufels Namen!« Das arme Ding kam immer tiefer und tiefer in einen Wald, der sehr groß war. Da kommt ein grüner Jägersmann, tut, als ob er Mitleid hätte und sagte zu ihm, ob es nicht wolle mit ihm gehen und bei ihm dienen. Das Mädchen willigte ein. Der Jäger aber war niemand anders als der Teufel, den es nicht kannte. Sie gingen miteinander und kamen bald in die Hölle. Hier musste das Mädchen weiter nichts tun, als zwei Häfen schüren, ohne aber hineingucken zu dürfen. Da ging der Teufel mal wieder fort. Jetzt lugte es vorwitzig in die beiden Häfen und sah zu seinem großen Schrecken seinen Vater in einem und im andern seine Mutter; schürte aus Angst immer stärker. Hätte es das nicht getan, so wäre es ihm übel gegangen, denn der Teufel sagte, als er zurück kam, hätte es das nicht getan, so hätte er’s in Stücke zerrissen. Nach sieben Jahren endlich war der Dienst abgelaufen und das Mädchen durfte wieder auf die Oberwelt, wusste aber nicht, wie ihm geschehen und wie es heraufgekommen. Es war ganz schwarz von Hautfarbe und blieb es auch sein Leben lang. Seine Nahrung in der Hölle waren die Brotränfte, wie es sagte, von solchen Brotlaiben, über die auf der Welt beim Anschneiden oder Verschneiden das Kreuz nicht gemacht wurde.
In einer Sage bei Th. Vernaleken, Mythen und Bräuche S. 179, darf das Mädchen den Deckel eines Topfes in des Wassermanns Reich nicht lüpfen, tat es doch und befreite ihren Bruder, der gefangen darunter saß. Auch von einem Buben gibt es eine ähnliche Sage in Schwaben.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 269-270, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004566807

Meister Sürlin

Im Chor der Klosterkirche zu Blaubeuren ist gar ein wundersames und übervortreffliches Schnitzwerk des Ulmer Künstlers Meister Georg Sürlin zu erschauen. Die Sage geht, als der kunstvolle Meister das herrliche Werk vollbracht, so fragten ihn die Mönche, ob er sich wohl getraue, nochmals einen so schönen Altar, oder noch einen schönern, zu vollbringen, und da nun der Meister, seiner Kunst sich bewusst, in Hoffnung auf neue Arbeit und Verdienst ja sagte, da taten sie ihm wie die treulosen Straßburger dem Meister Habrecht, sie stachen dem Künstler die Augen aus und behielten ihn im Kloster. Da schnitzte er heimlich in einem Chorgestühle das eigene Bild, ein trauervoll gebücktes Männlein, und das Bild sagte den spätern Zeiten auf geheime Weise der schändlichen Mönche Untat an. An der Wand bei der Sakristeitüre ist’s noch zu sehen.
Quelle: Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersburg und Leipzig 1930, S. 587. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004543548

Brauchtum

Der Freistein

Im Hofe des Klosters Blaubeuren liegt ein Stein, der Freistein genannt. Nach der gemeinen Sage wäre dieser Stein ein Asylstein gewesen, dergleichen in mehreren Klosterhöfen, z.B. in Pfullingen, sich befanden
Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 233. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004576411

Johannis

Auf dem Frauenberge bei Gerhausen, eine halbe Stunde von Blaubeuren entfernt, feiert die Jugend den Johannisabend mit Freudenfeuern, indem Räder aus Stroh geflochten, angezündet und den Berg hinabgerollt werden. Auch sagt man noch, dass die Gräfin Anna, die auf dem Frauenberge gewohnt haben soll, alle Jahr daselbst am Johannistage einen Eimer Wein unter die Jugend vertheilt habe. (Memminger Beschr. des OA Blaubeuren S.155)
Quelle: Ernst Heinrich Meier: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, Stuttgart 1852, Band 3, Nr. 109, Link: https://books.google.de/books?id=i1sKAAAAIAAJ

Lichterstuben / Spinnstuben

Namen für die Spinnstube sind: Karz, Kâz, Lichtkarz, Netze, Heimgarten, Vorsitz, Hoierlaus. Dem entsprechend gibt es einen Lichtgang, Lichten, z’Licht gehen, zum Rockenlicht gehen, in den Rocken fahren, in die Kunkel gehen etc.

Die Kunkelstuben dürfen in gewissen Gegenden nur solche Burschen besuchen, die entweder bereits ein Handwerk gelernt haben, oder als Knechte im Stande sind, allein einen Garben- oder Heuwagen hoch, schön und im Gleichgewicht zu laden und gerade Furchen zu ackern. Alle diese dürfen auch rauchen. Die gleichen Rechte hat auch der Soldat. Kommt aber ein blutjunges Bürschlein, das nichts gelernt hat, so wird es hinausgewiesen, ihm die Pfeife aus dem Mund geschlagen, zertreten, ein Leintuch oder eine Kinderwindel über seinen Rücken gehängt, einen Schlozer in den Mund gemacht und allgemein verspottet.

Eine beliebte Sitte ist das Angelnschüttlen (ëegeme şüttle); es ist ein Vorzug des Geliebten oder des Wohlgelittenen. Jede Spinnerin hat in gewissen Orten ihren Abschüttler, der muss beim Schlusse der Spinnstube im Frühjahr etwas bezahlen.

Nach alter Sitte lässt das Mädchen Spindel und Wirtel auf den Boden fallen, der Bursch hebt sie auf, worauf sie ihm irgend etwas schenken muss.

In einigen Gegenden Schwabens wurde früher häufig das »Schuhschoppen« gespielt. Man saß im Kreis in der Stube herum, zog einem Mädchen einen Schuh aus, einem andern wurden die Augen verbunden. Die Mädchen (Burschen durften nicht dabei sein) zogen die Füße etwas auf und durch die so entstandenen Kniewinkel wurde der Schuh von einer der andern zugeschoben. Die Blinde musste suchen, und bei welchem Mädchen sie den Schuh fand, das musste heraus und sie durfte hinein, worauf jener die Augen verbunden wurden. dieses blinde Kuhspiel konnte oft wiederholt werden. (Rottenburg)

Im Oberamt Blaubeuren waren die Lichtstuben, von beiderlei Geschlecht besucht, verboten. Scharwächter und Landjäger hatten den Auftrag, nachzusehen. Wurde eine solche Gesellschaft beisammen gefunden, so war gegen 3 bis 4 fl. Strafe auf den Kopf gesezt. Im Unterland drunten muss da und dort die Hausfrau für die gute Aufführung der Spinnerinnen im Vorsitz haften. Die Strafe des Zuwiderhandelns trifft nicht die Mädchen, sondern die Frau selbst.

Das »Schuhschieben«

In dem Generalrescript vom 29. Juli 1642 S. 427 im fünften Band der Reyscher’schen Sammlung heißt es:

»Es sollen auch die Nachtkärtze, außerhalb so nur Weibspersonen allein, etwa zur Ersparung des Lichts wegen spinnens oder Verrichtung anderer nützlichen Geschäften und darüber Gottseliger erbaulicher Gespräch, an unverdächtigen Orten zusammen kommen, wie auch oberwähnte Eigenbrödlerin und ihresgleichen, welche zu allerhand Lenociniis, Kuppeleien und dergleichen verführerischen Untaten, meisterlich zu helfen wissen, mit angelegenem scharfem Ernst stracks abgeschafft und fürderhin dergleich keineswegs mehr im Geringsten geduldet werden.«
Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 431-433. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004578236

Martinitag

Auch das Kloster Bleubeuren gab seinen Leuten den Martinstag. Ein zwei Eimer haltendes Fass neuen Weines wurde am Vorabend des Festes auf einen Karren geladen und morgens 6 Uhr von dem Gastknechte in Begleitung des Schreibers und Binders ausgeführt und von diesen auf vorgeschriebene Weise unter Zuziehung der Stadtknechte, Scharwächter und Gartenhüter regelmäßig verteilt. Nach diesem wurden ebengenannte Leute in des Klosters Gasthause gespeist, jedem nach dem Essen ein Wecken gegeben. Zur Vesperzeit saß der Schreiber mit einer zweimäßigen Kanten »voll Märtins« vor der Kirche in der Stadt; jedem, der da Zins brachte, gab er einen Trunk.
Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 164-165. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004575288


1 Informationen zusammengestellt bzw. zitiert aus Wikipedia (Quelle siehe „Allgemeines“)

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