Oberschwaben – historische Ortsansichten & regionale Sagen

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Der ehemalige Katharinen-Altar der Nikolaikirche

Der „Katharinen-Altar“, ein Nischenaltar, befand sich wahrscheinlich im hinteren Drittel der Kirche in einer „Ausbuchtung“ seitlich im „Südschiff“. Dieser Anbau wurde von Hans oder Kaspar Eberz19 nach 1470 gestiftet (oder initiiert) und daher auch „Eberz’sche Kapelle“ genannt. Katharina wird oft mit den 14 Nothelfern dargestellt – u.a. mit St.Nikolaus (Nikolai). Eventuell ist dieser im zentralen (noch verschwundenen) Mittelteil des Altares dargestellt.

Verbleib der Teile des Katharinenaltares

Gliederung

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    • Verbleib der Teile des Katharinenaltares
    • Die Heiligendarstellungen des Altares
    • Weitere Altäre
    • Altäre aus der Barockzeit
  • Weitere „Nothelfer“-Altäre
    • Strigel-Altar aus Damüls
    • Isny im Allgäu – Menelzhofen
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  • Die 14 Nothelfer
  • Liste der vierzehn Nothelfer 
  • Kapitel zum Strigel-Altar
  • Weitere Kapitel zur Nikolaikirche
  • Anlagen
    • Abbildungen
    • Literatur
      • Online
    • Fußnoten

Vier Tafeln des Katharinenaltares konnte ich in der Sammlung des ➥ Dominikanermuseums in Rottweil aufstöbern. Dorthin kamen sie über den Kunstsammler und Pfarrer Carl Gustav Abel. Die Tafeln werden dort eindeutig der Provenienz aus der Nikolaikirche in Isny zugeordnet. Es handelt sich dabei jeweils um Vorder- und Rückseite. Quelle: ➥ https://bawue.museum-digital.de/object/5824

Der Krimi geht weiter. Nachdem zur Kirchenpflege der Nikolaiklirche auch die ehemalige Spitalkirche am Marktplatz gehört hatte und sich dort ebenfalls ein (oder dieser) Katharinenaltar befand, müssen weitere Forschungen in den Quellen erfolgen. „…neuer Altar der zu Ehren Unseren lb. Frau, der Heiligen Barbara, Margaretha, Katharina und Cecilia im Hospital zu Isny geweiht wurde.“ (1481 Okt. 13,  Spitalarchiv Nr. 657)

Hl. Katharina und Hl. Barbara (Dominikanermuseum Rottweil), um 1480

Hl. Katharina und Hl. Barbara (Dominikanermuseum Rottweil), um 1480


Katharina und Barbara würden passen – Elegius und Anna Selbdritt nach dieser Quelle jedoch nicht. Diese passen jedoch auch stilistisch nicht ins Ensemble, werden jedoch in der Provenienz als „aus Isny stammend“ ausgewiesen. Dies könnte die Spur zu einem weiteren Altar weisen. Die Nikolaikirche besaß 7 Kapläne – mit zugehörigen Altären.
Im Evangelischen Kirchenarchiv in Isny wird in der „Spitalkirche“ am Marktplatz in Isny ein Katharinenaltar erwähnt. Eventuell handelt es sich demnach um 2 Altäre an verschiedenen Plätzen – der Nikolaikirche und der Spitalkirche.

Als Rückseiten („Werktagsseite“) der Altarflügel mit den Darstellungen der Hl. Katharina und Hl. Barbara werden im Dominikanermuseum Rottweil die Tafeln des „Hl. Elegius“ und der „Anna selbdritt“ (um 1480) zugeordnet. Anna Moraht-Fromm ordnet diese Tafeln einer Überlinger Werkstatt zu. (Vgl. KVII, S. 69, Nr. 284) Die Strigels hatten wohl bereits damals „Subunternehmer“ beauftragt, falls das Auftragsvolumen zu groß wurde.

Altartafel mit Darstellung des Hl. Elegius um 1480, heute im Dominikanermuseum Rottweil - aus der Nikolaikirche in Isny

Hl. Elegius um 1480

 

Altartafel mit Darstellung der Hl.Anna Selbdritt, Dominikanermuseum Rottweil, ehem. Nikolaikirche in Isny

Hl. Anna Selbdritt, um 1480

Die Tafeln mit den Darstellungen der Hl. Katharina und Hl. Barbara (Standort: Dominikanermuseum in Rottweil, um 1480), sind Altartafeln der „Festtagsseite“ des Altares.
Maße: Höhe 180 cm, Breite 80,5 cm pro Altarflügel.
Gesamtmaß des Altar-Retabels somit 180 x 161 cm (h x b) im geschlossenen Zustand (Werktagsseite), geöffnet ca. 180 x 322, ohne Rahmen und oberen Schmuckaufsatz (Festtagsseite)
Das Mittelteil dieses Altarretabels ist noch verschollen. Es müsste 180 x 161 cm (h x b) aufweisen.

Die Art, wie die „Festtagsseite“ gestaltet ist – und hier besonders die Ziselierung des Goldgrundes – deutet für mich auf die Herkunft aus der Memminger Strigel-Werkstatt hin. Frau Anna Moraht-Fromm, ausgewiesene Strigel-Expertin, teilt meine Vermutung, dass dieses Heiligenpaar aus der Werkstatt von Ivo Strigel stammen könnte. Siehe unten die beiden vergleichbaren Reliefs aus Damüls, die sich heute in Berlin befinden – und den in der Fußnote angegebenen Link dorthin 22.

Gudrun Litz vermerkt: „In der Rottweiler Lorenzkapelle sind zwei Altarflügel ebenfalls aus der Isnyer Pfarrkirche mit Darstellungen der Hll. Barbara und Katharina zu sehen; vgl. Baum: Bildwerke der Rottweiler Lorenzkapelle, S. 34f., Nr.67 und Nr.68 (Abb).“ 21 Diese Tafeln befinden sich heute im Dominikanermuseum in Rottweil. Ich konnte sie dort in der Präsenzausstellung bereits bewundern. Die Fotografie gibt die Farbe der Tafeln nur annähernd wieder – was der fotografischen Technik und der Beleuchtung geschuldet ist.

Die Heiligendarstellungen des Altares

Die Heilige Katharina gehört zu den sogenannten Virgines capitales, den vier großen heiligen Jungfrauen. Die hl. Katharina zählt zu den heiligen vierzehn Nothelfern und gilt als Helferin bei Leiden der Zunge und Sprachschwierigkeiten. Sie ist Schutzpatronin der Schulen, der philosophischen Fakultäten, der Näherinnen und Schneiderinnen (➥ Wikipedia) – wodurch sich ein Bezug zum Leinwandhandel Isnys ergibt. Der Legende nach …“hatte Katharina von Alexandria durch geschicktes Argumentieren 50 Gelehrte zum christlichen Glauben bekehrt. Dafür wurde sie mit dem Tod durch das Rad bestraft. Als auf ihr Gebet hin Feuer vom Himmel fiel und das Folterinstrument zerstörte, wurde sie enthauptet.“ 12

Die Heilige Barbara (➥ Barbara von Nikomedien) ist Schutzpatronin der  Bergleute sowie der Artillerie, der Architekten und Bauarbeiter (Maurer, Zimmerleute, Dachdecker) sowie der Glöckner, Türmer und Glockengießer, der Feuerwehr sowie weiterer Berufe, die mit Feuer umgehen, wie Feuerwerker, Goldschmiede, Sprengmeister, Salpetersieder, Büchsenmacher und Waffenschmiede zudem Schutzpatronin der Metzger, Köche, Totengräber und Buchhändler. Sie ist auch Patronin der Mädchen, der Sterbenden und der Gefangenen.

Anna selbdritt bezeichnet in der christlichen Ikonographie eine Darstellung der heiligen Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind. Sie ist die Mutter von Maria und somit die Großmutter von Jesus Christus. Viele Bruderschaften – vor allem in Deutschland – wählten Anna zur Schutzpatronin und stifteten Kapellen und Altäre, auf denen häufig Statuen der Anna selbdritt aufgestellt wurden. 

Der Hl. Elegius (➥ Eligius von Noyon) ist „Schutzpatron zahlreicher Berufe wie der Bauern, Bergleute, Büchsenmacher, Goldschmiede, Graveure, Hufschmiede, Knechte, Kutscher, Kutschenmacher, Lampenmacher, Metallarbeiter, Münzmeister, Pferdehändler, Sattler, Schleifer, Schlosser, Schmiede, Schwertfeger, Tierärzte, Uhrmacher, Wagner und Zinngießer.“ (➥ Wikipedia)
Elegius als Schutzpatron der Hufschmiede, Sattler und Schlosser müsste für mehrere Isnyer wichtig gewesen sein – immerhin war Isny zu jener Zeit eine bedeutende Handelsstadt für Tuch- und Salzhändler, sowie Zwischenstation für den Salzhandel von Bad Reichenhall in die Schweiz und Italien.

Was im Mittelteil (=Hauptteil) dargestellt war, ist noch Objekt der Nachforschung. Die Zuordnung zu den Schutzheiligen könnte Hinweise auf die Stifter geben.

Weitere Altäre

Vermutlich wurden die Altäre beim Bildersturm 1534 abgebaut – da dieser aus Heiligenbildern („Götzenbidern“ bestand, die in reformierten Kirchen nicht mehr geduldet wurden.

Kammerer¹ vermerkt in seinen „Bildern aus einer Reichsstadt“ :
„Zu den schon um 1400 in der Pfarrkirche bestehenden Altarpfründen (Tagmesse oder St.Michaelspfründe, Frauenpfründe, St.Johannes-Pfründe und St.Katharinen-Pfründe) kamen von 1450 an in einer besonders stiftungsfreudigen Zeit noch drei weitere Altarpfründe: 1465 eine von der Witwe des Krämers Hans Mayer gestiftete Pfründe zu Ehren der Heiligen Veit, Valentin, Antonius und Bernhard, 1480 eine St.Ursus-Pfründe und um 1491 eine von Agatha Weißland gestiftete Drei-Königs-Pfründe.“ (a.a.O. S.101)

Altäre aus der Barockzeit

Kammerer vermerkt in der Beschreibung zum Wiederaufbau der Nikolaikirche um 1640: „Zur selben Zeit bekam die Kirche zwei Altäre, den sogenannten oberen, der im Chor (wohl als Hochaltar) stand, und den unteren im Mittelschiff – leider heute nicht mehr erhalten! Von einem dieser Altäre stammen sicher zwei noch im Ölberg aufbewahrte Tafeln mit der Darstellung des Mannaregens und des Jakobstraumes sowie Bruchstücke einer Tafel mit der Darstellung des Abendmahls.Diese Tafeln befinden sich heute noch dort – sind jedoch in einem beklagenswerten Zustand.

Tafel aus der Ölbergkapelle, stark beschädigt. Foto: W.Autenrieth, 2024

Tafel aus der Ölbergkapelle, stark beschädigt. Foto: W.Autenrieth, 2024

Abendmahldarstellung aus der Ölbergkapelle, stark beschädigt. Vermutlich Predella eines Altarretabels. Foto: W.Autenrieth, 2024

Abendmahldarstellung aus der Ölbergkapelle, stark beschädigt. Vermutlich Darstellung aus der Predella eines Altarretabels. Foto: W.Autenrieth, 2024

Es kann leider nicht mehr festgestellt werden, ob der in der Sakristei verwahrte Entwurf des Hochaltars (aquarellierte Zeichnung; als Blatt; Christus als Keltertreter) zur Ausführung kam.“²
Im von Kammerer erwähnten und zitierten Rechnungsbuch des Kirchenarchivs Isny um 1640 werden alle Gewerke genannt – jedoch nicht für die Ausführung eines Altars. Nach den Berichten wurde der Chor vom Feuer verschont, ebenso die Sakristei und die Prädikantenbibliothek.

Joh.Bapt. Specht vermerkt in seinem Isnischen Gedächtnis von 1750, dass sein Großvater „die Ehre hatte, den Altar zu mahlen“.

Weitere „Nothelfer“-Altäre

Strigel-Altar aus Damüls

Tafeln eines Altares von Ivo Strigel, den dieser für die Kirche in Damüls (Vorarlberg) hergestellt hatte, befinden sich heute im Bode-Museum in Berlin. Diese weisen frappierende Ähnlichkeit mit den Isnyer Tafeln in Rottweil auf. So ist der Hintergrund auf diesselbe Weise farbig abgesetzt – was auf die Herkunft aus derselben Werkstatt schließen lässt – und die Figuren besitzen eine Ähnlichkeit im Faltenwurf.

Ivo Strigel: Katharina und Barbara, Bode-Museum Berlin, Provenienz aus Damüls, Schweiz

Ivo Strigel: Katharina und Barbara, Bode-Museum Berlin, Provenienz aus Damüls, Schweiz

Die Ähnlichkeit mit den Tafeln aus Isny ist ersichtlich. 22

Isny im Allgäu – Menelzhofen

Die Katholische Pfarrkirche Sankt Margaretha in Menelzhofen, Isny im Allgäu, (1786/1800) enthält einen Hochaltar mit einer Gruppe der vierzehn Nothelfer (Vierzehnheiligen): Achatius, Barbara, Blasius, Katharina, Christophorus, Cyriacus, Dionysius, Erasmus, Eustachius, Georg, Ägidius, Margaretha, Pantaleon, Vitus 15 


Kathedrale von Chur

In der Kathedrale von Chur steht ein Katharinen-Altar, der Ähnlichkeiten mit der Malweise von Strigel zeigt und etwa zur selben Zeit entstand. Auf den vier Tafeln sind abgebildet:
St. Oswald, St. Nikolaus, St.Hieronymus mit dem Löwen und St.Christophoros. Im 17. Jahrhundert waren nach dem großen Stadtbrand von Isny einige Patrizierfamilien in die Schweiz ausgewandert. Die Werkstatt von Ivo Strigel lieferte mindestens einen Altar nach Chur. 16

Spekulation
In der Kathedrale von Chur gibt es einen Katharinenaltar um 1500, das Triptychon eines Meisters aus dem Bodenseeraum, der nach Dürers Holzschnitten arbeitete. Hatten die Patrizier den Altar vor dem ‚Bildersturm‘ gerettet? – Dieser wird spekulativ Albrecht Dürer zugeschrieben, könnte somit durchaus auch von Strigel stammen. 17

Striegel-Altäre in der Gegend von Chur

„Es scheint, als hätten diese Werkstätten die Aufteilung der Liefergebiete in
Graubünden abgesprochen. (…) Die Werkstatt von Ivo Striegel arbeitete ausschließlich für die Regionen Lugnez, Misox und am Vorderrhein. (…)
1. Brigels, Kapelle Eusebius, Hochaltar datiert 1486, Yvo Striegel zugeschrieben.
2. Disentis, Pfarrkirche, Altar der Abdankungskapelle datiert 1489, von Striegel signiert.
3. Obersaxen, Kapelle Meierhof, ein Altar um 1490, ist Yvo Striegel zugeschrieben, die Malerei seinem Sohn Bernhard.
4. Lumbrain, Pfarrkirche, Altarfragmente um 1490, sind Yvo Striegel, die Malerei als Frühwerk seinem Sohn Bernhard zugeschrieben.
5. Vals, Pfarrkirche, Altar in der Marienkapelle, um 1500, Zuschreibung der Werkstatt Striegel, die Figuren Weckmannstil (Westhof).
6. Degen, Kapelle St. Sebastian, der Hochaltar ist datiert 1506, signiert von Yvo Striegel. Das Retabel ist heute in einen Ritzaltar des 18. Jahrhunderts integriert. Restauriert 1986 – 1988.
7. Chur, rhätisches Museum, ursprünglicher Hochaltar der Pfarrkirche Grono, datiert 1516, Striegel zugeschrieben.
8. Roveredo-Carasole, S. Rocco, grosses Altarfragment, um 1512, Yvo Striegel zugeschrieben.

Mehrere bedeutende Striegel-Altäre, aus dem Misox und Calancatal befinden sich in Schweizer Museen. Ferner befinden sich diverse Figuren und Bilder, die von Yvo und Bernhard Striegel geschaffen wurden, im Churer Dom-Museum, im Museum San Vittore, in der Pfarrkirche Roveredo, in der Kapelle San Lucio in Cama, in den Pfarrkirchen von Schlans, Brigels und Vrin.“
zitiert aus: ➥ https://www.restaurator.tv/Publications/Spaetgotische_Altaere_Graubuendens.pdf


Die 14 Nothelfer

Liste der vierzehn Nothelfer 

Informationsquellen siehe Fußnoten 4, 5

  1.  Achatius von Byzanz|Achatius
    Helfer bei Todesangst
    Anführer der zehntausend Märtyrer, die unter Kaiser Hadrian (Kaiser) (117–138) auf dem Berg Ararat wegen ihres Glaubens gekreuzigt wurden.
    Attribut: Soldat mit Dornenkrone oder Kreuz
    Gedenktag: 8.5.
  2.  Ägidius (Heiliger)
    Helfer bei der Beichte und der stillenden Mütter
    Der einzige Nichtmärtyrer, Gründer des Benediktinerklosters Abteikirche Saint-Gilles (St. Ägidius = frz. Saint Gilles) in der Provence.
    Attribut: Einsiedler mit Hirschkuh
    Gedenktag: 1.9.
    An seiner Stelle auch
    Leonhard von Limoges
    Attribut: Kette
    Merkvers: „St. Leonard dein Tugend groß, von Band und Ketten mach uns los.“
  3.  Barbara von Nikomedien
    Patronin der Sterbenden, Helferin gegen Blitz- und Feuersgefahr, Schutzpatronin der Bergleute, Geologen, Artilleristen, Gießer, Hüttenleute, Architekten, Glöckner, Glockengießer, Schmiede, Maurer, Steinmetze, Zimmerleute, Dachdecker, Elektriker, Kampfmittelbeseitiger, Pyrotechniker und Feuerwerker, Feuerwehrleute, Helfer des Technischen Hilfswerks (THW). Sie ist auch Patronin der Totengräber, Hutmacher, der Jungfrauen und der Gefangenen
    Der Überlieferung nach in einen Turm eingesperrt, misshandelt und enthauptet.
    Attribute: Turm, Kelch und Hostie
    Gedenktag: 4.12.
  4.  Blasius von Sebaste
    Helfer bei Halsleiden, Geschwüren, Pest, für eine gute Beichte, Beschützer des Viehs, und Patron zahlreicher Handwerksberufe.
    Bischof von Sivas (Armenien, Sebaste, heute Sivas/Türkei), erlitt das Martyrium um 316 durch Enthauptung.
    Attribut: gekreuzte Kerzen
    Gedenktag: 3.2.
  5.  Christophorus
     Christusträger, Helfer gegen unvorbereiteten Tod, Rettung aus jeglicher Gefahr, Schutzheiliger der Reisenden, gegen Epilepsie, Unwetter, Hungersnot, Gewitter und Hagelstürme, Pest, Zahnschmerzen, schlechte Träume. Schutzpatron der Bogenschützen, Autofahrer, Seefahrer, Flößer, LKW-, Bus- und Taxifahrer, Buchbinder, Bleicher, Pförtner und der Obst- und Gemüsehändler
    452 wurde in Chalkedon eine Kirche (Martyrion) mit dem Patrozinium des heiligen Christophoros geweiht.
    Attribut: Jesusknabe / Christuskind auf der Schulter
    Gedenktag: 24.7.
  6.  Cyriacus von Rom
    Helfer in der Todesstunde und bei teuflischen Anfechtungen
    Diakon, † um 305 als Märtyrer während der Christenverfolgungen im Römischen Reich
    Attribut: Diakon mit gefesseltem Teufel
    Gedenktag: 8.8.
  7.  Dionysius von Paris
    Helfer bei Kopfschmerzen, Tollwut, Gewissensnöten und Seelenleiden
    Kam im 3. Jh. von Rom als Missionar nach Gallien. Der römische Statthalter ordnete seine Enthauptung an. 626 erbaute der fränkische König Dagobert I. eine nach ihm benannte Abtei mit der Kathedrale von Saint-Denis, die den französischen Königen als Grablege diente.
    Attribut: Bischof mit abgeschlagenem Haupt in den Händen
    Gedenktag: 9.10.
    An seiner Stelle auch:
    Papst Sixtus II.
  8.  Erasmus von Antiochia (auch: Rasmus, Elmo)
    Helfer bei Leibschmerzen, Krämpfen, Koliken, Unterleibsbeschwerden und bei Magenkrankheiten; er wird angerufen bei Geburten und bei Krankheiten der Haustiere
    Überlebte seine erste Marterung unter Diokletian, verließ seine Diözese und wirkte in Kampanien, † um 305 in Formia (Kampanien).
    Attribut: Buch, Seilwinde (Schiffswinde) und Bischofsstab
    Gedenktag: 2.6.
    An seiner Stelle auch
    Nikolaus von Myra
    Attribut: 3 Goldkugeln
    Merkvers: „St. Nikolaus der heilig Mann, zu Land und Wasser helfen kann.“
  9.  Eustachius
    Helfer bei schwierigen Lebenslagen und bei Trauerfällen, (ursprünglicher) Schutzheiliger der Jäger
    Heermeister unter Kaiser Trajan (53–117), um 120/130 unter Kaiser Hadrian wegen seines Glaubens hingerichtet.
    Attribut:Hirschgeweih mit Kreuz im Geweih
    Gedenktag: 20.9.
  10.  Georg (Heiliger)
    Helfer bei Kriegsgefahren, Fieber, Pest und anderem, gegen Versuchung und für gutes Wetter, und insgesamt Beschützer der Haustiere
    Römischer Offizier, der als christlicher Märtyrer im frühen 4. Jh. enthauptet wurde. Ein Überlieferungszweig versteht ihn als Drachenkämpfer.
    Attribut: Ritter mit Schwert, Schild und Drachen
    Gedenktag: 23.4.
  11.  Katharina von Alexandrien
    Beschützerin der Mädchen, Jungfrauen und Ehefrauen, auch Helferin bei Leiden der Zunge und Sprachschwierigkeiten, und Patronin der Gelehrten sowie auch zahlreicher Handwerksberufe
    Kernstück der griechischen Urfassung der Katharina-Legende ist das Martyrium unter Kaiser Maxentius im Anschluss an einen theologischen Disput. Da das Rad zerbrach, auf dem sie gerädert werden sollte, wurde sie mit dem Schwert enthauptet.
    Attribut: Verlobung, zerbrochenes Rad
    Gedenktag: 25.11.
  12.  Margareta von Antiochia
    Patronin der Gebärenden und bei allen Wunden
    Um 305 unter Diokletian enthauptet; in der Kirchenmalerei oft mit einem Drachen als Symbol des Teufels, den sie überwunden hat, dargestellt.
    Attribut: Buch, Drachen an der Kette
    Gedenktag: 20.7.
  13.  Pantaleon (Heiliger)
    Patron der Ärzte und Hebammen
    Arzt Kaiser Maximians, † um 305 n. Chr. während der Christenverfolgung Diokletians.
    Attribut: Nägel oder auf das Haupt genagelte Hände
    Gedenktag: 27.7.
  14.  Veit (Heiliger) auch: Vitus
    Helfer bei Krämpfen, Epilepsie, Tollwut, Veitstanz (Chorea Huntington), Bettnässen und Schlangenbiss, Blitz, Ungewitter und Feuersgefahr, Aussaat und Ernte Patron der Apotheker, Gastwirte, Bierbrauer, Winzer, Schmiede und Kupferschmiede, Tänzer und Schauspieler, Lahmen und Blinden, Haustiere
    † als Märtyrer um 304 n. Chr. 1355 wurde sein Haupt in den Veitsdom (Prag) überführt.
    Attribut: Hahn, Kessel mit Öl
    Gedenktag: 15.6.

Zu den drei Nothelferinnen gibt es den Merkvers:
“Barbara mit dem Turm, Margareta mit dem Wurm, Katharina mit dem Radl – das sind die drei heiligen Madl“ (nach ihren Ikonografischen Heiligenattributen

Regional abweichend werden einzelne der elf männlichen Nothelfer auch durch andere Heilige ersetzt:

  • Rochus von Montpellier
  • Albertus Magnus

Außerdem rechnet man manchmal die vier heiligen Marschälle zu den Nothelfern:

  • Kirchenvater Antonius der Große
  • Bischof Hubertus von Lüttich
  • Papst Cornelius
  • Quirinus von Neuss
    Merkvers: „St. Quirin der mit Glori blüht, vor offnen Schäden uns behüt.“

In der Basilika Vierzehnheiligen liegen Merkverse aus, in denen zusätzlich zu den vierzehn bekannten Nothelfern weitere Heilige aufgeführt sind, die in verschiedenen Nöten angerufen werden können:

  • St. Adelgundis uns bewahr, vor Fieber, Krebs und Todsgefahr.
  • In Franken wird die heilige Anna gegen Unwetter angerufen: Heilige St. Anna, schick’s Gewitter vo’danna (fränkisch: von dannen).
  • St. Anton frommer Einsiedler, für bösen Brand sei unser Mittler.
  • St. Apollonia durch dein große Pein, Wollst von Zahnweh uns befrein.
  • St. Apollinaris Marter groß, von fallender Seuch mach uns los.
  • St. Brigida laß uns genesen, von Wunden, Aussatz und bösen Wesen.
  • St. Domician das Weh der Lenden, durch deine Bitt thu von uns wenden.
  • St. Libori dein Gebet uns gieß, den Stein zerreib vertreib das Grieß.
  • St. Hubertus dein Kraft ist bekannt, halt uns bei Sinne und Verstand.
  • St. Magdalena rett uns aus großer Noth, bewahre uns vor jähem Todt.
  • St. Quintin heller Tugend Schein, wollest von uns wenden Hauptspein.
  • Lasst uns St. Rochus rufen an, vor Krankheit er uns hüten kann.
  • St. Sebastian mit deinem Pfeil, von Pestilenz uns Kranke heil.
  • St. Swibert mit sein Bischofsstab, von uns groß Übel wendet ab.

In der St.Lorenz-Kirche in Nürnberg befindet sich ein Katharinen-Altar, der wie folgt beschrieben wird:
„Katharina von Alexandria war der Legende nach von königlichem Geblüt und erlitt im Jahr 307 das Martyrium im ägyptischen Alexandria. Nachdem sie in ihrer Jugend ein Einsiedler zum christlichen Glauben geführt hatte, erschien ihr in einem mystischen Erlebnis Christus und steckte ihr einen Verlobungsring an den Finger. Der geöffnete Altar zeigt uns links diese mystische Verlobung im Kreis der 14 Nothelfer. Die Nothelfer waren im Mittelalter das himmlische Versicherungspaket der Menschen gegen alles, was ihre Existenz bedrohte.“

Kapitel zum Strigel-Altar

  • Der Innenraum der Nikolaikirche Isny
  • Umbau der Nikolaikirche Isny 1860
  • Wer entschied über die Nikolaikirche zwischen 1802 und 1860?
  • Abbruch der Friedhofskapelle 1531
  • Chorgestühl von Syrlin d.J.

Weitere Kapitel zur Nikolaikirche

  • Nikolaikirche und Reformationszeit
  • Die Geschichte der Nikolaikirche
  • Freie Reichsstadt Isny
  • 88316 Isny im Allgäu

Anlagen

Abbildungen

➥ Commons.wikimedia

Literatur

Online

Peter Schill: Ikonographie und Kult der hl. Katharina von Alexandrien im Mittelalter – Studien zu den szenischen Darstellungen aus der Katharinenlegende, Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades, München 2005, Download-Link (PDF) ➥ https://d-nb.info/976187280/34

Fußnoten

¹ Kammerer, Immanuel: Isny im Allgäu – Bilder aus der Geschichte einer Reichsstadt, Kempten, 1956, S. 101

² Kammerer, Immanuel und Georg Kopp: Die Nikolaikirche in Isny und ihre Bibliothek, Selbstverlag des Verfassers, 1949, S.11

3 Georg Bader: Freiheit kostet Kraft – Vom Existenzkampf der kleinen Reichsstadt Isny, Manuskript für eine Hörfunksendung des Südwestfunks zum 600. Jahrestag der Erhebung zur Freien Reichsstadt 1965, S.8

4  Wikipedia: 14 Nothelfer:➥ https://de.wikipedia.org/wiki/Vierzehn_Nothelfer

5  „Fachlexikon“:➥ http://www.apfelweibla.de/fachlexikon.htm

6  Robert Vischer: Neues über Bernhard Strigel in: Jahrbuch der Königlich Preußischen Kunstsammlungen, 6.Bd. (1885) pp. 81-87, Quelle: https://www.jstor.org/stable/4301802 (ges. 14.9.2023)

7  Die Tafeln sind aufgeführt im „Verzeichnis der im Flakturm Friedrichshain verlorengegangenen Bilder der Gemäldegalerie Berliner Museen“, 2. Jahrg., H. 1./2. (1952), pp. 16-28, Hrg: Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Quelle: ➥https://www.jstor.org/stable/4238088

8  siehe Kunstblatt: ➥ https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstblatt29_1848/0244/image,info, aus der Beschreibung der Sammlung Hirscher, hier – bereits 1848 – noch Hans Holbein d. Jüngeren zugeschrieben),  ➥ https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/A5YKEP35SOEKIH5HYP4OFYQKH5UQGSUU,
Abbildung aus: Otto, Gertrud; Strigel, Bernhard [Hrsg.]: Bernhard Strigel, Berlin [u.a.]: Deutscher Kunstverlag, 1964,  Quelle: ➥ https://doi.org/10.11588/diglit.52601,

9 a.a.O. und ➥ https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/RR2PVEFDTJPPBQ3KKHAM5CWWNL7N36LH

12 Quelle: ➥ https://gemaeldegalerie.skd.museum/ausstellungen/dauerausstellung/katharinenaltar/

13 Versteigert beim Auktionshaus Lempertz, Köln am 16.11.2019 für 99.200 €, Quelle: ➥ https://www.lempertz.com/de/kataloge/lot/1141-1/1003-bernhard-strigel-werkstatt.html (ges.13.9.2023)

14 Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, Archivnummer: Gm260, Leihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen / Wittelsbacher Ausgleichsfonds,
Quelle: http://objektkatalog.gnm.de/objekt/Gm260 (ges. 14.9.2023) Dort Angabe folgender Literatur zum Bild:
Moritzkapelle 1829 – 1846, Nr. 82. – Kunstblatt 1829, S. 403. – Quandt 1840, S. 318. – Gessert 1841, S. 42 – 43. – Waagen 1843, S. 191. – Moritzkapelle 1878 u. 1880, Nr. 100. – Kat. 1882, Nr. 177; 1885, Nr. 183. – Vischer 1885, S. 89. – Kat. 1893, Nr. 189. – Kat. Braune 1909, Nr. 260. – Firmenich-Richartz 1916, S. 482, Nr. 185/86. – Kat. Lutze u. Wiegand 1937, S. 178 – 179, Abb. 190. – Poensgen 1949, S. 193, Nr. 140. – Stange 8, 1957: Gotik, S. 140. – Otto 1964, S. 24, Nr. 14 b. – Rettich 1965, S. 135. – Stange 1970: Verz., Nr. 889. – Ausst. Neuss 1980: Boisserée, bei Kat.Nr. 113. – Goldberg 1991, S. 70, 76. – Dies. 1995, Anhang, Nr. 186 mit Abb. – Kurt Löcher: Germanisches Nationalmuseum: Die Gemälde des 16. Jahrhunderts. Stuttgart 1997, S. 483 – 485.

 15  ➥ https://www.bildindex.de/document/obj20670647

16 ➥ https://www.restaurator.tv/Publications/Spaetgotische_Altaere_Graubuendens.pdf , siehe auch ➥ https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/XQSKIMK2QEY3WCZA35PKIFV66WFJKFDQ

17 ➥ https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=swz-003:1972:45::266)

18 ➥ https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/creutzer1933_03_24/0024/image,info

19 Genealogie der Familie Eberz aus Isny
➥ https://privat.genealogy.net/schifferdecker/eberz.htm

21 Litz, Gudrun: Die reformatorische Bilderfrage in den schwäbischen Reichsstädten, Tübingen, 2007, Kapitel: Reformation in Isny,S.204 Fußnote 24

22 Abbildung: Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Quelle: https://recherche.smb.museum/detail/1861739/hl–katharina-und-hl–barbara
Credit: Antje Voigt https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/)

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