Der Innenraum der Nikolaikirche Isny
Das Äußere der Nikolaikirche ist eine Mischung aus romanischer Schlichtheit und gotischer Eleganz. Die schmucklose Westfassade des romanischen Langhauses kontrastiert mit der filigranen Gestaltung des östlichen gotischen Chors. Der spätgotische Chor der Nikolaikirche wurde ab ca. 1455 bis 1470 an das ursprünglich romanische Langhaus (von 1288) angebaut. Die Vollendung mit dem charakteristischen Sternrippengewölbe datiert auf das Jahr 1508.
Prädikantenbibliothek
An das Langhaus schließt sich am Fuß des Turmes die zweigeschossige Sakristei an, in deren Obergeschoss sich die bemerkenswerte Predigerbibliothek befindet. Die im Originalzustand des 15. Jahrhunderts erhaltene Prädikantenbibliothek ist eine der ältesten erhaltenen Bibliotheken Deutschlands. Sie wurde 1482 erstmals urkundlich erwähnt und beherbergt rund 2.650 Titel, darunter 80 Handschriften und 170 Inkunabeln (Wiegendrucke) aus der ersten Hälfte des zweiten Jahrtausends.
In der Prädikantenbibliothek finden sich auch Werke, die Paul Fagius gemeinsam mit Elias Levita in Isny und gedruckt hatte. Sie veröffentlichten in Isny hebräische Grammatiken, Wörterbücher (wie das Tischbi oder das Methurgeman) und aramäische Übersetzungen.
Kassettendecke
Die mit schwarzen Arabesken verzierte Kassettendecke aus Holz im Mittelschiff sowie die schlichteren Holzdecken der Seitenschiffe verleihen dem Raum eine elegante Note und verleihen der Kirche eine ungewöhnliche Akustik, die regelmäßig bei Konzerten ihre Brillanz entfaltet.
Taufstein
Zu den Schätzen der Kirche zählt auch der rot marmorne Taufstein aus dem Jahr 1641. Über dem Taufstein schwebt ein hölzerner Deckel, der mit Engelsköpfen verziert ist und in einer Darstellung der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer gipfelt.
Die Kanzel der Nikolaikirche Isny
Die Kanzel ist bemerkenswert. Sie hat vor allem im Kontext der Geschichte und des protestantischen Kirchenraums nach dem Dreißigjährigen Krieg bzw. dem Stadtbrand von 1631 Bedeutung.
Die Kanzel wurde von den Isnyer Schreinern Vrieh (Uricher) und Besenfelder im Jahr 1640 hergestellt. In den Nischen stehen die vier kunstvoll geschnitzten Evangelisten (wobei die Figur des Matthäus gestohlen und ersetzt werden musste). Der Schalldeckel ist aus Kastanienholz geschnitzt. Auf ihm steht die Figur Johannes des Täufers. Die Kanzel wird stilistisch der Frührührenaissance bzw. dem frühen Barock zugeordnet (oft in Zusammenhang mit den Wiederaufbaumaßnahmen des 17. Jahrhunderts nach den Zerstörungen und Bränden in Isny).
Ursprünglich stand die Kanzel mit einem gewölbten Konsolenunterbau am mittleren der neun Nordpfeiler der dreischiffigen Pfeilerbasilika (wie im Bild dargestellt). Im Zuge einer umfassenden Kirchenrenovierung im Jahr 1972 wurde sie um vier Pfeiler nach vorne verlegt, um die Sichtachsen und die Raumaufteilung im veränderten Gestühlskonzept anzupassen. Historisch war das Gestühl der Kirche (das sogenannte Parterregestühl von 1640) einst im Viereck direkt um diese Kanzel herum angeordnet, was den reformatorischen Charakter betont, bei dem die Wortverkündigung (die Predigt von der Kanzel aus) im Zentrum des Gottesdienstes steht.

Ansicht von Innenraum und Kanzel der Nikolaikirche in Isny im Allgäu vor der Renovierung im Jahr 1972
Auf dem Bild ist noch das alte Parterregestühl (Langbänke) zu sehen. Das Gestühl wurde bei der Renovierung der Kirche 1972 durch Einzelstühle ersetzt.¹ Innenansicht der Nikolaikirche mit Kanzel und neugotischem Hochaltar sowie Bemalungen der romanischen Pfeiler Ansichtskarte
Die Glasfenster der Nikolaikirche
Die ehemals neugotischen Fenster der Kirche wurden bei der Renovierung 1972 ebenfalls durch moderne Glasfenster ersetzt. Die drei Chorfenster mit abstrakten Motiven, die Ostern und den achten Schöpfungstag symbolisieren, bilden den Hintergrund für die Kreuzigungsgruppe von Ulrich Henn. Die Südfenster, gestaltet von der Isnyer Künstlerin Ursula Dethleffs, verleihen dem historischen Ambiente eine zeitgenössische Note.

Isny im Allgäu – Nikolaikirche mit der alten Orgel und den Bemalungen der Bögen, Arthur v.d.Trappen um 1930
Die Eberz-Kapelle
In der an der Westseite liegenden Eberz-Kapelle können Besucher Fenster aus dem 19. Jahrhundert von Carl Johann Baptist Wetzel bewundern, die den Evangelisten Johannes sowie die Madonna mit Kind darstellen – ergänzt durch eine Szene, in der Jesus die Kinder segnet. Die Fenster waren eine Stiftung von Friedrich Distel im Jahr 1883. In dieser Seitenkapelle sind auf einer Tafel auch alle Prediger und Pfarrer der Nikolaikirche seit dem Beginn der Reformation 1522 vermerkt. Der skurrilen Vorgeschichte zum Bau der Eberz-Kapelle habe ich im Kapitel „Isnyer Katastrophen“ einen längeren Absatz gewidmet.
Weitere Informationen finden Sie in den Kapiteln zur Geschichte der Nikolaikirche:
- Die Prädikantenbibliothek der Nikolaikirche Isny
- Nikolaikirche und Reformationszeit
- Die Geschichte der Nikolaikirche
- Die verschollenen Altäre der Nikolaikirche Isny
¹ Info aus: Schmid, Helmut: Isny – Bilderbuch einer württembergischen Allgäustadt, S. 65

