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Memmingen – Sehenswertes, Geschichte, Sagen, Mythen und Volksglaube der Region. Das „etwas andere“ Portal. Links, Landkarten, historische Ansichtskarten, Fotos, Ausflugsziele …

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  • Weitere Seiten mit Bezug zu Memmingen
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  • Geschichte
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    • Historische Lexikoneinträge
      • Memmingen (Meyers, 1908)
      • Memmingen (Pierer, 1860)
      • Memmingen. Cap. ccvcj.
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    • Basilisk zu Memmingen
    • Das Königsfest zu Memmingen
    • Das Pferd in der Wiege
    • Der Memminger Mau
    • Der Schlorkhans
    • Die Burgruine Rabenschaichen
    • Was für eine Gefahr dem Spiegelschwaben gedroht, und wie er sich daraus errettet.
    • Was ma no sait
    • Wie der Blitzschwab Händel bekommt mit dem Spiegelschwaben und wie sie wieder gut Freund geworden.
    • Wie die Spiegelschwaben gegen Wissen und Willen in die Stadt Memmingen kommen und dort Bierbeschau halten
    • Woher Erolzheim seinen Namen hat
    • Zwei Stücklein aus der Chronik von Kempten und Memmingen
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Memmingen: Marktplatz, Rathaus, Frauenkirche im Winter, 1897

Memmingen: Marktplatz, Rathaus, Frauenkirche im Winter, 1897


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Update: 18. August 2026

Weitere Seiten mit Bezug zu Memmingen

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      • Andere Werke Strigels

Allgemeines

➥ Internetauftritt der Stadt / Gemeinde ➥ Wikipediaeintrag ➥ Alemannische Wikipedia ➥ Wikisource: Historische Quellen und Schriften

Geschichte

Memmingen, Stadtansicht aus dem 16 Jahrhundert

Memmingen, Stadtansicht aus dem 16 Jahrhundert

Ortsbeschreibung von Merian

➥ https://de.wikisource.org/wiki/Topographia_Sueviae:_Memmingen

Historische Lexikoneinträge

Memmingen (Meyers, 1908)

unmittelbare Stadt im bayr. Reg.-Bez. Schwaben, an der Ach, Knotenpunkt der bayrischen, bez. württembergischen Staatsbahnlinien Buchloe-Buxheim, Kempten-Ulm und Leutkirch-Memmingen, 610 m ü. M., hat 3 evang. Kirchen (darunter die gotische Martinskirche mit 67 in spätgotischem Stil ausgeführten Chorstühlen und die gleichfalls gotische Frauenkirche mit neuerdings wieder entdeckten sehenswerten Wandmalereien), eine kath. Kirche mit schönen Altargemälden, Synagoge, ein Rathaus im Renaissancestil aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrh., mehrere interessante Patrizierhäuser (darunter der Fuggerbau, in dem Wallenstein 1630 die Urkunde seiner Absetzung erhielt, und der Hermannsbau), mehrere altertümliche Stadttore, ein Denkmal des hier geborenen Chronisten Burkhard Zingg, ein Kriegerdenkmal für 1870/71 und (1905) 11,618 Einw., darunter (1900) 4267 Katholiken und 194 Juden. Die Industrie erstreckt sich auf mechanische Flachsspinnerei und Leinweberei, Fabrikation von Jacquarddecken, Zeug und Tuch, Bindfaden, Knochenmehl, Feuerlöschmaschinen, landwirtschaftlichen Maschinen und Maschinen für Seilereibetrieb, Seife und Leder, auf Eisen- und Glockengießerei und Brückenbau. Der Handel, unterstützt durch ein Bezirksgremium, eine Reichsbanknebenstelle und eine Agentur der Bayrischen Notenbank, ist besonders ansehnlich in Hopfen, Getreide, Käse, Wolle, Leder und Vieh. Memmingen ist Sitz eines Bezirksamts, eines Landgerichts, eines Hauptzollamts und hat ein Progymnasium, Realschule, Lehrerinnenseminar, Präparandenanstalt, Theater, Stadtbibliothek, Museum und ein für die Stadtgeschichte wichtiges Archiv. Zum Landgerichtsbezirk Memmingen gehören die 11 Amtsgerichte zu Babenhausen, Buchloe, Günzburg, Illertissen, Krumbach, M., Mindelheim, Neuulm, Ottobeuren, Türkheim und Weißenhorn. In der Nähe das Dorf Buxheim mit Schloß des Grafen von Waldbott-Bassenheim und ehemaligem Kartäuserkloster und das Bergschloß Eisenburg mit großartiger Fernsicht auf die Alpen. – Memmingen, zuerst 1010 erwähnt, gehörte den Welfen, seit 1191 den Hohenstaufen, kam nach deren Aussterben an das Reich und wurde unter Adolf, der ihm 1296 die Rechte von Ulm erteilte, Reichsstadt; das zugehörige Gebiet betrug später 110 qkm (2 QM.). 1331 schloss sich Memmingen dem Schwäbischen Städtebund an. In Gemeinschaft mit Straßburg, Konstanz und Lindau übergab die Stadt 1530 zu Augsburg die Confessio tetrapolitana, trat später zum Schmalkaldischen Bund über, unterwarf sich aber 1546 dem Kaiser und nahm 1548 das Augsburger Interim an. Im Dreißigjährigen Krieg war M. 1631 abwechselnd im Besitz der Kaiserlichen und Schweden, wurde von letzteren 1647 den Bayern übergeben, die es 1648 wieder räumten, und war 1702–04 von Bayern und Franzosen gemeinschaftlich besetzt. Am 9. und 10. Mai 1800 erfochten hier die Franzosen unter Moreau einen Sieg über die Österreicher unter Kray. 1802 kam die Stadt an Bayern. Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 13. Leipzig 1908, S. 587. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20007074182

Memmingen (Pierer, 1860)

Stadt im baierischen Kreise Schwaben, an der Aach; Sitz eines Stadtgerichts, Protestantisches Dekanat, 6 Kirchen, Hospital, Waisenhaus, Gymnasium, Collegium musicum (Singschule), Landwirtschafts- u. Gewerbsschule, Zeughaus, Bibliothek, Fabriken in Tuch, Kattun, Leinwand, Wachstuch, Zucker, Leim, Papier, Pulver, Tabak; viel Hopfenbau; Handel mit Hopfen nach Italien u. der Schweiz; Viehmärkte, Stück- u. Glockengießerei, Kupfer- u. Eisenhämmer; 7200 Ew.; Wappen: ein halber Adler u. ein rotes Kreuz in weißem Felde. Memmingen gehörte im Mittelalter zu den Besitzungen des Welfischen Hauses, wurde aber unter Kaiser Friedrich I. Reichsstadt, mit einem Gebiet von 2 QM. Mit Straßburg, Konstanz u. Lindau übergab Memmingen 1530 zu Augsburg die Confessio tetrapolitana, trat aber später zum Schmalkaldischen Bunde. 1551 wurde vom Kaiser Karl V. das Gemeinderegiment abgeschafft u. dem Stadtrat übergeben. 1631 wurde es abwechselnd von Schweden u. Kaiserlichen belagert u. genommen, von Ersteren, 1647 den Baiern nach neunwöchentlicher Belagerung übergeben, aber 1648 von diesen wieder geräumt; 1702 von den Baiern u. Franzosen besetzt u. 1704 wieder geräumt. Im Französischen Revolutionskrieg hier am 10. Mai 1800 Sieg der Franzosen unter Moreau über die Österreicher unter Kray 1802 kam Memmingen an Baiern. Quelle: Pierer’s Universal-Lexikon, Band 11. Altenburg 1860, S. 118-119. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20010427120

Memmingen. Cap. ccvcj.

Memmingen ein Reichstatt / schön vnnd vest / hat vorzeiten zum Grünen Werd geheissen. Da ist ein reiche Gemein / vnd reiche Kauffleut. Es rinnt durch die Statt ein Bach von lauterem Brunnenwasser / der gefreurt nicht. Es ist vmb die Statt gar lustig spacieren / auff der einen seiten ist ein Rieth / das bevestiget die Statt. Es ist da ein reich Anthonier Hauß / auch ein reich Spittal. Man macht da guten Barchet / Leinwat / Golschen vnnd Buchsenschein. Es ligen vmb die Statt auff ein Meil wegs oder zwey viel Clöster / nemlich Ottenbeuren / gestifft von Graffe Sylaco von Ylergöw / zu den zeiten des Grossen Keyser Carlen. Münchrot Premonstratenser Ordens / gestifft von den Hertzogen von Teck. Ochsenhausen ein Benedicter Closter / gestifft von den Herren von Wolffhardsschwendin. Wyblingen gelegen an der Yler / vnd gestifft von den Graffen von Kirchberg. Item ein Cartheuser Closter genannt Büchßheim / das haben die Edelleut von Ellerbach gestifft. Item Schlösser im Ynthal gelegen / Kronburg der Edelleuten von Rechberg/ Marstetten der Herren von Künßeck / Lautrack der von Landaw / Eroltzheim deren von Eroltzheim / Kelmüntz deren von Rechberg / wie auch Aichach vnd Brandenburg. Item Dietenheim / Bellenberg / Wertingen / Zelb / Kirchberg Schloß vnd Marckt an der Yler. Alß aber die Graffen von Kirchberg abgestorben / ist Kirchberg kommen an das Hauß Oestereich / vnd nachmals den Fuckern verpfendt. Sebastian Münster: Memmingen, aus:Cosmografie Deutscher Lande. S. 807, Basel, 1578, Link: https://de.wikisource.org/wiki/Cosmographia_(Sebastian_Münster):_Memmingen

Karten

➥ Luftlinie-org berechnet die Luftlinienentfernung sowie die Straßenentfernung zwischen zwei Orten und stellt beide auf der Landkarte dar. Startort ist Memmingen, den Zielort müssen Sie noch wählen. Voreingetragen ist ➥ Bisoro in Burundi [cbxgooglemap width=“100%“ height=“300″ zoom=“13″ scrollwheel=“1″ showinfo=“0″ infow_open=“1″ maptype=“roadmap“ lat=“47.987778″ lng=“10.181111″] Karte eingebunden aus OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL

Fotos & Abbildungen

Ein Klick in die erste Karte öffnet die Slideshow. Mit den Pfeilen am Bildrand kann vor- und zurückgeblättert werden. Am unteren Bildrand ist vermerkt, was die Karte darstellt und wann sie versendet wurde. Die Karten wurden von mir retuschiert und „aufgehübscht“.
Gruss_aus_Memmingen_Bahnhof_Marktplatz_Krugstor_1898_800 Memmingen_Ansichtskarte_Gesamtansicht_1900_800 Memmingen_Ansicht_der_Stadt_gen_Osten_1918_800 Memmingen_Hallhofplatz_mit_Denkmal_1902_800 Ansichtskarte_Memminger_Radfahrverein_1898_800 Memmingen_Eugen_Felle_1917_800 Memmingen_Hotel_in_der_Maximilianstrasse_um_1910_800 Memmingen_Kalchstrasse_mit_Geschaeftshaus_Kreuz-Garten_um_1910_800 Memmingen-Marktplatz-mit-St-Martinskirche_1914_800 Memmingen_Marktplatz_Rathaus_Frauenkirche_im_Winter_1897_800_2 Memmingen_Stadtplan_von_1736_800 Memmingen_Koenigsgraben_um_1909_800 Memmingen_Frauenkirche_und_Hirschgasse_1900_800 Memmingen_Marktplatz_Bahnhof_Kriegerdenkmal_1897_800 Memmingen_Rathhaus_Marktplatz_und_Martinskirche_Kempter_Tor_Bahnhof_1897_800 Memmingen_Weinstube_zum_Roemischen_Koenig_1907_800 Memmingen_Panorama_vom_Martinsturm_um_1910_800 Memmingen_Partie_beim_Theater_1916_800 Memmingen_Kemptner_Strasse_mit_Tor_1900_800 Memmingen_Kemptner_Tor_und_Krankenhaus_um_1910_800 Memmingen_Bahnhofstrasse_1900_800
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HK_Gruss_vom_Memminger_Mau_als_Soldat_1916_800 HK_Gruss_aus_Memmingen_um_1905_800 HK_Memmingen_Blick_durchs_Ulmer_Tor_1899_800 HK_Memmingen_Gruss_vom_Memminger_Mau_1920_800 HK_Memmingen_Markt_Partie-in-den-Anlagen_Weinmarkt_1920_800 HK_Memmingen_Schlossergasse_1909_800 HK_Memmingen_Wester_Tor_um_1930_800 Memminger_Mau_Josef_Madlener_1908_800
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➥ Bildersammlung auf Wikimedia-Commons ➥ Abbildungen auf Tumblr ➥ Infos und Fotos auf Pinterest ➥ Filme in der ARD-Retro-Mediathek (Filmbeiträge der 60er-Jahre)

Kunst, Kultur und Brauchtum

➥ Kultur und Sehenswürdigkeiten (Wikipedia) ➥ Abbildungen auf ‚Bildindex‘ ➥ Bilder auf ‚Google-Art‘ ➥ Memmingen auf ‚Zeno-Org‘ ➥ Suchfunktion nutzen für Memmingen auf leo-bw.de (Karten, Archivmaterialien und Luftaufnahmen vom Landesarchiv Baden-Württemberg) ➥ Alphabetisch sortiertes Verzeichnis auf www.kloester-bw.de Beschreibungen vom Landesarchiv Baden-Württemberg

Ausflüge und Sehenswertes

➥ Wikivoyage – Projekt der Wikimedia ➥ Wikitravel – der freie Reiseführer

Webcams

➥ Webcams in Memmingen und Umgebung

Nachbargemeinden

➥ angrenzende Städte und Gemeinden (aus Wikipedia)

Teilgemeinden und Ortschaften

➥ Ortschaften und Wohnplätze von Memmingen (aus Wikipedia)

Sagen

Basilisk zu Memmingen

An ama Haus henter’m Engel z’Memmenga sieht mã an geala Basilischka mit era fuirothe Zonga. – Dau haut mã amaul d’Magd in Keller na g’schickt und haut g’wahtet und g’wahtet, aber s’ischt koĩ Magd meh rauf komma. Do haut mã eppen andersch na g’schickt, aber s’ischt wieder nemad rauf komma, denn sobald’s der Basilischk angucket haut send se g’schtorba. Am End gaut oiner her, nemmt an Schpiegel und laut da Basilischka neĩ gucka, und sobald se der sell drenn g’sẽ a haut, ischt er uf der Schtell verreckt. Wenn a Gockeler reacht alt wird, so legt er an Oi, bruatets aus und us dem wird denn a Basilischk. Quelle: Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 412. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20005675987

Das Königsfest zu Memmingen

In älteren Zeiten wurden die drei ersten Schulkinder mit Kronen, Zepter und Blumensträußen geschmückt und hießen Könige und Königinnen und hatten noch die drei ersten Kinder vom vorigen Jahr, die auch so geschmückt waren und noch drei andere, welche Gesangführer hießen, zur Begleitung. Dieses war mit großem Kostenaufwand verbunden; daher die Schulmeister allezeit große Schwierigkeiten hatten, solche Eltern zu finden, die geneigt waren, mit ihren Kindern diesen Aufwand zu machen, weswegen dann selten diejenigen, welche durch Fleiß und Geschicklichkeit das Prämium verdienten, dasselbe erhielten. In neueren Zeiten ist das abgeschafft und vereinfacht geworden; doch ist noch immer die Sache nicht ganz im Reinen, denn diese Eltern wollen es auf diese, jene auf jene Art gehalten wissen. Am Pfingstdonnerstag begeben sich viele Eltern mit ihren Kindern in ein vor der Stadt gelegenes Wirtshaus, wo alsdann die Schulmeister mit einem Reihen auf einem grünen Platze den Kindern eine öffentliche Freude machen. Der Ursprung dieses sogenannten Königsfestes soll sich von Kempten herschreiben, und sei im achten Jahrhunderte auf folgende Art entstanden. Karl der Große kam einmal nach Kempten in das Schloss Hilarmont oder Bürkhold, zu seiner Gemahlin Hildegarde, die sich daselbst aufhielt, um den Fortgang des Klosterbaues zu besehen. An der Tafel soll unter seinen drei Söhnen, Pipin, ein mutiger Prinz, zu seiner Mutter in folgenden Ausdrücken gesagt haben: Ei! meine liebe Mutter, wenn der Herr Vater gen Himmel gekommen ist, werde ich darauf König werden? Karl, der andere Sohn, ebenfalls begierig zu herrschen, wandte sich an seinen Herrn Vater und behauptete: er müsse im Reich als Thronfolger nachfolgen. Ludwig wollte auch Regent sein: dieser wandte sich an seine beiden Eltern. Hildegardis endigte den Streit also: auf ihren Befehl sollten die drei Söhne von den Bauern in dem Flecken Kempten ein jeglicher einen eigenen Hahn holen; wessen Hahn im Kampfe den Sieg davon tragen würde, der sollte König sein. Ludwigs Hahn siegte. Als sie nun bei der Schule vorbeizogen, so begleiteten die Schüler, weil es gerade um die Zeit war, wo sie aus der Schule gingen, die drei Prinzen bis zum Schloss. Dieses Spiel gefiel den königlichen Prinzen selbst und andern Schülern, dass diese es im folgenden Jahre wiederholten und in Prozession herumzogen. Als man nun anfing in den Orten zu Kempten, auch in dem Flecken Grünenfurth, welches das jetzige Memmingen ist, Schulen anzulegen, wurde dieses Fest von der Schuljugend auch begangen, besonders zur Aufmunterung im Fleiße, man wählte allezeit (das doch nicht immer geschehen ist, wie schon gemeldet) drei aus den besten Schülern. So entstand das sogenannte Königenfest, das 1804 eingestellt wurde. Der Scherz mit den Hähnen ging nachher zufälligerweise in seine Erfüllung. Ludwig, der Fromme genannt, ward als der einzige, noch überlebende Sohn nach Karl des Großen Tod (814) Kaiser. Nach Ph.Karrer’s Memminger Chronik. Vgl. Sagenb. I. 29, Quelle: Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 409-411. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20005675960

Das Pferd in der Wiege

Wenn man auf der Straße von Augsburg her nach Memmingen kommt, so erblickt man gleich an einem der ersten Häuser ein in der Wiege[412] liegendes Pferd angemalt. Fragt man einen schlichten Memminger Bürger nach der Bedeutung dieses Gemäldes, so erhält man etwa folgende Auskunft: »A früherer Besitzer von dem Haus ischt a maul der Moining gwest, sei Frau sei gstorba. Sie isch aber nit recht gstorba gwest, sondern blos scheintodt. Zur ghörige Zeit aber, am zwoita oder dritta Tag, haut ma sie in alle Ehra begraba. Die Frau wär au nomma me us ihrem Grab rauskomma bis an jüngste Tag. Non haut aber dr Todtagräber gwißt, daß ma ihr etlich schöne, werthvolle Ring mit ins Grab gẽ haut, und dau haut r denkt, die brächtet ihm mehr Nutza, als der todta Frau.« – Er ist also spät in dr Nacht naus und haut’s Grab göffnet. Iz aber denk a Mensch sein Schrecka! Wie r de Deckel weg thuat, wird d‘ Frau lebendig, regt sie und staut auf. – Daß dr Todtagräber d‘ Laterna vergeßa haut, isch koin Wunder; – d‘ Frau aber haut sie gnomma und isch mit r hoim. Wie sie an ihrer Glocka g’litta haut, isch z’erst d’Magd ans Fenster komma. Uf ihr Frauga: »wer läut’t?« antwortets drunta: »Mach auf, d’Frau ists.« – Die moint nit anderst, als as sei a Gspenscht, weckt da Herra und verzält m Allz. Der hälts au für unmöglich und sait: »Eher liegt mein Pferd in der Wiege, als daß meine Frau da drunten ist.« – »Wie ma aber gschaut haut, dau ischts denn doch d‘ Frau gwest und haut allz verzält und haut no manchs Jaur glebt, bis sie wirklich gstorba ischt und zum Andenka an dia Begebenheit ist an dem Haus das Pferd in dr Wiega angmault bis uf da heutiga Dag.« Quelle: Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 412-413. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20005675995

Der Memminger Mau

Die bekannteste Memminger Sage handelt vom Memminger Mau. Von ihr hat auch die Stadt ihren Spitznamen als Maustadt: Gingen einstmals in klarer Vollmondnacht ein paar Memminger aus dem Goldenen Löwen heimwärts. Auf einmal sahen sie, wie sich der Mond, hierorts Mau genannt, in einem der großen Zuber spiegelte, die unter den Dachtraufen der Häuser zu Feuerlöschzwecken standen. Da kam einem plötzlich der geniale Gedanke, den Mond doch gleich herauszufischen, damit die Stadt zu beliebiger Zeit über sein Licht verfügen könne. Schnell war der Stadtfischer geholt, der rückte mit Netzen aller Art und seinen Knechten an und begann sein Werk. Von den Fenstern ringsum schauten die aufgeschreckten Bürger herunter, was sich da unten abspielte, und selbst aus den Nebengassen kamen sie hergelaufen, aber…. Die Geschichte endet hier. Eine nahe Verwandtschaft mit den Schildbürgern ist zu erkennen. Quelle: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Memminger_Sagen

Der Schlorkhans

Dea Schlorkhans z‘ Memminga waur a gueter Christ. Am Antonierkloster, wo ma des Antonifuir ghailet haut, haut er sei Gschäft ghet. Wenn Fehla gjaumret hant, sie thätet it fetig weara, isch des Wasser scho gholt gweasa in d‘ Kucha. Aber Ogläubige moinet, dersel guat Goist sei koi reachta Goist gweasa, sondern von Floisch und Bluet, wia die andern floischerne Mensche au. Quelle: Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 413. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20005676002

Die Burgruine Rabenschaichen

Wenn man auf der Straße von Kempten nach Memmingen das Dorf Hirschdorf hinter sich hat, sieht man, etwa eine Viertelstunde unterhalb dieses Dorfes, links neben der Straße am nahen Waldsaume, die Ruinen einer zerfallenen Burg, über welche junge Birken und Tannen emporragen. Daneben steht ein Weiler, von mehreren zerstreuten Häusern gebildet, welches bis auf den heutigen Tag den Namen von dieser Burg »Rabenschaichen« trägt. Hier hauste in alten Zeiten ein gar ungebärtiger Ritter, der Schrecken der ganzen Gegend. Zogen die Ulmer Kaufleute mit ihren Waren aus Welschland des Weges fürbaß, da lauerte Kuno mit seinen wilden Gesellen im Gehölze, plünderte die Reisigen oder ließ sich das Weiterziehen mit blankem Golde bezahlen. Seine Grundholden bedrückte er auf alle Weise; kam ein Bettler an die Schlosspforte, so hetzte er seine zottigen Rüden nach ihm und sah mit Hohngelächter zu, wenn sie ihn recht übel zurichteten. Das unrecht aufgehäufte Gut ward dann in schwelgerischen Gelagen verschwendet, wobei die geraubten Weinfässer, wenn sie ihres feurigen Inhaltes entleert waren, unter dem Gejauchze der Zechenden in den Burggraben hinabgerollt wurden. So trieb er das wilde Raubhandwerk viele Jahre, fragte nichts nach Gott und nach den Menschen und so kühne Abenteuer er auch unternahm, immer kehrte er siegreich von jedem Strauße heim, sodass es allum hieß: »Ritter Kuno hat seine Seele dem Teufel verschrieben, drum richtet Keiner etwas mit ihm aus!« – Plötzlich stirbt er um die Mitternachtsstunde, von einem blutigen Raube heimgekehrt. Seine Gesellen tragen den Leichnam in das oberste Gemach, von dessen Söller Kuno auf die an der nahen Straße Vorüberziehenden Spähe zu halten pflegte. Indes sie im Erdgeschosse über der Teilung der angehäuften Schätze hadern und lärmen, erschallt plötzlich um die Zinne der Burg ein kreischendes Gekrächze einer Schaar Raben, welche bald durch die geöffneten Fenster in das Totengemach hineinfliegen und mit wütendem Geschrei das Antlitz des Verstorbenen zerfleischen. Die Totenwächter vermochten sie erst zu verscheuchen, als von dem vollstrotzenden Gesichte nur mehr die nackten Knochen aus dem Leichentuche hervorgrinsten. Die Zechenden im Hofe ergriff kalter Graus; sie ahnten Gottes Strafgerichte, verteilten die geraubten Güter unter die Armen oder vergaben sie an Kirchen und überlieferten das Raubnest den Flammen, welche es bis auf das Erdgeschoss verzehrten, das noch heute in seinen Trümmern die Erinnerung an diese Sage aufbewahrt in seinem Namen »Rabenschaichen.« Quelle: Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 36-37. Permalink: http://www.zeno.org/nid/200056721

Was für eine Gefahr dem Spiegelschwaben gedroht, und wie er sich daraus errettet.

Durch Memmingen gehen wir nicht, obwohl drin gute digene Würste zu haben sind, sagte der Spiegelschwab. Und als man ihn fragte: warum? so sagte er: darum; und er müsse sich doch wohl am besten auswissen. Sei’s, sagte der Nestelschwab, wir können ja um die Mauer herum und dann zum andern Tor hinaus. Die sieben Schwaben gingen also um die Mauer herum durch die Hopfengärten. Aber da hat sich’s denn wiederum augenfällig gezeigt, dass der Mensch seinem Schicksal nicht entgehen könne. Denn ehe sich’s der Spiegelschwab versehen, sprang aus einem Hopfengarten ein Weib auf ihn zu, eine rechte Runkunkel und schrie in einem Ton, der durch Mark und Bein ging: Bist du endlich wiederum da, du Schlingel? Wo bist du so lange Zeit herum kalfaktert, du Galgenstrick? Der Spiegelschwab erkannte in ihr sogleich seine liebe Ehehälfte und er rief: Helft mir alle Heiligen! der Teufel ist los! und huschte in den andern Hopfengarten hinein. Das Weib ihm nach. In der Herzensangst fiel ihm eine List ein. Er hatte nichts zu tragen, weil er nichts hatte, als das Bärenfell; das tat ihm nun guten Dienst. Er warf’s in Eile über den Kopf, schloff in die Bratzen und kreiste nun auf allen Vieren, wie ein leibhafter Bär. Wie nun das Weib näher kam, richtete er sich auf und trappelte brummend auf sie zu. Die sah nicht sobald den Bären, als sie laut aufschrie und über Hals und Kopf davon rannte. Der Bär aber holte sie ein und drückte und herzte sie, dass ihr fast die Sinnen vergingen. Dann ließ er sie los und ging den Gesellen nach. Seit der Zeit, als dieser Schwank kund geworden unter den Memminger Frauen, werden die bösen Männer von ihnen Brummbären genannt. Quelle: Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein. Band 1, Leipzig [um 1878/79], S. 154-155. Permalink: http://www.zeno.org/nid/200044799

Was ma no sait

Aes Kinderfest, wo ma auf d‘ Schuel zuicht ond Gschenk uf de Stängele trait1 ond wo de erste Mädla der obersta Claß als Könege Kränz traget, isch wie ma sait, von der Könege Hildegard, de Karl de Großa seiner Frau, herkomme, die am Martinsthura ahg’maulet (=abgemalt) waur. Von der Schlüsseljungfer sait ma, daß uf de Maur am Eilauß no umgau. – Von eme Ring, de e Magd gstohle hau soll, was aber a Gaz (=Vogel) thau haut, woiß ma nex meh, au net vo de fluigede Sau. Waurum di blau Saul stauht, woiß i au it; au de schöna Spruach liast me nemma: Gott bhüt dies Haus so lang, Bis daß e Schneack die Welt ausgang, Ond en Ameis dürst so sehr, Bis sie austrenkt das ganze Meer. Quelle: Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 413-414. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20005676010

Wie der Blitzschwab Händel bekommt mit dem Spiegelschwaben und wie sie wieder gut Freund geworden.

Es war schon Nacht, als die sieben Schwaben ins Freie und auf die Landstraße kamen. Und der Mond ging so eben auf. Da sagte der Spiegelschwab: Jetzt haben wir’s gewonnen, Memmingen ist nicht mehr weit. Der Blitzschwab fragte ihn: wie er das wissen könne? Werd‘ ja doch den Memminger Maun (Mond) kennen? Potz Blitz, wie blitzdumm! sagte der Blitzschwab. Dies kaum gesagt, hatte er schon seine Dachtel vom Spiegelschwaben, der alles leiden mochte, nur nicht dass man ihn für dumm halten sollte. dass dir der Blitz ins Maul platz, schrie der Blitzschwab, du Lalle, du Ginkel, du Takel, du Kog, und so ging’s eine ganze Litanei durch. Der Spiegelschwab wurde auch immer wilder, und so kamen sie denn einander in die Haare und rauften sich ab, wie zwei Metzgerhunde. Da bat der Seehaas den Allgäuer, er sollte Frieden machen. Der ließ sich nicht lang bitten, sondern packte sogleich den Blitzschwaben am Hosenbändel, und hielt ihn in der Luft, wie einen Frosch, und er mochte zappeln, wie er wollte. Inzwischen ließ der Spiegelschwab nicht nach, dem Blitzschwaben aufs Brät zu klopfen; und daher packte denn der Allgäuer ihn auch mit der Linken, und hielt ihn am Leible, unter der Gurgel, so keif und fest, dass er bockstärr da stand und nicht mucksen konnte. Bygost! sagte er, ich will euch Hores Mores lernen, ihr donnerschlächtige Strolkerle. Und er schüttelte den einen, und drosselte den andern immer ärger und ärger, bis sie endlich einander das Wort gegeben, dass sie wieder gut Freund sein wollten. Und das sind sie denn auch geblieben von der Zeit an bis in ihren Tod. Quelle: Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein. Band 1, Leipzig [um 1878/79], S. 152-153. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004479904

Wie die Spiegelschwaben gegen Wissen und Willen in die Stadt Memmingen kommen und dort Bierbeschau halten

Die sechs andern Schwaben aber waren weiter gegangen und standen jetzt vor einem Tor, welches man ihnen, auf ihr Befragen, wie es heiße, Leutkircher-Tor nannte. Da müssen wir also hinaus, sagte der Nestelschwab oder ein anderer, gleichviel welcher. Sie gingen also durch das Tor und kamen in die Stadt, ohne es zu wissen und zu wollen. Wie aber kein Unglück ohne Glück ist, so hat sich’s hier auch begeben. Denn das erste Haus, das ihnen auffiel, war ein Wirtshaus, vor dem ein Maienbaum stand, und ober der Tür war zu lesen: Hier schenkt man Märzenbier aus. Als das unsere Schwaben sahen, dachten sie, umsonst sei das Märzenbier mitzunehmen. Der Wirt, der sie kommen sah mit dem großen Spieß, kam ihnen erschrocken entgegen und fragte: was sie schafften. Sie möchten ein wenig sein Bier kosten, sagte der Allgäuer und er ging mit den Gesellen in die Zechstube. Der Wirt, vermeinend, sie seien abgesandt von der schwäbischen Kreisregierung, um im Schwabenland das Bier zu beschauen und zu schätzen, ob es pfennigvergeltig sei! – was wohl Not täte auch zu unsern Zeiten – der holte das beste, das er im Keller hatte,und es war noch nicht gut. Doch tranken die Gesellen eine Bütsche um die andere aus; und wie sie’s bis auf einen halben Eimer gebracht hatten, sagte der Wirt: er sehe mit Freuden, dass es ihnen wohl schmecke. Der Blitzschwab meinte, es könnte besser sein und sei zu wenig Malz und Hopfen drin. Mit Verlaub, sagte der Wirt, der ein Schalk war; Hopfen und Malz ist nicht zu wenig drin, aber zu viel Wasser. Drob lachten die Gesellen: und dem Blitzschwab fiel der Spruch ein, und er sagte ihn: Zu Langensalz könnte eben so gut Memmingen heißen, sagte er – Zu Langensalz Braut man drei Bier aus einem Malz; Das erste heißet man den Kern, Das trinken die Bürgermeister gern; Das andere heißt das Mittelbier, Das setzt man gemeinen Leuten für; Das dritte heißt Covent, Trink dich potz schlapperment. Drauf spielte er ein Paar lustige Stücklein auf, dem Wirt zu Ehren. – Nachdem nun die Gesellen vollauf getrunken, so standen sie auf und gingen davon, als wären sie Niemanden etwas schuldig. Der Wirt ließ sie gehen, in der obgedachten Meinung; und er sagte, dass es ihm eine große Ehre gewesen, und sie sollten nur das Beste reden von seinem Bier. Das taten sie denn auch und sie konnten sich nicht genug verwundern, dass man in Memmingen das Märzenbier ausschenke. Und so ward denn der Wirt gefoppt von seinen Landsleuten, ohne deren Wissen und Willen. Man sagt aber, dass ihm der freie Trunk wohl bezahlt worden sei von andern Landsleuten; wie man denn den Wirten gern viel Böses nachsagt. Quelle: Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein. Band 1, Leipzig [um 1878/79], S. 155-157. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004479939

Woher Erolzheim seinen Namen hat

Bei Erolzheim ist der Frôberg. Jezt heißt er Kapellenberg, weil eine Kapelle oben ist. Ein Ritter des Frôberges kam öfters nach Memmingen zu den Patriziern. Da soll er mal eine Wette gemacht haben: »ein Rad von Memmingen auf sein Schloss den Frôberg hinauf zu rollen.« So tat er auch, gewann die Wette mit Glanz. Von: »er rollt’s heim« hat »Erolzheim« seinen Namen. Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 175-176. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564200

Zwei Stücklein aus der Chronik von Kempten und Memmingen

Der Leser muß aber wissen, dass die Altstadt Kempten gegen die Neustadt zu kein Tor hat, sondern nur eine offene Luke, worein die Stiftler ohne Aufhalt kommen können. Das schreibt sich aber von der Zeit her, sagt man, wo die Geiß den Torriegel abgefressen. Und das ist so zugegangen: Bei einem plötzlichen Überfall der Stiftler steckte der Turner, da er den Torriegel vergebens suchte, einen Dorschen in die Klammer. Während er aber nun die Städtler zusammen blasen wollte, kam eine Geiß herbei und fraß den Dorschen ab, so dass das Tor angelweit aufsprang und dem Feind den Eingang öffnete. Das Tor wurde sofort nieder gerissen und ist nicht mehr erbaut worden. Seit der Zeit besteht auch zwischen den Stiftlern und Städtlern Fried‘ und Einigkeit. – Also erzählt man; ob’s auch so in der Kempter Chronik stehe, kann ich nicht sagen. Kurz: der Spiegelschwab spielte darauf an, so wie auf ein anderes Stücklein, als er den Wirt fragte: wie es mit dem Meisenfang gehe? Der Wirt zupfte ihn beim Ohrenläpple und sagte: »He, Gevattersmann!« »Aber erzählt mir doch,« sagte drauf der Wirt, »wie ist’s denn mit dem Gucker gegangen in Memmingen?« »Davon weiß ich nichts; ihr müsst darüber die von Ulm fragen.« »Nu, nu!« sagte der Wirt; »dumm seid ihr Memminger auch genug, dass man so etwas von euch glauben könnte.« Und so neckten sie sich denn wechselseitig, wie es denn die Schwaben gern tun untereinander als gute Landsleute. – Das Stücklein will ich dir aber im Vertrauen erzählen, günstiger Leser, wenn du es nicht weiter erzählst. Dem Bürgermeister in Kempten ist einmal seine Meise ausgekommen; da ist alsogleich der Befehl ergangen, man sollte alle Tore schließen und die Bürger mussten alle Straßen und Häuser durchsuchen, ob die Meise nicht zu finden sei. Und noch heutigs Tags, wenn ein Kemptner einen Winkel durchsucht, sagt man, dass er die Meise fangen wolle. Darum werden die Kempter von ihren Landsleuten Meisenfänger genannt. – Für die Wahrheit dieser Geschichten will ich aber nicht gut stehen; wie man denn den Schwaben Vieles nachsagt, was verstunken und verlogen ist. Aber sie haben zum Glück einen breiten Buckel und können’s ertragen. Es gibt in der Welt viel Lappen, Denen nur abgeht die Narrenkappen. Quelle: Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein. Band 2, Leipzig [um 1878/79], S. 166-167. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004481275

Volksglaube

Das heilige Heiligthum

Unter die Merkwürdigkeiten der Martinskirche zu Memmingen gehört von alten Zeiten her das sogenannte heilige Heiligtum, oder die heilige Wunderhostie, mit welcher es sich auf folgende Weise verhalten haben soll. Die Besitzer zweier Mühlen, welche im Jahre 1215 auf dem sumpfigen Riede oder Moorgrunde unfern dem Pfarrdorfe Beningen gestanden, hätten sich damals in sehr verschiedenem Nahrungsstande befunden. Der Eine auf der dem Pfarrdorfe näher gelegenen Mühle hätte überreichliche Arbeit und Verdienst gehabt, der andere aber auf der der Stadt näher befindlichen sich aus Mangel an Arbeit in großer Dürftigkeit und Armut befunden. Darüber neidisch und mißgünstig, habe denn der Letztere dem Erstern den Segen des Himmels dadurch zu entziehen und dessen Glück sich zuzuwenden gehofft, wenn er seinem glücklichen Nachbar eine geweihte Hostie unter den sogenannten Laufer der Mühle lege. Dies gottlose Vorhaben habe er auch bereits in der Nacht auf den grünen Donnerstag, den 16. April 1215, ausgeführt; da aber beinahe ein ganzes Jahr nichts darauf erfolgte und er nach dieser Zeit die Hostie unverletzt unter dem Laufer fand: so hätte er sie nun von da weggenommen und unter dem Kumpfe des Mahlsteins verborgen, zuvor aber den Dorfeinwohnern den Wohlstand des glücklichen Müllers verdächtigt und sie aufgefordert, dessen Mühlwerk genau zu durchsuchen. Dies sei nun am 12. März, dem Gregoriustag, 1216 geschehen und der boshafte Müller selbst hätte dann, wie von ungefähr, zur Auffindung geholfen, welche natürlich großes Aufsehen erregt und den unschuldigen Müller so in Schrecken gesetzt habe, dass dieser in die Stadt geflohen sei, um sich daselbst zu verbergen. Auf die Anzeige im Dorfe von diesem Vorgange sei der Ortsgeistliche im priesterlichen Ornate herbeigeeilt, um in reine Leinwand die heilige Hostie aufzunehmen, die ihm indessen der gottlose Müller bereits in einem Becher entgegen getragen. Die Hostie sei bis dahin unverändert geblieben; aber nun, als der Geistliche sie auf die reine Leinwand gelegt, sei Blut aus derselben über seine Hände geflossen. Als der Ruf von diesem Wunder hierher, nach Memmingen gekommen, habe der damalige hiesige Offizial, oder bischöfliche Vikar, Heinrich Nogunk, den Prediger Landolt mit seinem Diener an Ort und Stelle geschickt, um sich darüber näher zu erkundigen und als dieser die heilige Hostie noch voll Blut gefunden, hätte er sie nach der Stadt getragen, wo sie später vom Bischof Siegfried von Augsburg in eine Monstranz eingeschlossen worden. Zur Anbetung sei sie in der St. Martinskirche niedergelegt worden. B.v. Ehrhart Beschr. der Pfarrkirche St. Martin in Memmingen. 1846. S. 83 ff. Quelle: Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 411-412. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20005675979

Balladen und Gedichte

D’r Mau im Zuber

Wenn ma’s Wasser a’glau haut, isch d’r Bach ganz leer; Und wenn’s nau grad brenna tät, Wo käm’s Wasser her? Vor sei Haus stell jeder drum, Woisch ja it, ob’s brennt, Wasser im a Zuber na, Daß ma löscha könnt! Wia bei’r Nacht vom Löa gahnd Hoim zwoi hohe Rät, Scheint d’r Mau in zuber nei, ’s isch scho ziemlich spät! Schreiet boid d’r polizei Und em Fischr Lang. Daß’r unsern liaba Mau In dem zuber fang. Ob er’n kriagt haut, will ma it Jeden wisse lau! Wenn du’s gwiß drum wissa willscht, Fraug halt sell da Mau! Hugo Maser Quelle: Ansichtskarte von Josef Madlener 1908 (siehe Abbildungen der hist. Ansichtskarten)

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