Oberschwaben – historische Ortsansichten & regionale Sagen

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Bad Waldsee – Sehenswertes, Geschichte, Sagen, Mythen und Volksglaube der Region. Das „etwas andere“ Portal. Links, Landkarten, historische Ansichtskarten, Fotos, Ausflugsziele …

Inhalt

Gliederung

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    • Fotos & Abbildungen
  • Kunst, Kultur und Brauchtum
    • Museen in Bad Waldsee
      • Städtisches Museum im Kornhaus
      • Kleine Galerie (Haus am Stadtsee)
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      • Fasnets- und Ölmühlenmuseum
    • Geschichte
      • Kloster Waldsee
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      • Burgrest Neuwaldsee
      • Verpfändung an Waldburg
      • Beschreibung aus Merian/Zeller
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    • Ausflüge und Sehenswertes
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    • Teilorte / Teilgemeinden
  • Sagen, Mythen und Geschichten
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  • Volksglaube, Wetter und Gestirne
    • s’Wuotas
    • Wenn auf eine trübe und stürmische Nacht,
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Ansicht von Waldsee Beschreibung Oberamt Waldsee 1834

Ansicht von Waldsee aus: Beschreibung vom Oberamt Waldsee 1834


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Update: 18. August 2026

Bad Waldsee ist eine baden-württembergische Stadt in Oberschwaben mit den Prädikaten Moorheilbad und Kneippkurort.

Allgemeines

➥ Internetauftritt der Stadt Bad Waldsee
➥ Wikipedia:Bad Waldsee
➥ Alemannische Wikipedia:Bad Waldsee
➥ Wikisource: Historische Quellen zu Bad Waldsee

Historische Lexikoneinträge

Waldsee (Meyers, 1909)
Oberamtsstadt im württembergischen Donaukreis, zwischen dem Stadt- und Schloßsee, an der Steinach und der Staatsbahnlinie Herbertingen-Isny, 588 m ü. M., Hauptort der Standesherrschaft des Fürsten von Waldburg-Wolfegg-Waldsee (330 qkm = 5,99 QM.), hat eine evangelische und 2 katholische Kirchen, ein fürstliches Residenzschloß, ein ehemaliges Chorherrenstift, ein schönes Rathaus, einen Kaiser Friedrich-Aussichtsturm, eine Real- und eine Lateinschule, Amtsgericht, Seidenweberei, ein Hartsteinwerk und (1905) 3026 Einwohner, davon 191 Evangelische. Waldsee kam im 14. Jahrhundert an Österreich und 1806 an Württemberg.
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 20. Leipzig 1909, S. 335. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20007669089

Waldsee (Pierer, 1864)
1) Oberamt im württembergischen Donaukreise, 7,75 QM.; 22.000 Einwohner
2) Hauptstadt darin, an einem See; Wallfahrtskirche, Spital; 2000 Einwohner; Schloß, Sitz des Fürsten von Waldburg-Wolfegg-Waldsee; ihm gehört unter württembergischer Hoheit eine in verschiedenen Oberämtern zerstreut liegende Standesherrschaft (6 QM (Quadratmeilen), 18.000 Einwohner); dazu gehört
3) Amt Schloß-Waldsee, im württembergischen Oberamte Waldsee
Quelle: Pierer’s Universal-Lexikon, Band 18. Altenburg 1864, S. 805. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20011247258

Fotos & Abbildungen

Bad Waldsee Schloss 1902 Bad Waldsee Schloss 1910 Bad Waldsee um 1910 Bad Waldsee mit Postamt 1913 Bad Waldsee um 1915 Bad Waldsee coloriert um 1920 Bad Waldsee aus der Vogelschau Eugen Felle um 1915 Ansicht Bad Waldsee 1925 Bad Waldsee 1916 Bad Waldsee aus der Vogelschau - Eugen Felle um 1910 Kunstpostkarte Fritz Berger ca. 1910 Kirche innen 1910 Gruss aus Waldsee Felle 1918 Gruss aus Waldsee 1912 Gruss aus Unterschwarzach Bad Waldsee 1903 Gasthaus Bärenkeller Adler Unterschwarzach Bad Waldsee 1903
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betha bitt fuer uns IMG_20160320_171839 IMG_20160320_172050 b IMG_20160320_172130 IMG_20160519_201119 IMG_20160519_201537 IMG_20160519_201821 IMG_20160519_202235 IMG_20160519_202549 IMG_20160519_202749 IMG_20160519_202854 IMG_20160521_134059 kirche gesamt innenansicht martienbild rathaus
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Die hier abgebildeten Fotografien wurden von mir erstellt, falls nicht anders vermerkt oder aus anderen Quellen eingebunden.
© Wolfgang Autenrieth

➥ Bildersammlung auf Wikimedia-Commons
➥ Bad Waldsee auf Tumblr
➥ Bad Waldsee auf Pinterest

Kunst, Kultur und Brauchtum

➥ Kultur und Sehenswürdigkeiten (Wikipedia)
➥ Bad Waldsee auf ‚Bildindex‘
➥ Bad Waldsee auf ‚Google-Art‘
➥ Bad Waldsee auf ‚Zeno-Org‘

Museen in Bad Waldsee

Städtisches Museum im Kornhaus

Das Museum im Kornhaus Bad Waldsee befindet sich in einem historischen Kornspeicher von 1492 und präsentiert auf mehreren Etagen die Stadtgeschichte, regionale Kunst sowie Handwerk und Zünfte aus Oberschwaben. Besonders hervorzuheben sind die Skulpturen der Bildhauerfamilie Zürn, Werke von Constantin Dausch und die 250 m² große Pfeilerhalle für wechselnde Sonderausstellungen.

Hauptstraße 40 (Rathausplatz)
88339 Bad Waldsee
Tel. +49 7524 3133
h.leissle@museumimkorn-haus.de
➥https://www.museum-im-kornhaus.de

Kleine Galerie (Haus am Stadtsee)

Die Kleine Galerie im Haus am Stadtsee in Bad Waldsee ist ein kommunaler Kunstraum für zeitgenössische Kunst, der seit 1965 besteht und seit 2004 auf der Empore des Hauses am Stadtsee beheimatet ist. Mit einem vielseitigen Ausstellungsprogramm von Malerei über Skulptur bis zu multimedialen Werken bietet sie etablierten Künstlern wie auch jungen Talenten eine Plattform für aktuelle künstlerische Positionen.

Wurzacher Straße 53
88339 Bad Waldsee
Tel. +49 7524 941342
touristinfo@bad-waldsee.de
https://www.bad-waldsee.de

Erwin Hymer Museum

Das Erwin Hymer Museum in Bad Waldsee lädt auf über 6.000 m² zu einer interaktiven Entdeckungsreise durch die Kultur- und Technikgeschichte des mobilen Reisens ein – mit über 80 historischen Fahrzeugen, darunter Caravans, Reisemobile und Campingbusse aus aller Welt. Die Ausstellung führt entlang legendärer Traumrouten und zeigt, wie sich das Lebensgefühl des Caravanings von den Pioniertagen bis in die Zukunft entwickelt hat.

Robert-Bosch-Straße 7
88339 Bad Waldsee
Tel. +49 7524 97667600
info@erwin-hymer-museum.de
https://www.erwin-hymer-museum.de

Fasnets- und Ölmühlenmuseum

Das Fasnets- und Ölmühlenmuseum in Bad Waldsee vereint die lebendige Tradition der schwäbisch-alemannischen Fasnet mit der historischen Technik der Ölherstellung und zeigt originale Masken, Häser und eine Bilderchronik der Narrenzunft Bad Waldsee im Obergeschoss der alten Ölmühle. Im Erdgeschoss lässt sich die Produktion von Lein-, Mohn- und Rapsöl anhand funktionstüchtiger Maschinen aus dem 19. Jahrhundert wie Kollergang und Hochdruckpresse eindrucksvoll nachvollziehen.

Bleichestraße 8
88339 Bad Waldsee
Tel. +49 7524 941342
touristinfo@bad-waldsee.de
https://www.bad-waldsee.de

Geschichte

➥ Wikipedia – Bad Waldsee#Geschichte

Kloster Waldsee

1181 stiftete Kaiser Barbarossa das Kloster Waldsee. 

Burg Waldsee

auch Burghalde genannt, ist eine abgegangene Höhenburg bei 590 m ü. NN auf der „Burghalde“ bei der Stadt Bad Waldsee (Burghaldenweg 10) im Landkreis Ravensburg in Baden-Württemberg. Die Burg wurde von den Herren von Waldburg vermutlich im 12. Jahrhundert erbaut und war um 1171 im Besitz der Herren von Waldsee (Gebehardus und Chunradus de Walchsé). Von der ehemaligen Burganlage ist nichts erhalten.
Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Waldsee

Burgrest Neuwaldsee

Volksmündlich auch Burgstock genannt, bezeichnet die Ruine einer Höhenburg über dem Urbachtal auf 685 m ü. NN südöstlich des Ortsteiles Mittelurbach der Stadt Bad Waldsee im Landkreis Ravensburg in Baden-Württemberg.
Die Burg wurde Anfang des 13. Jahrhunderts von den Herren von Waldsee (Gebehardus und Chunradus de Walchsé) erbaut und am 7. Februar 1331 als Burg „Newe Waltse“ erstmals erwähnt. Eine lange Zeit über dachte man, dass die Burg 1348 durch ein Erdbeben zerstört worden wäre. Doch tatsächlich ist die Burg 1649 von Franziskaner Mönchen gesprengt worden. Die Steine wurden für den Bau eines Klosters in Bad Waldsee benötigt. Die Burg war zu diesem Zeitpunkt bereits eine Ruine. Von der ehemaligen Burganlage sind noch geringe Reste erhalten.
Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Burgrest_Neuwaldsee

Verpfändung an Waldburg

1386 verpfändete das Haus Habsburg die Stadt Waldsee an den Truchsess Johannes II. von Waldburg, woraufhin es zu Aufständen der Bürger kam. Der Truchsess setzte sich durch und erlegte der Stadt einen jährlichen Treueschwur auf.
1406 wurde die Pfandherrschaft der Waldburger erneuert, als die Habsburger Waldsee zusammen mit Mengen, Riedlingen, Munderkingen und Saulgau endgültig verpfändeten. Seit dieser Zeit ist der Zwangsbund dieser fünf Städte auch als Fünf vorderösterreichische Donaustädte bekannt. 

Das Waldseer Rathaus wurde 1426 vom damaligen Bürgermeister Ulrich Kuderer erbaut. Das Gebäude mit seiner imposanten gotischen Fassade zählt zu den schönsten Rathäusern Oberschwabens. Das Rathaus entstand in der Zeit der Waldburger Pfandherrschaft und kann in seiner Größe als bürgerlicher Gegenpunkt zur weltlichen Herrschaft, die vom Schloss ausging, und zur geistlichen Herrschaft, die von der Stiftskirche ausging, verstanden werden.

Beschreibung aus Merian/Zeller

Waldsee. Es geben dieses feine und wohlgebautes Städtlein unterschiedliche Scribenten (= Schreiber) den Herrn Truchsessen von Waldburg und sagt auch Stumpfius (der dieser Herrn unter welchen etliche Kardinäle Erzbischöfe und Bischöfe gewesen(…)) dass sie hier wohnen, ein Amthaus und gleich außer desselben ein Schloss gleichen Namens haben und die abgestorbenen (=ehemaligen) Herren von Waldsee geerbt haben und dass da oberhalb die Schussen oder Schußach an der Höhe des Walds entspringe und ferner für das reiche Kloster Schussenried und Abtei Weingarten rinne.
Es gehört aber solches Städtlein dem Haus Österreich zu; wie es dann auch in dem Insbruck’schen Libell Anno 1518 zwei Mal unter die österreichischen Städte gesetzt wird; obwohl die Herren von Waldburg-Wolfegg ein Amtshaus in dem Städtlein und gleich außerhalb desselben ein Schloss gleiches Namens haben davon sie sich schreiben und viele derselben (von ihnen) in dem Kloster des Städtleins begraben liegen sollen. Es sollen Städtlein und Probstei (=Kloster) den Namen von dem See dort haben: und ist solches Anno 1634 den 10. Januar von den Schwedischen occupiert (=besetzt) worden.
Liegt zwei Meilen von Biberach und zwei von Ravensburg in der Mitte. Lazius (…) schreibt, Bruschius wolle, dass das Kloster von Friedrich II., dem durchleuchtigsten Schwäbischen Fürsten; Pantalaleon aber (…) sage, von Friedrich I. Barbarossa, gestiftet wurde; (…) und sei der erste Probst Bertholdus, H. von Waldsee gewesen: in welchem Kloster etliche Freiherren von Waldburg begraben liegen; so samt dem Städtlein seinen Namen von dem großen See dort habe. Anno 1646 ist der französische General Heinrich de la Tour, Viconte de Touraine, hier gelegen (=hatte Waldsee belagert).
Transkript aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor): Topographia Sueviae. Frankfurt am Main 1643, S. 211. https://de.wikisource.org/wiki/Topographia_Sueviae:_Waldsee

Hexenprozesse

In der Gegend um Waldsee begann die Hexenverfolgung sehr früh, da der Inquisitor Heinrich Kramer ab 1480 in der Nachbarstadt Ravensburg tätig war. Kramer war Autor des Hexenhammers und als Inquisitor einer der Wegbereiter der Hexenverfolgung der frühen Neuzeit  

Während der Hexenverfolgungen waren von 1515 bis 1712 in Bad Waldsee mindestens 59 Menschen von Hexenprozessen betroffen. 54 Angeklagte wurden verbrannt, eine wurde enthauptet, eine starb im Gefängnis, eine wurde zu lebenslanger Haft verurteilt und eine wurde freigelassen. Ein Prozessausgang ist unbekannt. Allein im Jahr 1586 wurden 16 Frauen als „Hexen“ verbrannt. Unterlagen über die Jahre (1545–1581; 1605–1640) fehlen. Die vorhandenen Quellen sind im Stadtarchiv in Bad Waldsee einsehbar.

Kurbetrieb

1950 wurde das erste Moorbad eröffnet. Durch den weiteren Ausbau des Kurwesens erlangte Waldsee bereits 1956 das Prädikat Moorheilbad. 1974 wurde Bad Waldsee außerdem das Prädikat Kneippkurort verliehen.

➥ Matthäus Merian, Topographia_Sueviae: Waldsee (Wikisource)

Ausflüge und Sehenswertes

➥ Wikivoyage: Bad Waldsee (Projekt der Wikimedia)
➥ Wikitravel: Bad Waldsee
➥ Tripadvisor: Bad Waldsee

Natur & Parks

➥ Storchennest Bad Waldsee
Brut- und Flugzeit: Mai bis September

Karten

Links oben in der Karte können Sie mit + und – den Maßstab der Darstellung ändern. Durch Festhalten des Mauszeigers lässt sich der Ausschnitt verschieben.

Karte eingebunden aus OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL.
➥ Luftlinie-org berechnet die Luftlinienentfernung
sowie die Straßenentfernung zwischen zwei Orten und stellt beide auf der Landkarte dar.

Webcams

➥ Kletterpark Tannenbühl, Bad Waldsee
➥ Rathausplatz, Bad Waldsee
➥ Blick auf den See, Bad Waldsee

Nachbargemeinden

➥ angrenzende Städte und Gemeinden (aus Wikipedia)

Teilorte / Teilgemeinden

  • Zu Bad Waldsee selbst gehören Steinach und die Weiler Dinnenried, Englerts, Graben, Haslanden, Hifringen, Hopfenweiler, Kohhaus, Mattenhaus, Reichertshaus, Schellenberg, Schlupfen und Steinenberg sowie einige Höfe.
  • Reute ist seit 1971 Ortsteil der Stadt Bad Waldsee. Zu Reute gehören die Wohnplätze Durlesbach, Greut, Magenhaus, Obermöllenbronn, Untermöllenbronn, Stadel und Tobel (2400 Einwohner).
  • Gaisbeuren mit den Wohnplätzen Ankenreute, Arisheim, Atzenreute, Dinnenried, Enzisreute, Haldenhof, Haldensäge und Kümmerazhofen (1785 Einwohner).
  • Haisterkirch mit den Wohnplätzen Bäuerle und Heustöckle, das 715 m hoch gelegene Ehrensberg, Hittelkofen, Hittisweiler und Osterhofen (1433 Einwohner).
  • Michelwinnaden mit den Wohnplätzen Michelberg und Lenatweiler (618 Einwohner).
  • Mittelurbach mit den Wohnplätzen Mennisweiler, Neuurbach, Oberurbach, Seeden, Unterurbach, Volkertshaus, Vorderurbach und Wolpertsheim (1347 Einwohner).
    Quelle: ➥ Ortschaften und Wohnplätze von Bad Waldsee (aus Wikipedia)

Sagen, Mythen und Geschichten

Der Bethenbrunnen

Viel weiß das Volk noch von einem »Bethenbrunnen« im Kloster Reute, der durch der guten Betha Beten entstanden sein soll. Weil man mit zwei Eseln das Wasser so gar weit herholen musste, so betete die hl. Betha inständig zu Gott: er möchte ihr doch auch einen Brunnen hervorquellen lassen auf des Klosters Grunde. Und so geschah es. Ein Engel offenbarte ihr im Traume, wo man graben sollte. Der Böse war aber so voller Ärger darüber, dass er allemal das bei Nacht wiedereinriss, was bei Tag gegraben ward. Dennoch kam der Brunnen zu Stande und ist noch jetzt zu sehen.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 414-415, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004569571

Der Bethenstein in Reute

Im Klostergärtchen in Reute ist neben der Gartenlaube heute noch ein Stein zu sehen, den man nur den »Bethenstein« heißt. Die »gute Bethe« war eine gar fromme, heilige Klosterfrau, und das Volk weiß unermüdlich die schönsten Züge aus ihrem wohlthätigen Leben zu erzählen. In dem Steine sieht man deutlich eine Höhlung, wie von einem Knie eingedrückt. Da soll die »gute Bethe« geknieet und gebetet haben. Von dem vielen Knien soll diese Spur zurückgeblieben sein.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 415, Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456958X

Volksglaube, Wetter und Gestirne

s’Wuotas

In einem Teile von Oberschwaben in Altshausen, Wolpertswende, Blitzenreute, Bergatreute, Baienfurt, Altdorf (Weingarten), Ravensburg, Tettnang, Wangen, Wurzach, Waldsee und andern benachbarten Orten heißt das Mutesheer einfach „s’Wuotas“ (oder s’Wuotes, Wutes); in Leutkirch, Merazhofen und den umliegenden Ortschaften aber sagt man „s’Muotas“.

Man hört des Wuotas in der Luft sausen und oft eine wunderbar schöne Musik machen; hinterher kommt immer ein heftiger Sturm. Daher sagt man auch sonst ganz gewöhnlich bei argem Lärm „es thut wie s’Wuotas“, oder „man sollte meinen s’Wuotas sei da“, wofür man auf der Alb, im Schwarzwalde und im ganzen Neckarthale im gleichen Sinne das Mutesheer gebraucht. Regelmäßig hört man zu Altdorf beim Kloster Weingarten s’Wuotas um Weihnachten und in den Nächten der übrigen großen Feste.

Noch vor wenigen Jahren zog es einmal über Oberessendorf hin nach Wurzach und machte Musik und ein wildes Getöse. Man glaubt, dass es Hexen und böse Geister seien, die unter Anführung des Satans umherziehen. In Merazhofen und bei Leutkirch kann man s’Muotas in den heiligen Nächten sausen und musizieren hören, wenn man sich auf einen Kreuzweg stellt. (Mündlich aus den genannten Orten Oberschwabens)

Anmerkung: Die Form s’Wuotas, s’Muotas ist eigentlich ein Genitiv und heißt vollständig: „des Wuotas, d. i. Wuotan und sein Anhang, oder alles was zu ihm gehört, er mit seinen Leuten. So sagt man im Schwäbischen und auch sonst ganz gewöhnlich des Müllers, des Meiers oder abgekürzt: s’Müllers tun das und das, kommen da und da hin u.s.w., das heißt, die ganze Familie Müller tut das kommt dahin u.s.w. So ist auch „s’Wuotes“ gleichbedeutend mit Wuotesheer oder Muotesheer
Quelle: Ernst Heinrich Meier: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, Stuttgart 1852, Band 1, Nr.141, Link: https://books.google.de/books?id=i1sKAAAAIAAJ

Anmerkung: „S’Muotas“ und auch „s’Wuotas“ beruht auf vorchristlichem Glauben und bezieht sich auf den germanischen Gott „Wotan“. Genaueres dazu habe ich hier gesammelt: ➥ Ursprung der Sagengestalten

Wenn auf eine trübe und stürmische Nacht,

es darf auch ein Tag sein, so plötzlich schönes Wetter kommt, sagt man in und um Waldsee: »Hätte sich gestern einer gehenkt, so reuete es ihn heute ganz gewiss.«
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 193,Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004564790

Balladen

Auf de schwäb’sche Eisebohne

Auf de schwäbsche Eisebohne
geit es viele Statione:
Stuegert, Ulm ond Biberach,
Meckebeure, Durlesbach.

Refrain:
Trula, trula, trula la, trula, trula, la.
Stuegert, Ulm ond Biberach,
Meckebeure, Durlesbach.

Auf de schwäbsche Eisebohne
geit es viele Reschtratione,
wo ma esse, trinke ka,
älles, wa d’r Maga ma. Trula….

Auf de schwäbsche Eisebohne
braucht ma koine Poschtillione,
denn was sonscht das Poschthorn blies,
pfeifet jetzt de Lokomotiv.Trula….

Auf de schwäbsche Eisebohne
könne Küh ond Ochse fohre,
d’ Studente fahret erschte Klass:
se machet des halt nor zom Spaß.Trula….

Auf de schwäbsche Eisebohne
wollt amol ä Bäurle fohre,
goht an Schalter, lupft de Huet:
„Oi Billetle, send so guet!“Trula….

Eine Geiß hat er gekaufet,
und daß die ihm nicht entlaufet,
bindet se der guete Ma
hende an de Wage na.Trula….

„Böckle, tue nor woidle springe,
’s Fueder will i der scho bringe.“
Setzt si zu seim Weible na
ond brennt ’s stinket Pfeifle a.Trula….

’s Fahre tut en mächtig freue,
doch er mueß es z’ spät bereue,
daß er hot des Ungschick tau
ond de Bock am Wage glau.Trula….

Auf de nächschte Statione,
wo er will sei Böckle hole,
findt er nor no Kopf ond Soil
an dem hendre Wagetoil.Trula….

Do kriegt er en große Zore,
nimmt de Kopf mitsamt de Hoore,
schmeißt en, was er schmeiße ka,
’m Konduktör an d’ Auhre na.Trula….

„So, du kaascht de Schade zahle,
worum bischt so schnell gfahre,
du alloi bischt Schuld dara,
daß i jetzt koi Geiß meh ha.“Trula….

So, jetzt wär des Liedle gsunge,
’s hätt euch wohl in d’ Auhre klunge,
wers no net begreife ka,
fangts halt wieder vo vorne a. Trula….

Autor unbekannt, in: Sebastian Burckhardt: Allgemeiner Liederschatz : Vollständiges Taschenliederbuch. Basel, 1888, https://de.wikisource.org/wiki/Auf_de_schwäbsche_Eisebohne

Brauchtum

Der Funkensonntag

Der erste Sonntag, welcher auf Aschermittwoch folgt, heißt in Oberschwaben Funkentag, Funkensonntag, auch Scheibensonntag oder weißer Sonntag – verschieden von dem weißen Sonntag nach Ostern. An diesem Funkensonntage werden auf Bergen Funkenfeuer gemacht und feurige Scheiben in die Luft geschlagen. Früher hielt man es so:
Man sammelte Holz im ganzen Orte, baute auf einem nahen hohen Berge einen Scheiterhaufen, steckte eine Stange hinein und befestigte an derselben ein mit lumpigen Kleidern und mit einem Strohhut bedecktes Strohbild, das eine Hexe vorstellte. Zugleich war an dem Strohbild eine Rakete angebracht, bei deren Losknallen nachher ein großer Jubel entstand. Der Holzstoß wurde sodann angezündet und die Hexe verbrannt. Es waren dabei immer mehre hundert Menschen, alte und junge, anwesend und sangen ein geistliches Lied.
Hierauf begann die Hauptfeierlichkeit – das Scheibenschlagen. Man machte nämlich runde dünne Holzscheiben von dem Umfange einer Faust, steckte sie, da sie in der Mitte ein Loch hatten, an zugespitzte Stöcke, hielt sie so ins Feuer und wenn sie brannten, schwang man sie einige Male und schleuderte sie mit dem Stocke in die Höhe. Dabei hatte man eine längliche Scheibenbank mit drei Füßen, die man im Boden befestigte, aber so, dass die Bank eine schräge Linie bildete. Um die Schwungkraft zu vermehren und die Scheibe recht hoch zu treiben, streifte man alsdann hart mit dem Stocke die Fläche der Bank, sobald die Scheibe abspringen sollte.
Jede Scheibe die aufstieg, wurde jemanden verehrt. Die erste wurde sonst immer zu Ehren der höchsten Dreifaltigkeit geschlagen. Während des Schwingens sagte man jedes Mal folgenden Spruch:
„Scheible aus und ein,
wem soll die Scheibe sein?
Die Scheibe soll der höchsten Dreifaltigkeit sein!“

So in Tettnang, im Kloster Weingarten und sonst. Die zweite Scheibe verehrte man der Landesregierung, dann wohl eine dem Pfarrer, dem Schultheiß, dem Schatz und andern guten Freunden. (mündlich aus Tettnang)
(…)
Jetzt kommt dies Scheibenschlagen namentlich noch vor in der Umgegend von Altdorf, Wolperschwende, Blizreute, Baienfurt, Frohnhofen; ferner bei Ravensburg, Tettnang, Wangen, Leutkirch, Waldsee u.s.w. Die Scheiben trägt man auf einer Schnur und hat immer auch mehre Schleuderstöcke. In der Gegend von Wangen schießt man auch während des Scheibenschlagens.
Quelle: Ernst Heinrich Meier: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, Bände 1-2, Metzler, 1852 Permalink: https://books.google.de/books?id=i1sKAAAAIAAJ

Literatur

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Neue und alte Techniken der Radierung und Edeldruckverfahren.
Techniken der Radierung und Edeldruckverfahren Umschlag
Ein alchemistisches Werkstattbuch für Radierer. Anleitungen & Rezepturen aus 500 Jahren auf 232 Seiten
ISBN 978-3-9821765-0-5
7.Auflage - 36,90 € incl. Versand (D)
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Die zitierten, historischen Texte des 19.Jahrhunderts habe ich aus freien Quellen und/oder Fraktur- und Kurrentschrift in heutige Normschrift transkribiert, dabei in Rechtschreibung, Satzbau und Grammatik angepasst und ergänzt,  die historischen Ansichtskarten sind retuschiert und farblich "aufgehübscht", teilweise coloriert.

Für die Webseite, Texte und Abbildungen gilt das Copyright: © CC BY-NC-ND (Namensnennung, Nicht kommerziell, Keine Bearbeitung) edition Wolfgang Autenrieth, Krauchenwies, https://oberschwabenschau.info, 2024


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Copyright der dargestellten historischen Ansichtskarten
Ein Werk wie ein Foto, eine Grafik oder ein Kunstwerk ist bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers urheberrechtlich geschützt. Auf einigen der eingestellten historischen Ansichten ist kein Urheber vermerkt. Ich habe nur solche Karten der Jahrhundertwende 1900 verwendet, bei denen nach menschlichem Ermessen der Urheber bereits vor mehr als 70 Jahren verstorben ist. Sollte bei eingestellten Abbildungen, für die ich trotz meiner Recherchen keine Rechteinhaber ausfindig machen konnte noch solche existieren, bitte ich diese nachträglich um Erlaubnis und um eine Mitteilung. Ich werde dann die Werke zeitnah entfernen oder auf Wunsch mit einem entsprechenden Copyrightvermerk versehen. Ich verfolge keine kommerziellen Interessen. Die eingeblendete Werbung dient lediglich der (teilweisen) Deckung der Unkosten. Es geht mir einzig darum, diese interessanten Zeitdokumente der Nachwelt zu zeigen und zu erhalten. Und das dürfte auch im Sinne der Urheber sein!

Die Retusche der Ansichtskarten war SEHR zeitaufwändig und setzt Fachwissen voraus. Dasselbe gilt für die Recherche,  Transkription und Überarbeitung der Texte und Bilder aus historischen Quellen und Frakturschrift. Die Umarbeitung ergibt für die hier eingestellten Ansichtskarten und Texte ein neues Copyright, da es sich nicht mehr um die ursprünglich gemeinfreien Werke handelt. Es steht Ihnen frei, nach den historischen Abbildungen zu forschen und diese zu verwenden. Dass jemand ohne mein Einverständnis aus meiner Arbeit Kapital schlägt, werde ich nicht akzeptieren.

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