Möhringen a.d. Donau – Sehenswertes, Geschichte, Sagen, Mythen… Das „etwas andere“ Portal mit Links, Landkarten, historischen Ansichtskarten …
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Sagen, Mythen und Geschichten
Die drei Zauberfrauen im Heiligentäle
Zwischen Möhringen und Tuttlingen ist ein Thälchen, »Heiligenthäle« geheißen. Dort, gar nicht weit vom Duttenthal, wo die »Duttfee« oder »Dupfe« hauste, hielten sich vor alten Zeiten zwei, andere sagen drei Heidinnen auf, die Zauberei verstanden. Die drei Frauen hatten drei wunderschöne Schimmel, die den ganzen Tag weiden und nichts ackern und nichts ziehen durften. Zu den Frauen kamen die Leute von weiter Ferne her, wenn ihnen oder ihrem Vieh etwas fehlte, und holten Heilsames. Vorher mussten die Leute den drei weißen Rossen Ehre erweisen: niederfallen und opfern. Die Zauberfrauen konnten für Alles helfen und hatten viele, viele Kenntnis in den heilsamen Kräutern, die sie in Wald und Feld sammelten. Ein Tröpflein aus einem Gütterchen verhalf von der Hexerei; andere Tröpflein ließen die Tiersprache verstehen, wieder andere machten, dass man Diebe und Übeltäter sah und kannte.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 1. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004560728
Die Duttfee. Duttenthal
Das Tal zwischen Tuttlingen und dem badischen Städtchen Möhringen heißt »Duttenthal«. Da soll einst, wie uralte Tuttlinger und Möhringer Leute von ihren Eltern sagen gehört, eine Göttin verehrt worden sein, die habe »Dutt« geheißen. »Tuttlingen« sei von ihr so genannt worden. Man hat auch vor alten Zeiten mal in dem Tal eine weibliche Figur unter dem Moos gefunden, von blauem Sandstein. Schlank, von Menschengröße, mit etwas kleinem Kopfe, zwei Gesichtern, und einer Doppelbrust von großem Umfange. Diese Göttin wurde nach Tuttlingen gebracht und mochte seit mehreren Jahrhunderten auf dem Stadtbrunnen gestanden haben. Endlich ward das Bild um ein Paar Batzen verkauft und von einem Maurer zerschlagen. Stücke in Mauern weiß man noch.
In dem Duttental sei es auch sonst nicht geheuer. Vor vielen, vielen Jahren hütete ein Mädchen Pferde draußen, da sah es auf einmal eine große Menge Andächtiger mit dem Pfarrer an der Spitze, wohlgeordnet daherkommen: in uraltertümlicher Kleidung. Wie im Nu flog Alles in die Luft, und das Mädchen sah Nichts mehr. Der mit dem langen schwarzen Rocke vornedraus winkte ihr: sie ging aber nicht hin. Kaum waren diese sonderbaren Leute verschwunden, so stand das Mädchen vor einem großen Schlosse in alter Bauart, in dem Leute wahrgenommen werden konnten. Oben bemerkte man Frauenzimmer; eine Magd war unten mit Kübelfegen beschäftigt, zwei Ritter turnierten mit einander, hieben auch mit Säbel auf einander ein. Was sie redeten, verstand sie nicht und wusste sie nicht. Im Duttental soll mal ein Schloss gestanden sein. (Mündlich aus Tuttlingen)
[Dupfé ist der volkstümliche Name dieser mater mammosa. Wie der Name »Fee« in diese Gegend gekommen, weiß ich nicht: vielleicht durch Lektüre? Vielleicht noch aus alten Zeiten, was zur Annahme berechtigte, es hätten Kelten hier einst gewohnt. Diese Annahme würde noch unterstützt durch unverkennbar keltische Berg-, Flur-, Wald- und Wassernamen. Ein Umstand aber hält mich ab, Kelten hier anzunehmen: die Tuttlinger Gegend ist ganz von Alemannen bewohnt gewesen, was auch die alten, von Dürrich und W. Menzel untersuchten Oberflachter Heidengräber dartun; die Alemannen waren aber die erbittertsten Keltenfeinde, somit kann das Wort » Fee« schwerlich trotz keltischer Ortsnamen in der Gegend ein echter Nachhall des untergehenden Druidinnenkults in der Tuttlinger Heimat sein. Volkstümlich ist »Dupfé« ganz, und wenn die Sage Nr. 1 von den drei Heidinnen auf den Feenkult zurückgeführt werden könnte, so wäre dieses für Geschichte und Mythologie ein nicht unbedeutender Wink. Die Grenzen des Keltentums und somit auch des Druidinnenkults, dessen Nachhall der Feenkult, sind von Dr. H. Schreiber freilich über die Vogesen und höchsten Firsten der Alpen gezogen, und somit läge Tuttlingen weit ab und könnte kein Feenkult heimisch gewesen sein. Dupfé ist in der Tuttlinger Gegend ein Kinderschrecken.]
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 1-3. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004560736
