88400 Biberach an der Riß |

Historische Quellen

Matthäus Merian: Topographia Sueviae: Biberach (Wikisource)

Sagen, Mythen und Geschichten

Die Karpfengasse in Biberach

Als mal die Riß austrat, lief das Wasser auch bis in die »Karpfengasse«. In einem Hause, wo zwei alte Leute wohnten, ein Mann und eine Frau, hatte ein Käfig oben in der Stube gehangen. Das Wasser drang fast bis in den zweiten Stock des Hauses. Eine Welle schlug des Käfigs Thürlein auf; der Kanarienvogel flog davon oder nicht davon; kurz, als das Wasser wieder zurücktrat, war ein schöner Karpfe im Käfig. Der Mann hatte ob dem ausländischen Vogel große Freude, pfiff und sang ihm vor und meinte, als er den lezten Schnapper that und starb, er fange schon das Singen an. Daher die Karpfengasse ihren Namen.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 444-445.Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570197

Fluch des »schwarzen Fehrle«

Im Siechenthurm zu Biberach saß einst gefangen der berüchtigte oberschwäbische Räuber, genannt der »schwarz Fehrle«. Während eines Gewitters soll er ausgerufen haben: »wenn mich nur das Donnerwetter verschlüge!« Plötzlich fuhr ein Donnerknall in den Thurm und erschlug den schwarzen Fehrle. Die Risse und Sprünge sollen noch davon herrühren.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 247-248, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004566343

Geist nieset

Einmal hörte eine Magd in ihrer Kammer niesen. Sie antwortete: »Helf dir Gott!« Zum zweiten Mal wiederholte sich das Niesen, da sagte die Magd: »Helf dir Gott in Himmel nauf!« Da niesete die unbekannte Person zum dritten Mal. Jezt rief die Magd unwirsch: »ei! so komm‘ mer dôh uff d‘ Kërwëh!« Da erschien ihr die Bäuerin, welche kurz vorher gestorben war, und hielt ihr eine »Juppe« vor die Augen, indem sie fragte: Hab ich dir diese Juppe geschenkt? Vergelt’s Gott! ja! erwiderte die Magd. Abermals frug die Bäuerin: Hab ich dir diese Juppe (Weiberrock) geschenkt? Ja! Vergelt’s Gott, versetzte drauf die Magd. Wie nun aber die Bäuerin ein drittes Mal frug, ward die Magd ungehalten und sagte rasch: »ei! î pfeiff der dreẽ!« Da heulte die Bäuerin, daß sie jezt verdammt sei, denn würde die Magd auch das dritte Mal »vergelt’s Gott« gesagt haben, wäre sie selig geworden – und schoß nun wie ein feuriger Drache zum Fenster hinaus. (Mündlich von Mettenberg)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 289-290, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567250

Räuber und Diebe bannen

Das Bannen ist eine große Kunst und will mehr heißen, als Brod essen können. Der »Nähne« verstand’s aus dem Fundament. Als er einsmals vom Markt heimging, packte ihn ein Räuber an. Aber der »Nähne« bannte ihn alsbald, daß der mit gezücktem Messer stehen bleiben mußte, wie er vor den »Nähne« getreten war. Der »Nähne« ließ ihn los, als er sich in Sicherheit wußte. Hiebei muß aber das Gebet von hinten herein gesprochen werden. Läßt man den Räuber oder Dieb, den man bannte, nicht vor Sonnenaufgang los, so zerfällt er in Asche, sobald ihn die Sonne bescheint. (Ertingen und Biberach)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 336-337, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568575

Schrättele holt Kraut

Eine Bäuerin wurde vom Schrättele gar sehr geplagt. Da rief die Bäurin, auf Anrathen guter Freunde, dem Schrättele einmal zu, es solle Morgens wieder kommen und ein Häfele voll Kraut holen. In der That kam andern Tags in aller Früh die Nachbarin und wollte ein Häfele Kraut haben. Da ward sie weidlich »durchgelidert« und von Stunde an hatte die Bäurin Ruhe. (Biberach)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 303-304, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567528

Schrättele ist haarig und zottig

In Biberach wurde ein Mann vom Schrättele gedrückt. Er wehrte sich, was er konnte. Als er aus dem Bette hinausgriff, fühlte er etwas Rauhaariges und Zottiges. Wer ein Haar davon bekommt, kann das Schrättele kommen machen, wenn man das Haar an’s Licht hält; das Schrättele bittet dann »um gut Wetter.« Biberach-Erbstetten

Greift man hinaus, erwischt man eine Feder (Walkürennatur / Federhemd)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 304, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567536

Teufel in der Kanne

Im schwarzen Rößle zu Biberach befindet sich der Teufel in der großen Kanne im Tischeck. Dort hinein hat ihn nämlich der Kapuziner geschworen. Da war einst ein Wirth, der ein großer Unflath gewesen und auch allen Frommen zum Spott gesagt hatte, ihn dürfe der Teufel holen, wenn es welchen gebe. Kaum war’s gesagt, als ein Jäger zur Thüre hereintrat und den Wirth mit ganz absonderlichen Augen ansah. Die Magd, welche ihn die Stiege hinaufgehen sah, bemerkte, daß der Jäger Bocksfüß habe und lief zu den Kapuzinern. Der Malefizpater kam eilig daher gelaufen und wußte den Teufel noch rechtzeitig zu bannen, denn schon hatte er den Wirth am Schopf. Der Pater ließ den Wirth in einen Zuber voll Weihwasser setzen, aus dem ihn der Teufel vergebens am Schopf herauszuziehen sich bemühte. Inzwischen beschwor der Malefizpater den Teufel und trieb ihn so in die Enge, daß er sich schließlich in des Wirths zinnerne Maaskanne zurückzog. Diese stellte man in das Tischeck, und bis auf diesen Tag sizt der Leibhaftige in ihr gefangen.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 268, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004566777

Volksglaube, Wetter und Gestirne

Wider Feuersbrunst ist gut:

St. Laurentiikohle. Man findet sie überall in der Erde, wenn man an St. Laurentii (10. August), gerade während des Zwölfuhrläutens, nach ihr gräbt. Man soll sie im Kasten aufbewahren. (Biberach)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 199, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565169

Wider das Weiterumsichgreifen einer Feuersbrunst

… lege man in der Stube den Tisch auf das Blatt, also umgekehrt auf die Erde, so daß die Füße in die Höhe sehen, zwischen die Füße hinein lege man ein Wagenrad und schreibe drum herum: Consummatum est. (Biberach)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 200,Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456524X

Segen gegen die Schweinung

Huff, Blatt, Blut, Fleisch, Bein, Mark, Nerv schweinet nicht, wie die Erde nie geschweint hat, im Namen Gottes des Vaters etc. etc.
Huff, Blatt, Blut, Fleisch, Bein, Mark, Nerv schweinet nicht, wie die Sonne nie geschweinet hat etc. etc.
Huff, Blatt, Blut, Fleisch, Bein, Nerv, Mark schweinet nicht, wie Himmel und Erde nie geschweint haben etc. etc. Nachher drei Vater unser und Ave Maria zu beten. (Mettenberg)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 209-210, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565568

Wer sich auf die rechte Seite legt,

… wird vom Schrättele nicht gedrückt. (Biberach)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 306, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567595