Biberach an der Riß – – Sehenswertes, Geschichte, Sagen, Mythen und Gebräuche der Region. Das „etwas andere“ Portal mit Links, Landkarten, historischen Ansichtskarten, Fotos, Ausflugszielen.
Allgemeines
➥ Internetauftritt der Stadt / Gemeinde
➥ Wikipediaeintrag
➥ Alemannische Wikipedia
➥ Wikisource: Historische Quellen und Schriften
Lexikoneinträge
Biberach (Meyers Großes Konversations-Lexikon 1905)
Oberamtsstadt im württemberg. Donaukreis, mit Mauern und Türmen umgeben, an der Riß, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Bretten-Friedrichshafen und Biberach-Ochsenhausen, 532 m ü. M., hat eine Simultankirche, ein Bronzestandbild Kaiser Wilhelms I., eine Realschule, ein Theater (dabei ein Denkmal Wielands), ein Amtsgericht, Gewerbebank, Maschinen-, Feuerwehrrequisiten-, Blechkranz-, Blechspielwaren-, Beleuchtungsartikel-, Korb- und Wurstwaren-, Paramenten-, Kassenschrank-, Billard-, Malz-, Wagen-, Leim- und Posamentenfabrikation etc., Glockengießerei, Weißgerberei, Bierbrauerei, große Frucht- u. Viehmärkte und 8390 meist kath. Einwohner.
In dem nahegelegenen Dorf Oberholzheim wurde Wieland 1733 geboren. – Biberach erscheint schon 1180 unter Friedrich I. als Stadt und wurde 1312 von Heinrich VII. zur freien Reichsstadt erhoben. Die Reformation fand schon 1521 hier Eingang, die Stadt gehörte zu den Begründern des Schmalkaldischen Bundes. 1634 wurde Biberach von den Schweden eingenommen und war auch 1646–48 von den Schweden besetzt. Im Spanischen Erbfolgekrieg ward es von den Bayern und 1707 von den Franzosen erobert. Am 2. Okt. 1796 siegten die Franzosen unter Moreau über die sie verfolgenden Österreicher unter Latour. Auch 9. Mai 1800 wurden die Österreicher und Bayern unter Kray von den Franzosen unter Saint-Cyr besiegt. 1802 kam Biberach an Baden und 1806 an Württemberg.
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1905, S. 817.
Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000632598X
Biberach (Pierer’s Universal-Lexikon, 1857)
1) Oberamt im württembergischen Donaukreise, 81/2 QM.; 26,500 Ew.;
2) Stadt daselbst, Amtssitz, Postamt u. Dekanat, Bierbrauerei (16–17,000 Eimer), Glockengießerei, Fertigung von Leder, Musselin; 5000 Ew. Geburtsort von C. M. Wieland. 1 Stunde davon das eisenhaltige Bad Jordan. – Biberach, 751 noch ein Dorf und seit 860 ein Marktflecken, scheint zur Zeit Friedrichs II zur Stadt erhoben und seitdem als Reichsstadt betrachtet worden zu sein; es wurde 1632 von dem Kaiser vergebens belagert, 1634 von den Schweden durch Accord eingenommen, 1646 an die Franzosen übergeben, welche es den Schweden überließen, in deren Händen es bis zum Westfälischen Frieden blieb. Im Spanischen Successionskrieg wurde die Stadt von den Baiern und 1707 von den Franzosen genommen und gebrandschatzt. Am 2. Oktober 1796 fand hier zwischen Franzosen unter Moreau und den Österreichern unter Latour ein Treffen statt, in welchem der Letztere geschlagen wurde. In der Nähe Biberach am 9. Mai 1800 zwischen den Österreichern und Baiern unter Kray u. den Franzosen unter St. Cyr stattgehabten Schlacht blieben Letztere Sieger. 1803 im Reichsdeputationsreceß verlor Biberach seine Reichsfreiheit und kam an Baden, 1806 aber durch die Rheinbundesacte an Württemberg
Quelle: Pierer’s Universal-Lexikon, Band 2. Altenburg 1857, S. 732.
Permalink: http://www.zeno.org/nid/20009524037
Karten
➥ Luftlinie-org berechnet die Luftlinienentfernung
sowie die Straßenentfernung zwischen zwei Orten und stellt beide auf der Landkarte dar. Startort ist Biberach, den Zielort müssen Sie noch wählen. Voreingetragen ist ➥ Bisoro in Burundi
Karte eingebunden aus OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL
Ansichtskarten von Biberach aus der Jahrhundertwende 1900
Ein Klick ins Bild zeigt die vergrößerte Darstellung und startet den Slideshow-Browser.
➥ Bildersammlung auf Wikimedia-Commons
➥ Abbildungen auf Tumblr
➥ Bilder auf Pinterest
➥ Filme in der ARD-Retro-Mediathek (Filmbeiträge der 60er-Jahre)
Kunst, Kultur und Brauchtum
➥ Kultur und Sehenswürdigkeiten (Wikipedia)
➥ Biberach auf ‚Bildindex‘
➥ Abbildungen auf ‚Google-Art‘
➥ Biberach auf ‚Zeno-Org‘
Museen in Biberach
Wieland-Museum Biberach
Das Wieland-Museum in Biberach erinnert im historischen Gartenhaus an Leben und Werk des Dichters und Shakespeare-Übersetzer Christoph Martin Wieland, einem Wegbereiter der Weimarer Klassik und bedeutenden Vertreter der Aufklärung. Die Dauerausstellung „Gärten in Wielands Welt“ sowie das angeschlossene Wieland-Archiv mit über 16.000 Bänden und Handschriften bieten tiefe Einblicke in seine literarische, philosophische und kulturelle Bedeutung.
Saudengasse 10/1
88400 Biberach/Riß
Tel. +49 7351 51336
wieland-museum@biberachriss.de
https://www.wieland-museum.de
Museum Biberach (Braith-Mali-Museum)
Das Museum Biberach, ehemals Braith-Mali-Museum, vereint unter einem Dach die Bereiche Kunst, Geschichte, Archäologie und Naturkunde und befindet sich im historischen Hospital zum Heiligen Geist, dem größten mittelalterlichen Gebäudekomplex der Stadt. Herzstück sind die original erhaltenen Künstlerateliers der Münchner Tiermaler Anton Braith und Christian Mali – einzigartige Zeugnisse des 19. Jahrhunderts – sowie Werke von Ernst Ludwig Kirchner und Jakob Bräckle.
Museumstraße 6
88400 Biberach an der Riß
Tel. +49 7351 51331
museum@biberach-riss.de
https://www.museum-biberach.de
Nistkasten- und Vogelschutzmuseum
Das Nistkasten- und Vogelschutzmuseum in Ringschnait bei Biberach zeigt über 600 Nistkästen, Futterhäuser und Nisthilfen aus verschiedenen Epochen und Ländern – von historischen Modellen aus dem 16. Jahrhundert bis zur berühmten „Berlepschhöhle“. In einem liebevoll restaurierten Fachwerkhaus erleben Besucher nicht nur die Geschichte des Vogelschutzes, sondern erhalten auch praktische Tipps zum Bau von Nistkästen für Vögel und Fledermäuse und können das Brutverhalten über Live-Kameras beobachten.
Ummendorfer Straße 15
88400 Biberach – Ringschnait
Tel. +49 7352 2579
gerhard.foehr@t-online.de
https://www.nistkastenmuseum.de
Geschichte
Ortsbeschreibung von Merian: ➥ https://de.wikisource.org/wiki/Topographia_Sueviae:_Biberach
Ausflüge und Sehenswertes
➥ Wikivoyage – Projekt der Wikimedia
➥ Wikitravel – der freie Reiseführer
Webcams
➥ Webcams in Biberach und Umgebung
Nachbargemeinden
➥ angrenzende Städte und Gemeinden (aus Wikipedia)
Teilorte / Teilgemeinden
➥ Ortschaften und Wohnplätze von Biberach (aus Wikipedia)
Kartonmodelle
Dieter Welz hat auf seiner Website ➥ https://www.wediul-kartonmodelle.de/modellkatalog.htm einige Kartonmodelle zur Verfügung gestellt.
Historische Quellen
Matthäus Merian: Topographia Sueviae: Biberach (Wikisource)
Sagen, Mythen und Geschichten
Die Karpfengasse in Biberach
Als mal die Riß austrat, lief das Wasser auch bis in die »Karpfengasse«. In einem Hause, wo zwei alte Leute wohnten, ein Mann und eine Frau, hatte ein Käfig oben in der Stube gehangen. Das Wasser drang fast bis in den zweiten Stock des Hauses. Eine Welle schlug des Käfigs Thürlein auf; der Kanarienvogel flog davon oder nicht davon; kurz, als das Wasser wieder zurücktrat, war ein schöner Karpfe im Käfig. Der Mann hatte ob dem ausländischen Vogel große Freude, pfiff und sang ihm vor und meinte, als er den lezten Schnapper that und starb, er fange schon das Singen an. Daher die Karpfengasse ihren Namen.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 444-445.Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570197
Die Kesselburg
In Schwaben regierte Herzog Marsilio, der unter Pipin in Italien tapfer gefochten. Hier nahm er in einer Schlacht den Sohn eines griechischen Feldherrn welcher gefallen, gefangen mit sich nach Deutschland und ließ ihn sorgfältig zu Lorch erziehen.
Onosius der Grieche sehr schön von Gestalt und gesittet, wusste das Zutrauen und Wohlwollen des Herzogs in dem Grade zu gewinnen, dass er von ihm zum Ritter erhoben und mit einem angesehenen und blühenden Fräulein aus dem Hause Montfort vermählte wurde; zur Aussteuer erhielt er einen großen Strich Landes zwischen der Stadt Biberach und dem angenehmen Federsee gelegen.
Eines Tages ging Onosius mit seiner Gemalin am Saume des Waldes spazieren. Seine Blicke weilten auf dem nahen hohen Berge und er sprach zu ihr, wenn er jene Schätze hätte, welche sein Vater vor dem Kriege in die Erde verssenkt, wollte er auf der Höhe ein prächtiges Schloss und dabei eine Kirche erbauen und Gott darin für Gewährung seines herzlichen Wunsches danken.
Die Gemalin versetzte, sie habe eine Ahnung, der Himmel werde diese Bitte in Erfüllung gehen lassen und ersuchte dann den Gatten an jenem Berge, demnächst Nachgrabungen beginnen zu lassen. Onosius, dazu entschlossen, berief die Arbeitsleute.
Sie fällten des Berges Eichen und Buchen durch gruben die Adern den Felsens und bald stießen sie auf einen ungeheuren Kessel im Gestein. Er war ganz mit Goldgulden angefüllt und die Freude der Neuvermählten über diesen Fund groß. Ihr Schuhengel hatte die Gattin nicht getäuscht. Ritter Onosius tat wie er gelobt.
Eine prächtige Burg, deren Zinnen im Federsee sich spiegelten, stieg über der Bergesspitze empor, welche er Kesselburg nannte, als Graf von Kesselburg bewohnte und in ihrer Nähe ein schönes Gotteshaus aufführte. Der Graf ward in der Folge auch Erbauer des Schlosses Warthausen unweit Kesselburg.
Seine Söhne kamen zu hohen Ehren. Er selbst wurde als tugendreicher Herr im Lande verehrt. Schloss Kesselburg wurde in der Schlacht von Biberach, die Karl der Große den Hunnen lieferte und in welcher der Graf mit seinen tapferen Söhnen den ruhmvollen Tod erlitt, zerstört. Die Gräfin ließ ihre Teuern alle feierlich beerdigen und gab der Wahlstätte den Namen Tränenthal.
Quelle: Philipp von Steinau: „Volkssagen der Deutschen“, Zeitz, 1838. ➥ https://www.google.de/books/edition/_/5EI7AAAAcAAJ
Fluch des »schwarzen Fehrle«
Im Siechenthurm zu Biberach saß einst gefangen der berüchtigte oberschwäbische Räuber, genannt der »schwarz Fehrle«. Während eines Gewitters soll er ausgerufen haben: »wenn mich nur das Donnerwetter verschlüge!« Plötzlich fuhr ein Donnerknall in den Thurm und erschlug den schwarzen Fehrle. Die Risse und Sprünge sollen noch davon herrühren.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 247-248, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004566343
Geist nieset
Einmal hörte eine Magd in ihrer Kammer niesen. Sie antwortete: »Helf dir Gott!« Zum zweiten Mal wiederholte sich das Niesen, da sagte die Magd: »Helf dir Gott in Himmel nauf!« Da niesete die unbekannte Person zum dritten Mal. Jezt rief die Magd unwirsch: »ei! so komm‘ mer dôh uff d‘ Kërwëh!« Da erschien ihr die Bäuerin, welche kurz vorher gestorben war, und hielt ihr eine »Juppe« vor die Augen, indem sie fragte: Hab ich dir diese Juppe geschenkt? Vergelt’s Gott! ja! erwiderte die Magd. Abermals frug die Bäuerin: Hab ich dir diese Juppe (Weiberrock) geschenkt? Ja! Vergelt’s Gott, versetzte drauf die Magd. Wie nun aber die Bäuerin ein drittes Mal frug, ward die Magd ungehalten und sagte rasch: »ei! î pfeiff der dreẽ!« Da heulte die Bäuerin, daß sie jezt verdammt sei, denn würde die Magd auch das dritte Mal »vergelt’s Gott« gesagt haben, wäre sie selig geworden – und schoß nun wie ein feuriger Drache zum Fenster hinaus. (Mündlich von Mettenberg)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 289-290, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567250
Räuber und Diebe bannen
Das Bannen ist eine große Kunst und will mehr heißen, als Brod essen können. Der »Nähne« verstand’s aus dem Fundament. Als er einsmals vom Markt heimging, packte ihn ein Räuber an. Aber der »Nähne« bannte ihn alsbald, daß der mit gezücktem Messer stehen bleiben mußte, wie er vor den »Nähne« getreten war. Der »Nähne« ließ ihn los, als er sich in Sicherheit wußte. Hiebei muß aber das Gebet von hinten herein gesprochen werden. Läßt man den Räuber oder Dieb, den man bannte, nicht vor Sonnenaufgang los, so zerfällt er in Asche, sobald ihn die Sonne bescheint. (Ertingen und Biberach)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 336-337, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568575
Schrättele holt Kraut
Eine Bäuerin wurde vom Schrättele gar sehr geplagt. Da rief die Bäurin, auf Anrathen guter Freunde, dem Schrättele einmal zu, es solle Morgens wieder kommen und ein Häfele voll Kraut holen. In der That kam andern Tags in aller Früh die Nachbarin und wollte ein Häfele Kraut haben. Da ward sie weidlich »durchgelidert« und von Stunde an hatte die Bäurin Ruhe. (Biberach)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 303-304, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567528
Schrättele ist haarig und zottig
In Biberach wurde ein Mann vom Schrättele gedrückt. Er wehrte sich, was er konnte. Als er aus dem Bette hinausgriff, fühlte er etwas Rauhaariges und Zottiges. Wer ein Haar davon bekommt, kann das Schrättele kommen machen, wenn man das Haar an’s Licht hält; das Schrättele bittet dann »um gut Wetter.« Biberach-Erbstetten
Greift man hinaus, erwischt man eine Feder (Walkürennatur / Federhemd)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 304, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567536
Schrettele
Schrat und Schrettele sind unheimliche Wesen, in mannigfacher Beziehung abschreckend und furchtbar gedacht. Dem ursprünglichen Begriff nach ist der Schrat ein struppiger wildhaariger Waldspuk, daher ein wilder Waldschrat, und zwar für beide Geschlechter, der spätere hat sich in der verkleinernden Form Schrättlein zur Nachtmahr ausgebildet. Das Schrattele ist in Schwaben Alp, daher heißt es auch in mancher Gegend bloß Drückerle, Nachtmännle; selbst zottig und zotelig, beim Sichtbarwerden erscheinend, verpfitzt es, indem es gleich der Mahr im Niederland auch die Pferde quält, der Tiere Mähnen, flicht die Weichselzöpfe, saugt an Brüsten und Eutern der Menschen und Tiere, selbst an denen ganz junger Kinder, daß sie aufschwellen. In manchen Gegenden heißen sie Schrecksele, nach Bayern hinein Rettele. Viele denken sie auch mit den Truden überein, gegen beide wird der magisch mystische Trudenfuß, das Pentalpha, über Türen gezeichnet, dessen Gestalt also:
Das ist das Zeichen, dessen in Goethes Faust der Held gegen Mephistopheles gedenkt: Das Pentagramma macht dir Pein! – Hauptsache ist, dass es mit einem sichern und festen Zuge gezogen werde und in allen Winkeln, an allen Spitzen schließe; da kann kein Geist unter ihm oder über ihm hinweg; schließt es nicht, so ist es wirkungslos. Das nennen die Leute in Schwaben Schrattlesfuß, anderwärts heißt es Trudenfuß. Auch Steine gibt es, welche Schrattlesfüße heißen, es sind Fährtenabdrücke von Sauriern, unters Kopfkissen gelegt, kann kein Schrettele dem Schlafenden beikommen. Als Schrattensteine werden auch in gleicher Weise in manchen Gegenden die sogenannten Donnerkeile, aber durchbohrte, altgermanische Streitkeile von Stein, gebraucht.
Als Alp kommen die Schrettele durchs Schlüsselloch und ziehen durch dasselbe wieder hinweg, wie jene Flaumfeder zu Ruhla, und plagen absonderlich gern Wöchnerinnen und Wochenkinder, nehmen auch Tiergestalt an und drücken die Menschen, dass ihnen schier der Odem ausgehen möchte. Glücklich ward ein Müller kuriert, und schlecht kam eine Trude weg, die ihn schrecklich plagte. Der Gequälte stöhnte und ächzte, konnte sich aber nicht ermuntern. Der Kamerad, der bei ihm schlief, stieg auf, machte Licht und sah einen Strohhalm quer über dem Schlafenden liegen, den er in die Hand nahm. Gleich wachte jener erleichtert auf, und da verbrannten sie den Strohhalm. Nie kam die Trude oder das Schrettele wieder zu dem Mühlburschen, drüben im Nachbarhause aber lag die Frau im Bett und hatte Brandblasen an allen Gliedern. – Sehr probat ist gegen solche Ungetüme ein Schreckselesmesser, das ist einfach ein Messer, auf dessen Klinge drei Kreuze eingegraben sind und das zur Nacht mit der Spitze über sich in die Höhe gehalten wird. Da sticht sich das Schrettele hinein und kommt nimmer wieder.
Quelle: Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersburg und Leipzig 1930, S. 615-616. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004544072
Teufel in der Kanne
Im schwarzen Rößle zu Biberach befindet sich der Teufel in der großen Kanne im Tischeck. Dort hinein hat ihn nämlich der Kapuziner geschworen. Da war einst ein Wirth, der ein großer Unflath gewesen und auch allen Frommen zum Spott gesagt hatte, ihn dürfe der Teufel holen, wenn es welchen gebe. Kaum war’s gesagt, als ein Jäger zur Thüre hereintrat und den Wirth mit ganz absonderlichen Augen ansah. Die Magd, welche ihn die Stiege hinaufgehen sah, bemerkte, daß der Jäger Bocksfüß habe und lief zu den Kapuzinern. Der Malefizpater kam eilig daher gelaufen und wußte den Teufel noch rechtzeitig zu bannen, denn schon hatte er den Wirth am Schopf. Der Pater ließ den Wirth in einen Zuber voll Weihwasser setzen, aus dem ihn der Teufel vergebens am Schopf herauszuziehen sich bemühte. Inzwischen beschwor der Malefizpater den Teufel und trieb ihn so in die Enge, daß er sich schließlich in des Wirths zinnerne Maaskanne zurückzog. Diese stellte man in das Tischeck, und bis auf diesen Tag sizt der Leibhaftige in ihr gefangen.
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 268, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004566777
Volksglauben, Wetter und Gestirne
Segen gegen die Schweinung
Huff, Blatt, Blut, Fleisch, Bein, Mark, Nerv schweinet nicht,
wie die Erde nie geschweint hat, im Namen Gottes des Vaters etc. etc.
Huff, Blatt, Blut, Fleisch, Bein, Mark, Nerv schweinet nicht,
wie die Sonne nie geschweinet hat etc. etc.
Huff, Blatt, Blut, Fleisch, Bein, Nerv, Mark schweinet nicht,
wie Himmel und Erde nie geschweint haben etc. etc.
Nachher drei Vater unser und Ave Maria zu beten. (Mettenberg)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 209-210, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565568
Anmerkung: Die Schweinung, das schwinden, zusammenschrumpfen: schweynung, diminutio, gähe verdorrung und schweynung eines glids, als, so einen das guͦt oder der schlag trifft, die alten weyber sagend, es hat jn ein böser wind angewäyet, syderatio, morbi genus Maaler 367; verbinde jhn auch nicht zu balt, auff das er nit den krampff uberkomme, oder die schweinung fast uberhand nemme. Würtz pract. d. wundarzn. 17; es bringt auch sonst schwere schweynung und einstrupfung des gäders (geäders), wann es zu lang uber sich gebunden bleibt. schweinung der beine, crurum gracilitas, tenuitas, schweinung des leibes, atrophia, phthisis Stieler 1983; alemann. schweinung, abnahme, z. b. von armen, füszen, schwindsucht Stalder 2, 362; kastenschweinung, abgang an dem masze, den das getreide durch eintrocknen im getreidekasten erleidet. Mone zeitschrift 10, 138 (elsässisch);
Quelle: Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2454, Z. 18. Link: https://www.dwds.de/wb/dwb/schweinung
Wer sich auf die rechte Seite legt,
… wird vom Schrättele nicht gedrückt. (Biberach)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 306, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567595
Wider Feuersbrunst ist gut:
St. Laurentiikohle. Man findet sie überall in der Erde, wenn man an St. Laurentii (10. August), gerade während des Zwölfuhrläutens, nach ihr gräbt. Man soll sie im Kasten aufbewahren. (Biberach)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 199, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565169
Wider das Weiterumsichgreifen einer Feuersbrunst
… lege man in der Stube den Tisch auf das Blatt, also umgekehrt auf die Erde, so daß die Füße in die Höhe sehen, zwischen die Füße hinein lege man ein Wagenrad und schreibe drum herum: Consummatum est. (Biberach)
Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 200,Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456524X
Balladen
Auf de schwäb’sche Eisebohne
Auf de schwäbsche Eisebohne
geit es viele Statione:
Stuegert, Ulm ond Biberach,
Meckebeure, Durlesbach.
Refrain:
Trula, trula, trula la, trula, trula, la.
Stuegert, Ulm ond Biberach,
Meckebeure, Durlesbach.
Auf de schwäbsche Eisebohne
geit es viele Reschtratione,
wo ma esse, trinke ka,
älles, wa d’r Maga ma. Trula….
Auf de schwäbsche Eisebohne
braucht ma koine Poschtillione,
denn was sonscht das Poschthorn blies,
pfeifet jetzt de Lokomotiv.Trula….
Auf de schwäbsche Eisebohne
könne Küh ond Ochse fohre,
d’ Studente fahret erschte Klass:
se machet des halt nor zom Spaß.Trula….
Auf de schwäbsche Eisebohne
wollt amol ä Bäurle fohre,
goht an Schalter, lupft de Huet:
„Oi Billetle, send so guet!“Trula….
Eine Geiß hat er gekaufet,
und daß die ihm nicht entlaufet,
bindet se der guete Ma
hende an de Wage na.Trula….
„Böckle, tue nor woidle springe,
’s Fueder will i der scho bringe.“
Setzt si zu seim Weible na
ond brennt ’s stinket Pfeifle a.Trula….
’s Fahre tut en mächtig freue,
doch er mueß es z’ spät bereue,
daß er hot des Ungschick tau
ond de Bock am Wage glau.Trula….
Auf de nächschte Statione,
wo er will sei Böckle hole,
findt er nor no Kopf ond Soil
an dem hendre Wagetoil.Trula….
Do kriegt er en große Zore,
nimmt de Kopf mitsamt de Hoore,
schmeißt en, was er schmeiße ka,
’m Konduktör an d’ Auhre na.Trula….
„So, du kaascht de Schade zahle,
worum bischt so schnell gfahre,
du alloi bischt Schuld dara,
daß i jetzt koi Geiß meh ha.“Trula….
So, jetzt wär des Liedle gsunge,
’s hätt euch wohl in d’ Auhre klunge,
wers no net begreife ka,
fangts halt wieder vo vorne a. Trula….
Autor unbekannt, in: Sebastian Burckhardt: Allgemeiner Liederschatz : Vollständiges Taschenliederbuch. Basel, 1888, https://de.wikisource.org/wiki/Auf_de_schwäbsche_Eisebohne
Literatur
➥ Hier findet ihr Literatur zu Biberach an der Riß
Der Link leitet zur Seite von Amazon. Dies ist für mich die einfachste und effektivste Art, auf Literatur hinzuweisen – denn dort finden sich Abbildungen, Preise und Rezensionen. Bestellen könnt ihr die Bücher dann beim lokalen Buchhandel 😉
Anmerkung: Es handelt sich beim Link um einen „Affiliate-Link“. Falls ihr nach dem Aufruf etwas bei Amazon bestellt, erhalte ich eine geringe Provision, mit der ein Teil der Server- und Websitekosten gedeckt werden kann.
Fußnoten
³ Die historischen Texte habe ich zur besseren Lesbarkeit „sachte“ an die gültige Rechtschreibung angepasst, historisch überholte Begriffe jedoch belassen. Zahlreiche historischen Postkarten habe ich retuschiert, Flecken entfernt und einige farblich angepasst

