Eine Bauernhochzeit in der Gegend von Ehingen a.D.
Anton Birlinger beschreibt im Jahr 1862 den Ablauf einer ländlichen Bauernhochzeit und das Brautwerben in der Gegend von Ehingen an der Donau.
Der Heiratstag geht in der Regel in ganz Schwaben auf die nämliche Weise vor sich.
Eine Bauernhochzeit in der Gegend von Ehingen a.D.
in früheren Jahren.
Der Heiratstag geht in der Regel in ganz Schwaben auf die nämliche Weise vor sich.
Will sich ein Paar verheiraten, so lässt man sich zuerst (z’êst) beim Schultheiß (Schultes) zusammengeben (zẽmmegẽe), oder mit andern Worten: dort versammeln sich die Eltern und Freunde (d’Frõẽnd) der beiden Parteien, um den Heiratsvertrag in Richtigkeit zu bringen. Es ist da viel zu besprechen hinsichtlich des Heiratguts, der jetzigen oder späteren »Leibnisch« (Leibgeding) an die Eltern, eines etwaigen Rückfalls beim Absterben eines der Brautleute u. dgl. m. Ich sage »Parteien«, denn Jeder rechnet sich’s als die größte Ehre an, mit aller Kraft die Partei seiner Bâs oder des Vetters zu vertreten, besonders wenn’s an die Brautkuh kommt.
Es war nämlich immer Sitte, dass man der Braut die schönste Kuh im Stall mitgab. Welches nun die schönste sei, darüber gab es oft lebhaften Streit; ja es ist öfters vorgekommen, dass sich die ganze Hochzeitgeschichte wegen der Brautkuh verschlagen hat.
Ist die Sach im Reinen, so muss die Braut mit dem Heiratsvertrag – Tinte und Feder in der Hand – bei den nötigen sieben Zeugen herumlaufen und um Unterschrift bitten. Bevor sie aber geht, muss sie herkömmlicher Weise einen schwarzen Schurz (Schûz) umtun, d.h. sie muss für die Jungfrauschaft trauern (d’Jungfereschaft droure).
Die Schwaben lassen aber solche Festlichkeiten nicht so ganz trocken vorübergehen. Alle Anwesenden begeben sich nun in das Haus der »Jungfer Braut«, seltener ins Wirtshaus, wo sie wacker zechen, und man gratuliert »uff d’nui Frõẽndschaft hẽ« – Sind die Gäste einmal warm, so gibt’s meistens allerhand Gşpäss; und mancher Vetter macht der Jungfer Braut rote Backen, weil er vom Stårke (Storchen) und von kleinen Buben und »Mädlen« schwätzt.
Den nächsten Samstag geht Braut und Bräutigam, dabei G’şpil und G’sell, in Pfarrhof zum Zẽmegẽe (Sponsalien halten). Dort wird der »erst Knopf g’macht«, und von jetzt an sind sie »Hochzeitleut«. Am darauffolgenden Sonntag werden die Brautleute das erste Mal, über acht Tage das zweite Mal und (wenn’s nicht pressiert) den Sonntag drauf das dritte Mal »von der Kanzel râkeiht« (herabgeworfen). Die Brautleute sind dann aber nie in ihrer Kirche zu sehen, sondern gehen an diesen Tagen auswärts und laden zur Hochzeit.
Während dieser 14 Tage ist aber oft das ganze Ort in Alarm gesetzt, besonders wenn d’Frõidschaft groß ist; denn eine solche Hochzeit braucht viel Herrichten
Die Braut hat über Hals und Kopf einzukaufen. Nicht nur, dass sie ihr Sach herrichten muss – dazu hat die Mutter selig schon geholfen und die Kästen gefüllt –; es ist auch ihre Sache, für die Geschenke, die man den Frŏid geben muss, alle mögliche Sorge zu tragen.
Da ist der Pfarrer, dem man ein Schnupftuch geben muss, dann der Schultes, und die übrigen weitläufigen Vettern und Bâsen wollen auch ein’s; den G’spielen und Gesellen und den nächsten Frõid muss man aber »fürnehmer« aufwarten. Sie bekommen seidene Leiblen, seidene Schooßen, oft sogar einen silbernen Ring oder ein Gollerkettem.
Diese Geschenke hat dann »d’Nähre« auszutragen, wofür sie ein Trinkgeld erhält.
Die Stube der Braut ist von jetzt an vollgepfropft von »Näherinnen«, welche unausgesetzt arbeiten müssen. Der Schreiner und seine Gesellen wissen sich vor Arbeit Tag und Nacht keinen Rat; denn da ist eine neue Himmelbettstatt zu machen, dieselbe mit schönen bunten Farben zu bemalen, und das Herz Jesu und Mariens sauber anzubringen; auch oben »am Himmel« darf der heilige Geist nicht vergessen werden. Unten bei der »Fußnet« (bei den Füßen) wird gar zierlich der Name der Brautleute geschrieben, auch wohl mit einem Blumenkranz geziert. Auch der Fußnet-Kasten muss wieder einen frischen Kranz bekommen und frisch angestrichen werden mit roten, blauen und grünen Farben, Zierraten võ älle Nazione.
Eine neue Sidel (ein liegender Kasten gleich dem Fußnetkasten, nur dass dieser den Deckel oben hat, während der letztere zwei Türlein hatte) ist auch noch herzurichten; denn wo will man denn ums Himmelswillen »älles Duech nãbringe, mã bringt’s nẽene neẽ!«
Der Sattler kommt auch ins Haus, denn die alten Geschirre müssen hergerichtet, auch wohl noch ein neues gemacht werden.
Vom Bräutigam will ich gar nicht anfangen; da kommen Maurer, Schreiner und Zimmerleute, Glaser, Sattler, und was weiß ich alles; denn das Haus wird râbputzt, die Scheiben ausgebessert, vielleicht sogar noch die Läden hübsch grün angestrichen; das Lederwerk g’visitiert und hergericht’t etc.
Die Bursche des Orts füttern ihre Gäul besser (denn das wäre wohl eine Schand, wenn einer einen mageren Gaul hätte) bis zum Hochzeitsritt (auch Ausritt genannt) und laufen in alle angrenzende Ortschaften herum, sich einen recht schönen Reitzaum zu entlehnen.
Der Brautwagen
Der Tag, an welchem der Brautwagen geführt wird, ist ein allgemeiner Freudentag für’s ganze Dorf. Das merkt man schon Morgens nach Betläuten, wo der Schmid des Orts Böller »âlåt« zu Ehren des heutigen Tags und die Buben ihre Bufferlen probieren.
Ein großer Heuwagen wird schön geziert mit sechs kleinen Tannenbäumchen, in denen bunte seidene Bänder, Goldflitter, auch wohl Blumen prangen. Die Gespielinnen der Braut versammeln sich alle; die Strohsäcke werden gefüllt unter Scherzen und Lachen. Die Brautbettstatt wird auf den Wagen geladen, hübsch aufgebettet und auf jedes Oberkissen ein Sterbkreuzlein angenäht. Auch glänzende Heiligenbilder zieren die Himmelbettstatt, auf dass die Heiligen die künftigen Eheleute segnen mögen.
Vater und Mutter (wenn sie noch am Leben sind) geben dem Brautwagen das Weihwasser und legen einige Õisieglermottergotteslẽ (Einsiedlermuttergottesle) ins Brautbett, deren man immer im Haus hat; dann aber muntern sie die »ledige Leut« zur Lustbarkeit auf, obgleich die verweinten Augen der ersteren nicht dazu passen.
Auch der Braut will fast ’s Herz brechen, wenn sie die Eltern des nahen Abschieds von der Tochter wegen heẽne sieht; aber sie verdruckt’s, so gut sie nur kann.
Der Brautwagen wird nun vollends geladen und aller mögliche Hausrat darauf gebunden: Kübel und Gelten, Hächlen und Rädlen, Gabeln und Rechen, Schaufeln u. dgl. sind zu sehen. Das »Fürnehmste« aber ist immer die Brautkunkel. Dieselbe ist geziert mit vielen seidenen Bändern von allen Farben, auch mit Heiligenbildchen, Spiegelchen und einer Menge Flittergolds. Mehrere Spindeln stecken im herrlichsten »Werg«.
Indessen haben sich etliche Musikanten eingestellt. Es wird im Stadel getanzt und gesungen; man isst und trinkt, und Küchlen werden »Grätten voll weis« hergetragen und ausgeteilt. Es wird im Hause, auf der Straße, ja im ganzen Orte gejubelt; die Leute laufen zusammen, denn sie müssen doch auch den Brautwagen sehen. Sogar die liebe Schuljugend hat die Schule verlassen dürfen.
Nun wird der Befehl zum Aufbruch gegeben; der Hochzeitvater hat g’rad zum Schmid geschickt, er mög‘ einen Böller loslassen.
Vier prachtvolle Pferde, wovon wenigstens zwei messingene Maulkörbe »anhaben«, werden eingespannt. Sie sind prächtig geziert mit Sträußen und hellrotseidenen Maschen. Die handgroßen messingenen Rosen am Geschirr schimmern wie »’s fürnehmşt Gold«. Der vordere Handgaul hat noch besonders ein viereckig zusammengelegtes Hemd am Halfter hängen: das gehört dem Knecht, dem die Ehre zu Teil wurde, den Brautwagen zu führen.
Jetzt kommen vom Unterdorf herauf 40, 50, oft 60 Reiter, alle im »Fëşthäs« und mit Sträußen auf der Pelzkappe. Die Pferde sind zierlich hergeputzt, mit Bändern und Blumen geschmückt. Die Buben selbst in ihrer herrlichen Tracht bilden ein Gemälde, das wir leider jetzt vergebens mehr suchen.
Die buntesten Farben sieht man hier im Zuge; er gleicht wahrlich einem Garten, in welchem eine sorgliche Hand die Blumen nach Farben und Schönheit geordnet hat.
Ich wollte dem Leser gerade noch diese Tracht beschreiben; allein der Zug drängt zum Abgang, und wir wollen dies nachholen, wenn wir die Bursche im Wirtshaus treffen und sie ruhiger betrachten können.
Die Hälfte der Reiter (welche aber, im Vorbeigehen gesagt, weder Sattel, noch Steigbügel, noch Sporn haben, sondern nur auf einem bunten Teppich sitzen) stellt sich nun vor dem Brautwagen auf; der Schreiner besteigt denselben, ebenso die »Nähre«, welche die Brautkunkel hält; hernach die Musikanten, welchen ihre Büchsenranzen noch mit Küchlen gefüllt wurden.
Die Reiter schießen ihre Buffer los, die Pferde wiehern vor Ungeduld und stampfen; Buben fangen an zu singen, die Musikanten spielen Eins auf.
Der Abschied ist da. – Vater und Mutter führen die geliebte Tochter zum »Weihbronnen« und segnen sie unter schmerzlichen Tränen. – Die Braut küsst die lieben Eltern und ist meist vor Schluchzen nicht mehr im Stand, ihnen mit Worten zu danken für all‘ ihre Liebe und Güte, die sie ihr erwiesen. – Der Vater drängt nun zum Fortgehen, sagt aber meist dem Bräutigam noch etliche Worte: »Johannes, då hóşt meẽ Annelẽ, verlass sie itt!«
Nun geht’s fort. Zuerst, wie schon gesagt, die Hälfte Reiter, dann der Brautwagen; hierauf die Brautkuh, schön geschmückt mit Bändern und Blumen, geführt von einem Knechte. Nach diesem kommen wieder etliche 30 Reiter, auf welche Braut und Bräutigam im Bernerwägele fahren.
Heute sind diese noch nicht besonders erkenntlich an ihrer Kleidung; ein einfacher Strauß ziert sie wie die Andern. Nur der Handgaul der Brautleute hat wieder ein Hemd am Halfter hängen, das dem Knecht gehört, der sie »führt«.
Hierauf folgen G’sell und G’spiel, Hochzeitvater und Hochzeitmutter, die Freunde und Verwandten, welche alle im »Bernerwägele« daherfahren und sich oft wieder auf 30-40 belaufen.
Schon am Ende des Dorfes haben sich eine Menge Leute des Orts versammelt, um den Zug zu bewundern, der Braut und dem Bräutigam noch freundlich zuzuwinken und »b.hîe gott« zu nehmen.
Die »junge Waar« aber, die Schüler, hat Stangen, Leitern, Seiler und Ketten mitgebracht, um den Brautleuten den Weg zu versperren, bis sich der Bräutigam von den kleinen Wegelagerern loskauft.
Darauf ist aber derselbe schon zum Voraus eingerichtet; er hat beim Krämer um mehrere Gulden »grauße Greutzer« eingewechselt, die er freigebig jetzt und bei seiner Ankunft in seiner Heimat austeilt. Während des Zugs wird fortwährend geschossen, gesungen, g’juxet, musiziert.
Bald in der Nähe der neuen Heimat angekommen, sammeln sich die Reiter wieder, die vorher im Galopp davongeflogen, damit der Zug in Ordnung ist.
Auch hier am Eingang des Orts versammelt sich Jung und Alt, um das Brautpaar zu sehen und zu grüßen. Die sorgsamen Mütter aber »heben« die Kleinen, dass ihnen kein Unglück geschehe; denn das lässt sich nicht leugnen, dass es »oft zugeht, als wär‘ der Türk da.«
Im Hause des Bräutigams angekommen, werden die Gäste auf’s beste bewirtet; es wird gesungen und getanzt, bis es Abend wird. Nun aber mahnen die Verheirateten zum Aufbruch. Ist der Aufenthaltsort der Braut nahe, so kehrt sie unter Begleitung des Bräutigams wieder zurück; ist er aber mehrere Stunden entfernt, so bleibt sie hier unter Aufsicht der G’spiel, welche beide im Brautbette liegen dürfen.
Denselben Abend oder Sonntags früh wird gebeichtet und dann die hl. Kommunion empfangen. Ebenso wird das Brautbett und die Kleider der Brautleute Sonntags benediziert.
Einstweilen hat aber der Hochzeitlader viele Mühe gehabt, die Gäste zur Morgensupp‘, dann in d’Kirch, und nach dieser zur Hochzeit in Adler freundlichst einzuladen. Er bekommt dafür aber auch manches Glas Schnaps, wohlgemerkt einen guten, keinen Rongeschnaps153, und manchmal hat sich’s schon zugetragen, dass er vom vielen Schwätzen und dem nötigen Anfeuchten Abends den Strauß mit samt dem Hut verlor. Meist hat der Hochzeitlader einen großen Strauß im Knopfloch, ebenso einen auf dem Hute, ein Meerrohr in der Hand.
»Einen freundlichen Gruß von dem ehrsamen Hochzeiter Johannes Maunz von Dettingen und der Jungfer Hochzeitere, der ehrsamen Jungfer Mariann, Boppeles Dochter von Heufeld, und sie lassen euch höflichst einladen zur Hochzeit etc. Stellet euch auch ein!«
So geht er von Haus zu Haus; denn die Hochzeitleut gehen nur zu den nächsten Verwandten und am Abend vor der Kopulation im Ort herum.
Übrigens gibt’s doch viele Arbeit. Die Brautleute fahren oft acht Tage lang zu den auswärtigen Verwandten, versteht sich zweispännig, so ist’s Sitte.
Es ist eigen, dass sich das katholische Landvolk so gern in bunte Farben kleidet; das protestantische z.B. im nahen Rottenacker oder Ersingen liebt es immer noch seit Luthers Zeiten, schwarz gekleidet zu erscheinen.
»Rongeschnaps« wird jeder unbrauchbare, »liederliche«, der Gesundheit gefährliche Branntwein genannt. Ehingen, Dietenwengen.
Der Hochzeitstag…
… ist nun angebrochen. Morgens wecken wieder Böllerschüsse die Leute.
Die Braut legt ihre schönsten Kleider an, wobei ihre Gespielinnen mithelfen. Ihr Haar ist niedlich geflochten, in zwei Zöpfe geteilt, mit schönen roten Bändern geschmückt. Heute schickt sich’s aber nicht mehr, dieselben hinten hinunter zu hängen, sondern sie muss die Zöpfe in ein Nest zusammenflechten, durch welches man die silberne Haarnadel steckt. Der hochrote oder grasgrüne kamelotne Rock, in hunderte von Falten gelegt, ziemlich kurz (welcher, beiläufig gesagt, ein Menschenalter aushielt), ward durch ein schönes Mieder gehalten, in welches er eingehäkelt wurde. Es bestand aus schwerem Seidenstoff und war eingefasst von zwei Finger breiten echtgoldnen Borten. Der obere Teil des kostbaren Mieders war aber halb vom Goller bedeckt, welches oft mit Goldstoff durchwirkt, auch wohl der »süße Name Jesus« künstlich mit farbigen Perlen darauf gestickt war. Der Kittel war meist schwarzes Tuch oder Seide; der Schurz von schwarzer Seide mit ächten Goldborten eingefasst. Ein schwer-seidenes Halstuch von allen Farben, ebenfalls mit ächten Goldborten verbrämt, legte sich um den Hals, die Halstuchzipfel hingen lange hinab über die Schultern. Schneeweiße Strümpfe und Schlupfschuhe, mit vielen seidenen Mäschchen eingefasst, zierten den Fuß.
Von Ohrringen wusste man früher nichts. Dagegen zierten den Hals schwere silberne Ketten, Granaten oder Korallen. Auch in den Schurzbändel waren schwere Silberketten eingehäkelt, welche in verschiedenen Verschlingungen die Schürze hinunterhingen und mit vielen Denkmünzen geziert waren. Auf dem Haupt aber prangte noch die bräutliche Krone in kleiner Form, welche zwar nur aus Goldflitter, doch allerliebst aussah. Dass bei diesem durch und durch katholischen Volke das silbergefasste Nuster nicht fehlte, versteht sich von selbst.
Auch der Bräutigam war heute sorglich gekleidet. Hellblautuchner langer Rock, scharlachrote Weste mit schweren silbernen Knöpfen, kurze Hosen von aufgeriebenem Leder, weiße Zwickelstrümpfe, Schuhe mit silbernen Schnallen standen ihm gar gut. Die silberne Uhr war immer mit einem »Kaschee« behängt, an welchem oft ein Pferd, ein Pflug etc. angebracht war. Auf dem Kopfe trug er heute einen hohen Hut, welchen er den ganzen Tag nicht vom Kopfe abnehmen durfte, außer in der Kirche.
Seine linke Seite, sowie den Hut schmückte sowie alle Hochzeitgäste der »Rosmarin und das Nägele«, hie und da auch mit einem Josaiple zu einem Sträußchen vereinigt. – Das Geschäft, die Letzteren mit einem Strauß zu versehen, ist Sache der »Nähre«, die ein kleines Trinkgeld hierfür erhält.
Der Hochzeitsvater mahnt nun, den Leuten die Morgensuppe aufzustellen. Diese besteht allemal aus Kaffee, welcher in mächtigen Schüsseln schon »eingebrockt« und mit Zucker versehen aufgestellt wird. Auch Weißbier und Schnaps wird hie und da gereicht.
Der Mesner hat schon längst zusammengeläutet, und endlich schickt man sich an, den Kirchgang zu ordnen.
Da beteiligt sich gewöhnlich Jung und Alt. Den Reigen eröffnen die Kinder, die Mädchen mit Kränzen auf dem Haupt, hierauf die ledigen »Mädlen«, ebenfalls mit Kränzen geziert; dann die Braut in Mitte der rechten und der Nebeng’spiel; hierauf die Weiber. Nun folgt der Bräutigam mit seinen zwei G’sellen, zuletzt die Buben und dann die »Mã«. – In der Regel ist Hochamt, nachher Kopulation.
Ein Kirchenbube kommt, der Braut den schönen Wachsstock anzuzünden, wofür er einen Groschen erhält, der schon im Wachsstock eingedrückt war.
Nach der Kopulation gehen die Hochzeitleute mit den Zeugen zum Altar und »opfern« dort in den hierzu aufgestellten Teller. Unterdessen hat schon der Organist einen lustigen Marsch angefangen, der so lange dauert, bis Alles aus der Kirche gegangen ist.
Von der Kirche weg gehen aber Braut, Bräutigam und die »Nächsten« einen absonderlichen Weg; es ist dies der Weg auf den Gottesacker, um für die verstorbenen Eltern, Geschwister etc. zu beten. – Es ist dies meist auch ein Opfer an Tränen für die im Leben der hier Schlummernden genossene Liebe, – möglich auch eine Abbitte am Grabe für zugefügtes Leid. Wohl eine heilige Sitte!
Kommen sie hier zurück, so erwarten sie die Ministranten und »heben« sie mit dem ausgespannten Cingulum auf, wofür sie herkömmlicher Weise einige kleine Silberstücke erhalten. Wie der Zug gekommen, so geht er wieder zurück, – aber diesmal ins Wirtshaus. Nur der Bräutigam macht hiervon allein die Ausnahme: er hat jetzt das Recht, an der Seite der Braut zu laufen, denn sie gehört jetzt sein. »Gugget jetzt işt sie seẽ, sëhet ‚rs!« spricht man.
Im oberen Stock des Wirtshauses wird zum »Willkomm« Musik gemacht, bis sich Alles versammelt hat; aber wohlgemerkt – hinein darf Niemand.
Der alte Feldwaibel M. von Ehingen mit seinem preußischen Hut hat sich (d.h. wenn die Hochzeit in der Stadt gehalten wurde, was meist geschah) vor die Türe des goldenen Adlers gestellt. Er zieht seinen Hut herab, grüßt in vornehmer Herablassung die »ehrsame Brautleut« und hält nun die
Abdankung
Diese bestand in einer Danksagung an alle hier versammelte Hochzeitgäst für die Ehr‘, dass sie sich auch eingestellt haben, sagt, dass dieselben vorzüglich zu essen und zu trinken erhalten werden beim Herrn Adlerwirt Felder und schließt etwa mit einem Spaß auf die Braut, indem er von Kinderwiegen u. dgl. spricht.
Von der Abdankung aber haben die ledigen Buben meist kein Wort gehört; sie hatten Anderes zu denken. Sie hatten nämlich aufzupassen auf den Augenblick, wenn der Feldwaibel endete. Welcher nun sogleich die Braut am Arme fasste, der hatte das Recht, den »Brauttanz zu tun.«
Ebenso passte ein jeder Bursche auf ein Mädchen, in dessen Nähe er sich gestellt hatte. Konnte er sie vor einem Andern am Arme erwischen, so durfte er sie hinaufnehmen und sie war für diesen Vormittag seine erklärte Tänzerin. »Wer z’erst kommt, mählt z’erst.«
Hie und da kommt es dann auch vor, dass ein Mädle nicht mitgeht, weil sie’s vielleicht schon einem Andern versprochen hat; dies ist aber dann eine große Beleidigung, die manchmal blutig gerächt wird.
Beim Brauttanz schließen alle Gäste einen Kreis und sehen zu, wie »schön die Braut tanzen kann.« Meist kommt Wein auf den Platz, den man auf’s Wohlsein der Brautleute trinkt. Der »Brauttänzer« bekommt ein seidenes Halstuch oder ein seidenes Leible.
Um 12 Uhr geht’s auseinander, denn länger zu bleiben wär‘ für ein »reputirliches Mädle« eine Schande.
Kurze Zeit darauf kommen die »Måhlleut«, d.h. diejenigen, welche »in’s Måhl sitzet« (zur Mahlzeit gehen).
Die Braut sitzt immer in’s Tischeck, ober ihr hängt das Kruzifix. Dort ist ein Seil »aufgemacht«, an welches die Geschenke, die den Brautleuten dargebracht werden, gehängt werden. Da gibt’s nun alle möglichen Sachen, besonders aber »Kleinigkeiten«: Kindskittelein, Schühlein, zwei Zoll lang, Lämmelein (154), Schlotzer u.s.w. Vor der Braut ist auch eine zinnerne Schüssel, mit einem Zinnteller bedeckt, gestellt, in welches sie das »Schenkegeld« legt.
Der Bräutigam muss sich der Sitte gemäß bequemen, oft zwei, drei Tische weit von der Braut entfernt sich zu setzen. Er kommt nur zu ihr, um ihr etwa zu sagen, dass wieder Gäste angekommen, die man begrüßen müsse, oder auch, um sie zum Tanze abzuholen.
Mit der Braut tanzen zu dürfen, gilt übrigens als die größte Ehre, manchmal traut sich ein blöder Vetter nicht, heute um diese Gunst zu bitten.
Haben sich die »Måhlgäste« gesetzt, so geht das Essen an. Dasselbe geht aber sehr langsam vor sich, denn zwischenhinein wird getanzt. Meistens dauert dasselbe bis gegen 6 Uhr Abends.
Dasselbe besteht allemal aus Suppe, sauren Kutteln, dann Rindfleisch und geschnittenen Nudeln, auch etliches Zugemüse (dem man aber nicht weh tut); hernach Blut- und Leberwürsten; Schweinefleisch und Sauerkraut, Schweine- und Kalbsbraten. Dann zuletzt kommen »Dôte« (Torten).
Wenn »’s Bråtes« (der Braten) aufgetragen wird, kommen die Musikanten in das Speisezimmer und spielen vor jedem Tisch ein Stück, meist eine Minuette. Dafür erhalten sie dann von jedem Hochzeitsgaste eine kleine Silbermünze. Dies wird »bråtisgeige« geheißen.
Auch die Köchin kommt jetzt und präsentiert ihren Schaumlöffel auf jedem Tisch; man legt auch ihr ein kleines Trinkgeld in den Löffel, und meist lobt man sie wegen »dem guten Essen«.
Etwas darf hier nicht vergessen werden, nämlich das Reis. Obgleich jeder weibliche Hochzeitgast einen »Grätten« bei sich stehen hat, worein sie die Speisen legt, die »sie nicht zwingt«, und meist recht zu tragen hat, so ist es doch Brauch, den Verwandten ein Reis heimzuschicken. Es ist dies Reisbrei mit Zucker, Weinbeerlein und Zimt überstreut, und kostete immer ein Teller voll 6 Kreuzer.
»Dẽerf î it au ëbbes hõimtrage?« so fragen eine Menge Kinder, die des Verbots ihres Lehrers ungeachtet doch hier sind. Diese dürfen dann für ihre Mühe »trinken« und bekommen wohl auch ein halbes Wecklein. Dass Alle von diesen den Braten, den sie heimtragen, auf der Stiege abschlecken, ist gerade nicht wahr.
Da Nachmittags viele »Schenkeleut«, also meist Weibsbilder, da sind, so sind in der Regel einige Schenketänzer bestellt, welchen zur Pflicht gemacht ist, mit allen Mädchen und Weibern zu tanzen. Sie sind zechfrei und erhalten noch Lohn.
Kommt ein Kind oder eine Magd zum »Schenken«, so lässt die Braut sie (vom Wein) »trinken«, gibt ihnen einen Wecken, deren viele schon in einem »großmächtigen« Korb bereit stehen, und setzt sie dann an einen besonderen Tisch, wo sie zum Tanze abgeholt werden. – Etwa um diese Zeit geht das Brautpaar in den Pfarrhof, wo sie dem Pfarrer ein Schnupftuch und eine Halbe Wein verehren.[368]
Bisher war nichts von ledigen Leuten zu sehen; aber so gegen 3 Uhr Nachmittags rücken sie alle heran, Buben und Mädlen. Beim Ausritte haben wir sie schon gesehen, hier können wir sie aber näher betrachten.
Die Buben mit ihrer Pelzkappe von Fischotter im Scharlachleible mit den helmartigen silbernen Knöpfen, mit den schwarzen kurzen Hosen von aufgeriebenem Leder angetan, in schneeweißen Zwickelstrümpfen, in Schnallenschuhen oder kurzen Halbstiefeln waren gar stattlich anzusehen. War’s Sommer, so hatte jeder Bub den Janker (Kittel ohne Schöße) auf der Achsel, der allemal von »Mansäster« war, denn so war’s der Brauch. Von der lumpigen Zigarre wusste man dort noch nichts. Hier hatte Jeder seine silberbeschlagene Pfeife, ächten Ulmerkopf mit schweren silbernen Ketten daran. Das »schwarzbraune Nägele und der Rosmarin« hatte jeder rechte Bursch auf der Kappe. Ja, das war prächtig.
Aber die Mädlen standen ihnen nicht nach. Der hellrote oder grasgrüne kurze Rock von Kamelot in viele Falten gelegt; das knappe Miederchen mit den großen Haken, welches oben halb vom Goller (155) bedeckt war, stand ihnen gar lieblich; ebenso der weiße Schurz.
Das Haar hatten sie rückwärts gestrichen, in zwei Zöpfe geflochten und mit schönen hellroten Bändern geziert, die sie entweder hintenunter hingen oder ein Nest machten und die Haarnadel hindurch steckten, die meist von Silber, selten aus Messing und versilbert war.
Der Rock ließ auch gut die schneeweißen Strümpfe sehen, welche meist tüchtige Waden verbargen.
An den Füßen trugen sie Schlupfschuhe (Schuhe mit kurzem Rande), welche mit seidenen Bändern, in kleine Fältchen gelegt, gar niedlich kleideten.
Dass auch hier das »schwarzbraune Nägele und der Rosmarin« an der Brust nicht fehlte, versteht sich von selbst.
Auch die Mädlen gingen in ganz kurzen Hemdärmeln, von schneeweißem Baumwollentuch gefertigt, und trugen das Wammes (Wamms) am Arme.
Anfangs ging’s gar sittiglich her. Besonders die Mädlen schwatzten nicht laut, und haben nur so in einander neẽdûsemlet.
Das wurde aber bald anders; denn kamen die Musikanten und sagten: Grüeß Gott ihr Herren! – dann ging’s los.
Aber etwas muss ich auch noch erwähnen: früher ist man mit der Musik nicht so »håikl ‰ gwëe«; und hundertmal hat der alt Bettemann, der zwei Stücklein hat geigen können, und der alt Ziehler, der baßgeiget hat, die Hochzeitleut fast närrisch gemacht. Auch das Tanzen wurde anders betrieben als jetzt. Zuerst nahm jeder Tänzer sein Mädle an der Hand und führte sie auf den Tanzplatz, d.h. die »Laube« (156), wie es auch jetzt noch gebräuchlich ist in einigen Wirtshäusern. Spielten nun die Musikanten auf, so führte er seine Tänzerin wohl zwei, drei Mal laufend auf dem Tanzplatze herum. So kamen Alle hintereinander, vorn aber allemal der »Vortänzer«, einer der gewiegtesten Bursche und gewiss allemal ein guter Tänzer. Dabei stampften die Tänzer den Takt mit den Füßen aus Leibeskräften dazu, und das »Juxen« war stets dabei die Hauptsache. Nun begann der Vortänzer den Vortanz (einen 3/4 Takt), aber ganz langsam. – Er führte seine Tänzerin mit aufgehobenem Arme, oder was noch öfter vorkam, er reichte ihr von oben herab nur den Zeigefinger der rechten Hand, welchen sie zwischen Daumen und Zeigefinger der linken so hielt, dass sie sich wie eine Spindel im Kreis herum drehen konnte. Oder er tanzte mit ihr einen »Ringelrum« (im Ring herum, 3/4 Takt-Walzer).
Dies dauerte aber nur kurze Zeit, kaum ein Vaterunser lang, und die Musikanten hörten auf.
Nun fing der Vorsänger an, ohne Begleitung der Musik zu singen:
Und wenn nur mein Schätzele ein Rosenkranz wär,
Dann tät ich ihn herabbeten, wenn er noch so lang wär (157).
Nun macht sogleich die Musik die Fortsetzung, während Alles tanzt. Aber auch dies ist in kurzer Zeit wieder zu Ende, während so viele Paare tanzen, als immer nur da sind.
Ein Zweiter fängt nun an, nach der gleichen Melo die zu singen, während alle Tänzer stehen bleiben; nur der Sänger begleitet sein Lied mit den entsprechenden Bewegungen des Körpers, welches aber mehr ein Wiegen des Leibes genannt werden kann.
Und wenn nur mein Schätzele ein Feigenbaum wär,
Dann tät ich hinuffglimmen, wenn er noch so hoch wär.
Nun wieder Musik und so fort. Überhaupt besteht ein solcher Tanz (eine Tour) aus 12-20 Tänzen, wie hier gezeigt.
Alle diese Lieder haben ihren Schluss in der Terz. Will ein Bub recht den Großen spielen, so singt er die zweite Stimme des Liedes um eine Oktave höher, aber allein. Hie und da fallen auch je beim zweiten Teil der Strophe alle Sänger im Chor ein, so dass die erste Hälfte des Verses allein, die zweite im Chor, aber zweistimmig gesungen wird.
Die Sangweise wiederholt sich fort und fort und ich hörte nie eine andere.
Waren nun so etliche 10-15, auch wohl mehr Liedlein abgesungen und abgetanzt, so ließ sich manchmal ein Musikant hören: So ier hërre iez iş gnûe, lẽnd iss au drenke! Nix då, de Schottische! war aber die Antwort. Denn wohlgemerkt, der »Schottische« musste jedes Mal aufgespielt werden, bevor man seine Tänzerin zuerst »an’s Buben Platz« führte, wo sie »Bschaid thun« musste und sie dann an ihren Platz brachte. Håşt dî wohl g.halte, Uschelẽ! das war ungefähr der Dank selbes Mal.
Zum »Schottischen« stellten sich nun alle Paare zugleich auf; aber nicht wie beim »Ringelrum«, sondern jedes Paar schaute sich ins Gesicht, so dass die Bewegung nur seitwärts vor sich ging. Die Hände waren kreuzweis ineinander gelegt, und bei diesem Tanze war es schicklich, dass die Tänzerin die Augen züchtig zu Boden schlug.
Aber auch hier, wie vorhin, war Gesang und Tanz verbunden.
Ebenso wurden wieder Abteilungen gemacht, und wie beim vorigen Tanze spielten die Musikanten die Melodie ganz kurze Zeit, worauf der Vortänzer wieder anfing:
Schäzlẽ må bişt géştig gwëse?
Z’Bibere uff der Gautsche,
Heõ meim Schälzẽ d’hôse gfiikt,
Jez kã-n-ers wider brouche.
Dies wird dann mit der Musik zwei-, dreimal wiederholt, meist auch eine kleine Version angehängt, worauf wieder gesungen wird:
Hätt meẽ geõs deẽ geõs itt bisse,
Hett deẽ geõs de flüg.l nô;
Hettişt itt in d’hôse gsch.
Hettişt sauberẽ hôse nô.
Drui mål nudle, drui mål nudle
Und e mål enn Stopfer,
’s geit kõẽ schöner’s Mädlẽ hie
Ass ’s Uhremachers dôchter.
Der »Schottische« dauerte jedoch nicht lange und bildete jedes Mal den Schluss des Tanzes.
Wollen die Verheirateten tanzen, so geschieht dies immer ohne die ledigen Leute. Es wird dann schon vorher denselben von einem Musikanten ein »Vortanz« oder auch »drei Tänz und ein Hopper« ausgerufen.
»Geschenkt« erhalten die Brautleute sehr viel. Nicht nur Geld bekommen sie, auch Küchengeräte, Gläser, Kaffeekannen u. dgl.
Gegen Mitternacht gehen die Brautleute nach Hause. Die Musikanten versammeln sich am Hochzeitstische, es wird noch gesungen und auf’s Wohlsein der jungen Eheleute angestoßen. Sie werden mit der Musik bis unter das Wirtshaus begleitet, wo dann noch einmal von den Eltern Abschied genommen wird.
In der Heimat wartet man schon auf sie; dort waren nämlich einige Weibsleute aus der Freundschaft aufgestellt, welche den Tag durch immer beschäftigt waren, den Hochzeitleuten ihr »Zuig« beschauen und bewundern zu lassen.
Man trinkt dann noch einen »Siedigen« (Kaffee). Bevor die jungen Eheleute aber zu Bette gehen, visitiert man genau Bettstatt, Hemder u.s.w.; denn schelmische Freunde unternehmen es meist, ihnen einen Schabernack zu spielen, indem sie die Latten unten an der Bettstatt absägen, die Hemdärmel des Brauthemds zunähen, oder gar ins Nachtgeschirr ein Loch bohren etc.
Den andern Tag erscheinen die jungen Eheleute jedes Mal in der Kirche. Nachher geht man zum Pfarrer, nach der Schuldigkeit zu fragen, ebenso die Hochzeitszeche im Wirtshause zu bereinigen.
Anmerkungen
Ein Lämmele ist ein Glas, oben mit einem Röhrchen versehen, woraus die Wiegenkinder trinken.
Goller ist eine Chemisette, welche Brust und Schulter bedeckt, aber keinen Kragen hat; war meist von durchsichtigem Zeug, hin und wieder mit Goldstoff durchwirkt (s. Braut), oder von Seidenzeug. In Wurmlingen sagt man smîslẽ, g.şmîs.
»Laube« ist ursprünglich der vom Laub umgebene Raum, Laubhütte; dem Worte muss ein goth. laubjo und ahd. lauba oder laubja zu Grunde liegen; in weiterer Bedeutung ist Laube jeder bedeckte Gang, z.B. Hausflur, Vorsaal, Brodlaube, Kornlaube, Fleischlaube; endlich heißt der Abtritt Laüble, weil er am Ende des Laubenganges an den Häusern sich befindet. Von laubja kommt das roman. loggia, woher wieder losement, logement, losiren etc.
Die kurzen Lieder heißen in der Wurmlinger Gegend nur »Tänze«, weil sie fast nur zum Tanzen gesungen wurden. »Rappendizlen« heißen sie in der Tuttlinger Gegend (Weilheim).
Die gewöhnlichsten Boureliedle waren folgende:
3. Oepfinge, Dischinge, Doneriedô –
O hätt î meĩ Schätzele, wie wett î’s liebô.
4. Und Oepfinge, Dischinge, Bappelau zue,
Wie danzet die Boure, wie glöpfet die Schue.
5. Mei Schätzele ist nätt und ei wenn î’s nõ hätt,
Nåch gieng î viel tausedmål lieber ins Bett.
6. e Ringle am Fingerle, e Löchle derdur,
Då sieh-n-î meim Schäzle seĩ falscha Natur.
7. Und du deest wohl so guke mit deine Augô,
Und î hau dî nie mêge, du desch mer’s glaubô.
8. Und wenn î nô näher bei meim Schäzle wär,
Nåch wär mir mei Heezle it halba so schwär.
9. Und du deest jå nu näher zu deim Schäzle gau,
Nåch deest du it älleweil – so e Gschiß haũ.
10. Drei Rose im Gâte, drei Ilge im Wald,
Im Sommer isch lieble, im Winter isch kalt.
11. Und druimål um d’Scheiterbeug, druimål ums Hous,
Und druimål en Pfiff gethan, Schwâze guk rous.
12. Nõ langsam, nõ langsam und it so gar gschwind –
Mei Dänzere ist schwanger, sie gåt mit em Kind.
13. Dôt obe ufem Bergele dort ståt e Kapell,
Då danzet drei Schneider um d’Wasserbutell.
14. Und ’s Braubier ist bitter, und ’s Weißbier ist süß,
Jez leg î meim tausege Schaz d’Händ unter d’Füß.
Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 354-357. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004577426
