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Wikipedia: Riedlingen

Teilgemeinden und Ortschaften

Die Stadt besteht aus der Kernstadt, sowie den Gemeinden Bechingen, Daugendorf, Grüningen, Neufra, Pflummern, Zell und Zwiefaltendorf.

Sagen, Mythen und Geschichten

Sagen, Mythen und Geschichten

Die Daugendorfer

Als die Daugendorfer eine Brücke über die Donau bauten, war ein Balken zu kurz, um über den Fluß zu reichen. Da wollten sie ihn strecken und sezten unten und oben vier Pferde an den Balken. Seither kann man sich in Daugendorf Schläge holen, wenn man von den »Blockstreckern« spricht. Ganz dasselbe muthet man den Blochingern (Saulgau) zu, man heißt sie nur die »Stegstrecker«.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 449. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570286

Die goldene Gans

Ein König hatte eine Tochter, welche niemals lachte. Da ließ er bekannt machen, wer seine Tochter zum Lachen brächte, sollte sie zur Gemahlin bekommen. Ein guter dummer Kerl bekam von einem Waldweiblein eine goldene Gans geschenkt, als er ihr gutmüthig von seinem Brod gegeben hatte, da er selbst sehr hungrig im Walde aß. Dieser befand sich zufällig in der Königsstadt und war mit seiner Gans in einem Wirtshaus über Nacht, das nahe beim Schloß stand. Er hängte seine Gans in einem Schnupftuch an’s Ofenstängle und sagte, es solle ihm Niemand die Gans berühren, da man sonst hängen bleiben müßte. Die Magd, der Knecht, Wirt und Wirtin dachten bei sich, das glauben sie nicht und wollen sich bei Nacht doch ein Federchen ausrupfen. Die Nacht kam und in der Dunkelheit schlich sich die Magd »hemmetpflenzig« (im Hemd), wie sie war, in die Stube, um eine Feder zu holen. Aber sie blieb hängen. Da kam bald hernach der Knecht und blieb auch an der Gans hängen. Als der Wirt den Lärm hörte, dachte er an etwas Anderes und wollte die zwei verjagen, aber er blieb an Magd und Knecht hängen. Zuletzt kam die Wirtin und blieb richtig am Wirt hängen. Des Morgens kümmerte sich aber der Einfältige wenig darum, sondern nahm die Gans unter den Arm und ging seiner Wege. Das Wirtpersonal mußte im Nachtaufzug mit, ob es wollte oder nicht. Da kam der Einfältige am Schloß vorbei. Die Königstochter sah eben zum Fenster heraus und mußte beim Anblick dieses Zuges hell auflachen. Da ward der Einfältige Schwiegersohn des Königs durch eine Gans. (Riedlingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 364-365, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004568931

Die Riedlinger sind Sonnenspritzer

Die Riedlinger heißt man Sonnenspritzer. Da schien mal die Abendsonne so herrlich in die dampfenden Fensterlucken einer Brauerei, daß es aussah, als brenne die Brauerei lichterloh. Man stürmte, die Spritzen rasselten herbei, die Mannschaft fing an die Brauerei mit Wasser zu überschütten. Da sahen die Brauknechte heraus und riefen zu den Leuten hinab, ob sie denn verrückt worden, sie hätten zu ihrem Bier Wasser genug: woran nicht zu zweifeln gewesen, da nach dem allgemeinen Gesäge das Riedlinger Bier nach dem Recept gemacht werde: Auf ein Simri Malz drei Tag gumpen (Wasser pumpen).

Auch sagt ein Sprichwort: daß aus zwei Riedlingern drei Juden gemacht werden könnten. Die Fama will ferner haben, daß sie in der neuesten Zeit den Versuch gemacht haben, einen Mohren weiß zu waschen, was aber nach dem Spruch:
Und was sie halt hend deõ,
D.r Mohr håt d’Farb itt gleõ!
mißlungen sein soll.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 447-448. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570243

Im Donauthal, Riedlingen, auf- und abwärts geht der Reim

Ulm işt e schönẽ Stadt,
Ehinge işt e Bëttlsack,
Munderkinge e Saukübl
Und Schëlkinge dr Dekl drüber

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 458. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004570456

Volksglaube, Wetter und Gestirne

Will man um Riedlingen herum sehen,

ob ein »unterwachsenes Kind« (rhachitisches Kind) gedeihe (»gronet«) oder sterbe, trägt man es in die Kapuzinerkirche nach Riedlingen, zündet dorten zwei Wachslichtlein an, das eine vor dem hl. Antoni, das andere vor dem Kind. Brennt dann das Licht vor dem hl. Antoni bälder ab als vor dem Kinde, so stirbt das Kind.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 200, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565258

Das Sterben

Wenn ein Todter in den lezten Zügen liegt, mit dem Tode ringt, so glaubt man, jezt streite der Schutzengel und der Teufel um die Seele des Sterbenden, welchem Streite der Sterbende zusehe und nun durch Lächeln oder düstere Miene den Gang des Kampfes andeute. Man sprizt dann überall um die Bettstatt her mit dem Weihwasser. Auch sollen sich so viele Teufel um den Sterbenden versammeln, als die Stube nur fassen mag, und immer sollen noch Schaaren nachrücken, so viel Thür und Fenster davon schlucken mögen. Diese halten dem Sterbenden seine Sünden vor, geschrieben auf eine Kuhhaut, um ihn zur Verzweiflung zu bringen. Man hat nun eigens dazu geweihte Krucifixbildchen, »Sterbherrgöttle« genannt, die man den Sterbenden in die Hand gibt, damit sie die Drohungen des Satans stark ertragen. Wenn man glaubt, daß der Sterbende den lezten Athemzug gethan, jedoch häufig schon vorher, fangen die Weiber ein greuliches Schluchzen und Weheklagen an, das den Baß der betenden Männer durchbricht, welch‘ leztere eine Litanei mit dem bekannten Refrain: »erbarm d.r arm Seel im Fëegfuir!« beten.

Nachher entschuldigen sich die Angehörigen gegen ihre Nachbarn und Anverwandte, daß sie an dem Tod nicht schuldig seien, daß sie alles Menschenmögliche gethan hätten, den Kranken zu retten. Die Nachbarsleute, welche man schon vorher »zum End« zusammengerufen hatte, verlieren sich allmälig, indem sie dem Verstorbenen das Weihwasser mit einem Bündelchen von drei ausgekörnten Roggenähren geben und sich lobend über des Verstorbenen Leumund hören lassen. Neben das Bett stellt man einen brennenden »Wachsrodel«, des Verstorbenen Hände werden gekreuzt, mit dem Ende eines Wachsstockes und einem Nuster umwickelt, die ihm in’s Grab mitgegeben werden, er selbst wird mit seinen Werktagskleidern bekleidet, die Zipfelkappe wird ihm an den Kopf gezogen, die Füße werden mit Strümpfen versehen, schließlich wird er mit einem weißen Leinlachen zugedeckt.

Ein Anderer öffnet das Fenster, »um die Seele hinausfliegen zu lassen,« wobei einige sagen: »Geh hin und pfludere!« (Flattere als Taube gen Himmel!) Jetzt muß man schnell die Immenstöcke von ihrer Stelle rücken, ebenso die Leinfässer und Kleesamenfässer, die »Frucht« (Getreide) auf der »Laube« (Bühne) umschlagen und an alle Fässer im Keller dreimal klopfen, sonst »steht Alles das ab!« Auch im Stall muß man die Trauer ansagen, wo gewöhnlich die Nachbarsleute für das herrenlos gewordene Vieh sorgen, so lange die Leiche des Bauers im Hause liegt. (Riedlingen)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 279-280, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567080

Von den armen Seelen

Für die armen Seelen thut der Schwabe viel, indem er wohl weiß, daß dem, der Andern nicht helfen mag, auch keine Hilfe zu Theil wird. Er gedenkt ihrer so oft er betet, und läuft ihnen viele Meilen weit zu lieb an Gnadenorte. Es gibt auch eigens Weiber, die gegen die Unkosten Wallfahrten für Andere machen, fast ausschließlich geht man von Oberschwaben nach Einsiedeln. Es gibt wohl wenige rüstige Leute, die in ihrem Leben nicht wenigstens einmal in Einsiedeln gewesen wären. Die Poesie wie der hie und da vorkommende Unfug dieser Wallerzüge haben durch die Eisenbahnen und Dampfschiffe wesentliche Einbuße erlitten. Nur wie ein Märchen klingen heutzutage die abenteuerlichen Erzählungen von den gefahrvollen Fahrten über das schwäbische Meer in »der guten alten Zeit« – von der Arbeit und Todesangst, dem Beten und Fluchen, der stummen Verzweiflung und der übermenschlichen Anstrengung gegen die in’s Schiffchen strömende Flut – mit Stiefeln und Regendach!

Wie die armen Seelen dankbar sind, wenn man ihnen zu lieb etwas betet, und wie sie den Bettpisser pünktlich vor der Katastrophe wecken, so nehmen sie Beleidigungen groß übel und hat einmal ein Mann, der ihrer wenig erbaulich gedacht, am hellen Tag eine »Humse« aus heiterer Luft erhalten. Knechten und Mägden, die ihrer Pflicht gar zu saumselig nachkommen, ist schon dann und wann in Scheuer und Stall von Seiten des verstorbenen Bauers ähnliches begegnet. Denn der Bauer schaut wegen seiner Kinder nach seinem Sach.

Doch nehmen Viele an, daß die armen Seelen am Orte ihrer früheren Thätigkeit die Strafe absitzen müssen, und daß es daher komme, wenn man zu Zeiten von unsichtbaren Wesen innerhalb der Hofraite Seufzer vernommen. Fast in allen Wallfahrtskapellen befinden sich an einem Gitter ein Leinwandtäschchen, in welchen sich gedruckte Zettel befinden, auf denen verschiedenes zu beten, dem »Wundervizigen«, der hineingreift, aufgegeben wird. Diese Vaterunser oder Stationen kommen den armen Seelen zu gut. (Riedlinger Gegend)

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 282-283, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004567102