88250 Weingarten |

Sagen, Mythen und Geschichten

Welfensage

Ein im Rathause zu Altdorf befindliches Holzgemälde, das die Vorführung von eilf Knaben bei einem solennen Gastmahle des Grafen darstellt, enthält folgende Inschrift:
»Eine unerhörte Historia von dem Ursprung und Namen der Quelphen, vor Zeiten Grafen und Herren zu Altdorff im Allgäu, nachmals Fürsten in Baiern, dergleichen von Anbeginn der Welt nie gehört noch vernommen worden; Isenbard, Graf zu Altdorf, lebt in Anno 780. Seine Gemahlin Irmentrudis brachte auf einmal zwölf Kinder zur Welt und wollte aylffe davon gleich als die junge Hunde lassen in’s Wasser werffen.«
Aehnliche Bilder sah ich mehrere in Oberschwaben, z.B. auch bei Ulm in Delmensingen, die früher, scheint es, verbreiteter gewesen sein müssen.

[Eben, Geschichte von Ravensburg, 1835. I. S. 52. Vgl. Meier, Sg. Nr. 371. 372. Aehnliche Sagen bei Panzer I. S. 7. 19. 30. 100. 134. 335. Müllenhoff, S. 523. Grimm, deutsche Sagen II. Nr. 515. 406b. 571. Wolf, niederl. Sag. Nr. 128. Panzer, I. Nr. 213. II. Nr. 8. (Die Hunt von Dorfheim bei Saalfelden im Pinzgau.) Vgl. Haupts und Hoffmann, altdeutsche Blätter, I. 128. Beachtenswerth sind die Anmerkungen Panzers zu dieser Art Sagen, I. S. 335-341. Ist nicht die Welfensage eines alten Naturcults Ueberrest? Sollte die Zahl zwölf nicht auf die zwölf Monate gehen? Bemerken will ich, daß man die Mühle, in der die eilf Welfen auferzogen worden, jezt noch zeigt, es sei die Griesle-Mühle. An der Fastnacht hat man ehedem diese Geschichte in Weingarten aufgeführt mit den sonderbarsten Sitten aller Art. Vgl. auch die Stammsagen der Hohenzollern und Welfen v.N. Hocker. Düsseldorf 1857. 8°.]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 223, Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565827

Welfensage

Eine weitere Tradition von des Welfennamens Ursprung berichtet: »Isenbard habe während seines Aufenthalts am Hofe Karls des Großen die Nachricht von der Geburt eines Sohnes mit dem Verlangen seiner Gattin erhalten, sobald als möglich nach Hause zurückzukehren. Auf seine Bitte um Urlaub, soll Karl lächelnd geäußert haben: ›Es lohne sich wohl der Mühe, wegen der Geburt eines jungen Welfs so sehr nach Hause zu eilen!‹ Isenbard, schnell besonnen, habe hierauf Karln gebeten, das Kind aus der Taufe zu heben und betheuert, daß er diesen seinen Sohn nicht anders als nach des Kaisers Ausdruck ›Welf‹ nennen werde.«

[Leipziger allgem. hist. Lexikon. Art. »Isenbard«. Bucel. hist. Agilolf. pag. 363. Anonym. Weing. apud Hess pag. 5 et 6. Dieser gibt jedoch nicht an, welcher Kaiser es gewesen sei. Isenbard führt er auch nicht namentlich auf. Eben’s Ravensburg. I S. 54 u. 55.]

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 223-224,Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004565835