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Wikipedia: Altshausen

Wikipedia: Schloss Altshausen

Altshausen: Postkarte um 1900

Sagen, Mythen und Geschichten

Die Hölle

Die Hölle ist eine unterirdische Welt, mit Berg und Thal, Aeckern und Wiesen, Seen und Teichen, mit Häusern und Hausrat. Denn in der Hölle gibt es einen Backofen, eine Küche, Kessel und Häfen; der Teufel hat eine Stube, ja er muß sogar einen Stadel haben, wozu hätte er einen »Mähnebuben«? Ja, mit Gunst zu sagen, hat er sogar einen Abtritt, der ist vor dem Höllenthor, und man sagt etwas, das der Teufel hier mit losen Mäulern thue. Wie man’s an der Stubenthür nicht selten bildlich dargestellt findet, führt eine breite Straße der Hölle zu, Fidler und Schwebelpfeifer voraus, hintendrein hüpft Paar und Paar nach dem Spruch des Kapuziners: »D‘ Schuh rab, der Höll‘ zu!« Denn barfuß tanzt man dem Teufel zu, nach dem Liedlein: »Zum Zipfel, zum Zapfel, zum Hennenloch nein, Alles muß versoffen sein, Strümpf und Schuh, lauft dem Teufel barfuß zu!«

Es gibt aber auch noch Nebenwege in die Hölle. Zum Exempel bei Altshausen, wo ein Schütze in die Erde versunken, in den tiefen »Gumpern« der Donau, in allerlei Weihern und Brunnen, wie im Mummelsee. Tractirt der Teufel seine Unterthanen auch mit der »Schürgabel«, so ist es doch zu Zeiten gar lustig in der Hölle, denn nach dem Volkswitz »kommen alle schönen Mädchen in die Hölle« und laufen ihnen die Buben halt nach. Der Teufel ist gewissermaßen ein Gentleman, denn es gibt Kerls, die er um keinen Preis in seine Sippe aufnimmt – die dem Teufel zu schlecht sind. Man hält den Teufel für dumm, ja man sagt sogar, der und der ist dummer als des Teufels Ranzen am letzen Theil! Nicht minder ist er sehr unfläthig, und es soll von vielen garstigen Verrichtungen, die ihm zugeschrieben werden, gesagt sein, daß er die verdammten Seelen da hineinfahren lasse, wo die neunmalneunundneunzig Schneiderlein dem Bock entfahren.

Der Teufel hat bloß Mutter und Nahne, denn er gehört einem »ledigen Pack«. Die Alte muß keine Schönheit sein, weil man beim Anblicke eines häßlichen Weibes zu sagen pflegt: »Die ist wüster als des Teufels sein‘ Nahne!« Weiters möge vermeldet werden, daß der Satan ein guter Läufer ist, wenigstens sagt man wohl nicht umsonst von einem ausgezeichneten Läufer: »Der lauft dem Teufel ein Ohr weg.« Der Beine halber hält man ihn nicht für so geschickt, dem menschlichen Fuß Aehnliches zu leisten, weßhalb man von sehr unwahrscheinlichen Ereignissen sagt: »Und wenn der Teufel auf Stelzen käm!«

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 262-263, Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000456670X

Vom Uhrsprung, Anfang, Aufbau und Weyhung der heiligen Kreuz-Kappelen etc. bei Altshausen

Nach der Gnadenreichen Geburth Jesu Christi deß Sohns Gottes, und Seligmachers der ganzen Welt, im 1617 Jahr, ist geschehen, daß Wunder-Zeichen, welches noch Manniglich hierum bekannt und sehr wohlbewußt ist, nämlich, da ein sehr gottloser Mensch in dieser Nachbarschaft bewohnt gewesen, welcher aus Eingeben des Teufels und Rath der Schwarz-Künstlerischen Schützen (um Verbother Kunst im Schüssen zu erlangen, täglich 3 gewisse Schüze zu haben.) Sich soweit hat Verführen lassen, das er 3 Samstage Abends unterm Geläut aller Glocken, für die Christ Gläubige Seelen im Fegfeur, Alhier nach dem Bildniß Christi am Kreuz geschossen, zwar am ersten, und andern Samstag das Bild gefählet, aber am 3ten Samstag zwo Kuglen mit solchem Teuflischen Vorsaz geladen, da er die Bildnuß verlezen wölle, wan gleich Christus der Sohn Gottes selbst Leb- und Wahrhaft da hangen solte! Also Zihlete er nach dem Herzen, Schoß, und trafte mit den zwo Kuglen die Bildnuß Christi am Kreuz, unter der Seiten-Wunden: Welche Schußwunde sich gleich Fleisch- und Blut-Farb erzeigete, und der böse Mensch alsbald mit beiden Füssen in die Erde gesunken, seine Verfluchte Fußtridt den Menschen zur Warnung und Gedächtnuß verlassen. Welches alles Vorin, und nach dem Groß, und Lang geführten Krieg; darin sonst alles im Römischen Reich Verwüstet worden, ohnverlezt biß auf den heutigen Tag, nicht ohne Wunder gebliben. – Dessen Allem zur Kundtschaft, wahren Zeugnuß und ewiger Bekräftigung hat im 1660. Jahr Albrecht von Berndorf etc. diese heilige Kreuz-Kappellen ganz neu erbaut.

Quelle: Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 424-425. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004569709